Therapie von Hirntumoren

Welche Therapieform für einen Hirntumor gewählt wird, hängt von der Art, Größe und Lage des Tumors sowie vom Alter und allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin bzw. des Patienten ab.

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Viele Spezialisten sind beteiligt

Welche Therapieform für einen Hirntumor gewählt wird, hängt von der Art, Größe und Lage des Tumors sowie vom Alter und allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin/des Patienten ab.

Da die Therapie von Hirntumoren komplex sein kann, wird oft ein ganzes Team von Spezialisten benötigt. Das Team kann sich zusammensetzen aus:

  • Neurologen: auf Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert
  • Endokrinologen: auf hormonelle Erkrankungen spezialisiert
  • Neurochirurgen: Führen Operationen am Hirn durch.
  • Radiologen: auf die Interpretation verschiedener Formen der bildgebenden Diagnostik (Röntgen, Computertomografie, MRT, Ultraschall) spezialisiert
  • Pathologen: auf die mikroskopische Interpretation/Diagnose von Gewebeproben aus dem Tumor (Biopsien) spezialisiert
  • Onkologen: auf Krebstherapie spezialisiert; Strahlentherapeuten planen und führen eine evtl. nötige Strahlentherapie durch.

Primärtherapie

Neben der Therapie mit dem Ziel, die Krebszellen abzutöten, kommen Behandlungen zum Einsatz, die die Symptome lindern können, die sich infolge des Tumors entwickelt haben.

Daher werden oft zunächst für einen kurzen Zeitraum Kortikosteroide verabreicht, die Schwellungen im Hirngewebe unterdrücken. Zur Minderung einer sehr starken Hirnschwellung können auch Infusionen mit anderen Wirkstoffen zum Einsatz kommen, die abschwellend wirken. Diese kommen jedoch seltener zum Einsatz.

Wenn Betroffene an Krampfanfällen leiden, können Medikamente erforderlich sein, die weiteren Krämpfen vorbeugen (Antiepileptika).

Wenn der Tumor dazu geführt hat, dass die Zerebrospinalflüssigkeit im Gehirn (Liquor) nicht mehr abfließen kann und sich aufstaut (Hydrozephalus), kann es erforderlich sein, in einer Operation einen sogenannten Shunt zu legen. Ein Shunt ist ein langer dünner Schlauch, der in das Gehirn eingebracht und unter der Haut z. B. in die Bauchhöhle der Patientin/des Patienten geführt wird. Durch den Schlauch kann die überschüssige Flüssigkeit aus dem Gehirn abfließen, was den erhöhten Hirndruck vermindert.

Therapiemethoden

Operation

Den Tumor operativ zu entfernen, ist das Ziel bei den meisten Hirntumoren. Die Chirurgin/der Chirurg versucht dabei, so viel wie möglich von dem Tumor zu entfernen und zugleich das umliegende gesunde Gewebe so wenig wie möglich zu schädigen. Einige Tumoren lassen sich vollständig entfernen, andere jedoch können nur teilweise oder gar nicht entfernt werden. Wenn der Tumor schlecht abgegrenzt ist und in anderes Gewebe einwächst, kann es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich sein, ihn zu entfernen. Dasselbe gilt für Tumoren, die sich zentral im Gehirn oder im Hirnstamm befinden, wo eine Operation zu gefährlich wäre, weil die umgebenden Strukturen lebenswichtige Funktionen haben und geschädigt werden könnten. Wenn ein Tumor langsam wächst – meist ein gutartiger Tumor – kann es sein, dass die Neurochirurgen mit dem Operieren warten, um zu sehen, wie sich die Erkrankung entwickelt.

Bestrahlung

Eine Bestrahlung kommt zum Einsatz, um Tumorzellen im Gehirn zu zerstören. Dabei ist es auch wichtig, dass die Therapie so durchgeführt wird, dass das normale Hirngewebe so wenig geschädigt wird wie möglich. Hierzu werden z. B. die gesunden Teile des Gehirns abgeschirmt. Für die Strahlentherapie gibt es unterschiedliche Verfahren, die Behandlung wird abhängig vom Tumortyp, dem Stadium und dem Gesundheitszustand der Patientin/des Patienten individuell geplant und durchgeführt.

Eine Bestrahlung wird oft auch nach einer Operation durchgeführt, um kleine Tumorreste zu zerstören. Manchmal ist auch eine Bestrahlung des Hirns und des Rückenmarks nötig, um Tumorzellen abzutöten, die sich mit dem Hirnwasser (Liquor) dort verteilen.

Es kommen auch neue Bestrahlungsmethoden zum Einsatz, die sehr präzise sind, die Tumorzellen gezielt zerstören und das gesunde Hirngewebe bestmöglich schonen (z. B. das Gamma-Knife). Dies wird auch als stereotaktische Bestrahlung oder Radiochirurgie bezeichnet.

Chemotherapie

Chemotherapeutika (Zytostatika) sind Substanzen, die möglichst gezielt Krebszellen zerstören. Für die Behandlung von Hirntumoren stehen mehrere verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die je nach Art des Tumors entweder als Tabletten, als Injektionen ins Blut (intravenös) oder als Injektionen direkt ins Gehirn (intrathekal) verabreicht werden. Ob Zytostatika überhaupt zum Einsatz kommen, ist auch von der Art des Tumors abhängig. Einige Tumoren sprechen gut auf eine solche Therapie an: Sie gehen zurück oder verschwinden im besten Fall vollständig. Andere Tumoren sind jedoch resistent gegenüber dieser Art der Therapie und erfordern daher eine andere Art der Behandlung, weil Chemotherapeutika wirkungslos sind.

Bei bestimmten Hirntumoren ist auch eine Hormontherapie wirksam.

Kombinationsbehandlung

In vielen Fällen entscheidet sich die Ärztin oder der Arzt dafür, Hirntumoren mit einer Kombination der oben genannten Therapieformen zu behandeln. Kann in einer Operation z. B. nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt werden, kommt eine anschließende Bestrahlung zum Einsatz um verbliebene Krebszellen zu zerstören. Da das Wissen über die unterschiedlichen Tumorarten und die Anzahl der zur Verfügung stehenden Therapieoptionen (darunter auch viele verschiedene Medikamente) immer größer wird, ist es immer besser möglich, die für den einzelnen Patienten individuell beste Therapie(kombination) auszuwählen.

Bestrahlung und Chemotherapie eines Hirntumors haben Nebenwirkungen wie Haarausfall und Übelkeit. Fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt nach möglichen Nebenwirkungen, wie Sie am besten mit ihnen umgehen können und welche Behandlungen möglich sind.

Prognose und Nachsorge

Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, kann der Gehirntumor entweder zerstört worden sein oder sich mehrere Jahre lang nicht bemerkbar machen (dies wird Remission genannt). Ein Hirntumor, der sich in Remission befindet, hat zu wachsen aufgehört und die Zellen haben aufgehört, sich zu teilen.

Als Teil der Nachsorge einer Hirntumortherapie müssen Sie sich in der Regel zu regelmäßigen Kontrollen mit MRT oder CT vorstellen. Die Abstände zwischen den Untersuchungen können 3 oder 6 Monate oder auch 1 Jahr betragen, je nachdem, um welche Art von Tumor es sich handelt.

Manche Tumoren des Gehirns wachsen sehr schnell und lassen sich in der Regel nicht heilen; in solchen Fällen ist die Prognose sehr ernst.

Neue und experimentelle Therapien

Die Therapie von Hirntumoren ist ein Bereich, in dem viel geforscht wird und in dem neue Therapien eingeführt werden. Eine von ihnen ist die bereits erwähnte stereotaktische Radiochirurgie. Aber auch bei der Chemotherapie gibt es viele neue Entwicklungen. Inzwischen lassen sich viele verschiedene Unterarten von Hirntumoren sehr genau unterscheiden, was eine sehr individuell passende Auswahl der Therapie möglich macht.

Genauere Forschung auf dem Gebiet bestimmter Genveränderungen (Mutationen) in Hirntumoren tragen ebenfalls dazu bei, die Therapie noch genauer auf die jeweiligen Betroffenen abzustimmen. Anhand der Genanalyse in Kombination mit einer genauen histologischen Untersuchung des Tumorgewebes lässt sich zudem recht genau abschätzen, wie aggressiv der jeweilige Tumor wächst. Auch daraus ergibt sich dann ein wichtiger Hinweis auf die Wahl der Therapie.

Begleitende Behandlung

Wie bei anderen Krebsformen auch wird die Ärztin oder der Arzt Ihnen verschiedene Optionen vorschlagen können, um begleitende Beschwerden zu lindern, z. B. Schmerzen, Übelkeit oder auch depressive oder andere psychiatrische Symptome, die durch den Tumor bedingt sind.

Im Gehirn können auch hormonproduzierende Tumoren wachsen, v. a. im Bereich der Hypophyse. Bei Betroffenen ist neben der Entfernung des Tumors auch eine entsprechende Therapie mit Medikamenten nötig, die die verstärkte Wirkung der Hormone des Tumors blockieren.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Intrakranielle Tumoren bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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