Restless-Legs-Syndrom

Menschen mit dieser Erkrankung leiden an Episoden mit einem quälenden, unwiderstehlichen Drang, die Unterschenkel zu bewegen.

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Was versteht man unter dem Restless-Legs-Syndrom?

Das Syndrom wird auch als Wittmaack-Ekbom-Krankheit, RLS oder rastlose Beine bezeichnet, was die Symptome der Erkrankung beschreibt. Menschen mit dieser Erkrankung leiden an Episoden mit einem quälenden, unwiderstehlichen Drang, die Unterschenkel zu bewegen. Gleichzeitig tritt häufig ein unangenehmes, manchmal auch schmerzhaftes Gefühl von Stechen und Kribbeln in den Waden auf. Das Stechen kann bei einigen Betroffenen zu Muskelschmerzen und Muskelverspannungen führen. Oft lassen sich die Missempfindungen kaum genau beschreiben, weil sie so diffus sind. Rumpf und Arme sind nur selten betroffen. Meist sind die Symptome in der Zeit vor oder 15–30 Minuten nach dem Schlafengehen am stärksten ausgeprägt, sie können aber auch tagsüber in Ruhelage auftreten. Die Symptome treten manchmal umso stärker hervor, je bequemer man liegt, und sie verschwinden fast sofort, wenn man die Beine bewegt, kommen aber oft schnell zurück, sobald man sich wieder hinlegt. Die Erkrankung kann aufgrund des beeinträchtigten Schlafs zu verminderter Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisstörungen, Motivations- und Antriebsverlust und eventuell zu Depressionen und Angststörungen führen. Längere Flugreisen können problematisch sein.

Wenn die Symptome das erste Mal auftreten, machen sie sich meist beim Schlafengehen oder in der Nacht bemerkbar. Im Laufe der Zeit können die Symptome früher am Tag einsetzen und in der Nacht intensiver ausfallen. Bei den meisten Betroffenen bestehen Schlafstörungen.

Eine besondere Krankheitsform ist das sog. PLMS (Periodic Limb Movement During Sleep = periodische Beinbewegungen im Schlaf). Bei den Betroffenen kommen die Bewegungen von Füßen und/oder Unterschenkeln (seltener auch den Armen u. a.) nur während des Schlafs vor. Die Bewegungen dauern jeweils wenige Sekunden, treten aber sehr häufig auf und führen immer mal wieder zum Aufwachen. Zwischen dem RLS und dem PLMS gibt es Überschneidungen; die Mehrzahl der RLS-Patienten leidet auch an PLMS, es gibt aber auch Betroffene, bei denen die Bewegungen nur im Schlaf auftreten.

Die Erkrankung kommt bei Frauen und bei älteren Menschen häufiger vor. In der Altersgruppe von 18–64 Jahren sind Schätzungen zufolge 3–10 % betroffen. Ältere Menschen leiden eher an dieser Krankheit als jüngere, sie kann aber auch bei Kindern und Jugendlichen auftreten.

Ursache

Wenn keine Grunderkrankung (siehe unten) vorliegt, berichten die Patienten in 60–90 % der Fälle, dass es auch andere Fälle in der Familie gibt. Mit anderen Worten: Die Erkrankung ist oft erblich bedingt. Aber häufig folgt die Erkrankung keinem erblichen Muster. Für diese Gruppe ist nur wenig über die Ursache bekannt. Wahrscheinlich spielt der Stoffwechsel von bestimmten Nervenbotenstoffen, v. a. Dopamin, eine Rolle. Auch die für die Funktion des Gehirns wichtigen Funktionen der Opioide scheinen gestört zu sein.

Es wurde auch beobachtet, dass sich durch einige Krankheiten und Medikamente und in bestimmten Lebensphasen das Risiko einer Erkrankung erhöhen kann bzw. das Restlegs-Legs-Syndrom gehäuft gleichzeitig mit manchen anderen Krankheiten auftritt. Dies gilt für:

Diagnose

Die Diagnose wird auf Grundlage der vom Patienten beschriebenen typischen Symptome gestellt. Der Arzt wird den Patienten genau körperlich untersuchen, um evtl. Hinweise auf eine zugrunde liegende Krankheit zu finden. Bei einem Verdacht werden zusätzliche Untersuchungen folgen, etwa die Untersuchung der Muskelaktivität oder der Nervenleitgeschwindigkeit.

Liegt ein RLS nahe, so gibt es aber keine zusätzlichen Untersuchungen, durch die sich die Diagnose bestätigen oder widerlegen lässt. Allerdings sollte der Eisengehalt im Körper überprüft werden, was mithilfe von Bluttests geschieht. Wenn der Test einen Eisenmangel anzeigt, können Eisenzusätze in einigen Fällen dazu führen, dass die Symptome verschwinden. Zur genaueren Beurteilung der Schlafqualität können Untersuchungen im Schlaflabor sinnvoll sein. 

Der Arzt kann auch testen, ob bestimmte Medikamente gegen RLS bei dem Betroffenen wirken: Tritt eine Besserung der Symptome ein, ist die Diagnose RLS wahrscheinlich. Auch der Hinweis auf ebenfalls betroffene Verwandte spricht für das Vorliegen eines RLS.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern. Aktuell existiert keine Behandlung, die zu einer vollständigen Heilung führt. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt von den Unannehmlichkeiten und der Beeinträchtigung der Lebensqualität des Patienten ab. 

Es ist wichtig, festzustellen, ob zugrunde liegende Ursachen wie z. B. Eisenmangelanämie vorliegen, und diese gegebenenfalls zu behandeln. Eisen lässt sich beispielsweise leicht substituieren. Eventuell besteht die Möglichkeit, die Behandlung mit den oben genannten Medikamenten einzustellen oder deren Dosis zu reduzieren, die das Syndrom verursachen können. Oft sind diese Medikamente jedoch entscheidend zur Therapie der jeweils zugrunde liegenden Krankheit (etwa einer Depression) und sollten daher wie verordnet weiter eingenommen werden bzw. nur in Absprache mit dem Arzt verändert werden.

Es gibt wirksame Medikamente gegen die Erkrankung, sogenannte dopaminerge Mittel, die auch bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit zum Einsatz kommen. Die beiden Erkrankungen haben jedoch grundsätzlich nichts miteinander zu tun. Dopaminerge Mittel führen bei vielen Patienten zu einer Linderung der Symptome. Sie sind jedoch nicht frei von Nebenwirkungen; die Beschwerden können sich bei manchen Patienten sogar verstärken. Deshalb sollte gemeinsam mit dem Arzt kritisch geprüft werden, ob eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist. Man schätzt, dass nur einer von vier Patienten mit dem Restless-Legs-Syndrom Medikamente benötigt. Als Alternative zu den verschiedenen dopaminergen Mitteln können Patienten auch Beruhigungsmittel oder Wirkstoffe einnehmen, die auch gegen Krampfanfälle eingesetzt werden. Auch Schmerzmittel auf der Basis von Opioiden sind auch eine mögliche Option.

Tritt RLS während einer Schwangerschaft auf, sollten/dürfen keine spezifischen Medikamente gegen die Krankheit eingesetzt werden. Bei Eisenmangel kann Eisen substituiert werden. Mit der Geburt verschwinden in der Regel auch die Symptome.

Was können Sie selbst tun?

  • Bewegung ist hilfreich, wenn die Beschwerden auftreten.
  • Leichte Bewegung am Nachmittag ist oft hilfreich, anstrengender Sport vor dem Schlafengehen dagegen eher nicht.
  • Entspannungsübungen (gegen vermehrten Stress).
  • Massagen und Dehnungsübungen können ebenfalls die Symptome lindern. Bei einigen Betroffenen fallen die Symptome geringer aus, wenn sie die Muskeln an der Rückseite der Unterschenkel abends vor dem Schlafengehen dehnen (stützen Sie die Hände gegen eine Wand, stellen Sie sich breitbeinig hin, setzen Sie einen Fuß hinter den anderen und dehnen Sie die Rückseite des Unterschenkels, indem Sie die Ferse auf den Boden drücken. Wiederholen Sie die Übung mit dem anderen Unterschenkel. Wiederholen Sie das Ganze mehrmals.).
  • Sie können auch Wärmflaschen, Kühlpackungen, Stützstrümpfe oder Akupunktur ausprobieren.
  • Warme oder kühle Bäder sind ebenfalls bei einigen Betroffenen hilfreich.
  • Bei vielen werden die Symptome gelindert, wenn sie auf Alkohol, Koffein und Tabak verzichten.
  • Grundsätzlich ist es empfehlenswert, regelmäßig ausreichend zu schlafen und sich ggf. bestimmte Rituale anzueignen, um besser einschlafen zu können.

Schwangere

Das Restless-Legs-Syndrom kommt in der Schwangerschaft relativ häufig vor. Schwangere Frauen, die in der Frühphase der Schwangerschaft einen niedrigen Eisenspiegel im Blut aufweisen (Ferritin), haben ein erhöhtes Risiko, im letzten Drittel der Schwangerschaft das Syndrom zu entwickeln. Eine Behandlung mit Eisen kann als spezifische medikamentöse Therapie bei Schwangeren in Betracht gezogen werden.

Die Symptome bessern sich fast immer nach der Entbindung.

Prognose

Es gibt große Unterschiede im Verlauf. Das Restless-Legs-Syndrom ist meist eine lebenslange Erkrankung, die nicht durch eine medikamentöse Behandlung geheilt werden kann. Die Symptome verschlimmern sich manchmal mit dem Alter, und die Schlafstörungen werden für viele Patienten mit der Zeit zum größten Problem. Probleme mit dem Einschlafen sind sehr häufig und können zu Störungen des Tagesrhythmus und weiteren Beschwerden führen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Restless-Legs-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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