Wie wird Migräne behandelt?

Zur Behandlung von Migräne stehen unterschiedliche Optionen zur Verfügung. Was sich für Betroffene individuell am besten eignet, richtet sich unter anderem danach, wie oft und zu welchen Zeiten die Migräneattacken auftreten.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Den wichtigsten Teil der Behandlung leisten Sie selbst durch die Vermeidung derjenigen Faktoren, die bei Ihnen Migräneattacken auslösen. Wenn dennoch eine Attacke auftritt, stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, um die Beschwerden zu lindern.

Wenn Patienten mehrmals pro Monat unter Migräneattacken leiden, kann die vorbeugende Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein.

Was können Sie selbst tun?

Migräneattacken entstehen oft auf einen auslösenden Reiz hin. Dieser wird auch Trigger genannt. Folgende Faktoren stellen die häufigsten Trigger dar:

  • Stress/Anspannung
  • Entspannung nach einer stressigen Phase
  • Schlafmangel
  • Unregelmäßige Mahlzeiten
  • Helles Licht oder laute Geräusche
  • Bestimmte Lebensmittel und Gewürze (z. B. Käse, Orangen, Schokolade, Wein, Alkohol)
  • Umweltfaktoren wie Hitze, Kälte
  • Körperliche Anstrengung.

Um die individuellen Trigger herauszufinden, eignet sich ein sogenanntes Migränetagebuch. Darin werden Datum und Dauer einer jeden Migräneattacke notiert sowie vorherige Aktivitäten und Nahrungsmittel. Bei Frauen gibt es häufig eine Assoziation der Migräne mit ihrem Menstruationszyklus.

Das wichtigste Element der Therapie der Migräne besteht in der Vermeidung der individuellen Triggerfaktoren. Die Einhaltung bestimmter Regeln, wie der Vermeidung von Stress, der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus und der Nahrungszufuhr, das Einüben von Entspannungsmethoden sowie regelmäßige körperliche Bewegung, können Migräneattacken verhindern. Außerdem kann die Anfallshäufigkeit durch diese Maßnahmen effektiv reduziert werden.

Was können Sie tun, wenn die Anfälle trotzdem weiter auftreten?

Tritt trotz Vermeidung der triggernden Faktoren eine Migräneattacke auf, kann lokale Kühlung des Kopfes, z. B. durch einen Eisbeutel, körperliche Ruhe und eine Reizabschirmung durch den Aufenthalt an einem dunklen, ruhigen Ort Abhilfe schaffen.

Reicht dies nicht aus, erweisen sich handelsübliche Schmerzmittel oft als wirksam. Gelegentlich muss jedoch auf spezielle Migränepräparate zurückgegriffen werden.

Welche Medikamente sind zur Behandlung von Migräneanfällen geeignet?

Gewöhnliche Schmerzmittel wie z. B. Paracetamol oder Ibuprofen haben häufig eine gute Wirkung und werden ohne Rezept in der Apotheke verkauft. Wenn Sie unter einer bekannten Migräne leiden, können Sie diese unter Absprache mit Ihrem Arzt bereits einnehmen, wenn Sie merken, dass Sie Kopfschmerzen bekommen. Beachten Sie dabei die maximal zugelassene Tagesdosis. Unter Umständen kann auch ein Medikament gegen Übelkeit sinnvoll sein. Wenn dies nicht ausreichend ist, gibt es bestimmte Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräneattacken entwickelt wurden (Triptane). Wenn Sie Fragen zu den Medikamenten haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt.

Es ist wichtig, nicht mehr Schmerzmittel einzunehmen, als absolut notwendig ist. Ein hoher Verbrauch kann langfristig die Kopfschmerzbeschwerden verschlimmern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie an mehreren Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen müssen, um schmerzfrei zu werden, oder wenn die bisherige Dosis nicht mehr ausreichend ist.

Gibt es eine vorbeugende Therapie?

Bei drei oder mehr Anfällen pro Monat können Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob eine kontinuierliche Behandlung mit vorbeugenden Medikamenten für Sie sinnvoll ist. Medikamente, die für die Prophylaxe von Migräneattacken geeignet sind, gehören z. B. zu den Wirkstoffgruppen der Betablocker oder Kalziumantagonisten. Diese sorgen für einen Rückgang der Anfallshäufigkeit und -intensität.

Behandlung während der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft sind arzneimittelfreie Therapiemethoden stets vorzuziehen. Besprechen Sie bei ungenügender Schmerzreduktion durch die genannten nichtmedikamentösen Maßnahmen wie Ruhe oder Kühlung mit Ihrem Arzt, welche Medikamente Sie in der Schwangerschaft verwenden dürfen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Migräne. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. The International Classification of Headache Disorders 3rd edition. 1. Migraine. International Headache society. 2018. www.ichd-3.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Migräne, Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 030-057, Stand 2018. www.awmf.org
  3. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Chronische Kopf- und Gesichtsschmerzen. Stand 2001 www.akdae.de
  4. Linde M, Stovner LJ, Zwart JA, Hagen K.Time trends in the prevalence of headache disorders. The Nord-Trondelag Health Studies (HUNT 2 and HUNT 3). Cephalalgia. 2011 Apr;31(5):585-96 PubMed
  5. Romanello S, Spiri D, Marcuzzi E, et al. Association between childhood migraine and history of infantile colic. JAMA 2013; 309: 1607-12. doi:10.1001/jama.2013.747. DOI
  6. Brandes JL. The influence of estrogen on migraine. JAMA 2006; 295: 1824-30. PubMed
  7. Stewart W, Staffa J, Lipton R, Ottmann R. Familial risk of migraine: a population based study. Ann Neurol 1997; 41: 166-72. PubMed
  8. Giffin NJ, Ruggiero L, Lipton RB, et al. A novel approach to the study of premonitory symptoms in migraine using an electronic diary. Neurology 2003; 60: 935-40. Neurology
  9. Thomsen LL, Eriksen MK, Roemer SF, Anderson I, Olesen J, Russell MB. A population-based study of familial hemiplegic migraine suggests revised diagnostic criteria. Brain 2002; 125: 1379-99. PubMed
  10. Hershey LA, Bednarczyk EM. Treatment of headache in the elderly. Curr Treat Options Neurol. Oct 2012. link.springer.com
  11. Embryotox.de. Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. Acetylsalicylsäure. 21.05.2017. www.embryotox.de
  12. Gilmore B, Michael M. Treatment of acute migraine headache. Am Fam Physician 2011; 83: 271-80. www.ncbi.nlm.nih.gov
  13. Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne. Stand 2016 www.dmkg.de
  14. Duncan CW, Watson DPB, Stein A, et al. Diagnosis and management of headache in adults; summary of SIGN guideline. BMJ 2008; 337: a2329. BMJ (DOI)
  15. Rabbie R, Derry S, Moore RA. Ibuprofen with or without an antiemetic for acute migraine headaches in adults. Cochrane Database Syst Rev 2013; 4: CD008039. pmid:23633348 PubMed
  16. Derry S, Moore RA, McQuay HJ. Paracetamol (acetaminophen) with or without an antiemetic for acute migraine headaches in adults. Cochrane Database Syst Rev 2013. CD008040. doi:10.1002/14651858.CD008040.pub3 DOI
  17. Lipton RB, Stewart WF, Stone AM, Lainez MJA, Sawyer JPC. Stratified care vs step care strategies for migraine. The disability in strategies of care (DISC) study: a randomized trial. JAMA 2000; 284: 2599-605. www.ncbi.nlm.nih.gov
  18. Law S, Derry S, Moore RA. Sumatriptan plus naproxen for acute migraine attacks in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2013;10:CD008541. doi: 10.1002/14651858.CD008541.pub2. www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Brandes JL, Kudrow D, Stark SR, et al. Sumatriptan-naproxen for acute treatment of migraine: a randomized trial. JAMA 2007; 297: 1443-54. www.ncbi.nlm.nih.gov
  20. Derry CJ, Derry S, Moore RA. Sumatriptan (all routes of administration) for acute migraine attacks in adults - overview of Cochrane reviews. Cochrane Database Syst Rev. 2014 28. DOI: 10.1002/14651858.CD009108.pub2. DOI
  21. Bird S, Derry S, Moore RA. Zolmitriptan for acute migraine attacks in adults. Cochrane Database of Syst Rev 2014; 5: CD008616. DOI: 10.1002/14651858.CD008616.pub2. DOI
  22. Evans EW, Lorber KC. Use of 5-HT1 agonists in pregnancy. Ann Pharmacother 2008; 42: 543-9. PubMed
  23. Contag SA, Bushnell C. Contemporary management of migrainous disorders in pregnancy. Curr Opin Obstet Gynecol 2010; 22: 437-45. PubMed
  24. Cassina M, De Gianantonio E et al. Migraine therapy during pregnancy and lactation. Expert Opin Drug Saf 2010; 9: 937-48. PubMed
  25. Marcus, D.A. Headache in pregnancy. Current Science Inc (2003) 7: 288. doi:10.1007/s11916-003-0049-6 link.springer.com
  26. Silberstein SD, Holland S, Freitag F, et al. Evidence-based guideline update: Pharmacologic treatment for episodic migraine prevention in adults. Neurology 2012; 78: 1337-45. Neurology
  27. Holland S, Silberstein SD Freitag F, et al. Evidence-based guideline update: NSAIDs and other complementary treatments for episodic migraine prevention in adults. Neurology 2012; 78: 1346-53. Neurology
  28. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Migränevorbeugung bei Kindern und Jugendlichen. 11/2015. www.gesundheitsinformation.de
  29. Arzneitelegramm. VORBEUGUNG UND THERAPIE DER MIGRÄNE BEI KINDERN. a-t 2000; 31: 19-21. www.arznei-telegramm.de
  30. Chronicle EP, Mulleners WM. Anticonvulsant drugs for migraine prophylaxis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3. Art. No.: CD003226. DOI: 10.1002/14651858.CD003226.pub2 DOI
  31. EMA: PRAC recommends strengthening the restrictions on the use of valproate in women and girls. European Medicines Agency. 10/10/2014 www.ema.europa.eu
  32. Marmura MJ. Safety of topiramate for treating migraines. Expert Opin Drug Saf. 2014;13(9):1241-7. doi: 10.1517/14740338.2014.934669 DOI
  33. Banzi R, Cusi C, Randazzo C, et al. Selective serotonin reuptake inhibitors (SSRIs) and serotonin-norepinephrine reuptake inhibitors (SNRIs) for the prevention of migraine in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Apr 1;4:CD002919. Cochrane (DOI)
  34. Diener HC, Dodick DW, Aurora SK, et al. OnabotulinumtoxinA for treatment of chronic migraine: results from the double-blind, randomized, placebo-controlled phase of the PREEMPT 2 trial. Cephalalgia 2010; 30: 804-14. PubMed
  35. Jackson JL, Kuriyama A, Hayashino Y. Botulinum toxin A for prophylactic treatment of migraine and tension headaches in adults: a meta‐analysis. JAMA.2012;307:1737‐1745 www.ncbi.nlm.nih.gov
  36. Linde M, Mulleners WM, Chronicle EP, et al. Gabapentin or pregabalin for the prophylaxis of episodic migraine in adults. Cochrane Database Syst Rev 2013; 6: CD010609. doi:10.1002/14651858.CD010609 DOI
  37. Erenumab: erster Antikörper zur Prophylaxe der Migräne zugelassen. Der Arzneimittelbrief, September 2018. 92; 9. 65-7. www.der-arzneimittelbrief.de
  38. arznei-telegramm: Neu auf dem Markt Antikörper Erenumab (Aimovig) zur Migräneprophylaxe. a-t 2018; 49: 91-3. www.arznei-telegramm.de
  39. Linde K, Allais G, Brinkhaus B, Manheimer E, Vickers A, White AR. Acupuncture for migraine prophylaxis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 1. Art. No.: CD001218. DOI: 10.1002/14651858.CD001218.pub2 DOI
  40. Andrasik F. What does the evidence show? Efficacy of behavioural treatments for recurrent headaches in adults. Neurol Sci 2007; 28(suppl 2): 70-7. www.ncbi.nlm.nih.gov
  41. Schwedt TJ. Chronic migraine. BMJ. 2014 ;348:g1416. doi: 10.1136/bmj.g1416.
  42. Etminan M, Takkouche B, Isorna F, Samii A. Risk of ischaemic stroke in people with migraine: systematic review and meta-analysis of observational studies. BMJ 2005; 330: 63-5. www.ncbi.nlm.nih.gov
  43. Kurth T, Gaziano JM, Cook NR, et al. Migraine and risk of cardiovascular disease in women. JAMA 2006; 296: 283-91. PubMed
  44. Scher AI, Gudmundsson LS, Sigurdsson S, et al. Migraine headache in middle age and late-life brain infarcts. JAMA 2009; 301: 2563-70. www.ncbi.nlm.nih.gov
  45. Kurth T, Kase CS, Schürks M, et al. Migraine and risk of haemorrhagisk stroke in women: prospective cohort study. BMJ 2010; 341: c3659. BMJ (DOI)
  46. Kurth T, Schurks M, Logroscino G et al. Migraine, vascular risk, and cardiovascular events in women: prospective cohort study. BMJ 2008; 337: a636. BMJ (DOI)
  47. Gudmundsson LS, Scher AI, Aspelund T, et al. Migraine with aura and risk of cardiovascular and all cause mortality in men and women: prospective cohort study. BMJ 2010; 341: c3966. BMJ (DOI)