Syringomyelie

Bei einer Syringomyelie hat sich das mit Flüssigkeit gefüllte Rohr in der Mitte des Rückenmarks auf andere Bereiche des Rückenmarks ausgebreitet. Dies kann auf angeborenen Fehlbildungen beruhen oder als Folge von Schäden auftreten.

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Was ist Syringomyelie?

Längsschnitt des Rückenmarks
Längsschnitt des Rückenmarks

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Rückenmark verläuft vom unteren Teil des Gehirns bis zum Kreuz. Es lässt sich als langer, fingerdicker „Schlauch“ bezeichnen, der von drei Membranschichten und die Wirbelsäule (Rückgrat) geschützt wird. Das Rückenmark ist ein dickes, vom Gehirn ausgehendes Nervenfaserbündel. Aus dem Rückenmark heraus verteilen sich die einzelnen Nerven im Körper und übertragen Nervenimpulse, sodass wir uns in der Umgebung bewegen und sie erkennen können.

Bei einer Syringomyelie hat sich das mit Flüssigkeit gefüllte Rohr in der Mitte des Rückenmarks auf andere Bereiche des Rückenmarks ausgebreitet. Dies kann auf angeborenen Fehlbildungen beruhen oder als Folge von Schäden auftreten.

Ursache

Die meisten Fälle sind angeboren und zählen zu den Schäden, die durch die Missbildung des Neuralrohrs im Fetalstadium entstehen (Neuralrohrdefekte). Im Rückenmark bildet sich dabei ein Hohlraum. Im Laufe der Zeit dehnt sich der Hohlraum aus, drückt gegen das umliegende Nervengewebe und verursacht Schäden an den Nervenbahnen.

In einigen Fällen beruht die Syringomyelie auf einer Wirbelsäulenverletzung mit anschließenden schweren Verletzungen des Rückenmarks. Auch Tumore im Rückenmark können zu Syringomyelie führen.

Symptome

In der angeborenen Variante zeigt sich die Krankheit oftmals im Alter von 25–40 Jahren. Die Symptome treten in der Regel allmählich auf. Anfänglich verringert sich das Schmerz- und Temperaturempfinden in einigen Körperteilen. Später kann es zu Muskelschwäche, Paralysen und krampfhaften Muskelanspannungen kommen.

Die Lage des Hohlraums im Rückenmark bestimmt, wo im Körper die Symptome am stärksten sind. Veränderungen hoch oben im Hals führen zu Symptomen an beiden Armen, im Körper und den Beinen, aber wenn sich der Hohlraum weiter unten im Rückenmark befindet, sind die Symptome auf die untere Körperhälfte und die Beine beschränkt.

Diagnose

Mehrere Untersuchungen könnten von Bedeutung sein. Normalerweise wird eine MRT des Rückenmarks erstellt. Weitere Untersuchungen können CT-Röntgen, Kontraströntgen und Lumbalpunktion (Probe der Rückenmarksflüssigkeit) sein.

Behandlung

Syringomyelie lässt sich auf unterschiedliche Weise behandeln, wobei die Art der Behandlung unter anderem von der Größe des Hohlraums und dessen Lokalisierung am Rückgrat abhängt. Oftmals ist eine Operation erforderlich, um den Hohlraum zu öffnen und zu dränieren. Um die neurologischen Funktionen zu trainieren und zu pflegen, kann eine umfassende Rehabilitation und ein entsprechendes Training erforderlich sein.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der zugrunde liegenden Ursache der Erkrankung. Bei vielen Patienten vergrößert sich der Hohlraum nach und nach und verursacht zunehmende Beschwerden, sodass ein chirurgischer Eingriff notwendig wird.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Syringomyeli. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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