Symptome und Diagnostik bei Multipler Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische entzündliche Erkrankung, bei der die Umhüllung der Nerven (Myelinscheiden) im Gehirn und im Rückenmark zerstört werden. Die Symptome werden dadurch hervorgerufen, dass die beschädigten Nerven ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen können.

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Welche Symptome treten bei MS auf?

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche, demyelinisierende Erkrankung. Demyelinisierend bedeutet, dass die Umhüllung der Nerven (Myelinscheiden) im Gehirn und im Rückenmark durch die Entzündung zerstört werden. Auch die Nervenfasern an sich (Axone) können dann untergehen. Die Symptome der MS werden dadurch hervorgerufen, dass die beschädigten Nerven in den betroffenen Regionen des Gehirns oder des Rückenmarks die elektrischen Informationen nur noch langsam oder gar nicht mehr weiterleiten können. Je nachdem, wie stark und in welchen Regionen die Myelinscheiden beschädigt sind, treten unterschiedliche Symptome auf. Typische Symptome sind:

  • Sehstörungen: verschwommenes Sehen und Doppeltsehen
  • Kraftverlust in einem oder beiden Armen oder Beinen, der sich zunächst nur als verlangsamte Bewegung oder als eingeschränkte Ausdauer der Bewegung äußern kann
  • Nachlassende Kontrolle über die Muskeln, die ggf. zu unwillkürlichen Bewegungen (auffällige Bewegungsmuster) führt oder auch die Koordination von Bewegungen erschwert. 
  • Lähmungen in Muskeln, die auch mit einer erhöhten Muskelspannung (Spastik) einhergehen können.
  • Schwierigkeiten beim Sprechen bzw. bei der Artikulation
  • Ausgeprägte Müdigkeit oder Abgeschlagenheit bzw. schnelle Erschöpfung (Fatigue)
  • Missempfindungen wie Taubheit oder Kribbeln in einem Körperteil oder einer Körperregion
  • Störungen der Blasenfunktion und der Sexualität
  • Geh- und Gleichgewichtsstörungen.
  • Begleitend auch psychische Krankheiten, wie Angststörung oder Depression
  • Einschränkungen der Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Selten Schmerzen (Nervenschmerzen)

Die Sehstörungen sind mit das häufigste Erstsymptom einer MS und rühren von der Entzündung des Sehnervs her (Optikusneuritis), die sich über Stunden oder Tage entwickeln kann. Die meist einseitige Entzündung führt zu einer verschwommenen Sehwahrnehmung, Doppeltsehen oder komplettem Sehverlust. Zudem können Schmerzen hinter dem Auge auftreten. Eine Optikusneuritis kann allein oder in Begleitung anderer Symptome auftreten. Eine alleinige Optikusneuritis bedeutet aber nicht automatisch, dass eine MS vorliegt. Weitere typische Erstsymptome sind Missempfindungen auf der Haut wie Taubheit oder Kribbeln. Eine ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfbarkeit (Fatigue) kommt ebenso häufig zu Anfang vor, wird aber meist nicht direkt als Krankheitssymptom wahrgenommen. Theoretisch sind aber alle Symptome möglich.

Die Erstsymptome müssen nicht immer stark ausgeprägt sein und können schnell wieder verschwinden. Häufig treten die Symptome in sogenannten Schüben auf, d. h. sie bilden sich wieder vollkommen oder teilweise zurück, bis der nächste Schub mit neuen Symptomen auftritt.

Ein charakteristisches Zeichen für die MS, das die Ärzte nur manchmal in der körperlichen Untersuchung feststellen kann, ist das Lhermitte-Zeichen: Beim Vorbeugen des Kopfes entsteht ein elektrisierendes Gefühl, das vom Nacken bis in den unteren Rücken ausstrahlt.

In späteren Stadien der Erkrankung kann es u. a. zu Lähmungen, Spastiken, Gleichgewichtsstörungen, Blasenstörungen (Harninkontinenz), Stuhlinkontinenz, Verstopfung (Obstipation) und sexuellen Störungen kommen. Nach längerem Verlauf sind viele Betroffene auf den Rollstuhl angewiesen.

Wie wird MS festgestellt?

Die Krankengeschichte mit den typischen Symptomen bei relativ jungen Menschen gibt häufig Anlass zu einem ersten Verdacht. Die Frühsymptome können bei der ersten ärztlichen Vorstellung manchmal nicht mehr festgestellt werden, da sie oft nur kurz anhalten. Im weiteren Verlauf (z. B. beim zweiten Schub) weisen die Beschwerden aber meist deutlich auf die Erkrankung hin. Grundsätzlich kann die Diagnose oft allein aufgrund der Krankengeschichte und der ärztlichen Untersuchung recht sicher gestellt werden. Entscheidend ist, dass die Funktionsstörungen bzw. Beschwerden mindestens 2 unterschiedlichen Hirnregionen bzw. Schädigungen dort zugeordnet werden können, also z. B. Sehstörungen und zugleich eine Lähmung eines Fußes.

Da es aber einige Krankheiten gibt, deren Symptome einer MS (v. a. im Frühstadium) sehr ähnlich sind, wird die Verdachtsdiagnose in aller Regel durch weitere Untersuchungen abgesichert. Dazu gehören eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns, in der typische Veränderungen sichtbar sind (sogenannte Plaques im Hirngewebe, die sich an den Stellen der geschädigten Myelinscheiden befinden). Eine Untersuchung der Zerebrospinalflüssigkeit (Nervenwasser) mittels Lumbalpunktion wird in den meisten Fällen ebenfalls durchgeführt. Sie ergibt oft typische Veränderungen verschiedener Inhaltsstoffe des Nervenwassers beim Vorliegen einer MS. Besteht weiterhin eine Unsicherheit, kann die Funktion vor allem des Sehnervs durch eine zusätzliche spezielle Untersuchung überprüft werden (visuell evozierte Potenziale).

Zu den Krankheiten, die ähnliche Symptome wie bei einer MS hervorrufen können, gehören: Schlaganfall, Hirntumoren, Lyme-Borreliose und andere seltene akute oder chronische Infektionen, zahlreiche Krankheiten des Immunsystems (Autoimmunkrankheiten), chronische Krankheiten der Blutgefäße, Krankheiten des Rückenmarks oder komplexe Erbkrankheiten. Die MRT-Untersuchung und die Lumbalpunktion können auch hilfreich sein, um diese Erkrankungen auszuschließen. Zudem lassen sich im Blut und ggf. auch im Urin verschiedene Werte bestimmen, anhand derer sich ebenfalls verschiedene andere Krankheiten ausschließen lassen, darunter Infektionen, Immun- und Stoffwechselkrankheiten und andere mehr.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Multiple Sklerose (MS). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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