Nierenzysten

Eine Nierenzyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum unterschiedlicher Größe innerhalb einer Niere. Nierenzysten sind sehr oft gutartig und verursachen keine Beschwerden. Sind sie schmerzhaft oder (in seltenen Fällen) bösartig verändert, so ist eine Therapie notwendig.

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Nierenfunktion

Die Nieren entfernen verschiedene Substanzen aus dem Blut, die ausgeschieden werden sollen. Dazu wird das Blut gefiltert und Urin produziert, über den die Substanzen zusammen mit Flüssigkeit ausgeschieden werden.

Was sind Nierenzysten?

Eine Nierenzyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der an verschiedenen Stellen der Niere liegt und unterschiedlich groß sein kann. Diese Zysten sind normalerweise kein Anzeichen einer Erkrankung, sie sind in den meisten Fällen gutartig.

Die meisten Nierenzysten führen zudem nicht zu Beschwerden. Liegen sie jedoch ungünstig oder sind recht groß, können sie zu Flankenschmerzen, Problemen beim Wasserlassen oder Blut im Urin führen. Zysten sind in der Regel kleine, ovale oder runde, dünnwandige Blasen, die mit Wasser gefüllt sind. Nierenzysten treten sehr häufig auf: 50 % aller Personen älter als 40 Jahre haben Nierenzysten. Oft werden solche Zysten gar nicht entdeckt oder nur zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung aufgrund anderer Beschwerden gefunden. Das Vorkommen steigt mit dem Alter.

Ursachen

Zysten können sich überall im Körper bilden, kommen aber besonders häufig in den Nieren vor. Die Ursache der Nierenzysten ist unbekannt. Vergleichsweise häufig finden sich Nierenzysten bei Personen mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder einer Funktionsstörung der Nieren (Niereninsuffizienz).

Von einzelnen Nierenzysten ist eine Erbkrankheit zu unterscheiden: Die zystische Nierenkrankheit, bei der sich sehr viele Zysten in den Nieren ausbilden.

Diagnostik

Nierenzysten werden in der Regel zufällig, z. B. bei Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen, entdeckt. Bei einer körperlichen Untersuchung mit Abtasten des Bauchraums hingegen lassen sich Nierenzysten nur feststellen, wenn sie sehr groß sind und/oder beim Abtasten Schmerzen verursachen.

Anhand der Ultraschalluntersuchung, ggf. auch mithilfe von Kontrastmittel, lässt sich meist sicher erkennen, ob die entdeckte Zyste gutartig oder bösartig ist. Ist die Ärztin/der Arzt unsicher, kann zusätzlich eine Computertomografie zum Einsatz kommen, um Hinweise auf einen bösartigen Tumor (Krebs) oder eine Infektion der Zyste zu erhalten. Bei einer vollkommen gesunden Person mit eindeutig guartigen Befunden im Ultraschall ist eine solche Untersuchung allerdings nicht notwendig. 

Es wird zudem eine routinemäßige Blutuntersuchung durchgeführt, um andere Krankheiten ausschließen zu können. Bei einer gutartigen Zyste ist das Blutbild in Ordnung. Anhand von Blut- und Urinuntersuchungen lässt sich auch feststellen, ob evtl. eine Nierenfunktionsstörung vorliegt.

Therapie

In den meisten Fällen ist die Zyste gutartig und die Patienten haben keine Beschwerden. In diesen Fällen ist keine Behandlung notwendig. Wenn die Patienten auch andere Symptome oder Beschwerden haben, kann jedoch ein chirurgischer Eingriff notwendig sein, um die Zyste zu verkleinern oder ganz zu entfernen. Dadurch kann zudem genau überprüft werden, ob die Zyste gutartig ist.

Im Fall eine infizierten Zyste ist eine Therapie mit Antibiotika erforderlich.

Ist bereits anhand der Ultraschalluntersuchung deutlich, dass es sich möglicherweise oder sicher um Krebs handelt, erfolgt eine Operation, Strahlen- und/oder Chemotherapie.

Prognose

Wie bereits gesagt, sind die meisten Nierenzysten gutartig und verursachen keine Symptome und die Prognose ist gut. In einigen Fällen empfiehlt die Ärztin/der Arzt, einige Monate später nochmals eine Ultraschalluntersuchung zur Kontrolle durchführen zu lassen. Wenn die Betroffenen in der Zwischenzeit Beschwerden entwickeln, sollte diese Untersuchung entsprechend früher vorgenommen werden. 

In den meisten Fällen ist es unzweckmäßig und unnötig, den Inhalt einer Nierenzyste abzusaugen oder die ganze Zyste zu entfernen. Manchmal entwickelt sich jedoch eine Infektion oder Blutung der Zyste. In seltenen Fällen kann es auch zur Komplikation einer sogenannten Hydronephrose als Folge der Zyste kommen. Hier staut sich Flüssigkeit im Nierenhohlsystem, sodass es durch den Druck zu Schädigungen des Nierengewebes kommt. In manchen Fällen muss die Zystenflüssigkeit geleert oder entfernt werden, wenn sie Beschwerden oder Schmerzen verursacht oder nicht deutlich ist, ob sie gutartig ist. In der Regel kann die Zyste mit einer Nadel geleert werden. In seltenen Fällen kann auch ein chirurgischer Eingriff notwendig sein.

Weitere Informationen

Illustrationen

Niere Querschnitt.jpg
Querschnitt der Niere

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nierenzysten. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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