Inkontinenz bei Frauen

Mehr als jede zehnte deutsche Frau leidet an Harninkontinenz, dem unfreiwilligen Abgang von Urin. In ungefähr der Hälfte der Fälle liegte eine Schwäche der Bänder und Muskeln vor, die die Harnblase verschließen. Das Risiko für eine Harninkontinenz steigt im Alter, bei Übergewicht und mit jeder Geburt. Das Thema ist schambesetzt, was dazu führt, dass nur etwa jede zweite betroffene Frau den Arzt aufsucht. Dabei besteht eine Vielzahl an zuverlässigen Behandlungsmöglichkeiten.

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Harninkontinenz – ein häufiges Problem von Frauen

Harninkontinenz betrifft viele Frauen. 15 % der Frauen in Deutschland geben an, unter ungewolltem Urinabgang zu leiden. Internationale Studien zeigen, dass sich ca. 7 % aller Frauen von ihrer Inkontinenz stark beeinträchtigt und in ihrem sozialen Leben eingeschränkt fühlen. Dennoch sucht nur ungefähr jede zweite betroffene Frau ihre Ärztin oder ihren Arzt auf. Dabei liegen diverse therapeutische Ansätze vor, mit denen Abhilfe geschaffen werden – von Hilfsmitteln wie speziellen Tampons, Pessaren und geruchsneutralen Einlagen, über physiotherapeutische Maßnahmen wie Beckenbodengymnastik, unterstützende Geräte wie Elektrostimulation, medikamentöse Therapien bis hin zur Operation.

Inkontinenzformen und -ursachen

Inkontinenz ist nicht gleich Inkontinenz. Es gibt unterschiedliche Formen und Ursachen, am häufigsten ist die sogenannte Belastungsinkontinenz. Ihr liegt eine Schwäche der Bänder und Muskeln zugrunde, die die Harnblase wasserdicht verschließen sollen. Im Alter, durch Übergewicht und insbesondere durch Schwangerschaften und Entbindungen wird der Beckenboden beansprucht und verliert an Stabilität. Eine Drucksteigerung im Bauchraum, etwa durch Lachen, Niesen, Husten, schweres Heben oder Sport und Tanzen, führt dann zum ungewollten Abgang kleiner Mengen Urin. Viele Frauen sind in den ersten Monaten nach Entbindung von einer Belastungsinkontinenz betroffen. Durch gezielte Rückbildungs- und Beckenbodengymnastik kann sie in den meisten Fällen behoben werden. Frauen, die häufig entbunden haben, vor allem mittels Vaginalgeburt, tragen jedoch ein erhöhtes Risiko, nach der Menopause, wenn die Bänder und Muskeln des Beckens aufgrund des Mangels an weiblichen Geschlechtshormonen an Elastizität verlieren, eine längerfristige Inkontinenz zu entwickeln.

Im Alter kommt häufig eine andere Form der Inkontinenz erschwerend hinzu, die Dranginkontinenz. Hier ist der unwillkürliche Verlust größerer Mengen Urin mit einem plötzlichen, starken Harndrang verbunden. Häufige Ursache der Dranginkontinenz ist eine überaktive Blase, die sich schon bei geringer Füllmenge unwillkürlich zusammenzieht und damit das unfreiwillige Wasserlassen einleitet. Die genauen Gründe hierfür sind unbekannt. Bei gleichzeitigem Auftreten von Belastungs- und Dranginkontinenz spricht man von einer Mischinkontinenz.

Diagnostik

Die Diagnose ergibt sich bei den häufigen Inkontinenzformen – Belastungs- und Dranginkontinenz sowie Mischinkontinenz – meist schon allein durch die Anamnese, also aus dem Gespräch zwischen Ärztin und Patientin, in dem diese ihre Beschwerden schildert. Dennoch müssen seltene Formen mitbedacht und bei Verdacht ausgeschlossen werden, da sie spezielle Therapien erfordern. Dazu gehören zum Beispiel Erkrankungen des Rückenmarks, Harnabflussstörungen, Diabetes oder Demenz. Auch Harnwegsinfekte können zu unfreiwilligem Urinverlust meist im Verbund mit einem starken Harndrang und Brennen beim Wasserlassen führen.

Hilfreich zur Diagnosefindung und zur Unterscheidung der Inkontinenzformen ist das Führen eines sogenannten Miktionstagebuchs (Miktion ist lateinisch für Wasserlassen). Darin notiert die Patientin die Trinkmengen und die Episoden von Harndrang, Wasserlassen und ungewolltem Harnabgang. Hier finden Sie eine Vorlage.

Um eine Belastungsinkontinenz nachzuweisen, kann bei Bedarf in der Arztpraxis ein einfacher Stresstest durchgeführt werden, bei dem der Abgang von Urin beim Husten beobachtet wird.

Eine gynäkologische oder urologische Spezialdiagnostik ist normalerweise nicht nötig. Nur wenn Unklarheiten bei der Diagnose bestehen oder wenn sich die Beschwerden trotz mehrerer Therapieversuche nicht deutlich bessern, sollte eine Spezialistin hinzugezogen werden. Auch zur Operationsplanung müssen Untersuchungen beim Spezialisten durchgeführt werden.

Therapie

Zur Behandlung der Harninkontinenz liegt eine große Zahl an nicht-operativen und operativen Mitteln vor.

Die jeweilige Therapie hängt von der Form der Inkontinenz ab. Bei den beiden häufigsten Formen, der Belastungs- und der Dranginkontinenz, sollten stets alle nicht-operativen Mittel ausgeschöpft werden, ehe eine Operation erwogen wird. Einen hohen Stellenwert haben regelmäßig durchgeführte physiotherapeutische Maßnahmen, in erster Linie das Beckenbodentraining.

Prognose

Bei konsequenter Durchführung bestehen gute Chancen auf Beschwerdebesserung bis Heilung. Nicht-operative Methoden können nachweislich die Lebensqualität der betroffenen Patientinnen verbessern, führen aber nur selten zu einer vollständigen Wiederherstellung der Kontinenz. Operative Methoden hingegen haben bessere Aussichten auf komplette Heilung. Hier sind aber die Vorteile gegen die möglichen Komplikationen, die mit der Operation verbunden sind, abzuwägen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf