Migräne – Symptome und Diagnostik

Bei einer Migräne treten Kopfschmerzen meist anfallsartig auf. Die Schmerzen sind dabei oft einseitig, pulsierend oder pochend und dauern 4–72 Stunden an. Häufig werden sie von Übelkeit und Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Eine Aura kann im Vorfeld auftreten, ist jedoch nicht zwingend vorhanden.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Die Migräne ist eine Kopfschmerzerkrankung, die häufig in der Jugend beginnt und bei Frauen etwas häufiger als bei Männern auftritt.

10–20 % der Patientinnen mit Migräne haben eine sogenannte Aura. Während der Aura treten vorübergehende Symptome auf, die der Migräneattacke vorausgehen.

Verlauf

Die „klassische" Migräne zeigt einen typischen Verlauf:

  • Frühsymptome oder Prodromi können bereits mehrere Stunden bis Tage vor Eintreten der Schmerzen auf eine Migräneattacke hinweisen.
  • Eine Aura ist nicht zwingend vorhanden, tritt jedoch bei zirka 20 % der Patienten vor dem Beginn der Kopfschmerzen auf.
  • Anschließend setzen mäßige bis starke Kopfschmerzen für 4–72 Stunden ein. Der Schmerz kann hinter dem Auge oder der Schläfe lokalisiert sein.
  • Die Erholungsphase oder Rückbildungsphase kann einige Stunden dauern.

Frühphase oder Prodromalphase

Die Frühphase oder Prodromalphase ist von vagen, undefinierten Symptomen gekennzeichnet, die Tage bis Stunden vor den Kopfschmerzen beginnen. Sowohl die Migräne mit als auch ohne Aura kann Prodromi haben. Allerdings bemerken viele Patienten diese nicht.

Häufige Symptome sind verstärkte Sinneseindrücke, Schläfrigkeit, ungewöhnlicher Hunger oder Appetitlosigkeit. Außerdem können sich Prodromi in depressiver Verstimmung, Aufgeregtheit, Reizbarkeit oder Angstzuständen äußern.

Aura

Die Aura ist definiert als Symptom oder Symptomkomplex, welcher den Kopfschmerzen vorausgeht. Die Aura verstärkt sich über einen Zeitraum von 5–20 Minuten und hält in der Regel weniger als 60 Minuten an. Sie ist ein vorübergehendes Phänomen.

Am häufigsten ist die Aura visuell, sprich der Patient hat vermehrte oder verminderte Seheindrücke, wie Flimmersehen, Zickzacklinien oder Verschwommensehen. Die Wahrnehmung von Gegenständen kann verzerrt sein, z. B. können sie größer oder kleiner erscheinen.

Seltener treten Taubheitsgefühle in Gesicht, Arm oder Bein auf. Auch Lähmungen oder Sprachstörungen können als Aurasymptome vorkommen. Der Gleichgewichtssinn kann beeinträchtigt sein. Es gibt zudem Patienten, die während der Aura seltsame Geräusche hören oder Gerüche wahrnehmen, die nicht vorhanden sind.

Kopfschmerzen

Die Kopfschmerzen bei der Migräne sind klassischerweise mäßig bis stark, oft einseitig (60 %) an der Schläfe oder hinter dem Auge lokalisiert und dauern meist 4–72 Stunden. Sie werden oft als pochend oder pulsierend beschrieben. Bei anderen Personen tritt der Schmerz diffus über beide Kopfseiten verteilt auf, ist jedoch selten im Hinterkopf lokalisiert. Er wird in der Regel durch körperliche Aktivität verstärkt und ist oft von Übelkeit/Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Migräneattacken gehen oft mit einem verminderten Appetit einher. Zusätzliche Nackenschmerzen treten bei 75 % der Betroffenen auf.

Migräne-Kopfschmerzen können bereits morgens auftreten und sich im Laufe des Tages verschlimmern. Allerdings ist die Schmerzentstehung nicht fest an eine bestimmte Tageszeit gebunden.

Patienten halten sich meistens in einem abgedunkelten, ruhigen Raum auf, bis die Schmerzen vorüber sind.

Erholungs- oder Rückbildungsphase

Die Patienten fühlen sich oft für einige Stunden nach der Migräneattacke müde, schlapp und reizbar. Die Konzentrationsfähigkeit kann vermindert sein.

Diagnostik

Oft kann der Arzt bereits anhand der geschilderten Symptome eine Migräne diagnostizieren. Trotzdem ist eine einmalige Abklärung der Kopfschmerzen empfehlenswert. Dies geschieht meist durch eine neurologische Untersuchung. Zudem kann der Arzt eine Bildgebung (z. B. MRT) oder weitere Spezialuntersuchungen, z. B. die Entnahme von Zerebrospinalflüssigkeit, vorschlagen.

Bei unklarer Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen kann ein Schmerztagebuch hilfreich sein. Sollten sich Ihre Kopfschmerzen innerhalb kurzer Zeit geändert oder unverhältnismäßig verstärkt haben, besuchen Sie bitte umgehend Ihren Arzt.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Migräne. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. The International Classification of Headache Disorders 3rd edition. 1. Migraine. International Headache society. 2018. www.ichd-3.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Migräne, Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 030-057, Stand 2018. www.awmf.org
  3. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Chronische Kopf- und Gesichtsschmerzen. Stand 2001 www.akdae.de
  4. Linde M, Stovner LJ, Zwart JA, Hagen K.Time trends in the prevalence of headache disorders. The Nord-Trondelag Health Studies (HUNT 2 and HUNT 3). Cephalalgia. 2011 Apr;31(5):585-96 PubMed
  5. Romanello S, Spiri D, Marcuzzi E, et al. Association between childhood migraine and history of infantile colic. JAMA 2013; 309: 1607-12. doi:10.1001/jama.2013.747. DOI
  6. Brandes JL. The influence of estrogen on migraine. JAMA 2006; 295: 1824-30. PubMed
  7. Stewart W, Staffa J, Lipton R, Ottmann R. Familial risk of migraine: a population based study. Ann Neurol 1997; 41: 166-72. PubMed
  8. Giffin NJ, Ruggiero L, Lipton RB, et al. A novel approach to the study of premonitory symptoms in migraine using an electronic diary. Neurology 2003; 60: 935-40. Neurology
  9. Thomsen LL, Eriksen MK, Roemer SF, Anderson I, Olesen J, Russell MB. A population-based study of familial hemiplegic migraine suggests revised diagnostic criteria. Brain 2002; 125: 1379-99. PubMed
  10. Hershey LA, Bednarczyk EM. Treatment of headache in the elderly. Curr Treat Options Neurol. Oct 2012. link.springer.com
  11. Embryotox.de. Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. Acetylsalicylsäure. 21.05.2017. www.embryotox.de
  12. Gilmore B, Michael M. Treatment of acute migraine headache. Am Fam Physician 2011; 83: 271-80. www.ncbi.nlm.nih.gov
  13. Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne. Stand 2016 www.dmkg.de
  14. Duncan CW, Watson DPB, Stein A, et al. Diagnosis and management of headache in adults; summary of SIGN guideline. BMJ 2008; 337: a2329. BMJ (DOI)
  15. Rabbie R, Derry S, Moore RA. Ibuprofen with or without an antiemetic for acute migraine headaches in adults. Cochrane Database Syst Rev 2013; 4: CD008039. pmid:23633348 PubMed
  16. Derry S, Moore RA, McQuay HJ. Paracetamol (acetaminophen) with or without an antiemetic for acute migraine headaches in adults. Cochrane Database Syst Rev 2013. CD008040. doi:10.1002/14651858.CD008040.pub3 DOI
  17. Lipton RB, Stewart WF, Stone AM, Lainez MJA, Sawyer JPC. Stratified care vs step care strategies for migraine. The disability in strategies of care (DISC) study: a randomized trial. JAMA 2000; 284: 2599-605. www.ncbi.nlm.nih.gov
  18. Law S, Derry S, Moore RA. Sumatriptan plus naproxen for acute migraine attacks in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2013;10:CD008541. doi: 10.1002/14651858.CD008541.pub2. www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Information zu Dimenhydrinat- und Diphenhydramin-haltigen Arzneimitteln: Überdosierung oraler und rektaler Darreichungsformen bei Kindern bis drei Jahre, AkdÄ Drug Safety Mail 72-2018 www.akdae.de
  20. Brandes JL, Kudrow D, Stark SR, et al. Sumatriptan-naproxen for acute treatment of migraine: a randomized trial. JAMA 2007; 297: 1443-54. www.ncbi.nlm.nih.gov
  21. Derry CJ, Derry S, Moore RA. Sumatriptan (all routes of administration) for acute migraine attacks in adults - overview of Cochrane reviews. Cochrane Database Syst Rev. 2014 28. DOI: 10.1002/14651858.CD009108.pub2. DOI
  22. Bird S, Derry S, Moore RA. Zolmitriptan for acute migraine attacks in adults. Cochrane Database of Syst Rev 2014; 5: CD008616. DOI: 10.1002/14651858.CD008616.pub2. DOI
  23. Evans EW, Lorber KC. Use of 5-HT1 agonists in pregnancy. Ann Pharmacother 2008; 42: 543-9. PubMed
  24. Contag SA, Bushnell C. Contemporary management of migrainous disorders in pregnancy. Curr Opin Obstet Gynecol 2010; 22: 437-45. PubMed
  25. Cassina M, De Gianantonio E et al. Migraine therapy during pregnancy and lactation. Expert Opin Drug Saf 2010; 9: 937-48. PubMed
  26. Marcus, D.A. Headache in pregnancy. Current Science Inc (2003) 7: 288. doi:10.1007/s11916-003-0049-6 link.springer.com
  27. Silberstein SD, Holland S, Freitag F, et al. Evidence-based guideline update: Pharmacologic treatment for episodic migraine prevention in adults. Neurology 2012; 78: 1337-45. Neurology
  28. Holland S, Silberstein SD Freitag F, et al. Evidence-based guideline update: NSAIDs and other complementary treatments for episodic migraine prevention in adults. Neurology 2012; 78: 1346-53. Neurology
  29. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Migränevorbeugung bei Kindern und Jugendlichen. 11/2015. www.gesundheitsinformation.de
  30. Arzneitelegramm. VORBEUGUNG UND THERAPIE DER MIGRÄNE BEI KINDERN. a-t 2000; 31: 19-21. www.arznei-telegramm.de
  31. Chronicle EP, Mulleners WM. Anticonvulsant drugs for migraine prophylaxis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3. Art. No.: CD003226. DOI: 10.1002/14651858.CD003226.pub2 DOI
  32. EMA: PRAC recommends strengthening the restrictions on the use of valproate in women and girls. European Medicines Agency. 10/10/2014 www.ema.europa.eu
  33. Marmura MJ. Safety of topiramate for treating migraines. Expert Opin Drug Saf. 2014;13(9):1241-7. doi: 10.1517/14740338.2014.934669 DOI
  34. Banzi R, Cusi C, Randazzo C, et al. Selective serotonin reuptake inhibitors (SSRIs) and serotonin-norepinephrine reuptake inhibitors (SNRIs) for the prevention of migraine in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Apr 1;4:CD002919. Cochrane (DOI)
  35. Diener HC, Dodick DW, Aurora SK, et al. OnabotulinumtoxinA for treatment of chronic migraine: results from the double-blind, randomized, placebo-controlled phase of the PREEMPT 2 trial. Cephalalgia 2010; 30: 804-14. PubMed
  36. Jackson JL, Kuriyama A, Hayashino Y. Botulinum toxin A for prophylactic treatment of migraine and tension headaches in adults: a meta‐analysis. JAMA.2012;307:1737‐1745 www.ncbi.nlm.nih.gov
  37. Linde M, Mulleners WM, Chronicle EP, et al. Gabapentin or pregabalin for the prophylaxis of episodic migraine in adults. Cochrane Database Syst Rev 2013; 6: CD010609. doi:10.1002/14651858.CD010609 DOI
  38. Erenumab: erster Antikörper zur Prophylaxe der Migräne zugelassen. Der Arzneimittelbrief, September 2018. 92; 9. 65-7. www.der-arzneimittelbrief.de
  39. arznei-telegramm: Neu auf dem Markt Antikörper Erenumab (Aimovig) zur Migräneprophylaxe. a-t 2018; 49: 91-3. www.arznei-telegramm.de
  40. Linde K, Allais G, Brinkhaus B, Manheimer E, Vickers A, White AR. Acupuncture for migraine prophylaxis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 1. Art. No.: CD001218. DOI: 10.1002/14651858.CD001218.pub2 DOI
  41. Andrasik F. What does the evidence show? Efficacy of behavioural treatments for recurrent headaches in adults. Neurol Sci 2007; 28(suppl 2): 70-7. www.ncbi.nlm.nih.gov
  42. Schwedt TJ. Chronic migraine. BMJ. 2014 ;348:g1416. doi: 10.1136/bmj.g1416.
  43. Etminan M, Takkouche B, Isorna F, Samii A. Risk of ischaemic stroke in people with migraine: systematic review and meta-analysis of observational studies. BMJ 2005; 330: 63-5. www.ncbi.nlm.nih.gov
  44. Kurth T, Gaziano JM, Cook NR, et al. Migraine and risk of cardiovascular disease in women. JAMA 2006; 296: 283-91. PubMed
  45. Scher AI, Gudmundsson LS, Sigurdsson S, et al. Migraine headache in middle age and late-life brain infarcts. JAMA 2009; 301: 2563-70. www.ncbi.nlm.nih.gov
  46. Kurth T, Kase CS, Schürks M, et al. Migraine and risk of haemorrhagisk stroke in women: prospective cohort study. BMJ 2010; 341: c3659. BMJ (DOI)
  47. Kurth T, Schurks M, Logroscino G et al. Migraine, vascular risk, and cardiovascular events in women: prospective cohort study. BMJ 2008; 337: a636. BMJ (DOI)
  48. Gudmundsson LS, Scher AI, Aspelund T, et al. Migraine with aura and risk of cardiovascular and all cause mortality in men and women: prospective cohort study. BMJ 2010; 341: c3966. BMJ (DOI)