Bewusstlosigkeit/Bewusstseinsstörung

Bewusstlosigkeit ist ein Übergang vom Wachzustand in ein tiefes Koma und kann vielfältige Ursachen haben. Da es sich meist um einen medizinischen Notfall handelt, ist rasches Handeln erforderlich.

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Was ist Bewusstlosigkeit oder eine Bewusstseinsstörung?

Als Bewusstlosigkeit bzw. Bewusstseinsstörung bezeichnet man einen allmählichen Übergang vom Wachzustand in ein tiefes Koma. Eine Bewusstseinsstörung wird abhängig von der Schwere in die nachstehenden Kategorien unterteilt.

  • Somnolenz:
    • Die Person ist schläfrig, lässt sich aber leicht wecken und kann eine Weile wachgehalten werden. Sie reagiert angemessen auf Fragen.
  • Stupor:
    • Die Person reagiert mit Abwehrbewegungen auf schmerzhafte Reize, z. B. ein Kneifen in die Haut. Sie lässt sich wecken und kann einfache Anweisungen befolgen, schläft danach aber sofort wieder ein.
  • Koma:
    • Die Person reagiert nicht auf starke Reize, z. B. auf Rufe oder Schmerzen.

Ursache

Überlegungen bei Bewusstlosigkeit

  • Kann es ein Kreislaufversagen sein?
  • Kann es eine Störung im Gehirn sein?
  • Kann es eine Vergiftung sein?
  • Kann es eine Stoffwechselstörung sein?
  • Liegt eine Verletzung, z. B. nach einem Unfall vor?

Kurzfristige Bewusstlosigkeit

  • Normale Ohnmacht, Synkope
    • kurzzeitiger Blutdruckabfall mit mangelnder Blutversorgung des Gehirns
    • Kann vielfältige Ursachen haben, beispielsweise schockierende Erlebnisse, starke Schmerzen, starkes Erbrechen oder Durchfall.
    • Oft gehen Schwindel, Schwitzen oder Blässe voraus. Den Betroffenen wird schwarz vor Augen oder sie haben ein Pfeifen oder Rauschen in den Ohren.
    • Führt zur kurzfristigen Bewusstlosigkeit oder zu einer Phase mit Bewusstseinsstörungen. Die Muskelkraft schwindet, und man bricht zusammen.
  • Orthostatische Hypotonie
    • Durch niedrigen Blutdruck abhängig von der Position
    • Ohnmachtssymptome häufig nach dem Aufstehen
  • Hypersensitiver Karotissinus, Karotissinussyndrom
    • Blutdruckabfall durch Druck auf den Hals
  • Hyperventilation
    • Angstattacke, ungewöhnlich heftiges Ein- und Ausatmen
  • Herzrhythmusstörungen
    • Plötzlicher langsamer oder schneller Puls
    • Sehr unregelmäßiger Puls
  • Epilepsie
    • Die Person ist während und kurz nach Krampfanfällen bewusstlos.
  • Schlaganfall oder TIA
    • Kann in Ausnahmefällen zu kurzfristiger Bewusstlosigkeit führen.
  • Diabetes Typ 1 oder Typ 2
    • Niedriger Blutzucker (Hypoglykämie)
    • „Unterzuckerung“ mit möglicher Bewusstlosigkeit als Folge
  • Simulierte Ohnmacht
    • oft bei psychisch belastenden Situationen
    • Ohnmacht mit theatralischem Charakter
    • Unterscheidung oft sehr schwierig

Anhaltende Bewusstseinsstörung – Kreislaufversagen

Anhaltende Bewusstseinsstörung – Veränderungen im Gehirn

Anhaltende Bewusstseinsstörung – Vergiftungen

Anhaltende Bewusstseinsstörung – Stoffwechselstörungen

Was können Sie selbst tun?

  • Bewusstlosigkeit ist ein Notfall, der ein rasches Eingreifen erfordert.
  • Zunächst sollten bei der bewusstlosen Person freie Atemwege, eine regelmäßige Atmung und ein stabiler Kreislauf sichergestellt werden.

Erste Hilfe

  • Vergewissern Sie sich, dass die Person frei atmet und nichts im Mund die Atmung behindert. Überstrecken Sie den Kopf leicht. Halten Sie Ihr Ohr über den Mund der bewusstlosen Person, um die Atmung zu hören und fühlen.
  • Bei Atemstillstand ist der Zustand ernster als bei einer einfachen Ohnmacht. Verständigen Sie den Rettungsdienst unter der Nummer 112 und beginnen Sie unmittelbar mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung.
  • Wenn die Person atmet, können Sie einen guten Blutfluss zum Gehirn wiederherstellen, indem Sie die Beine der Person über Kopfhöhe lagern. Lockern Sie Gürtel, Kragen oder andere Kleidungsstücke, die die Atmung behindern könnten.
  • Die Person sollte dann bald wieder ansprechbar sein. Wenn sie das Bewusstsein nicht innerhalb von ein bis zwei Minuten wiedererlangt, verständigen Sie den Rettungsdienst unter der Nummer 112.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • In den meisten Fällen ist sofortige Hilfe erforderlich und der Rettungsdienst sollte gerufen werden.
  • Ausnahmen sind gegebenenfalls Angstattacken und Hyperventilation.

Wie geht der Arzt vor?

  • Der Arzt konzentriert sich zunächst auf lebensrettende Maßnahmen. Diese beruhen in erster Linie darauf, freie Atemwege sowie eine ausreichende Atmung und Durchblutung sicherzustellen.
  • Wichtig ist auch die Umgebung, in der die Person aufgefunden wurde. Hat es einen Unfall gegeben? Sind Spuren von Medikamentengebrauch oder Alkoholkonsum zu finden? Ist die Person unterkühlt?
  • Die betroffene Person wird in der Regel sofort ins Krankenhaus gebracht.
  • Die Behandlung wird daraufhin speziell auf die zugrundeliegende Ursache abgestimmt.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bewusstlosigkeit/Bewusstseinsstörung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

 
  1. Hansen, Hans-Christian (Hrsg.): Bewusstseinsstörungen und Enzephalopathien : Diagnose, Therapie, Prognose. Berlin, Heidelberg: SpringerMedizin 2013.
  2. Ropper AH, Gorson KC. Clinical practice: concussion. N Eng J Med 2007; 356: 166-172. www.nejm.org
  3. Grubb BP. Clinical practice: neurocardiac syncope. N Engl J Med 2005;352:1004-1010 www.nejm.org
  4. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Synkopen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-072, Stand 2012. www.awmf.org
  5. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2005 Feb;17(2):141-3. Drug-induced acute liver failure. Larrey D1, Pageaux GP. PMID: 15674089 PubMed