Epilepsie, Empfehlungen für Patienten

Bei einigen Epileptikern ist das Anfallsrisiko unter bestimmten Voraussetzungen besonders hoch. Zu den potenziellen anfallsauslösenden Faktoren zählt unter anderem flackernde Beleuchtung, wie sie zum Beispiel in Diskotheken, aber auch bei einigen TV-Konsolenspielen üblich ist.

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Korrekte Medikamenteneinnahme

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung epileptischer Anfälle ist die vorschriftsgemäße Einnahme der Medikamente gemäß den Vorgaben, die Sie von Ihrem Arzt erhalten haben. Zur Therapie der verschiedenen Epilepsieformen stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung; welches Medikament beim einzelnen in welcher Dosierung am besten wirkt, können Sie mit Ihrem Arzt gemeinsam herausfinden. Eine eigenmächtige Änderung der Dosierung kann zu Nebenwirkungen oder häufigeren Anfällen führen. Antiepileptika dürfen auch nicht von einem Tag auf den anderen komplett abgesetzt werden. Sind die epileptischen Anfälle nicht auf bestimmte Auslöser oder ein bestimmtes Lebensalter begrenzt, so sollte die Medikation über längere Zeit fortgeführt werden. Dies gilt auch dann, wenn Sie bereits einige Monate oder Jahre keinen Anfall mehr erlitten haben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt genau beraten, wenn Sie Fragen zum Absetzen der Medikamente haben.

Achten Sie zudem auf die regelmäßige Einnahme Ihrer Medikamente: Es empfiehlt sich, die Einnahme mit festen Routinen zu verbinden. Viele Medikamente zur Behandlung anderer Erkrankungen zeigen unerwünschte Wechselwirkungen, wenn sie gleichzeitig mit Antiepileptika eingenommen werden. Informieren Sie daher stets Ihren Arzt darüber, welche Medikamente Sie aktuell einnehmen. Auch einige naturheilkundliche Arzneimittel können die Wirkung anderer Medikamente verstärken oder abschwächen oder auch zu Nebenwirkungen führen.

Zusätzlich oder statt der Einnahme von Medikamenten stehen zur Therapie der Epilepsie bei einigen Patienten auch eine Operation am Gehirn oder die regelmäßige elektrische Stimulation eines Nervs mittels implantierter Elektroden zur Verfügung.

Empfehlungen zur allgemeinen Lebensweise

Das Ziel der medikamentösen Therapie bei Epilepsie ist es, Betroffenen ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Bestimmte Verhaltensregeln sollten im Alltag allerdings beachtet werden, um das Risiko für epileptische Anfälle auf ein Minimum zu reduzieren.

Bei einigen Epileptikern ist das Anfallsrisiko unter bestimmten Voraussetzungen besonders hoch. Zu den potenziellen anfallsauslösenden Faktoren zählen unter anderem flackernde Beleuchtung (Fernsehen, Kino, Diskotheken, Autofahrten bei Nacht), Schlafmangel, Alkoholkonsum, Stress, Hyperventilation (zu flache, zu schnelle Atmung z. B. bei Aufregung/Angst) und Hunger (bzw. Unterzuckerung). Epileptiker sollten sich daher um einen möglichst geregelten Tagesablauf mit festen Essens- und Schlafzeiten bemühen.

Wie bei allen anderen Menschen auch, wirkt sich körperliche Aktivität normalerweise vorteilhaft auf das Wohlbefinden von Epileptikern aus (nur selten wirkt sich moderater Sport bei Epileptikern negativ aus). Vermeiden Sie allerdings Aktivitäten und Situationen, die im Falle eines epileptischen Anfalls mit einer unmittelbaren Gefährdung Ihres Lebens einhergehen könnten: also z. B. Baden ohne Begleitung, Tauchen, Bergsteigen oder Drachenfliegen. 

Vermeiden von Verletzungen während eines Anfalls

Richten Sie Ihr häusliches Umfeld so ein, dass das Verletzungsrisiko während eines epileptischen Anfalls so gering wie möglich ist. Teppichböden dämpfen den Fall, und runde Kanten an Tischen und Stühlen verringern das Risiko lebensgefährlicher Verletzungen. Offene Feuerquellen sollten gemieden werden, und scharfe oder spitze Gegenstände sollten nach Möglichkeit nicht herumliegen.

Tragen Sie beim Radfahren stets einen Helm. Seien Sie in verkehrsstarken Gegenden besonders vorsichtig.

Bedienen Sie keine Maschinen und verwenden Sie keine Arbeitsausrüstung, mit der Sie sich oder andere während der Arbeit im Falle eines epileptischen Anfalls gefährden könnten.

Unterstützende Beratung

Ihr Arzt wird Sie beraten können und/oder Ihnen entsprechende Beratungsangebote nennen können, bei denen Sie Informationen zur Lebensführung, zum Umgang mit der Krankheit, zur Berufswahl und weiteren Fragen erhalten können.

 

Weitere Informationen

Patientenorganisation

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Epilepsi. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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