Epilepsie in der Schwangerschaft

Die meisten Frauen mit Epilepsie können schwanger werden und gesunde Kinder gebären. Allerdings sollten im Zusammenhang mit Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit bestimmte Dinge beachtet werden.

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Die meisten Frauen mit Epilepsie können schwanger werden und gesunde Kinder gebären. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Frauen und Männer, die an Epilepsie leiden, im Vergleich zu Gesunden eine nicht so hohe Fruchtbarkeit aufweisen. Grundsätzlich sollten im Zusammenhang mit Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit bei Frauen mit einer Epilepsie bestimmte Empfehlungen beachtet werden. Während der Schwangerschaft kommt es zu erheblichen Veränderungen im Körper der Frau. Die Konzentration bestimmter Hormone steigt stark an. Dies kann sich auf die Häufigkeit der Anfälle auswirken. In jedem Fall jedoch ist zu bedenken, dass sich die Wirkung der antiepileptischen Medikamente durch die Stoffwechselveränderungen während der Schwangerschaft verändern kann: Entsprechend muss die Dosis der Medikamente ggf. angepasst werden.

Vorbereitung auf die Schwangerschaft

Wird eine Frau mit Epilepsie schwanger, so ist ihr ungeborenes Kind zwei unterschiedlichen Risiken ausgesetzt: zum einen gilt es, Krampfanfälle während der Schwangerschaft zu meiden, zum anderen können Antiepileptika selbst zu Schäden des Ungeborenen führen. Es ist daher sehr wichtig, rechtzeitig mit Ihrem Arzt über eine mögliche und sinnvolle Medikation zu sprechen. Um entsprechende Risiken zu verringern, wird Frauen mit Epilepsie also empfohlen, die Schwangerschaft rechtzeitig im Voraus zu planen, um möglichst gut vorbereitet zu sein. Das Risiko für Fehlbildungen des Feten durch antiepileptische Medikamente ist besonders während der ersten Wochen bis 3 Monate erhöht. Dies ist also zu Anfang eine Zeit, während der die Frau möglicherweise noch gar nicht weiß, dass sie schwanger ist. Daher sollte die Verhütung stets ernst genommen werden. Frauen, die ungeplant schwanger werden, sollten möglichst früh nach positivem Schwangerschaftstest einen Arzt aufsuchen.

Im Allgemeinen empfiehlt es sich, eine Schwangerschaft mindestens ein halbes Jahr im Voraus zu planen. Häufig ist es möglich und sinnvoll, die Dosierung der Antiepileptika bei Kinderwunsch zu reduzieren, dies sollte allerdings stets in Absprache mit dem behandelnden Neurologen geschehen. Die Dosierung sollte niemals eigenmächtig verändert werden. Bei längerer Anfallsfreiheit können die Antiepileptika möglicherweise komplett abgesetzt werden. Dies sollte allerdings von Fall zu Fall individuell entschieden werden. Die Medikamente sollten stets langsam ausgeschlichen und niemals eigenmächtig ohne ärztliche Anweisung abgesetzt werden.

Frauen mit Epilepsie und mit Kinderwunsch sollten besonders sorgfältig auf eine ausreichende Folsäureversorgung achten. Bei der Folsäure handelt es sich um ein wichtiges Vitamin, welches das Risiko für bestimmte Fehlbildungen des Feten, die durch die Behandlung mit Antiepileptika mitausgelöst werden können, reduzieren kann. Die Einnahme von Folsäurepräparaten sollte bereits bei bestehendem Kinderwunsch begonnen und mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgeführt werden. Empfohlen ist eine Dosis von 0,4 mg Folsäure täglich; bei der Therapie mit bestimmten Antiepileptika sind auch deutlich höhere Dosierungen sinnvoll.

Einfluss auf das Kind

Kinder von Frauen mit Epilepsie, die Antiepileptika einnehmen, haben ein etwas erhöhtes Risiko, größere Fehlbildungen zu entwickeln (4,2 % gegenüber 3,5 % bei Frauen ohne solche Medikation). Auch können die Kinder betroffener Frauen im Mutterleib unter einer Wachstumshemmung leiden. 

Kommt es während der Schwangerschaft zu einem epileptischen Anfall, kann dies zu einer sogenannten Bradykardie beim Feten führen, das kindliche Herz also langsamer als erforderlich schlagen. Kommt es zu wiederholten Anfällen, können dadurch beim Kind Hirnblutungen auftreten, im schlimmsten Fall kann das Kind im Mutterleib versterben, was äußerst selten vorkommt.

Medikamentöse Therapie während der Schwangerschaft

Häufige Anfälle können dem Ungeborenen im Bauch der Mutter schaden, weshalb eine wirkungsvolle Anfallsprophylaxe mithilfe von Antiepileptika erforderlich sein kann. Die Folgen eines epileptischen Anfalls für das Ungeborene können deutlich gravierender sein als der schädliche Effekt antiepileptischer Medikamente. Möglichst sollte in der Schwangerschaft eine Therapie mit nur einem Medikament gegen Epilepsie (Monotherapie) durchgeführt werden; die Dosis sollte so gering wie möglich sein. Das mögliche Risiko für das Kind durch die Gabe von Medikamenten in der Schwangerschaft muss gegen das Risiko der Mutter, während der Schwangerschaft Anfälle zu erleiden, abgewogen werden. Medikamente zur Anfallsprophylaxe werden somit unter Umständen empfohlen, obwohl bekannt ist, dass sie das Risiko für Fehlbildungen beim Kind etwas erhöhen, weil das Risiko für das Kind im Falle von wiederholten Anfällen bedrohlicher ist.

Insbesondere Valproinsäure kann Fehlbildungen beim Kind verursachen. Wenn möglich, sollte also ein anderes Antiepileptikum verschrieben werden. Falls aber Valproinsäure notwendig ist, wird der Arzt die geringstmögliche Dosis wählen und der Schwangeren empfehlen, Folsäure in hoher Dosis vorbeugend einzunehmen. Welches Medikament in Ihrem speziellen Fall in Frage kommt, wird der Arzt genau mit Ihnen besprechen. 

Jede Schwangere mit Epilepsie wird von Ihrem Neurologen sehr regelmäßig untersucht werden. Auch die Vorsorgeuntersuchungen des Kindes werden wahrscheinlich häufiger als üblich erfolgen. Es ist anzuraten, im Rahmen der Vorsorge nicht nur die übliche Ultraschalluntersuchung, sondern eine erweiterte, genauere Ultraschalluntersuchung des Feten durchführen zu lassen. So können etwaige Fehlbildungen frühzeitig erkannt bzw. ausgeschlossen werden.

In den Wochen vor der Geburt wird der Schwangeren empfohlen, Vitamin K einzunehmen. Dieses Vitamin ist wichtig zur Vorbeugung von Blutungen, auch beim Feten. Manche Antiepileptika können die Wirkung des Vitamin K im Körper beeinträchtigen, daher ist eine zusätzliche Gabe sinnvoll.

Geburt

Schwangere mit Epilepsie müssen nicht unbedingt per Kaiserschnitt entbinden. Zu empfehlen ist jedoch eine Entbindung in einer Klinik, an die eine Kinderklinik mit Neugeborenenstation angeschlossen ist, damit das Baby rasch versorgt werden kann, falls Probleme auftreten. Falls Sie Antiepileptika einnehmen, sollten Sie die Dosierung beibehalten. Möglicherweise wird der Arzt Ihnen während der Geburt zusätzlich ein Medikament zur Verhinderung eines Krampfanfalls verabreichen. Es wird empfohlen, dem Kind gleich nach der Geburt Vitamin K zu geben.

Medikamentöse Therapie während der Stillzeit

Die Anwendung von Antiepileptika während der Stillzeit kann durchgeführt werden, da es bislang keine Hinweise auf Entwicklungsstörungen durch diese Medikation beim Kind gibt. Möglichst sollte auch in der Stillzeit eine sogenannte Monotherapie mit nur einem Medikament gegen Epilepsie durchgeführt werden. Die Medikamente gehen in geringem Maße in die Muttermilch über. Die Konzentration ist allerdings so gering, dass dies vermutlich keine Auswirkungen auf den gestillten Säugling hat. In seltenen Fällen kann der Säugling besonders schläfrig werden. Falls Sie eine entsprechende Reaktion bei Ihrem Kind beobachten, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.

Sie als Mutter sollten darauf achten, sich nach der Geburt ausreichend Ruhe und Schlaf zu gönnen. Möglicherweise ist es empfehlenswert, anfangs Unterstützung bei der Betreuung Ihres Kindes zu haben und besonders vorsichtig zu sein, damit Sie nicht mit Ihrem Kind auf dem Arm wegen eines plötzlichen Krampfanfalls stürzen oder etwas Ähnliches passiert.

Fazit

Eine Schwangerschaft sollte möglichst geplant und die Medikation bereits im Vorfeld entsprechend durch Ihren Arzt angepasst werden. Sind Sie schwanger, sollten Sie baldmöglichst durch Ihren behandelnden Arzt ihre aktuelle Medikation überprüfen lassen. Jeden behandelnden Frauenarzt sollten Sie darauf hinweisen, dass Sie an Epilepsie erkrankt sind und mitteilen, welche Medikamente Sie einnehmen.

Die meisten Frauen mit Epilepsie erleben eine normale Schwangerschaft und gebären gesunde Kinder.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Epilepsie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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