Kopfschmerzen bei Kindern

Kopfschmerzen kommen häufig im Kindes- und Jugendalter vor. Auch wiederkehrende Kopfschmerzen sind keine Seltenheit. Die häufigsten Kopfschmerzarten bei Kindern und Jugendlichen sind die Spannungskopfschmerzen und die Migräne.

Kopfschmerzen treten bei Kindern sehr häufig auf. Dabei leidet etwa eines von fünf Kindern im Alter von 12–14 Jahren an wiederkehrenden Kopfschmerzen. Chronische tägliche Kopfschmerzen (an mehr als 15 Tagen pro Monat) liegen bei etwa 0,5 % aller Kinder und Jugendlichen vor.

Die häufigsten wiederkehrenden Kopfschmerzarten bei Kindern sind:

Kopfschmerzen können auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen stehen.

Spannungskopfschmerzen bei Kindern

Spannungskopfschmerzen werden häufig als drückend oder beengend empfunden. Der Schmerz tritt fast immer beidseitig auf. Einige Patienten beschreiben das Gefühl, als sei ein Band um den Kopf gelegt. „Schraubstock-" oder „Helmgefühle" sind ebenfalls charakteristisch. Oft werden die Kopfschmerzen durch Stress ausgelöst und nehmen im Laufe des Tages allmählich an Intensität zu. Nur selten beginnen Spannungskopfschmerzen bereits am Morgen. Manche Betroffene klagen auch über Übelkeit und Licht- und Geräuschempfindlichkeit, wobei diese Beschwerden nicht so dominant sind wie bei der Migräne. Begleitender Schwindel ist nicht ungewöhnlich, Erbrechen wird jedoch im Zusammenhang mit dieser Art von Kopfschmerzen selten beobachtet.

2 bis 3 von 100 Kindern sind im Vorschulalter von Spannungskopfschmerzen betroffen. Der Anteil der betroffenen Kinder steigt mit dem Alter. Spannungskopfschmerzen stellen bei älteren Kindern die häufigste Form von Kopfschmerzen dar.

Die meisten Kinder nehmen trotz Spannungskopfschmerzen am Schulunterricht oder an Freizeitaktivitäten teil. Die Kopfschmerzen werden nicht durch körperliche Aktivität verstärkt und der Appetit ist für gewöhnlich nicht beeinträchtigt.

Migräne bei Kindern

3–7 % aller Kinder waren bereits mindestens einmal von einer Migräne betroffen. Die meisten von ihnen erleiden mindestens einmal im Monat einen Migräneanfall. Die Migräne beginnt in der Regel im Alter von etwa zehn Jahren, aber auch kleine Kinder können bereits betroffen sein.

Migräne tritt familiär gehäuft auf. Kinder, die im Alter von zehn Jahren oder jünger Migräneanfälle erleiden, haben oft mehrere Familienmitglieder (in erster Linie die Eltern), die von dieser Kopfschmerzart betroffen sind.

Bei Kindern sind die Anfälle meist von kurzer Dauer. In mehr als 50 % der Fälle sind sie nach weniger als zwei Stunden vorüber.

Ursächlich für die Migräne ist wahrscheinlich die Erweiterung und die anschließende Verengung der Blutgefäße des Kopfes. Die Kopfschmerzen sind in der Regel seitlich, meist einseitig, lokalisiert. Der Schmerz wird von Kindern oft als drückend beschrieben. Im Erwachsenenalter werden die Schmerzen hingegen eher als pulsierend oder pochend wahrgenommen. Die klassische Aura (vorübergehende Symptome, die der Migräneattacke vorausgehen) kann vorkommen, ist aber nicht zwingend vorhanden. Bei vielen Kindern kommt es im Zusammenhang mit den Migräneattacken zu Bauchschmerzen. Bei einigen stellen Bauchschmerzen sogar das einzige Symptom der Migräne dar. Die Kopfschmerzen werden in der Regel durch körperliche Aktivität verstärkt und sind oft von Übelkeit/Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Schlaf hat auf die meisten Kinder mit Migräne eine lindernde Wirkung.

Migräneanfälle werden in mehrere Phasen eingeteilt:

  • Die Früh- oder Prodromalphase beginnt in der Regel mehrere Stunden vor Eintreten der Schmerzen. Das Kind ist in dieser Situation müde, empfindet ein leichtes Unwohlsein oder hat ungewöhnlich großen Hunger.
  • Die Aura-Phase tritt bei Kindern meist nicht besonders deutlich in Erscheinung. Sie entwickelt sich über 5–20 Minuten und hält weniger als 60 Minuten an. Die Aura empfinden Kinder häufig als beängstigend; sie nehmen flimmernde Lichtpunkte wahr, klagen über Schwindel oder Kribbeln in einer Hand, im Arm oder im Gesicht. In Einzelfällen können Lähmungen oder eine Sprachstörung auftreten.
  • Die Kopfschmerzphase macht sich mit mäßigen bis starken, oft einseitigen Kopfschmerzen bemerkbar. Sie werden von Kindern meist als drückend wahrgenommen. Bei Erwachsenen äußern sie sich eher pulsierend oder pochend. Der Schmerz kann hinter dem Auge oder der Schläfe lokalisiert sein. Bei anderen Personen tritt er diffus über beide Kopfseiten verteilt auf, ist jedoch selten im Hinterkopf lokalisiert. Das Kind reagiert unter Umständen empfindlich auf helles Licht und laute Geräusche. In einigen Fällen wird der Schmerz von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Typischerweise haben Kinder während einer Migräneattacke das Bedürfnis, sich hinzulegen und auszuruhen, vorzugsweise in einem abgedunkelten Raum. Migräneattacken gehen oft mit einem verminderten Appetit einher. Schlaf wirkt sich oft lindernd bei Migräneattacken aus. Viele Kinder fühlen sich nach dem Aufwachen erheblich besser.
  • Die Erholungs- oder Rückbildungsphase kann einige Stunden dauern. Die Kinder fühlen sich meist müde, schlapp und reizbar. Die Konzentrationsfähigkeit kann vermindert sein.

Lesen Sie mehr über die Migräne.

Was löst die Kopfschmerzen aus?

Die Auslöser für die Kopfschmerzen können individuell unterschiedlich sein. Mögliche Auslöser können sein:

  • Stress/Anspannung: Der Anfall kann einsetzen, wenn sich das Kind nach einer Belastung entspannt.
  • Schlafmangel
  • Unregelmäßige Mahlzeiten
  • Helles Licht oder laute Geräusche
  • Umweltfaktoren wie Hitze, Kälte
  • Körperliche Anstrengung.

Um die Auslöser herauszufinden, kann ein Kopfschmerztagebuch hilfreich sein.

Kinder mit Migräne leiden häufiger unter Schlafstörungen als andere Kinder. Es ist jedoch nicht bekannt, ob die Migräne zu Schlafstörungen führt oder ob die Schlafstörungen für die Migräne verantwortlich sind.

Weitere Kopfschmerzarten

Bei Kindern können Kopfschmerzen auch als Symptom im Rahmen weiterer Grunderkrankungen auftreten. Ursächlich können sein:

  • Infektionen (am Häufigsten fieberhafte Infekte, Nasennebenhöhlenentzündungen, in seltenen Fällen eine Hirnhautentzündung)
  • Blutungen
  • Eisenmangelanämie
  • Heftiger Sturz oder Schlag auf den Kopf
  • Gehirntumoren.

Neben Kopfschmerzen treten bei diesen Erkrankungen allerdings meist noch weitere Symptome auf, die auf die Grunderkrankung hinweisen können. Unter den oben genannten Erkrankungen sind Infektionen mit Abstand am häufigsten ursächlich für begleitende Kopfschmerzen. Im Rahmen eines grippalen Infekts kann es beispielsweise zu einer Nasennebenhöhlenentzündung kommen, die vor allem beim Vornüberbeugen des Oberkörpers Kopfschmerzen erzeugt. Die anderen Erkrankungen sind deutlich seltener für die Entstehung von Kopfschmerzen verantwortlich.

Sollten Sie Fieber, Schwindel, Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit oder anhaltende Lähmungen bei Ihrem Kind bemerken, suchen Sie bitte unverzüglich Ihren Arzt auf. Gleiches gilt für plötzlich auftretende, intensive Kopfschmerzen mit Übelkeit/Erbrechen und starker Licht- und Lärmempfindlichkeit. Diese können Zeichen einer Hirnhautentzündung sein, die schnell behandelt werden muss. Bei Kopfschmerzen, die in ihrer Intensität zunehmen oder länger als drei Tage anhalten, ist ebenfalls eine unverzügliche Vorstellung beim Arzt anzuraten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kopfschmerzen bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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