Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis

Der Nervus cutaneus femoris lateralis entspringt aus dem Rückenmark in Höhe der Lendenwirbelsäule und verläuft zu einem Hautareal an der Außenseite des Oberschenkels. Dieser Nerv kann durch Druck oder Verletzungen geschädigt werden.

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Worum handelt es sich bei einer Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis?

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Das Versorgungsgebiet des Nervs (1) ist eingefärbt.

Der Nervus cutaneus femoris lateralis geht aus dem Rückenmark in Höhe der Lendenwirbelsäule hervor und verläuft zu einem Hautareal an der Vorder- und Außenseite des Oberschenkels. Dieser Nerv verläuft im Bereich der Leiste zusammen mit anderen Strukturen unterhalb des Leistenbandes. Vor allem an dieser Stelle kann er durch Druck oder Verletzungen geschädigt werden. Der Nerv aktiviert keine Muskeln, sondern empfängt nur sensible Nervensignale aus demzugeordneten Hautareal. Typische Symptome einer Schädigung sind Kribbeln und manchmal brennende Schmerzen an der Vorder- oder Außenseite des Oberschenkels. Die Schmerzen werden bei manchen Patienten stärker, wenn das Hüftgelenk gestreckt oder das Bein nach hinten geführt wird, und bessern sich bei einer Beugung des Hüftgelenks (dadurch wird der Nerv eher entlastet). Die Krankheit wird auch Meralgia paraesthetica genannt.

Bei der ärztlichen Untersuchung kann der Arzt demnach ein vermindertes Gefühl (Taubheit) in dem entsprechenden Hautareal an der Vorder- oder Außenseite des Oberschenkels feststellen. Manche Patienten leiden jedoch nur an den Schmerzen, die sensible Wahrnehmung ist noch intakt. Die Funktion der Muskeln ist nicht beeinträchtigt.

Zur Diagnose reicht die ärztliche Untersuchung oft aus; zusätzlich kann aber eine Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie) sinnvoll sein. Falls der Verdacht auf anatomische Auffälligkeiten als Ursache für die Nervenläsion besteht, ist ein MRT sinnvoll.

Ursache

Die Erkrankung beruht normalerweise darauf, dass der Nerv unter dem Leistenband oder dort, wo er in der Leiste durch einen Muskel verläuft, eingeklemmt wird. Allerdings kann der Nerv auch schon in seinem Verlauf im Bereich des Beckens oder im Oberschenkel geschädigt werden.

Das Risiko, diese Erkrankung zu entwickeln, ist bei Gewichtszunahme (oder sehr plötzlicher Gewichtsabnahme) oder in der Schwangerschaft besonders groß. Andere mögliche Ursachen sind zu enge Kleidung oder enge Sicherheitsgurte im Auto oder langdauernde sportliche Belastung (Rad fahren, Joggen). Im Rahmen eines Diabetes mellitus können ebenfalls Nervenschädigungen auftreten. Wer seine Muskeln im Bereich von Unterbauch und Leiste stark trainiert, kann dadurch ebenfalls diesen Nerv komprimieren und an entsprechenden Schmerzen leiden. Auch bei chirurgischen Eingriffen im Bereich des Unterbauchs, Beckens oder in der Leiste kann der Nervus cutaneus femoris lateralis verletzt werden, etwa bei einer Leistenhernienoperation, einem Hüftgelenksersatz oder der Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm.

Therapie

In manchen Fällen handelt es sich um einen vorübergehenden Zustand, der von selbst verschwindet. Wichtig ist es, auf zu enge Kleidung zu verzichten und ggf. Gewicht abzunehmen oder die sportliche Aktivität anzupassen. Falls die Sensibilitätsstörungen und Schmerzen anhalten, kann eine Injektion mit Kortison oder einem örtlichen Betäubungsmittel in den Bereich des Nervs infrage kommen. Eine solche Therapie kann gute Wirkung erzielen, weil Kortison abschwellend wirkt und daher der Druck auf den Nerv durch umgebendes Gewebe verringert wird bzw. das Betäubungsmittel Schmerzen reduziert. Falls dadurch keine dauerhafte Besserung erzielt wird, kann eventuell mit einem operativen Eingriff der Raum um den Nerv herum erweitert werden. 

Weil der Schmerz durch das Einklemmen des Nervs verursacht wird, sollten Bewegungen oder Aktivitäten, die den Schmerz hervorrufen, vermieden werden. Kürzere Phasen mit schmerzhafter Aktivität haben allerdings in aller Regel keine negativen Auswirkungen.

In den allermeisten Fällen gehen die Schmerzen von selbst zurück oder bessern sich vollständig nach einer Therapie, wie oben beschrieben. In sehr seltenen Fällen bleibt der Schmerz unerträglich und hartnäckig: das letzte Mittel ist eine Durchtrennung des Nervs, wodurch zwar eine dauerhaft taube Stelle am Oberschenkel zurückbleibt, aber in fast allen Fällen der Schmerz verschwindet.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel N. cutaneus femoris lateralis, Läsion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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