Blasensteine

In Niere, Harnleiter, Blase und Harnröhre können sich Steine bilden, die nicht oder unter Schmerzen ausgeschieden werden. Steine in der Harnblase kommen in Deutschland selten vor. Sie bilden sich meist, wenn der Harnabfluss behindert ist, zum Beispiel bei einer vergrößerten Prostata. Betroffene bemerken manchmal Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Schmerzen oder Blut im Urin. Die Steine müssen vollständig entfernt werden. Gleichzeitig wird versucht, mögliche Ursachen zu behandeln, um ein erneutes Auftreten der Steine zu verhindern.

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Was sind Blasensteine?

Im gesamten Harntrakt (Niere, Harnleiter, Blase, Harnröhre) können sich unter bestimmten Umständen Steine bilden, die nicht oder nur unter Schmerzen beim Wasserlassen ausgeschieden werden. Am häufigsten kommen Harnsteine in der Niere und in den Harnleitern vor. Steine in der Blase und der Harnröhre machen in Deutschland nur etwa 5 % der Harnsteine aus. Weil eine einseitige Ernährung und Flüssigkeitsmangel, zum Beispiel aufgrund einer Durchfallerkrankung, die Steinbildung begünstigen, sind Blasensteine in ärmeren Regionen der Welt ein häufigeres Problem, insbesondere unter Kindern.

In Deutschland sind zu 90 % Männer im mittleren bzw. höheren Alter betroffen, die eine vergrößerte Prostata haben. Auch häufige Blasenentzündungen erhöhen das Risiko für Blasensteine.

Blasensteine sind im Unterschied zu Steinen, die sich weiter oben im Harntrakt befinden, mit weniger Beschwerden verbunden. Es kann jedoch zu Schmerzen kommen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Manchmal mischt sich etwas Blut in den Urin. 

Bei Verdacht auf Blasensteine werden apparative Untersuchungen vorgenommen. Bestätigt sich der Verdacht, werden die Steine in den allermeisten Fällen über die Harnröhre zerkleinert und ausgespült. Wichtig ist außerdem die Beseitigung von Faktoren, die die Steinbildung begünstigen, zum Beispiel eine Harnröhrenverengung durch eine vergrößerte Prostata.   

Wie entstehen Blasensteine?

In der Mehrzahl der Fälle entstehen Blasensteine hierzulande auf dem Boden einer Blockierung des Blasenausgangs oder der Harnröhre. Bei einer solchen Abflussstörung verbleibt Urin in der Blase, da diese nicht vollständig entleert werden kann. Dadurch erhöht sich die Gefahr, dass Kristalle im Urin ausfallen und Blasensteine bilden. Harnabflussstörungen betreffen meist Männer aufgrund einer vergrößerten Prostata. Auch Narben nach chirurgischen Eingriffen (z.B. Prostata-Operationen) können eine Verengung der Harnröhre bewirken. Selten liegt eine Rückenmarksschädigung zugrunde, bei der die Muskulatur der Blase gelähmt ist. Auch bei Kindern kann in seltenen Fällen aufgrund anatomischer Fehlbildungen der Harnabfluss gestört sein.

Ein weiterer Faktor, der das Risiko für die Blasensteinbildung erhöht, sind häufige Infektionen der Harnblase. Das Risiko für solche Infektionen steigt zum Beispiel bei einem über mehrere Wochen oder Monate liegenden Blasenkatheter.

Ist der Stein klein genug, wird er meist ohne weitere Beschwerden über die Harnröhre ausgeschieden. Geschieht dies nicht, wird der Stein mit der Zeit größer und nimmt immer mehr Platz in der Harnblase ein. Es kann sich um einen einzelnen Stein oder um mehrere Steine handeln. Auch die Zusammensetzung der Steine variiert, häufig bestehen sie aus Kalzium, Harnsäure und Phosphat. Manche Steine sind frei beweglich, teils sitzen sie an der Blasenwand fest.

Welche Beschwerden verursachen Blasensteine?

Manchmal verursachen Blasensteine keinerlei Symptome. Wenn es im Rahmen von Blasensteinen zu Beschwerden kommt, äußert sich dies häufig in Form von Schmerzen im Unterbauch oder in der Penisspitze sowie Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Das Wasserlassen kann mit Unbehagen verbunden sein, der Wasserstrahl verzögert einsetzen oder ungleichmäßig sein und plötzlich stoppen. Ebenso kann Harndrang ungewöhnlich stark sein und auch vermehrt nachts auftreten. In manchen Fällen tritt Blut im Urin auf. Gehen Sie mit solchen Beschwerden zu Ihrer Hausärztin.

Wie werden Blasensteine diagnostiziert?

Haben Sie die typischen Symptome von Blasensteinen, wird Sie Ihr Hausarzt nach einer ausführlichen Befragung körperlich untersuchen. Er tastet dafür Ihren Bauch und die Nieren ab und untersucht Ihre Prostata mit dem Finger. Dieser schmerzlose Eingriff erfolgt über den Anus. Mit einer Ultraschall-Untersuchung lassen sich einige Harnsteine nachweisen und die Blase auf verbleibenden Harn untersuchen. Eine Laboruntersuchung des Urins liefert weitere Hinweise. Daran schließen sich Untersuchungen, die teilweise beim Spezialisten durchgeführt werden. Diese umfassen Computertomographie und andere bildgebende Methoden, mit denen die Ausscheidung des Urins von den Nieren bis zur Harnröhre geprüft werden kann (Urografie). Erhärtet sich der Verdacht auf Blasensteine, wird oft eine sogenannte Zystoskopie vorgenommen, bei der unter örtlicher Betäubung ein dünner Schlauch in die Harnröhre eingeführt wird, an dessen Ende eine Kamera befestigt ist. Damit können die Steine bezüglich Größe, Anzahl und Lokalisation beurteilt werden.   

Welche therapeutischen Möglichkeiten bestehen?

Blasensteine sollten entfernt und die begünstigenden Faktoren der Steinbildung behandelt werden. Zwischenzeitlich werden ggf. Schmerzmittel und Antibiotika in der Behandlung eingesetzt.

Zur Beseitigung der Steine stehen mehrere Methoden zur Verfügung. Bei kleinen Steinen reichen manchmal eine erhöhte Trinkmenge und Medikamente, die die Ausscheidung erleichtern, aus. In den meisten Fällen ist jedoch ein operativer Eingriff notwendig. Dieser Eingriff kann einerseits über die Harnröhre erfolgen und wird dann als transurethrale Lithotripsie bezeichnet. Wie bei der Zystoskopie wird ein dünner Schlauch eingeführt, der an seiner Spitze eine Vorrichtung hat, mit der die Steine in kleine Stücke gesprengt und die Fragmente aufgesaugt werden. Wenn dieses Verfahren keinen Erfolg hat oder die Steine sehr groß sind, muss ggf. eine offene oder minimalinvasive Operation erfolgen. Bei Kindern wird im Falle von Blasensteinen üblicherweise offen operiert. Eine weitere Methode ist die extrakorporale Stoßwellenbehandlung, bei der die Steine von außen durch Stoßwellen zertrümmert und dann ausgeschieden werden.

Wie können Sie Blasensteinen vorbeugen?

Zur Vorbeugung von Blasensteinen sollten mögliche zugrundeliegende Ursachen behandelt werden. Die Prostatavergrößerung ist die häufigste Ursache für Blasensteine und zugleich ein verbreitetes Leiden unter Männern im mittleren bis höheren Alter. Ist eine vergrößerte Prostata diagnostiziert worden, ist daher eine Behandlung eine wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Blasensteine.

Trinken Sie zudem immer ausreichend Wasser. Dadurch wird der Urin verdünnt und die  Wahrscheinlichkeit, dass Kristalle ausfallen, reduziert.

Mögliche Komplikationen

Ein unbehandeltes Steinleiden in der Harnblase kann zu wiederkehrenden Blasenentzündungen und Nierenschäden führen und überdies das Risiko für Blasenkrebs erhöhen. Aufgrund der guten Behandlungsmöglichkeiten treten diese Komplikationen in Deutschland nur noch selten auf.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Blasensteine. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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