Belastungskopfschmerz

Belastungskopfschmerzen werden durch körperliche Anstrengung ausgelöst.

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Was sind Belastungskopfschmerzen?

Belastungskopfschmerzen sind Kopfschmerzen, die durch körperliche Anstrengung ausgelöst werden. 

Es handelt sich um eine verhältnismäßig seltene und in der Regel ungefährliche Störung, die nicht mit einer Grunderkrankung in Zusammenhang steht. Es ist nicht ganz bekannt, wie häufig diese Art von Kopfschmerzen auftritt, Studien deuten aber darauf hin, dass etwa 1 -10 % der körperlich aktiven Erwachsenen betroffen ist. Diese Art von Kopfschmerzen tritt meist bei jungen Menschen erstmalig auf.  

Merkmale von Belastungskopfschmerzen

  • Die Kopfschmerzen werden in der Regel als pulsierend beschrieben.
  • Sie machen sich im Zusammenhang mit oder kurz nach einer körperlichen Anstrengung bemerkbar.
  • Meist treten die Schmerzen beidseitig auf.
  • Typischerweise sind von diesem Kopfschmerztyp ansonsten gesunde Personen betroffen. Außerdem unterscheidet sich dieser Kopfschmerztyp von anderen Kopfschmerzen, die die Betroffenen möglicherweise in der Vergangenheit erlebt haben.
  • Belastungskopfschmerzen sind in der Regel von kurzer Dauer und klingen nach Ende der anstrengenden Aktivitäten ab. Der Kopfschmerz kann weniger als fünf Minuten dauern, es gibt aber auch Patienten, bei denen die Schmerzen über mehrere Stunden, bis zu maximal zwei Tagen angehalten haben.
  • Auch bei Menschen mit einer Grunderkrankung, wie beispielsweise einer Herzkrankheit, können Anstrengungen Kopfschmerzen verursachen. In solchen Fällen sollten die Kopfschmerzen im Kontext der Grunderkrankungen beurteilt und entsprechend behandelt werden.

Ursache

Die Ursache ist unbekannt. Zugrunde liegenden Veränderungen im Gehirn wurden nicht nachgewiesen. Die Kopfschmerzen sind wahrscheinlich auf einen vorübergehend erhöhten Druck im Kopf zurückzuführen. Eine andere Hypothese vermutet einen gestörten Blutrückfluss über die Kopfvenen bei Anstrengung.

Auch wenn generell jede Aktivität belastungsbedingte Kopfschmerzen auslösen kann, sind bestimmte Aktivitäten häufiger als andere für die Kopfschmerzen verantwortlich. Beispiele hierfür sind Gewichtheben, Laufen, Rudern, Tennis, Schwimmen. Leichte Aktivitäten wie Spazierengehen führen selten zu dieser Art von Kopfschmerzen. Risikofaktoren für Belastungskopfschmerzen:

  • Beginn eines intensiven Trainings.
  • Anstrengendes Training bei hohen Temperaturen.
  • Training in großer Höhe.
  • Menschen, die unter Migräne leiden, oder bei denen eine familiäre Häufung von Migräne zu beobachten ist, scheinen überdurchschnittlich häufig von belastungsbedingten Kopfschmerzen betroffen zu sein.

Verlauf

Der Schmerz tritt oft akut und in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung auf. 

Der Kopfschmerz wird in der Regel als pulsierend beschrieben und macht sich beidseitig des Kopfes oder gelegentlich am Hinterkopf bemerkbar. Es gibt sowohl kurzfristige als auch langfristige Formen und die Kopfschmerzen können von fünf Minuten bis zu zwei Tagen anhalten.

Diagnose

Die Anamnese weist typische Merkmale auf. Bei der ärztlichen Untersuchung werden keine Anzeichen für eine Krankheit aufgedeckt. Bei der ersten Attacke ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die körperliche Aktivität abzubrechen.

Es gibt noch andere Krankheiten, die ebenfalls mit plötzlichen und intensiven Kopfschmerzen beginnen können. Bei akuter Hirnblutung (Subarachnoidalblutung) werden die Kopfschmerzen in der Regel von Übelkeit und Erbrechen begleitet, die Symptome sind ausgesprochen heftig und es können Bewusstseinsveränderungen auftreten. Bei erstmalig auftretenden, besonders intensiven und lang anhaltenden belastungsbedingten Kopfschmerzattacken, ist es ratsam, ärztliche Hilfe zu suchen!

Falls die Betroffenen die Schmerzen wiedererkennen, da sie bereits in der Vergangenheit unter solchen Schmerzen gelitten haben, besteht wiederum kein Grund zur Sorge.

Therapie

Therapieziel ist die Verringerung von Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzattacken. Die Dauer der Kopfschmerzen kann häufig abgekürzt werden, wenn die auslösende Aktivität abgebrochen wird, sobald der Schmerz einsetzt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Betroffene mehrere Male über einen gewissen Zeitraum unter ähnlichen Schmerzen leiden. Insgesamt besteht aber die Tendenz, dass die Schmerzen im Verlauf einiger Wochen oder Monate verschwinden. Während dieses Zeitraums können die Betroffenen versuchen, ihr Aktivitätsniveau allmählich wieder zu steigern. Durch ein behutsames Training und die Vermeidung von Training bei hohen Temperaturen oder in großer Höhe können die Betroffenen belastungsbedingten Kopfschmerzen vorbeugen. Auch ein leichtes Aufwärmen vor der eigentlichen anstrengenden Aktivität kann hilfreich sein.

Belastungsbedingte Kopfschmerzen können mit Medikamenten behandelt werden. NSAR wie Indometacin oder Naproxen sind in der Regel wirksam und können außerdem vorbeugend 30 bis 60 Minuten vor Beginn der körperlichen Aktivitäten eingenommen werden.

Die Krankheit ist schmerzhaft, aber harmlos. Die Beschwerden verschwinden in aller Regel nach einer Weile von alleine, und es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Attacken ein erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen bergen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Anstrengungskopfschmerz. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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