Gesichtsschmerzen

Anhaltende Schmerzen im Gesichtsbereich können viele Ursachen haben. Die häufigsten Erkrankungen sind jedoch Nebenhöhlenentzündungen und Zahnprobleme. Andere, seltenere Ursachen müssen aber ebenso in Betracht gezogen werden.

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Was sind Gesichtsschmerzen?

  • Ständige oder häufig wiederkehrende Schmerzen im Bereich im Gesichtsbereich.
  • Die Hälfte der Fälle sind auf eine Nebenhöhlenentzündung zurückzuführen.
  • Zahnprobleme stellen die zweithäufigste Ursache dar.
  • Wenn die Gesichtsschmerzen besonders stark oder untypisch ausgeprägt sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Ursache

Häufige Ursachen:

  • Akute Nebenhöhlenentzündung oder chronische Nebenhöhlenentzündung
    • Bei einer Dauer von unter 30 Tagen spricht man von einer akuten und danach von einer chronischen Nebenhöhlenentzündung. Diese tritt oft im Anschluss an eine Erkältung auf.
    • Charakteristisch sind eine verstopfte Nase, gelblich verfärbter Schleim, einseitige Schmerzen sowie ein unangenehmer Geruch oder Geschmack
  • Karies
    • Zahnschmerzen
    • Klopfen gegen den Zahn verursacht Schmerzen.
  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
    • Die Erkrankung ist weit verbreitet und verläuft in der Frühphase oft ohne ausgeprägte Symptome.
    • Anfangs dominieren Beschwerden wie Mundgeruch und Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder bei der Verwendung von Zahnseide. Entwickelt sich ein Abszess, kommt es zu Schmerzen und Schwellungen.
  • Eingekeilter Weisheitszahn
    • Weisheitszähne brechen in der Regel im Alter von 18 bis 24 Jahren durch, wobei individuell eine erhebliche Spannbreite besteht. Weisheitszähne gelten dann als verkeilt, wenn die „Zahnpassage“ blockiert ist.
    • Dies kann gelegentlich zu Komplikationen wie Infektionen (Perikoronitis), Schädigung benachbarter Zähne, Zahnfleischentzündung und Zystenbildung führen.
  • Schmerzen im und um das Kiefergelenk
    • Bissprobleme können Schmerzen im Kiefergelenk verursachen. Meist sind hiervon jüngere Frauen betroffen. Nur wenige suchen deswegen ärztlichen Rat.
    • Die Schmerzen sind oft morgens am schlimmsten und Patienten klagen häufig über schmerzende Zähne oder Zähneknirschen. Nicht selten strahlen die Schmerzen zum Ohr, zu den Schläfen, Wangen oder entlang dem Unterkiefer aus. Gelegentlich tritt ein Knacken und Klicken im Kiefergelenk auf.
    • Ein knackendes Kiefergelenk allein ist nicht selten und sollte vorerst keinen Grund zur Besorgnis darstellen.
  • Migräne, Kopfschmerzen
    • Tritt am häufigsten bei jungen Menschen auf. Frauen sind häufiger betroffen und gelegentlich wird eine familiäre Belastung beobachtet.
    • Die Beschwerden äußern sich in Form von Anfällen mit einseitigen Kopfschmerzen. Bei einem Viertel der Betroffenen machen sich Vorzeichen (Prodromi, Aura) bemerkbar. Die Anfälle dauern 4 bis 24 Stunden und treten in unregelmäßigen Abständen auf. Der Schmerz wird oft als pulsierend beschrieben. Als weitere Symptome werden meist Licht- und Geräuschempfindlichkeit und ein vermindertes körperliches Leistungsvermögen genannt.
  • Gürtelrose oder anhaltende Schmerzen nach durchgemachter Gürtelrose
    • Der Schmerz ist nicht selten im mittleren Bereich des Gesichtes lokalisiert. In einigen Fällen machen sich die Schmerzen vor Auftreten des Ausschlags bemerkbar.
    • Etwa 10 % derjenigen, die eine Gürtelrose durchgemacht haben, leiden langfristig unter Schmerzen in dem von dem Ausschlag betroffenen Bereich. Vor allem ältere Menschen sind hiervon betroffen.
  • Generalisierte Ängste oder Depressionen
    • Stresszustände können Muskelverspannungen mit chronisch verspannter Kaumuskulatur zur Folge haben, wodurch Schmerzen entstehen können.
  • Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit
    • Aufgrund einer ungünstigen Belastung der Augenmuskulatur können Gesichtsschmerzen auftreten.

Seltene Ursachen

  • Trigeminusneuralgie
    • Die Trigeminusneuralgie tritt in erster Linie bei Personen über 50 Jahren auf, Frauen sind häufiger betroffen.
    • Sie zeichnet sich durch anfallsartige starke, einseitige Gesichtsschmerzen aus, die einem elektrischen Schlag ähneln und oftmalsdurch Druck auf einen Triggerpunkt ausgelöst werden. Der Beginn ist meist plötzlich und die Schmerzen dauern oft nur wenige Sekunden.
  • Steinbildung in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen (Sialolithiasis)
    • Eine Steinbildung wird häufiger in den Ausführungsgängen vor der Speicheldrüse unter der Zunge (Glandula submandibularis) als in den Ausführungsgängen vor der Drüse unterhalb des Kiefergelenks (Glandula parotis) beobachtet.
    • Es kommt im Zusammenhang mit den Mahlzeiten zu einer lokalen Schwellung mit Schmerzen und Pochen. Häufig treten bei den Betroffenen wiederholt Entzündungen der Speicheldrüsen auf.
  • Bakterielle Infektion der Speicheldrüse (Sialadenitis)
    • Betroffen sind die Speicheldrüsen unter der Zunge (Glandula submandibularis) oder unterhalb des Kiefergelenks (Glandula parotis).
    • Verursacht eine akute Schwellung der Speicheldrüsen mit Schmerzen und Schwellungen bei den Mahlzeiten und ggf. Fieber.
  • Angina pectoris
    • Tritt vor allem bei Menschen mittleren und fortgeschrittenen Alters auf. Folge einer beeinträchtigten Blutzufuhr in den Herzkranzarterien (Koronararterien).
    • Leitsymptome sind Schmerzen hinter dem Brustbein, die im Anschluss an anstrengende Aktivitäten auftreten. In Ruhe klingen die Schmerzen rasch ab. Manchmal können die Schmerzen bis in den Kiefer ausstrahlen. Dies ist ebenso bei einem Herzinfarkt möglich.
  • Entzündung der Schläfenarterie (Arteriitis temporalis)
    • Tritt in erster Linie bei älteren Menschen auf.
    • Am häufigsten klagen Betroffene über Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Schläfenbereich und der Kopfhaut. Zudem können Symptome einer Polymyalgia rheumatica auftreten.
    • In seltenen Fällen kommt es zu einem plötzlichen Verlust des Sehvermögens. Hier handelt es sich um einen Notfall.
  • Cluster-Kopfschmerz, Bing-Horton-Syndrom
    • Seltene Erkrankung, von der Männer fünf- bis sechsmal häufiger betroffen sind als Frauen.
    • Es kommt zu regelmäßig wiederkehrenden, in schwerwiegenden Fällen täglichen, Kopfschmerzattacken. Diese halten 15 bis 180 Minuten an und treten vorwiegend in der Nacht auf. Starke einseitige Schmerzen hinter einem Auge sind typisch. Bei erneuten Anfällen ist fast immer die gleiche Seite betroffen. Neben einem Tränen des Auges wird oft eine verstopfte oder laufende Nase und ein Schweißausbruch im Gesicht auf der betroffenen Seite beobachtet.
  • Entzündung der RegenbogenhautEntzündung des Sehnervs und akuter Augenüberdruck
    • Erkrankungen des Auges können Gesichtsschmerzen verursachen.
  • Andere seltene Erkrankungen
    • Lokale Tumoren, Streuung von Tumoren oder Ausbuchtungen von Blutgefäßen im Gehirn können in seltenen Fällen zu Schmerzen im Gesicht führen.

Empfehlungen für Patienten

  • Bei einmaligen Gesichtsschmerzen kann zunächst eine Behandlung mit handelsüblichen Schmerzmitteln wie Paracetamol versucht werden. In den meisten Fällen sind die Gesichtsschmerzen vorübergehender Natur und verschwinden von selbst.
  • Bei Erkältung und Fieber liegt der Verdacht nahe, dass die Gesichtsschmerzen auf eine Entzündung der Nebenhöhlen zurückzuführen sind. Oft genügt es, über einige Tage Nasentropfen und gegebenenfalls Paracetamol zur Schmerzlinderung anzuwenden.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Bei Schmerzen unklarer Ursache, sehr starken Schmerzen oder lange anhaltenden Schmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden.
  • Bei Verdacht auf Karies oder Zahnfleischentzündung sollte eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Wo genau tut es weh?
  • Ist der Schmerz konstant oder treten Schmerzattacken auf?
  • Können Sie den Schmerz beschreiben?
  • Gibt es auslösende Faktoren?
  • Bestehen andere Krankheitszeichen?

Ärztliche Untersuchung

  • Unter Umständen wird eine sorgfältige Untersuchung des Kopfes durchgeführt:
    • Gesicht, Kopfhaut, Nacken, Lymphknoten, vergrößerte Speicheldrüsen.
    • Beurteilung von Druckempfindlichkeit oder Schmerzen im Kiefergelenk.
    • Beurteilung von allgemeinen Muskelschmerzen und etwaiger lokaler Schmerzempfindlichkeit.
  • Nase, Mund und Rachen sowie der Zahnstatus werden beurteilt.
  • Bei Verdacht auf Zahnwurzelentzündung kann ein vorsichtiges Klopfen auf die Zahnkrone starke Schmerzen verursachen.

Weitere Untersuchungen

  • In einigen Fällen können einfache Blutuntersuchungen Aufschluss geben.
  • Abhängig von der verdächtigten Ursache der Gesichtsschmerzen werden eventuell bildgebende Untersuchungen, wie z. B. eine CT-Untersuchung des Kopfes durchgeführt.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Bei Verdacht auf schwere Erkrankungen wie Augenentzündungen, Trigeminusneuralgie, Angina pectoris, Arthritis, Tumore oder Erkrankungen der Blutgefäße erfolgt eine Überweisung an einen Spezialisten oder in ein Krankenhaus.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gesichtsschmerzen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  4. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-036, Stand 2015 www.awmf.org
  5. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Zerebrale Vaskulitis. AWMF-Leitlinie Nr. 030-085, Stand 2012. www.awmf.org
  6. Böhni U, Lauper M, Locher H. Manuelle Medizin 1 Fehlfunktion und Schmerz am Bewegungsapparat verstehen und behandeln. Georg Thieme Verlag Stuttgart 2015, S375 u.417
  7. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Rhinosinusitis. AWMF-Leitlinie Nr. 017-049, Stand 2017 www.awmf.org
  8. Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg. Sinusitis maxillaris. AWMF-Leitlinie Nr. 007-086, Stand 2008 www.awmf.org
  9. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Migräne, Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 030-057, Stand 2012. www.awmf.org
  10. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Kopfschmerzen, Diagnostik und apparative Zusatzuntersuchungen AWMF-Leitlinie Nr. 030-110, Stand 2012 www.awmf.org
  11. Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Trigeminusneuralgie. AWMF-Leitlinie Nr. 030-016, Stand 2012. (in Überarbeitung) www.awmf.org