Krämpfe bei Erwachsenen

Ein Krampfanfall mit Verlust des Bewusstseins ist in der Regel ein Zeichen für eine Verletzung oder Erkrankung des Gehirns, die dringend abgeklärt und behandelt werden muss.

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Was sind Krämpfe?

  • Krämpfe bezeichnen eine ungewollte, erhöhte Anspannung der Muskeln und sind ein Zeichen für eine zugrunde liegende Erkrankung.
  • Krämpfe können danach klassifiziert werden, ob sie
    • fokal sind – was bedeutet, dass sie nur eine Muskelgruppe oder einen Körperteil betreffen,
    • generalisiert sind – das heißt, dass sie alle Muskeln betreffen und die meist den Verlust des Bewusstseins umfassen.
    • Fokale Krämpfe können zum einen ebenfalls mit Bewusstseinsstörungen einhergehen, sich zum anderen im Verlauf zu generalisierten Anfällen entwickeln.
  • Verschiedene Arten von Krämpfen
    • Tonische Krämpfe sind unwillkürliche, anhaltende Muskelkontraktionen.
    • Klonische Krämpfe sind unwillkürliche, rhythmische Wechsel zwischen Muskelkontraktionen und Phasen der Entspannung.
    • (Bei Epilepsie gibt es auch Anfälle, bei denen die Muskulatur plötzlich erschlafft (atone Anfälle), oder bei denen der Patient nur abwesend erscheint, ohne zu krampfen (Absencen)).
  • Synkope:
    • Nach einem plötzlichen Bewusstseinverlust (Synkope) verschiedener Ursache kann es in der Phase des Aufwachens zu krampfartigen Bewegungen der Muskulatur kommen, die mit epileptischen Krämpfen verwechselt werden können.
  • Häufigkeit
    • Ungefährliche Krampferkrankungen, wie Affektkrämpfe und Fieberkrämpfe, sind häufig bei Kindern.
    • Epilepsie:
      • in Deutschland sind etwa 0,5–1% der Bevölkerung betroffen (400.000–800.000 Patienten).
      • Am häufigsten leiden Kinder <5 Jahren und Erwachsene >60 Jahren an einer Epilepsie.
      • Einen einmaligen größeren Krampfanfall erleiden 4–10% der Bevölkerung.

Ursache

Häufige Ursachen

  • Epilepsie
    • Als Epilepsie bezeichnen Ärzte sehr verschiedene Arten von Krampfleiden, die durch Funktionsstörungen im Gehirn verursacht werden.
    • Bei einer generalisierten Epilepsie sind alle Muskeln vom Krampfanfall betroffen und der Patient verliert währenddessen das Bewusstsein. Solche Krampfanfälle dauern in der Regel wenige Minuten an und hören von selbst auf. Sind sie jedoch bei einer Person nie zuvor aufgetreten oder halten länfer an, ist ein Notarzt zu verständigen.
    • Eine partielle Epilepsie ist ein fokaler beziehungsweise lokalisierter Anfall (z.B. eines Arms) ohne wesentlichen Verlust des Bewusstseins.
    • Personen, die an Epilepsie leiden, zeigen in den Phasen ohne Anfall in der Regel keine Symptome oder Funktionsstörungen. Es gibt jedoch auch schwere Grundkrankheiten, die sich auch durch eine Epilepsie äußern.
  • Nächtliche Wadenkrämpfe
    • Können bei Erwachsenen auftreten, wenn sie tagsüber ihre Beine ungewohnt (und bei großer Hitze) stark körperlich belastet haben.
    • Andere Ursachen sind Schwangerschaft, Dehydrierung (zu wenig Flüssigkeitszufuhr), auch als Folge einer Hämodialyse.
    • Auch schwere Krankheiten des Stoffwechsels, der Nerven oder innerer Organe sowie verschiedene Medikamente können zu nächtlichen Krämpfen in den Beinen führen.
    • Beim sog. Restless-legs-Syndrom leiden die Betroffenen an schlecht kontrollierbaren schnellen Bewegungen der Beine, die vor allem abends oder nachts auftreten. 
  • Als Folge einer früheren Hirnverletzung
  • Hirntumor
    • Die Erkrankung entwickelt sich oft langsam.
    • Frühe Symptome können epileptische Anfälle, langsam einsetzende Lähmungen oder Sprachstörungen sein.
    • Typische andere Symptome können Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Hirnnervenlähmung und allmähliche Persönlichkeitsveränderungen umfassen.
  • Medikamente
    • Verschiedene Medikamente können zu Muskelkrämpfen führen, darunter verschiedene Mittel gegen Bluthochdruck.
    • Eine Überdosis Insulin kann zu Unterzuckerung mit Krämpfen führen; auch Vergiftungen mit Mitteln gegen Depressionen oder andere psychiatrische Krankheiten können Krämpfe verursachen. Diese Situationen stellen Notfälle dar.
    Epileptiformer Anfall  (wie eine Epilepsie erscheinende Anfälle)
  • Hyperventilationsanfall
    • Akuter Sauerstoffmangel des Gehirns aus verschiedenen Gründen
    • Empfehlungen für Patienten:
    • Die Erkrankung scheint dramatisch, ist aber eigentlich harmlos.
    • Bei einem solchen Anfall atmen die Betroffenen sehr schnell und flach, oft sind dieLippen gespitzt und die Hände verkrampft.
    • Versuchen Sie zu erreichen, dass der Patient sich entspannt und ruhig und tief atmet.
    • Sind Sie selbst betroffen und kennen die Situation, sollten Sie versuchen, sich selbst zu beruhigen und versuchen langsam und ruhig zu atmen.
    • Wenn der Anfall nicht durch Beruhigung zu bessern ist, kann man versuchen, in eine vor dem Mund geschlossene Plastiktüte ein- und auszuatmen. Durch ein paar solcher Atemzüge atmet man vermehrt Kohlendioxid ein, was die Situation deutlich bessert. Ursache der Krämpfe ist nämlich die zuvor zu starke Abatmung von Kohlendioxid.
  • Psychisch bedingte Krämpfe
    • Manche Patienten mit psychischen Krankheiten zeigen Krämpfe, die einer Epilepsie ähneln können, aber keine körperliche Ursache haben
  • Krampfanfälle bei Kindern:
    • Bei Kindern sind Krämpfe im Rahmen eines fieberhaften Infekts möglich. Solche Fieberkrämpfe sind an sich harmlos und treten nicht mehr auf, wenn das Kind wieder gesund ist. Das Risiko für eine spätere Epilepsie ist jedoch etwas erhöht.
    • Kinder können sich aus psychischen Gründen so aufregen, dass sie krampfen (Affektkrämpfe).
    • Als Pavor nocturnus (Nachtschreck) bezeichnen Ärzte eine anfallsartige Panik mit Schreien, Schwitzen und schnellem Puls, der aus dem Schlaf heraus auftritt. Meist können sich die Kinder am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Ein Krampfanfall mit Verlust des Bewusstseins ist in der Regel ein Zeichen für eine Verletzung oder Erkrankung des Gehirns, die dringend abgeklärt und behandelt werden muss.
  • Andere Arten von Krämpfen sollten besser auch von einem Arzt beurteilt werden, aber dies hat nicht die gleiche Dringlichkeit.

Was geschieht bei der ärztlichen Kontrolle?

Anamnese

Die Ärzte können Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Hat jemand den Anfall beobachtet?
  • Wie äußerte sich der Anfall?
    • Waren Sie bewusstlos?
    • Betrafen die Krämpfe im ganzen Körper oder nur einen bestimmten Bereich?
    • Kamen die Krämpfe ohne Vorwarnung oder gab es etwas, das sie ausgelöst hat? Schlafentzug? Alkohol?
    • Wie lange hat der Anfall gedauert?
    • Ist Urin oder Stuhl während des Anfalls abgegangen?
  • Hatten Sie zuvor ähnliche Anfälle?
  • Haben Sie andere Erkrankungen?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

Ärztliche Untersuchung

  • Dauert der Krampfanfall noch an, wird der Arzt mittels Medikamenten die Krämpfe stoppen, Sie überwachen und in eine Klinik einweisen.
  • War der Krampfanfall nur kurz und ist der Patient wieder stabil, wird die Ärztin in der Regel eine allgemeine Untersuchung mit besonderem Schwerpunkt auf das Nervensystem durchführen.

Andere Untersuchungen

  • Weitere Untersuchungen hängen davon ab, was der Arzt findet und welche Diagnose im Verdacht steht (darunter CT, MRT, Blutuntersuchungen, Elektroenzephalogramm, evtl. Punktion des Hirnwassers [Liquor])

Überweisung an einen Spezialisten oder in ein Krankenhaus

  • Ein Krampfanfall bedeutet fast immer, dass Sie an einen Spezialisten überwiesen werden.
  • Nach größeren Krampfanfällen kann es nötig sein, den Patienten zunächst in einem Krankenhaus weiter zu behandeln.
  • Je nach Ursache der Krampfanfälle stehen sehr verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung. Viele Krampfanfälle benötigen keine Behandlung oder treten nur einmalig auf, bei anderen muss die zugrunde liegende Krankheit therapiert werden. Eine Epilepsie erfordert einer genaue Diagnostik der Art der Epilepsie, da solche Krampfleiden je nach Typ mit unterschiedlichen Medikamenten behandelt werden. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Krampfanfall. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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