Nierensteine, Stoßwellentherapie

Die Stoßwellentherapie (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie ESWL) ist die schonendste chirurgische Behandlungsmethode bei Nierensteinen/Harnsteinen. Die Steine werden in kleine Stücke zertrümmert, die dann über die Harnwege ausgeschieden werden können. Allerdings eignet sich diese Behandlungsmethode nicht für alle Patienten.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Die Stoßwellentherapie ist bei Nierensteinen im Nierenbecken bzw. Harnsteinen im Harnleiter indiziert, wenn andere Maßnahmen (Ernährungsumstellung, Medikamente) nicht wirksam waren. Sie stellt heutzutage die wichtigste operative Maßnahme bei Nieren-/Harnsteinen dar und wird deutlich häufiger angewandt als die endoskopische oder offene chirurgische Entfernung der Steine.

Wann ist eine Stoßwellentherapie sinnvoll?

Nierensteine werden mittels Computertomographie nachgewiesen.

Grundsätzlich können Steine in allen Bereichen der oberen Harnwege behandelt werden. Bei Nierensteinen mit einem Durchmesser unter 2,5 cm bzw. bei einer Lage der Steine im oberen oder unteren Harnleiter (Ureter) bei ansonsten intakten Harnwegen sind die Behandlungsaussichten der Stoßwellentherapie optimal. In den übrigen Fällen sind die Behandlungsresultate zumeist schlechter.

Wann ist eine Stoßwellentherapie nicht sinnvoll?

Zu den Umständen, in denen die Stoßwellentherapie nicht indiziert ist, zählen Schwangerschaften, Harnleiterverengungen unterhalb der Harnsteine und unbehandelter Bluthochdruck. Auch bei Gerinnungsstörungen, akuten Harnwegsinfekten und Niereninsuffizienz darf diese Behandlungsmethode nicht angewandt werden.

Wie funktioniert die Stoßwellentherapie?

Stoßwellen sind hochenergetische Schallwellen. Treffen diese Schallwellen gebündelt auf einen Harnstein, so überträgt sich die Energie auf den Stein und er wird zertrümmert. Die Wellen werden in einem Generator außerhalb des Körpers erzeugt. Der Arzt richtet den Generator so aus, dass die Stoßwellen genau auf die Harnsteine treffen. Die Behandlung wird im Liegen und unter zusätzlicher Sichtkontrolle mittels Röntgen- oder Ultraschallgerät durchgeführt, um die Steine lokalisieren und zielgerichtet zertrümmern zu können. Die kleinen Teilchen werden dann mit dem Urin ausgespült.

Nierensteine lassen sich auch mithilfe bestimmter Laser von außen durch die Haut oder von innen durch die Harnröhre zertrümmern.

Die Patientenvorbereitung

Sie müssen bei der Behandlung nüchtern sein. Vor dem Eingriff wird Ihnen intravenös ein Beruhigungs- und Schmerzmittel verabreicht. Die Behandlung dauert etwa 30 Minuten. In den meisten Fällen kann sie ambulant erfolgen.

Wie zuverlässig ist die Behandlung?

Das Behandlungsresultat ist abhängig von Größe, Anzahl, Lage und chemischer Zusammensetzung der Steine. Darüber hinaus sind die Funktionsfähigkeit der entsprechenden Niere und die Durchgängigkeit am Übergang zwischen Nierenbecken und Harnleiter für den Behandlungserfolg von entscheidender Bedeutung. Die Behandlung zielt auf eine möglichst vollständige Steinentfernung ab, allerdings werden Reststeine, die kleiner als 3 mm sind, von vielen als ein ausreichendes Ergebnis betrachtet. Bei einem Drittel der Patienten muss die Behandlung wiederholt werden.

Komplikationen

Die Stoßwellentherapie ist die schonendste urologische Behandlungsmethode bei Harnsteinen. Blut im Urin (Hämaturie) ist nach der Stoßwellentherapie nicht ungewöhnlich, die Beschwerden lassen aber innerhalb weniger Tage nach und sind in der Regel nicht behandlungsbedürftig. Stärkere Blutungen treten bei weniger als 3 % der Patienten auf. Die Hauptkomplikation besteht in einer Nierenbeckenentzündung infolge einer postoperativen Blockierung des Harnleiters durch Steine oder Steinreste. Rund 2–6 % der Patienten sind davon betroffen. Bei großen Steinen und ungünstigen Begleitumständen besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Die Stoßwellen können die Nierenfunktion negativ beeinflussen, der Bedarf einer erneuten Behandlung muss individuell mit einem Spezialisten abgewogen werden.

Das Ergebnis der Behandlung

Bei kleinen Nierensteinen oder Steinen im Harnleiter kann der Behandlungserfolg nach einigen Wochen beurteilt werden. Die Nachbehandlung ist an die individuelle Patientensituation angepasst, in den meisten Fällen erfolgt nach zwei Wochen zunächst ein Übersichtsröntgen sowie nach Ablauf von drei Monaten ein Nierenröntgen. Das Ausscheiden von Bruchstücken größerer Nieren-/Harnsteine im Anschluss an die Stoßwellentherapie kann mehrere Monate andauern. Wenn auf den Röntgenbildern Steinreste zu sehen sind, die den Harnleiter verschließen könnten, erfolgt eine erneute Überweisung ins Krankenhaus. Bei Fieber und Symptomen eines Harnweginfekts sollte ein stationärer Klinikaufenthalt zur Überwachung erfolgen.

Grundsätzlich ist es für Patienten mit Nierensteinen wichtig, ausreichend zu trinken und – je nach chemischer Struktur der jeweiligen Steine – bestimmte Nahrungsmittel zu meiden. So lässt sich auch erneuter Steinbildung vorbeugen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt genau beraten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Urolithiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Frassetto L, Kohlstadt I. Treatment and prevention of kidney stones: an update. Am Fam Physician 2011; 84: 1234-42. www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Fisang C, Anding R, Müller SC, Latz S, Laube N: Urolithiasis—an interdisciplinary diagnostic, therapeutic and secondary preventive challenge. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 83–91. www.aerzteblatt.de
  3. Ljunghall S, Danielson BG, Fellstrom B, Holmgren K, Johansson G, Wikstrom B. Family history of renal stones in recurrent stone patients. Br J Urol 1985;57:370-374. PubMed
  4. Curhan GC, Willett WC, Rimm EB, Stampfer MJ. Family history and risk of kidney stones. J Am Soc Nephrol 1997;8:1568-1573. PubMed
  5. Deutsche Gesellschaft für Urologie. Urolithiasis: Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe. AWMF-Leitlinie Nr. 043-025, Stand 2015. www.awmf.org
  6. Parmar MS. Kidney stones. BMJ 2004; 328: 1420-4. PubMed
  7. Rule AD, Bergstralh EJ, Melton LJ III, Li X, Weaver AL, Lieske JC. Kidney stones and the risk for chronic kidney disease. Clin J Am Soc Nephrol 2009; 4: 804-11. PubMed
  8. Taylor EN, Stampfer MJ, Curhan GC. Obesity, weight gain, and the risk of kidney stones. JAMA. 2005; 293: 455-62. PMID: 15671430 PubMed
  9. Kramer HJ, Choi HK, Atkinson K, Stampfer M, Curhan GC. The association between gout and nephrolithiasis in men: the health professionals' follow-up study. Kidney Int 2003; 64: 1022-6. PubMed
  10. Smith-Bindman R, Aubin C, John Bailitz J et al. Ultrasonography versus Computed Tomography for Suspected Nephrolithiasis. N Engl J Med 2014; 371:1100-1110 DOI: 10.1056. www.aliem.com
  11. Moore CL, Daniels B, Ghita M, et al. Accuracy of reduced-dose computed tomography for ureteral stones in the emergency department. Ann Emerg Med 2014. doi:10.1016/j.annemergmed.2014.09.008 DOI
  12. Knoll, T. Bach, T. Neisius, A..; Urolithiasis: Worauf zu achten ist. Perspektiven der Urologie. Dtsch Arztebl 2015; 112(37) www.aerzteblatt.de
  13. Kober A, Dobrovits M, Djavan B, et al. Local active warming: an effective treatment for pain, anxiety and nausea caused by renal colic. J Urol 2003; 170: 741-4. PubMed
  14. Campschroer T, Zhu Y, Duijvesz D, Grobbee DE, Lock MTWT. Alpha-blockers as medical expulsive therapy for ureteral stones. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 4. Art. No.: CD008509. DOI: 10.1002/14651858.CD008509.pub2. www.ncbi.nlm.nih.gov
  15. Semins, M.J. and B.R. Matlaga, Kidney stones during pregnancy. Nat Rev Urol. 2014 Mar;11(3):163-8. www.ncbi.nlm.nih.gov
  16. Fink HA, Wilt TJ, Eidman KE, et al. Medical management to prevent recurrent nephrolithiasis in adults: a systematic review for an american college of physicians clinical guideline. Ann Intern Med 2013 Apr 2;158(7):535-43. PubMed
  17. Borghi L, Schianchi T, Meschi T, et al. Comparison of two diets for the prevention of recurrent stones in idiopathic hypercalciuria. N Engl J Med 2002; 346: 77-84. PubMed
  18. Ekeruo WO, Tan YH, Young MD, et al. Metabolic risk factors and the impact of medical therapy on the management of nephrolithiasis in obese patients. J Urol 2004; 172: 159-63. PubMed
  19. Laerum E and Larsen S. Thiazide prophylaxis of urolithiasis: a double blind study in general practice. Acta Med Scand 1984; 215: 383-9. PubMed
  20. Dropkin BM, Moses RA, Sharma D, Pais VM Jrl. The natural history of nonobstructing asymptomatic renal stones managed with active surveillance. J Urol 2015; 193:1265. DOI: 10.1016/j.juro.2014.11.056 DOI
  21. Holdgate A, Pollock T. Systematic review of the relative efficacy of non-steroidal anti-inflammatory drugs and opioids in the treatment of acute renal colic. BMJ 2004; 328: 1401-4. PubMed
  22. Pathan SA, Mitra B, Cameron PA. A Systematic Review and Meta-analysis Comparing the Efficacy of Nonsteroidal Anti-inflammatory Drugs, Opioids, and Paracetamol in the Treatment of Acute Renal Colic. Eur Urol. 2017 Nov 22; pii: S0302-2838(17)30977-6: doi: 10.1016/j.eururo.2017.11.001. (Review) . pmid:29174580 PubMed