Läsion des Nervus femoralis

Der Nervus femoralis kommt aus dem Rückenmark im Bereich der Lendenwirbelsäule, verläuft durch das Becken und tritt in die Oberschenkelmuskulatur und die Haut des vorderen Oberschenkels ein. Nervenschädigungen schwächen v. a. den Musculus quadriceps femoris (Oberschenkelmuskel) und führen zu einem Sensibilitätsverlust in der Haut auf der Vorder- und Innenseite des Oberschenkels.

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Was ist eine Läsion des Nervus femoralis?

Hierbei handelt es sich um eine Schädigung des Nerven, der in die Muskulatur und Haut des vorderen Oberschenkels und Muskeln im Beckenbereich und am Oberschenkel aktiviert, v. a. den großen Oberschenkelmuskel (Quadriceps). Der Nerv entstammt dem Rückenmark und tritt zwischen den Bandscheiben der Lendenwirbelsäule heraus, bevor er im Bereich des Beckens Richtung Oberschenkel zieht. Typische Symptome einer Läsion des Femoralisnervs sind eine reduzierte Streckung des Kniegelenks und ein geschwächter Patellarsehnenreflex (Kniereflex) aufgrund des geschwächten Quadriceps-Muskels. Außerdem klagen Betroffene über Kribbeln und Taubheitsgefühl an der Vorderseite des Oberschenkels und Innenseite des Unterschenkels (das Hautareal dort versorgt ein Nerv, der aus dem Nervus femoralis hervorgeht). Diese Nervenschädigung kommt ziemlich selten vor.

Ursachen

Der Nervus femoralis verläuft tief im Gewebe und ist gut geschützt gegen Druck von außen. Allerdings kann er durch eine Beckenfraktur, eine Oberschenkelfraktur und durch Verletzungen, die zu einem ausgerenkten Hüftgelenk führen, geschädigt werden. Mit anderen Worten ist eine Verletzung dieses Nervs oft eine Folge schwerer Traumata. Der Zustand kann auch infolge einer Komplikation bei der Geburt und beim Einsatz einer Hüftprothese, bei Bauch- oder Beckenchirurgie oder bei einer Laparoskopie in diesem Bereich, bei einer Lymphknotenbiopsie in der Leiste, bei einer fehlerhaft durchgeführten Blockade des Nervus femoralis (etwa im Rahmen einer Anästhesie) und einer Punktion der Arteria femoralis (im Rahmen von Herzkatheteruntersuchungen) entstehen.

Diagnostik

Die Anamnese weist auf die Erkrankung hin. Bei der ärztlichen Untersuchung stellen die Ärzte eine Kraftreduktion v. a. des Oberschenkelmuskels (Quadrizeps) fest: der Patient kann sein Kniegelenk auf der betroffenen Seite nicht mehr kraftvoll durchstrecken, der Kniesehnenreflex ist deutlich eingeschränkt oder fehlt. Besteht die Nervenschädigung schon längere Zeit, kann zudem ein Muskelschwund (Atrophie) zu erkennen sein. Der Arzt wird auch feststellen, dass das sensible Gefühl der Haut an der Vorderseite des Oberschenkels und Innenseite des Unterschenkels reduziert ist. Falls der Nerv recht weit oben im Verlauf geschädigt wurde, kann der Betroffene möglicherweise auch sein Hüftgelenk nur noch schlecht beugen.

Besteht der Verdacht auf eine Fraktur oder Luxation, können Ultraschall, Röntgen oder MRT hilfreich sein, um diese darzustellen. Manchmal ist die Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie) oder Funktion der Muskeln (Elektromyografie) sinnvoll.

Behandlung

Die Behandlung hängt ab von dem Mechanismus, der die Verletzung verursacht hat, und dem Grad der Verletzung. Bei einer Blutung im Gewebe (Hämatom), die eventuell den Nerv einklemmen kann, kann eine Drainage oder Ausräumung des geronnenen Bluts sinnvoll sein. Liegt eine Ausrenkung des Hüftgelenks oder eine Fraktur vor, wird diese chirurgisch versorgt. Falls Anteile des Femoralisnervs durch eine Verletzung oder auch einen ärztlichen Eingriff durchtrennt wurden, können diese ggf. wieder zusammengenäht werden. 

Schmerzstillende Medikamente können bei starken Schmerzen empfohlen werden. Sind durch eine länger andauernde Läsion sog. neuropathische Schmerzen entstanden, sind speziellere Medikamente angezeigt.

Im Anschluss an die akute Versorgung evtl. Verletzungen ist regelmäßiges Muskeltraining im Rahmen einer Physiotherapie  wichtig. Am Oberschenkelmuskel entsteht schnell eine Muskelatrophie, und es ist wichtig, das Ausmaß zu minimieren.

Prognose

Bei einer Nervenschädigung infolge einer Kompression ist die Prognose oft gut, d. h. wenn keine Nervenfasern durchtrennt wurden. Abrissverletzungen haben aber eine schlechtere Prognose als Druckverletzungen. Grundsätzlich ist die Prognose abhängig vom Schweregrad und Art der Verletzung, Alter des Patienten und der Dauer zwischen der Nervenläsion und der Behandlung.

Weitere Informationen

Illustrationen

Nervus femoralis
Nervus femoralis

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel N. femoralis, Läsion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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