Dissoziative Störungen

Zusammenfassung

  • Definition: Ein Spektrum psychischer Störungen, gekennzeichnet durch den Verlust von Erinnerungsintegration, Identitätsbewusstsein, Körperempfindungen oder -beweglichkeit, im meist direkten Zusammenhang mit einem vorausgehenden traumatischen Ereignis, psychischen oder interpersonalen Konflikten.
  • Häufigkeit: Die Dunkelziffer der dissoziativen Störungen ist wahrscheinlich sehr hoch. Die häufigste Variante der Erkrankung (nicht-epileptische Anfälle) zeigt eine Prävalenz im Bereich von 2–33/100.000.
  • Symptome: Häufig Krampfanfälle oder neuroanatomisch nicht plausible sensorische oder motorische Ausfälle. Seltener Amnesie, Stupor, Trancezustände, Denk- oder Identitätsstörungen. Die Symptome spiegeln oft die subjektiven medizinischen Erklärungsmodelle der Patienten wider.
  • Befunde: Je nach Störungsbild treten Symptome auf, die neurologischen Erkrankungen ähnlich sind, sich bei weiterer Untersuchung aber als inkongruent zu Neuroanatomie und -physiologie erweisen. Normale Reflexe und bei abgelenkten Patienten auch normale Gang-, Stand- und Kraftprüfungen. Bei dissoziativen Krampfanfällen in der Regel fehlender Zungenbiss, keine deutlichen intra- und postiktalen Bewusstseinsstörungen und normales EEG.
  • Diagnostik: Die Dissoziation ist im Wesentlichen eine Ausschlussdiagnose. Häufig kann sie bereits aufgrund der Anamnese, ggf. ergänzt durch standardisierte Testverfahren, und körperlichen Untersuchung einschließlich neurologischer Untersuchung gestellt werden. Bei entsprechenden Hinweisen auf eine Organerkrankung sind ggf. Blut- und Liquoruntersuchungen, MRT und kardiologische Abklärung erforderlich. Zur zuverlässigen Abgrenzung dissoziativer von epileptischen Krampfanfällen ist das Video-EEG-Monitoring geeignet.
  • Therapie: Verschiedene Formen der Psychotherapie einschließlich psychodynamischer, verhaltenstherapeutischer und hypnotherapeutischer Verfahren kommen infrage. Medikamentöse Behandlung nur in ausgewählten Fällen ergänzend zur Behandlung evtl. begleitender psychischer Störungen, z. B. bei Patienten mit Depressionen, bei denen eine psychotherapeutische Behandlung allein nicht ausreicht.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Dissoziative Störungen, Synonym „Konversionsstörungen“
    • Ältere, nicht mehr gebräuchliche Bezeichnungen: Hysterie, hysterische Psychose, hysterische Anfälle, Konversionshysterie, Konversionsneurose
    • Zu Abgrenzung dissoziativer gegenüber neurologisch bedingten Krampfanfällen bisweilen verwendet:
      • pseudoepileptische Anfälle, funktionelle oder psychische Anfälle
      • Der adäquateste Begriff ist nicht-epileptische Anfälle (Psychogenic Non-Epileptic Seizures, PNES). „PNES" sind nur eine Beschreibung der Symptome und bezeichnen keine eigenständige Erkrankung.
  • Nach ICD-10 unterscheidet man folgende Formen (Näheres siehe Abschnitt Diagnostische Kriterien):
    • Dissoziative Amnesie
    • Dissoziative Fugue
    • Dissoziativer Stupor
    • Trance- und Besessenheitszustände
    • Dissoziative Bewegungsstörungen
    • Dissoziative Krampfanfälle
    • Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
    • Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen), gemischt
    • Sonstige dissoziative Störungen (Konversionsstörungen).

Diagnostik

Therapie

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlaufskontrolle

Patienteninformationen