Verstopfung (Obstipation), Ursachen

Die Ursachen für Obstipation sind vielfältig und reichen von harmlosen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen.  In den meisten Fällen kann keine eindeutige Ursache ausgemacht werden.

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Was ist Verstopfung?

  • Von einer Verstopfung wird gesprochen, wenn nur zweimal pro Woche oder seltener ein Stuhlgang erfolgt, dieser hart und/oder klumpig herausgepresst werden muss und/oder das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung besteht.

Häufigkeit

  • Verstopfung tritt sehr häufig auf. Man schätzt, dass bis zu 20 % der Bevölkerung betroffen sind.
  • Etwa 10 % der Bevölkerung verwenden Abführmittel.
  • Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
  • Der Zustand nimmt mit dem Alter zu. Insbesondere bei älteren Menschen kann er ein großes Problem darstellen.

Beurteilung der Verstopfung

  • Hinsichtlich des Stuhlgangverhaltens bestehen große interindividuelle Unterschiede. Was ein Menschen als Verstopfung empfindet, kann ein anderer als normal erachten.
  • Entscheidend ist daher die Wahrnehmung des Patienten, und ob dieser die Stuhlgewohnheiten als belastend wahrnimmt.

Was kann die Ursache für akute Verstopfung sein?

  • Eine akute Verstopfung entsteht häufig infolge einer Krankheit oder Verletzung, die mit Inaktivität, Bettruhe und reduzierter Aufnahme von Flüssigkeit oder festen Nahrungsmitteln einhergeht.
  • Eine Verstopfung kann auf Reisen oder bei anderen Ereignissen auftreten, die zu Veränderungen im Tag-Nacht-Rhythmus (z.B. Schichtarbeit) und der Ernährung führen.
  • Medikamente (s. u.) können ebenfalls eine Verstopfung auslösen.

Was kann die Ursache für chronische Verstopfung sein?

Häufige Ursachen

  • Verstopfung im Erwachsenenalter ohne nachweisbare Ursache (habituelle Obstipation)
    • Dies ist die häufigste Form, bei welcher kein eindeutiger Auslöser ausgemacht werden kann.
    • Man vermutet, dass die Verstopfung in Zusammenhang mit dem westlichen Lebensstil steht. Oft werden eine ballaststoffarme Ernährung, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme und Bewegungsmangel mit Verstopfung in Verbindung gebracht.
  • Reizdarmsyndrom (Irritable Bowel Syndrome, IBS)
    • Hierbei kommt es zu chronischen Magen-Darm-Beschwerden, welche neben einer Verstopfung noch weitere Symptome wie Bauchschmerzen, Völlegefühl und Blähungen umfassen können.
    • Ähnlich wie bei der habituellen Obstipation lässt sich keine Ursache ausmachen.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
    • Viele Medikamente können Verstopfung auslösen. Hierzu zählen unter anderem Diuretika („Wassertabletten"), Antidepressiva, Eisenpräparate, bestimmte Blutdruck-Senker (Kalziumantagonisten) und Schmerzmittel vom Opiat-Typ.
  • Missbrauch von Abführmitteln
    • Die Einnahme von Abführmitteln kann die Zusammensetzung der Blutsalze (Elektrolyte) verändern, wodurch sich die Darmtätigkeit verlangsamt und es zu Verstopfung kommt. In der Folge werden oft noch mehr Abführmittel eingenommen - es entwickelt sich ein Teufeskreis.
  • Depression
    • Neben den bekannten Symptomen wie Niedergeschlagenheit und gedämpfter Stimmung leiden Patienten mit Depression häufig auch unter Verstopfung.
    • Einige Antidepressiva können darüber hinaus Verstopfung auslösen.
  • Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2
    • Bei langjährig bestehendem Diabetes mellitus werden oft die Nerven geschädigt. Sind die Nerven des Magen-Darm-Traktes betroffen, so kann dies zu einer herabgesetzten Darmbeweglichkeit und Verstopfung führen.
  • Schwangerschaft

Seltene Ursachen

  • Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) oder Enddarmkrebs (Rektumkarzinom)
    • Man schätzt, dass etwa 5% der Bevölkerung in ihrem Leben an Darmkrebs erkrankt.
    • Die Erkrankung verläuft häufig längere Zeit symptomfrei. Eine Verstopfung oder Veränderung von Stuhlgewohnheiten können auf Dickdarm- oder Enddarmkrebs hinweisen, insbesondere ab einem Alter von 40 Jahren.
    • Darüber hinaus können eine ungewollte Gewichtsabnahme, Blut im Stuhl und Blässe durch Blutarmut (Anämie) wichtige Anzeichen sein.
  • Andere Darmerkrankungen
    • Andere Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes können zu Obstipation führen. Hierzu zählen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn), Divertikelkrankheit und andere.
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
    • Hierbei wird der gesamte Stoffwechsel heruntergefahren. Im Rahmen dessen nimmt auch die Darmtätigkeit ab und es kommt zu Obstipation.
    • Weitere Symptome sind Müdigkeit, Antriebsschwäche, Kälteempfinden und Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen.
    • Eine Schilddrüsenunterfunktion tritt häufig bei Frauen im mittleren und fortgeschrittenen Alter auf.

Was können Sie selbst tun?

  • Bei einer akuten Verstopfung können verschiedene Abführmittel, Ballaststoffe oder weichmachende Abführmittel verabreicht oder ein Einlauf (Klistier) vorgenommen werden.
  • Bei einer langanhaltenden Verstopfung kann es helfen, einige Lebensgewohnheiten zu ändern. Empfohlen werden eine ballaststoffreiche Ernährung, eine Trinkmenge von 1,5 bis 2 Liter pro Tag und körperliche Aktivität.
  • Auch gute Toilettengewohnheiten können gegen Obstipation helfen. Stuhldrang sollte nicht unterdrückt werden. Einigen Patienten helfen auch feste Toilettenzeiten.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Wenn Sie stark unter den Beschwerden leiden
  • Wenn neben der Verstopfung noch andere Symptome auftreten wie Gewichtsverlust, Blut im Stuhl  oder Schwächegefühl.
  • Wenn sich Ihre Stuhlgewohnheiten ändern und Sie über 40 Jahre alt sind.
  • Wenn über viele Tage gar kein Stuhlgang möglich ist.
  • Wenn Sie Abführmittel dauerhaft anwenden müssen, um eine Darmentleerung zu ermöglichen.

Wie geht der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Der Arzt wird Ihnen möglicherweise folgende Fragen stellen:

  • Seit wann besteht bei Ihnen Verstopfung (Obstipation)?
  • Welches Problem haben Sie beim Stuhlgang?
    • Harter Stuhl?
    • Träger Stuhlgang?
    • Zu seltener Stuhlgang?
    • Das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben?
  • Worin besteht Ihrer Meinung nach die Ursache?
  • Können Veränderungen der täglichen Gewohnheiten und Routinen in der letzten Zeit dahinter stecken?
  • Wechselt der Stuhlgang zwischen normaler und weicher Konsistenz?
  • Wie viel trinken Sie pro Tag?
  • Wie ist Ihre Ernährung zusammengesetzt?
  • Haben Sie Schmerzen oder Beschwerden an der Enddarmöffnung (Anus)? Kommt es bei der Darmentleerung hin und wieder zu Blutungen?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Nehmen Sie Abführmittel ein? Welche?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt wird den Bauch abtasten und den Enddarm mit dem Finger (rektale Fingeruntersuchung) untersuchen.
  • Bei Verdacht auf eine andere zugrundeliegende Krankheit kann eine umfassende Untersuchung notwendig werden.

Andere Untersuchungen

  • Möglicherweise werden Sie gebeten, eine oder mehrere Stuhlproben abzugeben, um diese auf Blut zu untersuchen.
  • Zudem kann eine Spiegelung des unteren Dickdarmbereichs (Rektoskopie) notwendig sein. Möglicherweise ist auch eine Röntgenuntersuchung des Dickdarms oder eine Darmspiegelung (Koloskopie) erforderlich. Diese wird bei einem niedergelassenen Internisten oder Gastro-Enterologen oder in einem Krankenhaus - meist ambulant - durchgeführt.

Weitere Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Obstipation. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Jamshed N, Lee Z-E. Diagnostic approach to chronic constipation in adults. Am Fam Physician 2011; 84: 299-306. www.aafp.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität. Chronische Obstipation bei Erwachsenen. AWMF-Leitlinie Nr. 021-019, Stand 2013. www.awmf.org
  3. Frize B, Büning C. Diarrhö und Obstipation. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage 2016. Thieme-Verlag. S.329f
  4. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 021-016, Stand 2010. www.awmf.org
  5. Müller-Lissner S. Obstipation – Pathophysiologie, Diagnose und Therapie .Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 424-31 www.aerzteblatt.de
  6. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinie 021–007OL, Stand 2017. www.awmf.org
  7. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis. S2k-Leitlinie. AWMF-Leitlinie Nr. 053-046. Stand 2016. www.awmf.org
  8. Schoenfeld P, Lacy BE, Chey WD, et al. Low-Dose Linaclotide (72 mug) for Chronic Idiopathic Constipation: A 12-Week, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Am J Gastroenterol 2018 Jan; 113(1): 105-114. pmid:29091082 PubMed