Diagnostik bei Hirntumoren

Jedes Jahr erkranken von 100.000 Einwohnern Deutschlands je 17 Männer und 20 Frauen neu an einem Hirntumor. Neben der Anamnese und der klinischen Untersuchung sind bildgebende Verfahren wie CT und MRT sowie eine Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Tumor für die Diagnose ausschlaggebend.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Verdacht auf einen Hirntumor

Für einen Verdacht auf einen Hirntumor und dessen Lokalisation können die von den Patienten geschilderten Beschwerden und eine sorgfältige Untersuchung der Patientin bzw. des Patienten schon deutliche Hinweise geben.

Oft sind die Symptome aber auch zu ungenau, wodurch so seltene Erkrankungen wie ein Hirntumor von Ärztinnen und Ärzten manchmal nicht gleich in Erwägung gezogen werden. Bei dem Verdacht auf einen Hirntumor sind das MRT oder CT wichtige Untersuchungsmethoden. Eine präzise Diagnostik erfordert häufig zudem die Entnahme und Analyse von Gewebeproben und evtl. weitere Tests.

Anamnese

Für die Ärztinnen und Ärzte, die die Diagnose stellen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie eine möglichst genaue Anamnese, also detaillierte Schilderung der Beschwerden erhalten. Wichtige Informationen sind:

  • Welche Symptome und Beschwerden treten auf?
  • Wann traten sie erstmals in Erscheinung?
  • Wie hat sich die Erkrankung entwickelt?
  • Welche sind Veränderungen sind aufgetreten?
  • Welche Auswirkungen hat die Erkrankung z. B. bei Tätigkeiten im Alltag?

Mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel und/oder Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Sehstörungen, Hörstörungen, Konzentrationsstörungen, Krampfanfälle, Lähmungen verschiedener Muskeln.

Körperliche Untersuchung

Neben einer allgemeinen Beurteilung der verschiedenen Organe wie Herz, Lunge und Bauchorgane ist bei Verdacht auf einen Hirntumor zunächst eine neurologische Untersuchung von zentraler Bedeutung. Diese umfasst Untersuchungen des Sehvermögens, des Hörvermögens, des Gleichgewichtssinns, der Koordination, der Reflexe, der Kraft in Armen und Beinen und der sensorischen Wahrnehmung in verschiedenen Körperteilen. Da verschiedenen Gebieten des Gehirns unterschiedliche Funktionen zugeordnet sind, sagt die neurologische Untersuchung auch etwas darüber aus, wo ein vermuteter Tumor im Gehirn lokalisiert sein könnte.

Im Rahmen neuropsychologischer Tests kann die Ärztin bzw. der Arzt zudem Fähigkeiten wie Gedächtnis, Konzentrationsvermögen und andere kognitive Funktionen des Gehirns beurteilen.

Durch eine Untersuchung der Augen lassen sich Informationen darüber gewinnen, ob der vermutete Hirntumor bereits zu erhöhtem Hirndruck geführt hat oder den Sehnerv beeinträchtigt. Sorgfältige Untersuchungen durch den HNO-Arzt sind wichtig, um zu beurteilen, ob der Tumor das Hören und/oder das Gleichgewichtsorgan beeinträchtigt. Mit einer Elektroenzephalografie (EEG) lässt sich abklären, ob ein erhöhtes Risiko für Krampfanfälle besteht.

Ergänzende Untersuchungen


 

Blutuntersuchungen können Hinweise darauf geben, ob auch andere Organe beeinträchtigt sind. Bestimmte Hirntumoren (Hypophysentumoren) beeinflussen häufig das körpereigene Hormonsystem, daher sind auch Hormonuntersuchungen wichtig.

Untersuchungen des Liquors (Lumbalpunktion) können wichtige Informationen über das zentrale Nervensystem liefern. Entzündliche Veränderungen gehen häufig mit Symptomen einher, die den Symptomen eines Tumors ähneln. In solchen Fällen kann eine Liquoruntersuchung von besonderer Bedeutung sein. Der Liquor (Hirnwasser) kann außerdem Tumorzellen enthalten, was eine korrekte Diagnosestellung erleichtern kann.

Um zu erfahren, wo genau der Tumor wächst und wie groß er ist, sind bildgebende Verfahren (CT und/oder MRT) angezeigt.

Bildgebende Verfahren

Die Auswahl des Verfahrens hängt auch von den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung ab.

MRT des Gehirns

Die wichtigste und am häufigsten genutzte Methode zur Lokalisierung eines Hirntumors ist die MRT (Magnetresonanztomografie). Bei diesem Verfahren kommen Magnetfelder und Radiowellen zum Einsatz, um detaillierte Bilder der Hirnstrukturen zu erzeugen. Eine MRT kann mit oder ohne Kontrastmittel durchgeführt werden. Das Kontrastmittel gelangt über eine Infusion in den Blutkreislauf und ermöglicht die Aufnahme noch detaillierterer Bilder eines möglichen Tumors.

Die MRT-Aufnahmen ermöglichen:

  • eine Stadieneinteilung des Tumors
  • die Beurteilung der Wirksamkeit einer laufenden oder abgeschlossenen Therapie
  • die Erkennung möglicher Rezidive und Metastasen (Tochtergeschwülste)
  • eine Unterscheidung zwischen malignen und benignen Tumoren.

CT des Gehirns

Die Computertomografie ermöglicht detaillierte zweidimensionale Aufnahmen des Gehirns. Da die CT auf Röntgenstrahlen basiert, während beim MRT Magnetfelder zum Einsatz kommen, stellt die MRT eine geringere Belastung dar. MRT-Bilder liefern außerdem mehr Informationen als CT-Bilder. Die CT hingegen ist schneller durchzuführen und bietet weitere wichtige Hinweise, z. B. die Aufdeckung von Verkalkungen, die für bestimmte Tumoren typisch sind.

Angiografie

Eine Angiografie ist eine Röntgenuntersuchung der Blutgefäße unter Verwendung eines Kontrastmittels. Das Kontrastmittel wird injiziert und mit dem Blutkreislauf zum Gehirn transportiert. Der Farbstoff, der durch die Blutgefäße im Gehirn fließt, ist im Röntgenbild zu erkennen (und damit also der Verlauf der Blutgefäße). Diese Untersuchung trägt dazu bei, mögliche kleine Blutgefäße in einem Hirntumor und darum herum zu identifizieren, ist aber nicht so oft erforderlich.

Röntgen des Schädels

Eine Röntgenaufnahme des Schädels kann Veränderungen der Schädelknochen abbilden, die möglicherweise Anzeichen für einen Tumor sind. Allerdings ist das Röntgen in diesem Fall eine ungenaue Untersuchungsmethode, da es das Innere des Schädels nicht abbildet und somit für die Untersuchung von Hirntumoren nicht ausreicht.

PET-CT (Positronen-Emissionstomografie)

Bei der PET wird eine geringe Menge radioaktiver Stoffe (z. B. Glukose) in den Blutstrom injiziert. Diese reichern sich in Körperregionen mit einer hohen Stoffwechselaktivität an. Da der Stoffwechsel von Tumorzellen besonders aktiv ist, kann die Untersuchung außerdem Hinweise auf die Tumoraktivität liefern. Die radioaktive Glukose setzt Strahlung frei, die durch eine spezielle Kamera erfasst werden kann: So werden Regionen mit einer hohen Stoffwechselaktivität (Tumoren) erkennbar. Sehr häufig wird parallel eine CT/MRT durchgeführt, sodass die Informationen, die die PET liefert, präzise lokalisiert werden können.

Die PET ist jedoch sehr aufwändig und steht nicht so oft zur Verfügung wie eine MRT oder CT; daher kommt diese Untersuchung seltener zum Einsatz.

Biopsie und Histologie

Zusätzlich zu den oben genannten Untersuchungen sind neurochirurgische Maßnahmen notwendig, um einen Hirntumor zu diagnostizieren und die Art des Tumors mit Sicherheit zu bestimmen.

Bei der Biopsie wird unter Lokalbetäubung oder allgemeiner Narkose eine feine Nadel in den Tumor eingeführt und eine Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung entnommen. So kann der Tumorzelltyp beurteilt und die genaue Art des Hirntumors diagnostiziert werden. Es sind inzwischen 16 verschiedene Arten von Hirntumoren bekannt, die jeweils noch Unterarten aufweisen.

Zusätzlich zu dieser Zuordnung der Tumorart, werden auch bestimmte Genveränderungen (Mutationen) der Tumorzellen genau analysiert. Alle diese Informationen tragen dazu bei, die Charakteristika des jeweiligen Hirntumors genauer abschätzen zu können. Dies ist für die Wahl der am besten geeigneten Therapiemethode und die Beurteilung der Prognose ausschlaggebend.

Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die je nach dem Gewebetyp im Gehirn benannt werden, von dem sie ausgehen. Darunter sind z. B. die Tumoren der sog. Gliazellen (Gliome: u. a. Glioblastom, Astrozytom), Tumoren der Nervenzellen (Neurom, Schwannom u. a.), des Gewebes der Hirnventrikel (Ependymom), der Hirnhäute (Meningeome) oder anderer Gewebe im Gehirn (z. B. Tumor der Hirnanhangsdrüse: Hypophysenadenom).

Weitere Informationen

Tumoren

Untersuchungen

Illustrationen

Lumbalpunktion
Lumbalpunktion

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Intrakranielle Tumoren bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Louis D, Ohgaki H, Wiestler O, et al. The 2007 WHO classification of tumours of the central nervous system. Acta Neuropathol 2007; 114: 97-109. www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Schulz-Schaeffer W. Neuerungen der WHO-Klassifikation der Hirntumore von 2016. Radiologe 2017; 57: 701–706. doi:10.1007/s00117-017-0290-3 DOI
  3. Louis D, Perry A, Reifenberger G, et al. The 2016 World Health Organization Classification of Tumors of the Central Nervous System: a summary. Acta Neuropathol 2016; 131: 803-820. doi:10.1007/s00401-016-1545-1 DOI
  4. Komori T. The 2016 WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System: The Major Points of Revision. Neurologia medico-chirurgica 2017; 57: 1-11. doi:10.2176/nmc.ra.2017-0010 DOI
  5. Schlegel U. Neue WHO-Klassifikation der Hirntumoren und Folgen für die neurologische Therapie. InFo Neurologie und Psychiatrie 2017; 19: 46-54. doi:10.1007/s15005-017-1938-2 DOI
  6. Schneider T, Mawrin C, Scherlach C, et al. Gliomas in adults. Dtsch Arztebl Int 2010; 107:799–808. DOI: 10.3238/arztebl.2010.0799 www.aerzteblatt.de
  7. Herrlinger U, Grosu A, Nikkhah G, et al. Tumoren. In: Hufschmidt A, Lücking C, Rauer S (Hrsg.): Neurologie compact; S. 263-283. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2013.
  8. Perkins A, Liu G . Primary Brain Tumors in Adults: Diagnosis and Treatment. Am Fam Physician 2016; 93: 211-217. www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Saeger W, Lüdecke DK, Buchfelder M, et al. Pathohistological classification of pituitary tumors: 10 years of experience with the German Pituitary Tumor Registry. Eur J Endocrinol 2007; 156: 203-16. pmid:17287410 PubMed
  10. Whittle IR, Smith C, Navoo P, Collie D. Meningiomas. Lancet 2004; 363: 1535-43. www.ncbi.nlm.nih.gov
  11. Wiemels J, Wrensch M, Claus EB. Epidemiology and etiology of meningioma. J Neurooncol 2010; 99: 307-14. pmid:20821343 PubMed
  12. Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie. Patienteninformation Meningeome. www.dgnc.de
  13. Corn BW, Marcus SM, Topham A, Hauck W, Curran WJ jr. Will primary central nervous system lymphoma be the most frequent brain tumor diagnosed in the year 2000? Cancer 1997; 79: 2409 - 13. PubMed
  14. Trichopoulos D, Adami H-O. Cellular telephones and brain tumors. N Engl J Med 2001; 344: 133-4. PubMed
  15. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Gliome. AWMF-Leitlinie Nr. 030-099, Stand 2014. www.awmf.org
  16. Wen PY, Schiff D, Kesari S, Drappatz J, Gigas D, Doherty L. Medical management of patients with brain tumors. J Neurooncol 2006; 80: 313-32. PubMed
  17. Deutsche Krebsgesellschaft. Strahlentherapie bei Hirntumoren. www.krebsgesellschaft.de
  18. Rauhut F, Stolke D. Combined surgery and radiotherapy of invasive pituitary adenomas - problems of radiogenic encephalopathy. Acta Neurochir (Wien) 1996; 65: 3-40. www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Deutsche Krebsgesellschaft. Chemotherapie bei Hirntumoren. www.krebsgesellschaft.de
  20. van den Bent MJ, Brandes AA, Taphoorn MJ, et al. Adjuvant procarbazine, lomustine, and vincristine chemotherapy in newly diagnosed anaplastic oligodendroglioma: long-term follow-up of EORTC brain tumor group study 26951. J Clin Oncol 2013; 31: 344-50. pmid:23071237 PubMed
  21. Ferreri AJ. How I treat primary CNS lymphoma. Blood 2011; 118: 510-22. pmid:21613254 PubMed
  22. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Gliome im Erwachsenenalter. Stand 2019. www.onkopedia.com
  23. Jakola AS, Myrmel KS, Kloster R, et al. Comparison of a strategy favoring early surgical resection vs a strategy favoring watchful waiting in low-grade gliomas. JAMA 2012; 308: 1881-8. pmid:23099483 PubMed
  24. Debus J, Wuendrich M, Pirzkall A, Hoess A, Schlegel W, Zuna I et al. High efficacy of fractionated stereotactic radiotherapy of large base-of-skull meningiomas: long-term results. J Clin Oncol 2001; 19: 3547 - 53. PubMed
  25. Samii M, Matthies C. Management of 1000 vestibular schwannomas (acustic neuromas): the facial nerve - preservation and restitution of function. Neurosurg 1997; 40: 684-95. www.ncbi.nlm.nih.gov
  26. Matthies C, Samii M. Management of vestibular schwannomas (acustic neuromas): the value of neurophysiology for evaluation and prediction of auditory function in 420 cases. Neurosurg 1997; 40: 919-30. www.ncbi.nlm.nih.gov
  27. Patchell RA, Tibbs PA, Walsh JW, Dempsey RJ, Maruyama Y, Kryscio RJ et al. A randomized trial of surgery in the treatment of single metastases to the brain. N Engl J Med 1990; 322: 494 - 500. New England Journal of Medicine
  28. Mekhail T, Sombeck M, Sollaccio R. Adjuvant whole-brain radiotherapy versus observation after radiosurgery or surgical resection of one to three cerebral metastases: results of the EORTC 22952-26001 study. Curr Oncol Rep 2011; 13: 255-8. pmid:21584645 PubMed
  29. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Dortmund. Merkblätter und wissenschaftliche Begründungen zu den Berufskrankheiten der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), zuletzt aktualisiert durch die Dritte Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 22. Dezember 2014. Zugriff 24.1.2017. www.baua.de
  30. DGVU Formtexte für Ärzte: Ärztliche Anzeige bei Verdacht auf eine Berufskrankheit. www.dguv.de
  31. Porter KR, McCarthy BJ, Berbaum ML, Davis FG. Conditional survival of all primary brain tumor patients by age, behavior, and histology. Neuroepidemiology 2011; 36: 230-9. pmid:21677447 PubMed
  32. Deutsche Hirntumorhilfe. Meningeom. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de
  33. Deutsche Tumorhilfe. Hypophysentumoren. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de
  34. Deutsche Hirntumorhilfe. Akustikusneurinom. Zugriff 15.04.20 www.hirntumorhilfe.de
  35. Deutsche Hirntumorhilfe. ZNS-Lymphom. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de
  36. Deutsche Tumorhilfe. Hirnmetastasen. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de