Subduralhämatom

Ein Subduralhämatom ist eine Blutansammlung, die zwischen zwei Hirnhäuten auftritt und meist durch eine Kopfverletzung oder einen Sturz verursacht wird. Neben einer akuten Form mit Bewusstseinsverlust gibt es eine chronische Form, deren Symptome sich über Wochen entwickeln können. Zur Behandlung eines Subduralhämatoms ist in den meisten Fällen eine Operation notwendig.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist ein Subduralhämatom?

Ein Subduralhämatom bezeichnet eine Blutansammlung zwischen zwei Schichten der Hirnhäute, der Dura mater und der Arachnoidea, die das Gehirn umgeben. Eine solche Blutung entsteht in erster Linie durch schwere Kopfverletzungen. Gerade bei älteren Menschen können aber auch scheinbar leichte Verletzungen oder Stürze, sogenannte Bagatelltraumen, ausreichen, um ein Subduralhämatom zu verursachen. Abhängig vom zeitlichen Verlauf der Blutung unterscheidet man ein akutes Subduralhämatom, das innerhalb von Stunden bis Tagen nach einem Unfall zu Symptomen führt, und ein chronisches Subduralhämatom, das sich über mehrere Wochen entwickeln kann. Nicht selten können sich die Betroffenen in einem solchen Fall nicht mehr an das auslösende Unfallereignis erinnern.

Die Häufigkeit eines Subduralhämatoms liegt bei etwa fünf Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr. Besonders gefährdet sind dabei ältere und alkoholkranke Menschen. Im Alter zwischen 70 und 79 tritt ein Subduralhämatom 5-fach häufiger auf. 

Symptome

Wenn sich die Blutung ausdehnt und sich somit der Druck auf das Gehirn erhöht, kann es zu vielfältigen Symptomen kommen. Im Falle eines akuten Subduralhämatoms kommt es meistens zu einer raschen Beeinträchtigung des Bewusstseins bis hin zum komatösen Zustand.

Ein chronisches Subduralhämatom kann sich hingegen vielfältiger äußern. Die Symptome entwickeln sich meist schleichend und können mitunter erst Wochen nach der Kopfverletzung in Erscheinung treten. Ein häufiges Symptom sind Kopfschmerzen. Daneben berichten Betroffene oft über diffuse Symptome wie Konzentrationsschwäche, Müdigkeit oder Verwirrung. Die Ausprägung der Symptome schwankt häufig im Verlauf einiger Tage. Seltenere Symptome sind Lähmungen oder Sprachstörungen.

Diagnostik

Der Verdacht auf ein Subduralhämatom ergibt sich aus den beschriebenen Symptomen und einer zurückliegenden Kopfverletzung. Viele Betroffene können sich jedoch nicht an eine Verletzung erinnern. Nach einer ärztlichen Untersuchung auf neurologische Symptome erfolgt in den meisten Fällen eine Computertomografie (CT) des Kopfes, mit der sich mögliche Blutungen gut darstellen lassen. Zudem lässt sich durch die bildgebende Ursache beurteilen, ob es sich um eine frische Verletzung oder ältere Blutung handelt.

Behandlung

Bei dem Verdacht auf ein Subduralhämatom sollte eine dringende Einweisung ins Krankenhaus erfolgen. Wenn sich dieser Verdacht bestätigt, muss eine dringende Behandlung erwogen werden, um lebensbedrohliche Schäden am Gehirn zu vermeiden. In den meisten Fällen ist hierzu eine Operation nötig, um die Blutung zu beseitigen und so den Druck auf das Gehirn zu entlasten. Heutzutage erfolgt diese neurochirurgische Operation häufig über ein kleines Bohrloch in der Schädeldecke. Nach der Entfernung der Blutansammlung wird eine Drainage gelegt, die verhindert, dass das Hämatom sich erneut füllt. In 75–90 % führt die Operation zu guten Ergebnissen.

Bei kleinen Subduralhämatomen, die keine Symptome verursachen, kann unter Umständen mit der Behandlung abgewartet werden. Der Patient muss aber regelmäßig mithilfe von CT-Aufnahmen beobachtet werden.

Prognose

Die Prognose eines Subduralhämatoms hängt von der Größe und dem Verlauf der Symptome ab. Ein akutes Subduralhämatom ist meist bedrohlicher und erfordert eine dringende Behandlung. Kleine, chronische Hämatome können spontan verschwinden. Wenn ein Hämatom früh behandelt wird, ist die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung groß. Das Risiko für bleibende Schäden ist bei jüngeren Personen geringer. Nach einer Behandlung sind regelmäßige neurologische Kontrollen wichtig, um ein Wiederauftreten der Blutung auszuschließen. Ohne Behandlung kann ein großes Hämatom lebensbedrohlich werden.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Subdurales Hämatom
Subdurales Hämatom

Autor

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Subduralhämatom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie. Schädel-Hirn-Trauma im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinie Nr. 008-001, Stand 2015. www.awmf.org
  2. Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin. Das Schädel-Hirn-Trauma im Kindesalter. AWMF-Leitlinie Nr. 024-018, Stand 2011. www.awmf.org
  3. Meagher RJ. Subdural hematoma. Medscape, last updated Jan 08, 2015. emedicine.medscape.com
  4. Katano H, Kamiya K, Mase M, Tanikawa M, Yamada K. Tissue plasminogen activator in chronic subdural hematomas as a predictor of recurrence. J Neurosurg. 2006 Jan. 104(1):79-84. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Gaist D, Rodríguez LAG, Hellfritzsch M, et al. Association of antithrombotic drug use with subdural hematoma risk. JAMA 2017; 317: 836-46. doi:10.1001/jama.2017.0639 DOI
  6. Maurice-Williams RS. Chronic subdural haematoma: an everyday problem for the neurosurgeon. Br J Neurosurg 1999; 13: 547-9. PubMed
  7. Scotti G, Terbrugge K, Melancon D et al. Evaluation of the age of subdural hematomas by computerized tomography. J Neurosurg 1977; 47: 311-5. PubMed
  8. Kostanian V, Choi JC, Liker MA et al. Computed tomographic characteristics of chronic subdural hematomas. Neurosurg Clin N Am 2000; 11: 479-89. PubMed
  9. Harhangi BS, Kompanje EJ, Leebeek FW, et al. Coagulation disorders after traumatic brain injury. Acta Neurochir (Wien) 2008;150:165-175. www.ncbi.nlm.nih.gov
  10. Naganuma H, Fukamachi A, Kawakami M et al. Spontaneous resolution of chronic subdural hematomas. Neurosurgery 1986; 19: 794-8. PubMed
  11. Gjerris F, Schmidt K. Chronic subdural hematoma. Surgery or mannitol treatment. J Neurosurg 1974; 40: 639-42. PubMed
  12. Santarius T, Kirkpatrick PJ, Ganesan D, et al. Use of drains versus no drains after burr-hole evacuation of chronic subdural haematoma: a randomised controlled trial. Lancet 2009;374:1067-1073. PubMed
  13. Iwabuchi T, Sekiya T, Suzuki S. Neurosurgical aspects of the parietal boss in patients with chronic subdural hematomas. Neurosurgery 1981; 9: 531-4. PubMed
  14. Benzel EC, Bridges RM Jr, Hadden TA et al. The single burr hole technique for the evacuation of non-acute subdural hematomas. J Trauma 1994; 36: 190-4. PubMed
  15. Nakaguchi H, Tanishima T, Yoshimasu N. Relationship between drainage catheter location and postoperative recurrence of chronic subdural hematoma after burr-hole irrigation and closed-system drainage. J Neurosurg 2000; 93: 791-5. PubMed
  16. Kotwica Z. Treatment of chronic subdural hematoma by burr holes and closed-system drainage. Neurosurg Clin N Am 2000; 11: 503-5. PubMed
  17. Okada Y, Akai T, Okamoto K et al. A comparative study of the treatment of chronic subdural hematoma--burr hole drainage versus burr hole irrigation. Surg Neurol 2002; 57: 405-9. PubMed
  18. Weisse A, Berney J. Chronic subdural haematomas. Results of a closed drainage method in adults. Acta Neurochir (Wien) 1994; 127: 37-40. www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Hennig R, Kloster R. Burr hole evacuation of chronic subdural haematomas followed by continuous inflow and outflow irrigation. Acta Neurochir (Wien) 1999; 141: 171-6. www.ncbi.nlm.nih.gov
  20. Krupp WF, Jans PJ. Treatment of chronic subdural haematoma with burr-hole craniostomy and closed drainage. Br J Neurosurg 1995; 9: 619-27. PubMed
  21. Mellergard P, Wisten O. Operations and re-operations for chronic subdural haematomas during a 25-year period in a well defined population. Acta Neurochir (Wien) 1996; 138: 708-13. link.springer.com