Zöliakie (Glutenintoleranz)

Bei Zöliakie kommt es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems auf das Klebereiweiß Gluten, welches in vielen Getreidesorten vorkommt. Die Patienten leiden am häufigsten unter chronischem Durchfall. Jedoch kommen auch zahlreiche weitere Symptome, auch außerhalb des Magen-Darm-Traktes, vor. Die Behandlung besteht in einer lebenslangen glutenfreien Ernährung.

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Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung, bei der eine Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß Gluten vorliegt. Dieses ist in vielen gängigen Getreidesorten enthalten und wird über die Nahrung aufgenommen. Das Immunsystem des Körpers richtet sich gegen einen Teil dieses Proteins. Es kommt zu einer Entzündung der Darmschleimhaut, welche die Bürstensäume und Darmzotten zerstört.

Typische Symptome sind Durchfall, Blähungen und Wachstumsstörungen bei Kindern mit Zöliakie. Doch auch eine Vielzahl von weiteren Symptomen kommt vor.

Zöliakie bei Erwachsenen wurde früher auch als „einheimische Sprue" bezeichnet. Abzugrenzen von der Zöliakie ist die Weizenallergie, bei welcher die Nahrungsmittelunverträglichkeit über andere Mechanismen des Immunsystems vermittelt wird, welche aber in den Symptomen den Zöliakie ähneln kann. Außerdem gibt es Unverträglichkeiten von Weizen, welche keiner der beiden Erkrankungen, sondern am ehesten dem Formenkreis des Reizdarmsyndroms zugeordnet werden kann. Man bezeichnet diese auch als (Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-) Weizensensitivität.

Häufigkeit

Man schätzt, dass in Deutschland 0,5-1% der Bevölkerung von Zöliakie betroffen ist. Bei Frauen tritt sie häufiger auf als bei Männern. Da die Krankheit eine starke erbliche Komponente hat, ist sie in verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich häufig. Besonders verbreitet ist sie bei der weißen Bevölkerung sowie unter Menschen arabischer, indischer und pakistanischer Abstammung. Bei Menschen asiatischer und afrikanischer Abstammung tritt sie hingegen sehr selten auf.

Zöliakie tritt meist im Säuglings- und Kleinkindalter das erste Mal auf, kann aber in jedem Alter diagnostiziert werden. Ist ein Verwandter 1. Grades (Elternteil, Kind) betroffen, so beträgt die Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu erkranken 5-10%.

Ursache

Zöliakie Zottenatrophie
Die Schleimhaut des Dünndarms beim Gesunden (links) und bei Zöliakie (rechts). Es kommt zu einer Abflachung der Schleimhautausstülpungen (Zottenatrophie) und Einwanderung von Entzündungszellen.

Die Ursache für Zöliakie liegt in einer Unverträglichkeit des Eiweißes Gluten. Dieses Klebereiweiß kommt in vielen Getreidesorten vor und wird über die Nahrung aufgenommen. Bei Gesunden wird Gluten, wie andere Stoffe aus der Nahrung auch, vom Körper toleriert. Bei Patienten mit Zöliakie wird Gluten vom Körper als etwas potentiell Schädliches wahrgenommen. Das Immunsystem des Körpers versucht, mit einer entzündlichen Reaktion die Glutenpartikel „abzustoßen“. Das körpereigene Abwehrsystem greift dabei den Dünndarm an und zerstört die den Darm auskleidenden Schleimhautzellen (Autoimmunität). Außerdem verschwinden die Schleimhautausstülpungen (Zotten), welche die Darmoberfläche vergrößern, und so die Aufnahme von Nährstoffen steigern (Zottenatrophie, siehe Abbildung). In der Folge ist die Nährstoffaufnahme gestört. Nahrungsbestandteile verbleiben unverdaut im Darm. Es kommt zu Durchfall und Mangelernährung.

Welche Symptome gibt es bei Zöliakie?

Die häufigsten Symptome bei Zöliakie sind Magen-Darm-Beschwerden. Viele Patienten klagen über Durchfall, Blähungen, übelriechenden Stuhl und Bauchschmerzen. Jedoch können Verdauungsbeschwerden auch vollständig fehlen!

Darüber hinaus können eine Vielzahl von Symptomen durch einen Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Eisen, Folsäure, Zink, Kalzium, Vitamin B-12 und anderen Vitaminen ausgelöst werden. Neben einer Gewichtsabnahme zählen hierzu Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche durch Blutarmut (Anämie), Hauterkrankungen (Dermatitis herpatiformis Duhring), Gelenkbeschwerden und Osteoporose. Es gibt keine Erscheinungen, die eine Zöliakie ausschließen - auch Übergewicht und Verstopfung kann vorkommen.

Kinder, bei welchen eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen besonders wichtig ist, wachsen mitunter auch schlechter und entwickeln sich langsamer. Auch kann die Pubertät verspätet eintreten.

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

In den meisten Fällen lenken oben genannte Symptome den Verdacht auf Zöliakie. Lediglich wenn Familienmitglieder von der Erkrankung betroffen sind, wird gezielt nach der Erkrankung gesucht, auch wenn keine typischen Symptome bestehen.

Die Diagnose setzt sich zusammen aus Bluttests, Gewebeproben, welche im Rahmen einer Darmspiegelung entnommen werden, und einer Besserung unter einer glutenfreien Ernährung.

In Blutuntersuchungen werden vom Körper produzierte Antikörper, welche gegen Gluten gerichtet sind, gesucht. Zudem wird ermittelt, ob genetische Varianten vorliegen, bei welchen Zöliakie gehäuft vorkommt. In der Apotheke sind auch frei verkäufliche Tests auf Antikörper erhältlich, welche als selbstständig durchführbarer Schnelltest beworben werden. Da die Zuverlässigkeit dieser Tests oft unklar ist und ihre Interpretation schwierig sein kann, wird von ihrer Verwendung abgeraten.

In den meisten Fällen wird bei Verdacht auf Zöliakie außerdem eine Magen-/Dünndarmspiegelung durchgeführt. In Gewebeproben lässt sich typischerweise eine Entzündung der Darmwand nachweisen, sowie die oben beschriebene Zottenatrophie. Bei Kindern wird die Untersuchung unter Narkose oder unter stark sedierenden Medikamenten durchgeführt. In einigen Fällen, wenn Bluttests und Symptome typisch sind und eine Besserung nach Glutenverzicht eintritt, kann auch auf Gewebeproben verzichtet werden.  

Wichtig ist, dass die Untersuchungen durchgeführt werden, wenn die Nahrung Gluten beinhaltet. Unter glutenfreier Ernährung normalisieren sich die Befunde, und die Untersuchungen ergeben trotz Zöliakie negative Ergebnisse.

Steht die Diagnose Zöliakie fest, werden oft weitere Untersuchungen auf Mangelernährungen durchgeführt. Auch eine Knochendichtemessung zum Ausschluss einer Osteoporose kann sinnvoll sein.

Wie wird Zöliakie behandelt?

Die Behandlung einer Zöliakie erfolgt mittels einer glutenfreien Ernährung. Diese sollte dauerhaft erfolgen, da die Unverträglichkeit ein Leben lang fortbesteht. Gluten ist unter anderem in folgenden Getreidesorten, und somit in den hieraus produzierten Produkten, enthalten:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Grünkern

Als glutenfrei gelten hingegen:

  • Kartoffeln
  • Mais
  • Reis
  • Hirse
  • Quinoa
  • Amaranth
  • Buchweizen

Hafer ist glutenfrei, jedoch oft mit anderen, glutenhaltigen Getreidesorten verunreinigt. Daher sollte nur als reiner oder glutenfrei gekennzeichneter Hafer zugeführt werden. Ein Ernährungsberater kann detaillierte Informationen über eine glutenfreie Ernährung geben.

In den ersten drei Monaten der Behandlung kann eine laktosereduzierte oder laktosefreie Ernährung vorteilhaft sein, da einige Patienten in Folge der Zöliakie eine vorübergehende Laktoseintoleranz entwickeln. Außerdem kann es anfangs nötig sein Eisenpräparate und Zusätze von fettlöslichen Vitaminen, insbesondere A- und D-Vitamine, zuzuführen, um Mangelzustände auszugleichen.

Es gibt keine Medikamente, die als Alternative zur glutenfreien Ernährung eingesetzt werden. Die Menge an Gluten, die Patienten mit Zöliakie vertragen, ist sehr gering: Man hat ermittelt, dass weniger als 10mg Gluten pro Tag zugeführt werden dürfen, um Schleimhautschäden zu verhindern. Dies entspricht etwa 10 Brotbröseln, einem Drittel eines Croutons oder einem Teil einer Nudel.

Sind Kontrolluntersuchungen notwendig?

Es werden regelmäßige Kontrollen bei Gastro-Enterologen empfohlen. Für Kinder gibt es pädiatrische Gastro-Enterologen. Im Rahmen der Kontrollbesuche wird die Ernährung diskutiert. Unter Umständen werden auch Antikörperspiegel bestimmt. Eine erneute Magenspiegelung mit Probenentnahme wird meist nur bei Fortbestehen oder Wiederauftreten von Beschwerden durchgeführt.

Vielen Patienten hilft außerdem der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen. Ansprechpartner vermittelt beispielsweise die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V., welche außerdem Ratschläge zur Ernährung bereithält und eine Beratung durch Ernährungsfachkräfte anbietet.

Wie entwickelt sich die Erkrankung im Laufe der Zeit?

Unter konsequent glutenfreier Ernährung bessern sich bei den meisten Patienten mit Zöliakie die Symptome innerhalb weniger Wochen. In Gewebeproben lässt sich wenige Monate später in der Regel keine Schädigung der Schleimhaut mehr nachweisen.
Patienten mit unbehandelter Zöliakie tragen ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie Osteoporose, Lymphdrüsenkrebs (Lymphom), Infertilität und Depression. Dieses sinkt unter glutenfreier Diät auf das Risiko von Gesunden ab.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Zöliakie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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