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Spinalkanalstenose

Das Rückenmark (Medulla spinalis) verläuft vom Gehirn nach unten durch den Rücken. Es entsendet Nerven in beide Seiten des Nackens und in die Kreuzwirbelsäule hinab. Das Rückenmark liegt gut geschützt innerhalb eines Kanals in der Wirbelsäule – dieser Kanal wird fachsprachlich Spinalkanal genannt.

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Was ist eine Spinalkanalstenose?

Eine Spinalkanalstenose ist eine Einengung im unteren Abschnitt des Spinalkanals. Die Einengung erhöht das Druckrisiko auf die Nervenwurzeln, was zu Rückenschmerzen führen kann, die bis in das Gesäß und in die Ober- bzw. Unterschenkel ausstrahlen können. Betroffene können auch eine gestörte Sensibilität und eine Muskelschwäche in den Beinen entwickeln. In den meisten Fällen wird eine Spinalkanalstenose durch degenerative Veränderungen im Rücken verursacht. Verkalkungen und ein Kollaps der Bandscheiben verengen den Spinalkanal.

Eine Spinalkanalstenose tritt oft bei älteren Menschen auf — im Durchschnitt tritt sie zuerst im Alter von 65 Jahren auf. Eine Spinalkanalstenose kommt nicht selten vor: das Erkrankungsrisiko liegt bei ca. 5 %.  Besonders betroffen sind Personen mit ausgeprägten degenerativen Veränderungen im unteren Teil des Rückens. In Ausnahmefällen kann die Erkrankung auch bei jüngeren Personen als Folge einer angeborenen Einengung im Spinalkanal entstehen.

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird die Erkrankung wahrscheinlich entsprechend häufiger auftreten.

Ursachen

Eine Stenose tritt vor allem in der Lendenwirbelsäule, der Lumbalkolumna, auf. Altersbedingte degenerative Veränderungen führen zu einer Verkalkung der Wirbel und einem Kollaps der Bandscheiben. Der Spinalkanal wird eingeengt, und sein Durchmesser verringert sich. Dies erhöht das Risiko, dass einer der Nerven eingeklemmt wird, die nach unten in den Rücken und aus dem Rücken heraus verlaufen. Nerven, die beim Austritt aus dem Rücken eingeklemmt werden, verursachen ein ähnliches Symptombild wie bei Ischias, eine Radikulopathie.

Beitragende Ursachen können eine Spondylolisthesis (Wirbelgleiten), eine zurückliegende Fraktur im Rücken und eine Rückenoperation sein.

Symptome

Eine Spinalkanalstenose entwickelt sich langsam über viele Jahre hinweg. Die Symptome sind zunächst vage und treten meist in Form von Schmerzen im unteren Rücken und Steifheit auf. Allmählich werden die Probleme ausgeprägter, und die Schmerzen strahlen bis in die Beine hinab aus. Manche Patienten empfinden auch ein Taubheitsgefühl, ein Kribbeln in der Haut und nachlassende Kraft in den Beinen. Typisch an den Beschwerden ist, dass sie beim Gehen oder Stehen entstehen, beim Sitzen aber nachlassen. Eines der typischsten Anzeichen ist, dass der Schmerz erheblich gelindert werden kann, wenn die Patienten sich nach vorne beugen. Viele Patienten entwickeln beim Gehen eine nach vorne geneigte Haltung, weil sie weniger Rückenbeschwerden verursacht.

Die Symptome können auf einer Seite ausgeprägter sein, sie können auch von Seite zu Seite variieren.

Diagnose

Die Diagnose beruht auf der Anamnese und auf den ärztlichen Befund. Bei der konventionellen körperlichen Untersuchung finden Ärzte selten anomale Veränderungen in der Wirbelsäule oder in den Extremitäten. Anzeichen von Nervenschädigungen werden nur selten aufgedeckt. Im Gegensatz zu einem Raucherbein ist auch die Blutversorgung der Füße normal.

Wenn die Symptome so stark ausgeprägt sind, dass eine Behandlung empfohlen wird, ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) sinnvoll, um die Platzverhältnisse im Rückenkanal (Spinalkanal) und rund um die Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austreten, zu beurteilen.

Behandlung

In den meisten Fällen besteht die Behandlung darin, dass der Patient Rücksicht auf seinen Rücken nimmt. Seien Sie ein wenig vorsichtiger mit größeren körperlichen Belastungen. In Phasen mit starken Beschwerden wird empfohlen, den Rücken vorübergehend zu entlasten. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie den Rücken beugen, aufrichten oder drehen. Bewegen Sie sich — benutzen Sie Ihren Körper, wenn Sie es können. Radfahren kann besonders geeignet sein. Schmerzstillende Medikamente helfen, die Beschwerden zu kontrollieren. Training und Übungen bei einem Physiotherapeuten können auch helfen.

Eine Operation ist notwendig, wenn die Gehdistanz zu kurz ist, wenn die Schmerzen kontinuierlich anhalten, und wenn in seltenen Fällen plötzlich Probleme mit der Kontrolle über die Harnwege und den Enddarm entstehen. Der Eingriff besteht darin, die Verkalkungen oder Teile der Bandscheiben zu entfernen, die in den Spinalkanal wölben oder Nerven einklemmen. Die Operation führt bei den meisten Patienten zu einer guten Schmerzlinderung.

Prognose

Die meisten Patienten bekommen ihre Beschwerden gut unter Kontrolle. Bei ca. 30 % der Patienten verschlimmern sich die Beschwerden im Laufe der Zeit. Bei den übrigen Patienten tritt eine Besserung ein, oder die Beschwerden bleiben unverändert.

Bei Patienten, die operiert wurden, lassen die Schmerzen in den Beinen oft erheblich nach. Die Rückenschmerzen bleiben jedoch oft auch nach einer Operation bestehen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Spinal stenose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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