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Harnblasenkrebs – Der Weg zurück in den Alltag

Wie Betroffene mit der Diagnose Harnblasenkrebs und der anschließenden Therapie umgehen, kann sehr unterschiedlich sein.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Krankheitsverlauf und Behandlung variieren mitunter stark, ebenso verhält es sich mit dem Schweregrad der Erkrankung sowie der Dauer, der Therapiemethode und den individuellen Folgen. Manche Patienten werden stationär aufgenommen und so schnell behandelt, dass sie sich regelrecht überrumpelt fühlen, während andere einen langwierigen und mitunter schmerzhaften Krankheitsverlauf mit Verzögerungen und langen Wartezeiten erleben.

Jeder nimmt die Erkrankung auf seine eigene Weise wahr, auch wenn sie für alle Betroffenen gleichermaßen eine physische wie psychische Belastung darstellt. Selbst wenn die körperliche Rehabilitation nach abgeschlossener Therapie recht zügig voranschreitet, ist die Rückkehr in den Alltag nicht immer leicht und zuweilen auch von depressiven Verstimmungen begleitet.

In solchen Situationen ist es von Vorteil, wenn man ein sicheres Netzwerk aus Familie, Freunden oder anderen Vertrauenspersonen um sich hat, das einem Halt geben kann. Auch wenn es manch einem unangenehm ist, andere mit seiner Erkrankung zu belästigen, besteht kein Grund zur Zurückhaltung. Die meisten empfinden es als Vertrauensbeweis, wenn sie um Hilfe gebeten werden.

Für viele Patienten kann es auch hilfreich sein, Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen. Dort erfahren sie mehr über Therapiemöglichkeiten und können mit Menschen sprechen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Auch besteht für jeden Krebspatienten die Möglichkeit, die Unterstützung eines Psychoonkologens in Anspruch zu nehmen. Hierbei handelt es sich um speziell ausgebildete Fachkräfte (Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter), die sich explizit mit den psychischen und sozialen Belastungen bei Krebserkrankungen auskennen und Sie und Ihre Angehörigen bei Bedarf unterstützend begleiten.

Die eigene Prognose und das Risiko eines Rückfalls gehören zu den häufigen Fragen, mit denen Betroffene sich nach abgeschlossener Behandlung eines Harnblasenkarzinoms auseinandersetzen müssen. Auch hier ist eine pauschale Aussage kaum möglich. Die Prognose variiert von Patient zu Patient, und der am ehesten geeignete Gesprächspartner zur Erörterung Ihrer aktuellen Situation ist Ihr behandelnder Arzt. Die nach Beendigung der Therapie einsetzende Nachbehandlung besteht aus regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Nutzen Sie diese Gelegenheiten, um Sorgen und aktuelle Probleme mit Ihrem Arzt zu besprechen.

Der Weg zurück in den Alltag kann mitunter lang und beschwerlich erscheinen. Viele Patienten verspüren anfangs das Bedürfnis, es etwas ruhiger angehen zu lassen, um wieder zu Kräften zu kommen. Mit der Zeit kehrt die Lebenskraft zurück und der Alltag kehrt wieder ein. Etwaige Nebenwirkungen der vorangegangenen Therapie – wie Appetitlosigkeit oder Haarausfall – werden zunehmend schwächer, nach und nach erlangen die Betroffenen ihr ursprüngliches Aussehen zurück.

Wurde die Harnblase des Patienten operativ entfernt, kann nun das Legen einer Ersatzblase oder eines kontinenten Stomas in Betracht gezogen werden, falls dies noch nicht erfolgt ist. Viele Patienten sind aufgrund von Inkontinenz allerdings weiterhin auf ein Stoma angewiesen. Die Tatsache, dass sie mit einem „Beutel am Bauch“ umhergehen müssen, empfinden nicht wenige der Betroffenen als befremdlich und hemmend. Sie fragen sich, ob andere etwas davon merken. Sieht man den Beutel? Kann man etwas riechen? Besonders die Sommermonate können als schwierig empfunden werden. Für Stomapatienten stellt es eine gewisse Herausforderung dar, an warmen Tagen passende Sommerbekleidung zu finden. Auch die praktische Handhabung eines Stomas kann Probleme hervorbringen. Die Haut um die Öffnung ist oftmals empfindlich und es besteht gerade anfangs oft eine gewisse Unsicherheit über das Fassungsvermögen des Beutels und wie häufig er zu entleeren ist. Speziell ausgebildete Fachkräfte, sogenannte Stomatherapeuten, können Ihnen neben Ihrem Arzt bei diesen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Sexualität

Nachdem der Alltag eingekehrt ist und sich die Betroffenen allmählich an die Veränderungen am Körper gewöhnt haben, treten andere Fragen auf. Die Behandlung eines weit fortgeschrittenen Harnblasenkarzinoms hat für Männer wie Frauen gleichermaßen teils gravierende Auswirkungen auf das Sexualleben. Sexuelle Funktionsstörungen infolge einer Zystektomie wie auch einer Strahlentherapie sind recht üblich und können sich beim Mann in Form von Impotenz äußern. Bei Frauen werden im Rahmen einer Zystektomie oftmals auch der untere Teil der Harnleiter, die Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter sowie ein Teil der Scheidenwand entfernt.

Beim Mann stellt die Impotenz die häufigste sexuelle Funktionsstörung dar – das Erektionsvermögen geht verloren. Eine Erektion resultiert aus der verstärkten Durchblutung der schwammartigen Schwellkörper im Penis, die sich ausdehnen und hart werden. Es handelt es sich um ein kompliziertes Zusammenspiel von Hormonen, Nervenimpulsen und Muskeln sowie zwischen physischen und psychischen Faktoren. Die Abnahme oder der Verlust des Erektionsvermögens gehören zu den häufigen Nebenwirkungen einer Krebstherapie.

Mitunter können dem aber auch psychische Ursachen zugrunde liegen. Die mit Erkrankung und Therapie einhergehenden Belastungen, Ängste und Unruhezustände sowie ein verschlechterter Allgemeinzustand führen häufig zu Problemen; nicht zuletzt ist oft auch allein die Sorge, dass sich möglicherweise keine Erektion einstellt, der Grund für ihr Ausbleiben.

Auch physische Verletzungen können zu Potenzproblemen führen. Die für die Erektion verantwortlichen Nerven verlaufen in der Nähe der Harnblase und können bei einer radikalen Zystektomie leicht Schaden nehmen. Die Fähigkeit zum Orgasmus bleibt davon allerdings oftmals unberührt. Darüber hinaus können Strahlen- und Chemotherapie sowie andere chirurgische Eingriffe im Unterleib zu einer Beschädigung von Drüsen- und Muskelgewebe, Blutgefäßen oder Nervenbahnen führen, die für den Erektionsprozess eine Rolle spielen.

Oftmals ist eine ärztliche Untersuchung notwendig, um herauszufinden, ob die Ursache für die Erektionsprobleme physisch oder psychisch bedingt ist. Die Aussicht auf eine Besserung hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. In einigen Fällen tritt eine Spontanbesserung auf.

Die meisten männlichen Patienten mit einem Harnblasenkarzinom leiden allerdings unter andauernden Potenzproblemen. Ihnen steht jedoch eine Vielzahl an Hilfsmitteln – wie Tabletten, Injektionen in den Penis mit gefäßerweiternden Substanzen sowie Pumpen oder Silikonimplantate – zur Verfügung. Die Bedürfnisse eines jeden Patienten sind individuell, weshalb die verschiedenen Optionen mit einem Arzt oder Spezialisten erörtert werden sollten, um das jeweils geeignete Hilfsmittel zu finden. Zugleich sollten Betroffene nicht vergessen, dass es neben dem Beischlaf auch noch andere Möglichkeiten der sexuellen Befriedigung gibt. Berührungen, Streicheleinheiten und mechanische Hilfsmittel sind übliche und oftmals elementare Bestandteile annähernd jeder partnerschaftlichen Beziehung, unabhängig davon, ob einer der Partner an Krebs erkrankt ist.

Siehe auch Krebs und Sex – körperliche Probleme beim Mann.

Bei Frauen werden im Rahmen einer Zystektomie oftmals auch der untere Teil der Harnleiter, die Gebärmutter, die Eileiter samt Eierstöcken sowie ein Teil der Scheidenwand entfernt. Auch hier lässt sich keine generelle Antwort darauf geben, inwiefern der Eingriff das sexuelle Empfinden der jeweiligen Patientin beeinträchtigen wird. Es handelt sich um einen Lebensbereich, in dem sich körperliche und psychische Faktoren in einem engen Zusammenspiel miteinander befinden. Grundlegend stellt eine Krebsoperation an sich kein Hindernis für Frauen dar, weiterhin einen Orgasmus erleben zu können. Allerdings bedarf es oftmals der Bereitschaft, sich auf die veränderte Situation einzustellen und neue Wege auszuprobieren – und nicht zuletzt einer gewissen Geduld. Auch für Frauen gibt es spezielle Hilfsmittel, welche die Stimulation verstärken können.

Werden die Eierstöcke entfernt oder funktionsunfähig gemacht, produziert der Körper kaum noch weibliche Geschlechtshormone. Bei Frauen im gebährfähigen Alter bedeutet dies einen vorzeitigen, künstlichen Beginn der Wechseljahre (Klimakterium); die üblichen Symptome wie Hitzewallungen und trockene Scheidenschleimhaut treten in diesem Fall oftmals schneller und intensiver auf als beim natürlich beginnenden Klimakterium. In den meisten Fällen kann die Gabe künstlicher Hormone Abhilfe schaffen. Das Klimakterium – ob künstlich herbeigeführt oder natürlich – reduziert üblicherweise nicht die sexuelle Lust oder das sexuelle Vermögen einer Frau. Durch den Östrogenmangel ist die Scheide jedoch oftmals deutlich trockener als zuvor. Hier können lokale Östrogenbehandlungen oder spezielle Intimpflegecremes Abhilfe schaffen.

Siehe auch Krebs und Sex – Körperliche Probleme bei der Frau.

Wissenswertes über Krebs und Sex

Krebs ist nicht ansteckend. Unabhängig davon, wie intim der Kontakt zu einem an Krebs erkrankten Patienten auch sein mag, besteht keinerlei Ansteckungsrisiko.

  • Eine Chemotherapie zeigt bei niemand anderem als dem Patienten selbst Wirkung.
  • Ebenso verhält es sich mit der Strahlentherapie – allein der behandelte Patient ist von den Wirkungen der Bestrahlung betroffen.

Siehe auch Krebs und Sex sowie Krebs und Sex – Hilfsmittel.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Köln
  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln