Chronische Nierenkrankheit, Ursachen

Auch wenn die chronische Nierenkrankheit manchmal auf einer (primären) Erkrankung der Nieren beruht, sind die häufigsten Ursachen hierfür ein lange Zeit bestehender Diabetes mellitus und/oder Bluthochdruck.

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Ursachen der chronischen Nierenkrankheit

Als chronische Nierenkrankheit wird eine Funktionsstörung der Nieren bezeichnet, die bereits mindestens 3 Monate besteht. Derart geschädigte Nieren können zum einen ihre Hauptfunktion nicht mehr so gut erfüllen, also die Regulierung des Wasserhaushalts und der Konzentrationen von Elektrolyten (Natrium, Kalium etc.) im Blut sowie Ausscheidung von Giften und Medikamenten. Zum anderen entwickeln sich jedoch bei einer chronischen Störung viele andere Beschwerden und Symptome, weil die Nieren zusätzlich noch einige andere Aufgaben haben (siehe Artikel Symptome der chronischen Nierenkrankheit).

Die Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz lassen sich grob in verschiedene Bereich einteilen: Erkrankungen, die mehrere Organe und dadurch auch die Nieren betreffen, Erkrankungen der Blutgefäße (also auch der Blutgefäße der Nieren) und Erkrankungen der Nieren selbst. Letztere können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.

Nach lange Jahre bestehendem Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, insbesondere bei ungenügender Therapie, kommt es zur Schädigung der kleinen Nierenblutgefäße und des Nierengewebes selbst. Diese beiden Krankheiten macht in Deutschland mehr als die Hälfte der Fälle einer chronischen Nierenkrankheit aus. Hier eine Übersicht über die häufigsten Ursachen einer solchen Nierenfunktionsstörung: 

  • Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 führen zu einem Krankheitsbild namens diabetische Nephropathie, die eine der häufigsten Ursachen der chronischen Nierenkrankheit in Deutschland ist.
  • Bluthochdruck (Hypertonie), der nicht ausreichend gut behandelt ist/werden kann, kann auf Dauer Nierenschädigungen verursachen.
  • Die Glomerulonephritis ist eine entzündliche Erkrankung, die das Filtrationssystem in den Nieren schädigt und zu Nierenversagen führen kann. Bestimmte Zustände nach Infektionen („postinfektiös“) und entzündliche Erkrankungen können eine Glomerulonephritis auslösen.
  • Die sog. interstitielle Nephropathie ist eine Erkrankung des Nierengewebes selbst, das eine chronische Nierenfunktionsstörung zur Folge hat.
  • Die sogenannte polyzystische Niere, auch Zystenniere genannt, ist ein Beispiel für eine erblich bedingte chronische Nierenerkrankung. Dabei bilden sich in beiden Nieren viele Zysten (flüssigkeitsgefüllte Blasen).
  • Vermutlich kann auch eine langjährige, regelmäßige Anwendung von Schmerzmitteln wie Paracetamol zu Nierenschädigungen und Nierenerkrankungen führen. Bestimmte andere Medikamente können die Nieren ebenfalls schädigen.
  • Die Arteriosklerose (Arterienverkalkung) betrifft alle Arterien im Körper, also auch die Blutgefäße in den Nieren (und ist oft durch Hypertonie oder Diabetes mellitus bedingt). Dies führt zu Nierenschädigungen mit zunehmendem Verlust der Nierenfunktion aufgrund der zu schlechten Blutversorgung der Nieren. Das Gleiche gilt für eine chronische Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis).
  • Auch ein eingeschränkter Urinfluss aufgrund von Nierensteinen, einer vergrößerten Prostata, Einengungen der Harnwege (Harnröhrenstriktur) oder Krebserkrankungen der Harnwege können zu Nierenkrankheiten führen. Dies passiert aber in der Regel erst, wenn diese Krankheiten über längere Zeit nicht behandelt werden, was eher selten der Fall ist. 
  • Sonstige Ursachen für die chronische Nierenkrankheit können verschiedene Autoimmunkrankheiten (z. B. Lupus erythematodes) oder andere Krankheiten, sein die mehrere Organe betreffen (z. B. Amyloidose, hämolytisch urämisches Syndrom).

Daneben gibt es noch zahlreiche seltenere Ursachen, in manchen Fällen lässt sich auch trotz ausführlicher Untersuchungen keine Ursache für die Nierenkrankheit finden.

Alle Erkrankungen, die zu einer chronischen Nierenkrankheit führen können, sollten so früh und so gut wie möglich behandelt werden. Wichtig ist vor allem eine optimale Therapie bei Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Risikofaktoren

Bei manchen Krankheiten oder anderen Faktoren besteht für die Betroffenen ein erhöhtes Risiko, an einer chronischen Nierenkrankheit zu erkranken. Die wichtigsten sind:

  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Höheres Alter
  • Herzkrankheit
  • Nahe Verwandte, bei denen eine Nierenkrankheit diagnostiziert wurde.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln
  • Terje Johannessen, professor i allmennmedisin, Institutt for samfunnsmedisinske fag, Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Trondheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nierenkrankheit, chronische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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