Hirntumoren – Symptome und Beschwerdebilder

Hirntumoren können eine Vielzahl von Symptomen und Beschwerden verursachen. Kopfschmerzen sind die vielleicht häufigsten Symptome. Da Kopfschmerzen sehr verbreitet sind und Hirntumoren sehr selten auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kopfschmerzen auf einen Hirntumor zurückzuführen sind, jedoch äußerst gering.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Welche Beschwerden können auftreten?

Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, abhängig davon, aus welchen Zellen des Gehirns der Tumor hervorgeht (z. B. Nervenzellen, die Hirnhaut oder andere Zellen im Gehirn). Diese sog. primären Hirntumoren wachsen je nach Art unterschiedlich schnell. Sekundäre Hirntumoren sind Tochtergeschwulste (Metastasen) im Gehirn, die aus Tumoren anderer Organe entstehen.

Grundsätzlich können alle Hirntumoren zu ähnlichen Symptomen führen; dabei hängen die Symptome davon ab, wo genau der Tumor sich befindet, wie schnell er wächst und wie groß er ist. Ein Hirntumor kann zahlreiche Symptome verursachen, da er Druck auf das Hirngewebe ausüben, in das Hirngewebe hineinwachsen und die Funktion des betroffenen Gewebes beeinträchtigen kann. Auf diese Weise kann der Tumor Bereiche schädigen oder zerstören, die für das Sehvermögen, die Motorik, das Gleichgewicht, das Sprachvermögen, das Hörvermögen, das Gedächtnis oder auch die Steuerung des Verhaltens verantwortlich sind. Hirntumoren können außerdem Schwellungen im umliegende Gewebe (Ödeme) hervorrufen, die den Hirndruck erhöhen und die Symptome verstärken.

Zunächst können die Symptome und Beschwerden vage und nicht permanent vorhanden sein, was die Diagnosestellung erschwert. Zudem können viele andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen.

Wie rasch die Symptome einsetzen und zunehmen, kann Hinweise auf die Schwere der Erkrankung liefern. Bei der aggressivsten Art maligner Hirntumoren (Glioblastom) treten häufig derart intensive Symptome auf, dass die Betroffenen bereits nach wenigen Wochen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, während bei Patienten mit langsam wachsenden Tumoren (z. B. Meningeomen) eine deutlich längere Zeit vergehen kann, bevor sie aufgrund ihrer Beschwerden ärztliche Hilfe suchen. Gelegentlich sind Blutungen von Tumoren zu beobachten. Die Symptome können sich in diesem Fall ähnlich akut wie bei einem Schlaganfall zeigen.

Blutungen und Ödeme im Gehirn können sehr gefährlich sein. Der Grund dafür liegt darin, dass das Gehirn vom harten Hirnschädel (Cranium) umgeben ist. Wie an allen anderen Körperstellen bilden sich um solche Läsionen Schwellungen. Da das Hirngewebe sich aber wegen des dicht anliegenden Schädelknochens nicht ausdehnen kann, wird bei einem Hirnödem das Hirngewebe wegen der zunehmenden Schwellung komprimiert. Bei entsprechend hohem Druckanstieg wird das gesamte Gehirn in die einzige Richtung gedrückt, in die das geschwollene Gewebe entweichen kann: in die Öffnung an der Unterseite der Schädelgrube (Übergang vom Gehirn zum Rückenmark). Wird das Gehirn in diese Öffnung gedrückt, können Hirnstrukturen, die für Steuerung der Atmung und des Herzschlags wichtig sind, beeinträchtigt werden. Die Atemfunktion können wir bis zu einem gewissen Grad kontrollieren. Setzt jedoch der Herzschlag aus, können wir die Atmung nicht willentlich wieder in Gang setzen. Daher kann ein starker Druckanstieg im Gehirn einen plötzlichen tödlichen Ausgang zur Folge haben.

Häufigkeit

Hirntumoren können schon bei Kindern auftreten, entwickeln sich jedoch meist bei Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Etwa 60 % der Hirntumoren sind bösartig, zerstören also mit der Zeit das Gewebe in ihrer Umgebung, weil sie unkontrolliert wachsen. Aber aufgrund der Lokalisation im empfindlichen Hirngewebe führen wie oben erwähnt auch gutartige Tumoren oft zu deutlichen Symptomen. Insgesamt wird jährlich in Deutschland bei etwa 17 Männern und 20 Frauen von 100.000 Einwohnern ein Hirntumor diagnostiziert. Je nach Art des Tumors ist die Prognose recht günstig oder sehr ernst.

Von den eigentlichen Hirntumoren sind Hirnmetastasen abzugrenzen, also im Hirn lokalisierte Tochtergeschwülste von Tumoren, die in anderen Organen ihren Ursprung haben (z. B. Lungenkrebs). Hirnmetastasen können grundsätzlich zu ähnlichen Symptomen führen wie „echte" Hirntumoren.

Ursachen

Als Ursachen kommen verschiedene Erbkrankeiten in Betracht sowie ionisierende Strahlung (radioaktive Strahlung). Es besteht hingegen kein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Hirntumoren und u. a. Rauchen, Alkoholmissbrauch, Nutzung von Mobiltelefonen oder Exposition von Hochspannungsleitungen.

Typische Symptome

  • Neu auftretende Kopfschmerzen, vor allem nach dem Aufwachen. Aber bei weitem nicht alle Betroffenen klagen über Kopfschmerzen.
  • Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
  • Ungeklärte Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen in Form von verschleiertem Sehen, Doppelbildern, Verlust des Sehvermögens in einem Gesichtsfeld (ist z. B. das rechte Gesichtsfeld betroffen, ist alles, was rechts vor einem liegt, nicht mehr zu sehen, wenn man geradeaus schaut).
  • Allmählicher Verlust der Empfindung oder Motorik in einem Arm oder einem Bein
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
  • Sprachschwierigkeiten
  • Hörstörungen
  • Müdigkeit bis zur Benommenheit
  • Zunehmende Verwirrung
  • Veränderungen der Persönlichkeit oder des Verhaltens
  • Hormonelle Störungen (s. u. Hypophysentumoren)

Kommt es infolge eines Tumors zu einer Hirnblutung, können Störungen des Sehens, Sprechens, Motorik etc. auch ganz plötzlich wie bei einem Schlaganfall auftreten.

Verschiedene Symptome je nach Tumor

  • Ein rascher Druckanstieg im Hirngewebe (z. B. bei schnell wachsenden Tumoren) verursacht Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. Die Größe der Pupille beider Augen kann zudem plötzlich unterschiedlich sein. Bei starkem Druckanstieg sind auch veränderte Atmung, verlangsamter Herzschlag und erhöhter Blutdruck möglich (das ist ein Notfall!).
  • Ein langsamer Druckanstieg im Hirngewebe verursacht Symptome wie morgendliche Kopfschmerzen, die häufig von Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Schwindel oder Unsicherheit beim Gehen begleitet werden.
  • Weitere Symptome können langsam zunehmende Lähmungen, Sprachstörungen, andere funktionelle Störungen, Bewusstseinsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen sein.
  • Tumoren der Hypophyse, also Tumoren im übergeordneten Hormonzentrum des Gehirns, verursachen hormonelle Veränderungen, wie z. B. das Ausbleiben der Menstruation, Impotenz, Sekretionen aus den Brüsten (Galaktorrhö) und Wachstumsstörungen.

Tumorlokalisation

Gehirn, Funktionsbereiche

 

Häufig kann die Neurologin/der Neurologe aufgrund der vorliegenden Symptome und Beschwerden in etwa bestimmen, wo der Tumor sich befindet: Spezifische Funktionen werden von bestimmten Bereichen des Gehirns ausgeführt (stark vereinfachtes Schema siehe Abbildung).

Im Artikel Hirnfunktionen und Hirnverletzungen erhalten Sie weitere Informationen über den Zusammenhang von Schäden/Erkrankungen und spezifischen Hirnregionen sowie den davon betroffenen Funktionen.

Diagnostik

Zur weiteren Diagnostik gehören CT oder MRT des Gehirns oder speziellere Untersuchungen, um die genaue Lokalisation und Ausdehnung des vermuteten Hirntumors zu bestimmen.

Wichtig ist auch festzustellen, um welchen Typ von Hirntumor es sich handelt, da es zahlreiche unterschiedliche Arten und Unterarten gibt. Diese sind mit einem verschieden hohen Risiko für einen raschen Wachstum verbunden und benötigen eine unterschiedliche Therapie. Auch Untersuchungen des Hirnwassers (Liquor), der Hormonspiegel im Blut und ein Elektroenzephalogramm (Messung der Hirnströme) gehören zur Diagnostik.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Intrakranielle Tumoren bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Louis D, Ohgaki H, Wiestler O, et al. The 2007 WHO classification of tumours of the central nervous system. Acta Neuropathol 2007; 114: 97-109. www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Schulz-Schaeffer W. Neuerungen der WHO-Klassifikation der Hirntumore von 2016. Radiologe 2017; 57: 701–706. doi:10.1007/s00117-017-0290-3 DOI
  3. Louis D, Perry A, Reifenberger G, et al. The 2016 World Health Organization Classification of Tumors of the Central Nervous System: a summary. Acta Neuropathol 2016; 131: 803-820. doi:10.1007/s00401-016-1545-1 DOI
  4. Komori T. The 2016 WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System: The Major Points of Revision. Neurologia medico-chirurgica 2017; 57: 1-11. doi:10.2176/nmc.ra.2017-0010 DOI
  5. Schlegel U. Neue WHO-Klassifikation der Hirntumoren und Folgen für die neurologische Therapie. InFo Neurologie und Psychiatrie 2017; 19: 46-54. doi:10.1007/s15005-017-1938-2 DOI
  6. Schneider T, Mawrin C, Scherlach C, et al. Gliomas in adults. Dtsch Arztebl Int 2010; 107:799–808. DOI: 10.3238/arztebl.2010.0799 www.aerzteblatt.de
  7. Herrlinger U, Grosu A, Nikkhah G, et al. Tumoren. In: Hufschmidt A, Lücking C, Rauer S (Hrsg.): Neurologie compact; S. 263-283. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2013.
  8. Perkins A, Liu G . Primary Brain Tumors in Adults: Diagnosis and Treatment. Am Fam Physician 2016; 93: 211-217. www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Saeger W, Lüdecke DK, Buchfelder M, et al. Pathohistological classification of pituitary tumors: 10 years of experience with the German Pituitary Tumor Registry. Eur J Endocrinol 2007; 156: 203-16. pmid:17287410 PubMed
  10. Whittle IR, Smith C, Navoo P, Collie D. Meningiomas. Lancet 2004; 363: 1535-43. www.ncbi.nlm.nih.gov
  11. Wiemels J, Wrensch M, Claus EB. Epidemiology and etiology of meningioma. J Neurooncol 2010; 99: 307-14. pmid:20821343 PubMed
  12. Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie. Patienteninformation Meningeome. www.dgnc.de
  13. Corn BW, Marcus SM, Topham A, Hauck W, Curran WJ jr. Will primary central nervous system lymphoma be the most frequent brain tumor diagnosed in the year 2000? Cancer 1997; 79: 2409 - 13. PubMed
  14. Trichopoulos D, Adami H-O. Cellular telephones and brain tumors. N Engl J Med 2001; 344: 133-4. PubMed
  15. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Gliome. AWMF-Leitlinie Nr. 030-099, Stand 2014. www.awmf.org
  16. Wen PY, Schiff D, Kesari S, Drappatz J, Gigas D, Doherty L. Medical management of patients with brain tumors. J Neurooncol 2006; 80: 313-32. PubMed
  17. Deutsche Krebsgesellschaft. Strahlentherapie bei Hirntumoren. www.krebsgesellschaft.de
  18. Rauhut F, Stolke D. Combined surgery and radiotherapy of invasive pituitary adenomas - problems of radiogenic encephalopathy. Acta Neurochir (Wien) 1996; 65: 3-40. www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Deutsche Krebsgesellschaft. Chemotherapie bei Hirntumoren. www.krebsgesellschaft.de
  20. van den Bent MJ, Brandes AA, Taphoorn MJ, et al. Adjuvant procarbazine, lomustine, and vincristine chemotherapy in newly diagnosed anaplastic oligodendroglioma: long-term follow-up of EORTC brain tumor group study 26951. J Clin Oncol 2013; 31: 344-50. pmid:23071237 PubMed
  21. Ferreri AJ. How I treat primary CNS lymphoma. Blood 2011; 118: 510-22. pmid:21613254 PubMed
  22. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Gliome im Erwachsenenalter. Stand 2019. www.onkopedia.com
  23. Jakola AS, Myrmel KS, Kloster R, et al. Comparison of a strategy favoring early surgical resection vs a strategy favoring watchful waiting in low-grade gliomas. JAMA 2012; 308: 1881-8. pmid:23099483 PubMed
  24. Debus J, Wuendrich M, Pirzkall A, Hoess A, Schlegel W, Zuna I et al. High efficacy of fractionated stereotactic radiotherapy of large base-of-skull meningiomas: long-term results. J Clin Oncol 2001; 19: 3547 - 53. PubMed
  25. Samii M, Matthies C. Management of 1000 vestibular schwannomas (acustic neuromas): the facial nerve - preservation and restitution of function. Neurosurg 1997; 40: 684-95. www.ncbi.nlm.nih.gov
  26. Matthies C, Samii M. Management of vestibular schwannomas (acustic neuromas): the value of neurophysiology for evaluation and prediction of auditory function in 420 cases. Neurosurg 1997; 40: 919-30. www.ncbi.nlm.nih.gov
  27. Patchell RA, Tibbs PA, Walsh JW, Dempsey RJ, Maruyama Y, Kryscio RJ et al. A randomized trial of surgery in the treatment of single metastases to the brain. N Engl J Med 1990; 322: 494 - 500. New England Journal of Medicine
  28. Mekhail T, Sombeck M, Sollaccio R. Adjuvant whole-brain radiotherapy versus observation after radiosurgery or surgical resection of one to three cerebral metastases: results of the EORTC 22952-26001 study. Curr Oncol Rep 2011; 13: 255-8. pmid:21584645 PubMed
  29. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Dortmund. Merkblätter und wissenschaftliche Begründungen zu den Berufskrankheiten der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), zuletzt aktualisiert durch die Dritte Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 22. Dezember 2014. Zugriff 24.1.2017. www.baua.de
  30. DGVU Formtexte für Ärzte: Ärztliche Anzeige bei Verdacht auf eine Berufskrankheit. www.dguv.de
  31. Porter KR, McCarthy BJ, Berbaum ML, Davis FG. Conditional survival of all primary brain tumor patients by age, behavior, and histology. Neuroepidemiology 2011; 36: 230-9. pmid:21677447 PubMed
  32. Deutsche Hirntumorhilfe. Meningeom. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de
  33. Deutsche Tumorhilfe. Hypophysentumoren. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de
  34. Deutsche Hirntumorhilfe. Akustikusneurinom. Zugriff 15.04.20 www.hirntumorhilfe.de
  35. Deutsche Hirntumorhilfe. ZNS-Lymphom. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de
  36. Deutsche Tumorhilfe. Hirnmetastasen. Zugriff 15.04.20. www.hirntumorhilfe.de