Dialyse

Die Dialyse ist ein Verfahren, mit dem wichtige Funktionen der Niere bei einem Nierenversagen ersetzt werden können. Dazu gehören die Regulation des Wasserhaushaltes und die Ausscheidung giftiger Abbauprodukte des Körpers. Die in Deutschland wichtigsten Erkrankungen, die eine dauerhafte Dialyse erforderlich machen, sind Diabetes und Bluthochdruck.

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Die vielfältigen Aufgaben der Niere

Die Niere erfüllt vielfältige unentbehrliche Aufgaben für den Körper. Sie reguliert den Mineralstoff-, Säure-Basen- sowie Wasserhaushalt, scheidet giftige Substanzen aus, beeinflusst Blutdruck und Kreislauf und produziert wichtige Hormone für die Blutbildung und den Kalziumstoffwechsel. Sichtbares Produkt ihrer Arbeit ist der Urin. Benötigt der Körper Wasser, behält die Niere Flüssigkeit zurück – der Urin wird spärlicher und konzentrierter. Bei zu viel Flüssigkeit im Körper steigt die Urinproduktion in den Nieren und die Urinkonzentration sinkt. Über den Urin werden auch Giftstoffe ausgeschieden, und zwar sowohl Abbauprodukte aus körpereigenen Stoffwechselprozessen als auch verstoffwechselte Medikamente.

Plötzlicher oder schleichender Funktionsverlust der Nieren

Unterschiedliche Erkrankungen stören oder schädigen das komplizierte Filtersystem der Niere, sodass ihre Ausscheidungsfunktion abnimmt. Bei einigen Ursachen entwickelt sich der Verlust der Nierenfunktion rasch innerhalb von Stunden oder Tagen (akutes Nierenversagen) – zum Beispiel bei akuter Austrocknung vor allem älterer Patientinnen und Patienten oder bei einem Aufstau des Harns aufgrund einer vergrößerten Prostata. Andere Ursachen – an vorderster Stelle die großen Wohlstandskrankheiten Diabetes und Bluthochdruck – bewirken eine langsam fortschreitende Nierenfunktionsstörung über Monate oder Jahre. Auch sie kann in ein Nierenversagen münden. Besteht eine Nierenfunktionsstörung seit drei Monaten oder länger, wird von einer chronischen Nierenkrankheit gesprochen.

Im Rahmen des Nierenversagens lässt in aller Regel die Urinproduktion stark oder gänzlich nach. Dadurch wird Wasser im Körper eingelagert und ausscheidungspflichtige Giftstoffe häufen sich im Blut und in den Zellen an. Der Mineralstoffhaushalt und das Säure-Basen-Gleichgewicht geraten in Unordnung. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich werden.

Die Dialyse – ein Nierenersatzverfahren

Bei einem Nierenversagen steht die Behandlung bzw. Vorbeugung der ursächlichen Erkrankungen an erster Stelle. Falls erforderlich, muss zusätzlich die Ausscheidungsfunktion der Niere per Dialyse ersetzt werden – in manchen Fällen vorübergehend, oft jedoch dauerhaft. Bei einem bleibenden Nierenschaden kann längerfristig eine Nierentransplantation geplant werden – neben der Dialyse das zweite Nierenersatzverfahren.

Der Begriff „Dialyse" kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Trennung". Getrennt werden die lebensnotwendigen von den schädlichen Blutbestandteilen. Für die Dialyse stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Häufig angewendet werden die Hämodialyse („Häm" ist ebenfalls griechisch und bedeutet „Blut") und die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse).

Hämo- und Bauchfelldialyse beruhen auf den physikalischen Prinzipien der Diffusion und Osmose zweier flüssiger Lösungen entlang einer Filtermembran, die nur für bestimmte Teilchen durchlässig ist. Auf der einen Seite der Membran befindet sich das zu dialysierende Blut, auf der anderen Seite eine spezielle Dialysierflüssigkeit. Sie ist arm an all jenen Teilchen, die aus dem Blut gefiltert werden sollen. Dieses Konzentrationsgefälle zwischen Blut und Dialysierflüssigkeit sorgt dafür, dass die schädlichen Substanzen im Blut durch die Filtermembran in die Dialyseflüssigkeit hinüberwandern. Auch überschüssiges Wasser wird so entzogen. Nach erfolgter Dialyse ist das Blut gereinigt und die mit den Giftstoffen angereicherte Dialysierflüssigkeit wird entsorgt. Weiterhin bestehende Ungleichgewichte etwa bei den Blutsalzen können durch Medikamente ausgeglichen werden.

Hämodialyse

Die Hämodialyse wird an einem Dialysegerät durchgeführt – entweder in einem spezialisierten Dialysezentrum, das in der Regel an drei Tagen in der Woche für einige Stunden aufgesucht wird, oder als Heimdialyse an einer Maschine im Privatbesitz.

Der Kreislauf der Patientin oder des Patienten wird dabei an ein Schlauchsystem angeschlossen, das jene Filtermembran enthält, die den Trennvorgang des Blutes herbeiführt. 

Bei der Hämodialyse wird ein ausreichend großer Zugang zu einem Blutgefäß benötigt, damit das Dialysegerät das gesamte Blutvolumen aus dem Körper heraus- und wieder hineinleiten kann. Für kurzfristige Dialysen erfolgt die Anlage eines Katheters in einer großen Vene am Hals. Ist ein Ende der Dialyse nicht absehbar, wird ein sogenannter Shunt am Unterarm bevorzugt. Dafür wird meist in örtlicher Betäubung eine oberflächliche Armvene mit einer tieferliegenden, kräftigen Arterie kurzgeschlossen. Nach einiger Zeit hat sich der Umfang der Vene so geweitet und die Flussrate so erhöht, dass sie für die Dialyse einsatzfähig ist. Shunts müssen teilweise operativ korrigiert oder erneuert werden, wenn sie kein Blut mehr fördern.

Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse)

Die Bauchfelldialyse kommt ohne Maschine aus und kann zu Hause durchgeführt werden. Bei ihr fungiert das Bauchfell, das die Bauchorgane umschließt, als Filtermembran. Über einen dauerhaft liegenden Bauchwandkatheter wird mehrmals täglich oder während der Nacht die Dialysierflüssigkeit in die Bauchhöhle gefüllt. Sie umspült dort das gut durchblutete Bauchfell, sodass die ausscheidungspflichtigen Stoffe und das überschüssige Wasser aus den Blutgefäßen in die Dialysierflüssigkeit übergehen. Nach einigen Stunden wird die Dialysierflüssigkeit samt Giftstoffen über den Katheter abgelassen. Der Vorteil der Bauchfelldialyse ist die Unabhängikeit von einem Dialysezentrum sowie die größere Mobilität während laufender Dialyse. Ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit und hygienischem Umgang muss jedoch sichergestellt sein. Besprechen Sie mit Ihrem Nierenspezialisten, ob die Bauchfelldialyse für Sie in Frage kommt.   

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf