Cluster-Kopfschmerz

Der Cluster-Kopfschmerz ist eine seltene, aber schwerwiegende Kopfschmerzerkrankung geprägt von heftigen, schneidenden oder explosionsartigen Kopfschmerzen, die in immer wiederkehrenden Attacken auftreten. Meist sitzt der Schmerz hinter einem Auge.

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Was sind Cluster-Kopfschmerzen?

Heftige Schmerzattacken, in der Regel hinter einem Auge auftretend
Heftige Schmerzattacken, in der Regel hinter einem Auge auftretend

Cluster-Kopfschmerzen sind heftige Schmerzattacken, die meist hinter einem Auge lokalisiert sind. Sie treten in der Regel gehäuft (in Clustern) in Form von 1–4 Attacken pro Tag über einen Zeitraum von 4–12 Wochen auf. Der Schmerz ist einseitig, wobei die Dauer des einzelnen Anfalls ohne Behandlung in der Regel zwischen 15 Minuten und 3 Stunden beträgt. Er ist sehr heftig und hat einen schneidenden oder explosionsartigen Charakter. Zwischen den einzelnen Anfällen hat der Patient in der Regel keine Kopfschmerzen.

Als Folgeerscheinung der Kopfschmerzen macht sich mindestens ein weiteres Symptom bemerkbar wie rote Augen, Tränenfluss, verstopfte Nase, laufende Nase, Schwitzen im Bereich der Stirn und des Gesichts, eine verengte Pupille oder ein hängendes Augenlid auf der Schmerzseite. Lichtempfindlichkeit, Nervosität und Unruhe während der Anfälle sind ebenfalls verbreitet.

Der Cluster-Kopfschmerz ist eine seltene Erkrankung. Männer sind dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Sie tritt meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren erstmals auf, bei Frauen tendenziell etwas später. Etwa einer von sechs (10–20 %) der betroffenen Patienten leidet unter einer chronischen Form der Krankheit, bei der es keine oder nur kurze anfallsfreie Zeiträume gibt.

Ursachen

Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Man weiß jedoch, dass eine Fehlfunktion des nicht willensgesteuerten (autonomen) Nervensystems einen Teil des Krankheitsmechanismus darstellt. Es scheint eine Fehlregulation im Gehirn ursächlich zu sein. Es treten tages- und jahreszeitliche Häufungen von Cluster-Kopfschmerzepisoden auf, die auch eine hormonelle Fehlregulation nahelegen. 

Ein Verwandter ersten Grades mit Cluster-Kopfschmerzen erhöht das Risiko der Erkrankung um das etwa 18-fache. Der Cluster-Kopfschmerz stellt nicht das Symptom einer anderen Grunderkrankung dar.

Die Anfälle können durch Alkohol, Rauchen, Histamin (ein Botenstoff, der mit allergischen Reaktionen in Verbindung gebracht wird) und Nitroglyzerin ausgelöst werden. Nitroglyzerin ist ein Herzmedikament, das z. B. bei Angina pectoris eingesetzt wird.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf der Grundlage des typischen Krankheitsverlaufs und der Befunde während der Attacken gestellt. Zwischen den Anfällen ist nichts Ungewöhnliches zu finden.

Blutuntersuchungen können die Krankheit nicht nachweisen, bei unklarer Diagnose kann jedoch eine MRT des Gehirns sinnvoll sein, um andere Ursachen auszuschließen.

Therapie

Ziel der Behandlung ist die Schmerzlinderung während der Attacken und die Vormeidung weiterer Attacken.

Medikamente können bei akuten Anfällen und zur Vorbeugung eingesetzt werden. Die am häufigsten verwendeten Mittel zur Akutbehandlung sind Triptane. Die beste Wirkung erreicht man, indem man das Präparat in Form einer Spritze unter die Haut verabreicht. Alternativ kann ein Nasenspray genutzt werden, es benötigt jedoch länger, um eine Wirkung zu erreichen. Triptane wirken gut – sie verringern sowohl die Intensität als auch die Dauer der Attacke. Das Präparat muss in Phasen mit häufigen Attacken jedoch täglich eingenommen werden. Auf einen Übergebrauch der Triptane, was wiederum einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz auslösen kann, muss geachtet werden. Triptane können nicht bei einer bekannten koronaren Herzerkrankung oder einem nicht ausreichend behandeltem Bluthochdruck eingesetzt werden.

Die Behandlung mit Sauerstoff über eine Maske für etwa 15 Minuten kann bei vielen Patienten den Schmerz zu lindern oder ganz zu beseitigen. Sie ist jedoch etwas unpraktisch (man braucht eine Sauerstoff-Flasche), dafür aber kostengünstig und ungefährlich. Die Wirkung kann gesteigert werden, indem man die Behandlung mit Triptan und Sauerstoff kombiniert.

Wenn die Phasen der Anfälle häufig sind oder der Cluster-Kopfschmerz chronisch wird, ist eine vorbeugende Behandlung erforderlich. Hierbei werden andere Medikamente als bei der akuten Behandlung eingesetzt.

Beachten Sie, dass Alkohol, Rauchen und Nitroglycerin (in Medikamenten zur Behandlung von Angina pectoris) Anfälle auslösen können.

Prognose

Die Symptome sind in der Regel von Mal zu Mal gleichbleibend, der erste Anfall einer Phase kann jedoch besonders schmerzhaft sein. Die Anfälle kommen oft zur gleichen Tageszeit. Zwischen den Anfällen ist man völlig schmerzfrei. Die Phasen mit täglichen Kopfschmerzen können Wochen bis Monate dauern.

Die meisten Patienten haben lange Phasen ohne Anfälle, die einige Monate bis Jahre andauern können. Etwa 10 bis 15 % leiden unter der chronischen Form mit nahezu täglichen Anfällen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.

In der Regel werden Cluster-Kopfschmerzen mit zunehmendem Alter besser.

Mit der Krankheit leben

Wer von Cluster-Kopfschmerz betroffen ist, sollte in den Phasen der Schmerzattacken Alkohol vermeiden. Es ist hilfreich zu wissen, dass die Schmerzen – selbst wenn sie intensiv sind – nicht zu Schäden führen oder sonstige negative Folgen für die allgemeine Gesundheit haben.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Cluster-Kopfschmerz. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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