Harnsteine/Nierensteine

Steine in den Harnwegen können sehr starke und krampfartige Schmerzen verursachen. Diese sogenannte Nierenkolik kann über wenige Minuten bis hin zu Tagen andauern.  Eine ausreichende Trinkmenge und eine entsprechende schmerzlindernde Behandlung führen häufig spontan zu einem Ende der Kolik. In manchen Fällen müssen allerdings andere therapeutische Maßnahmen angewandt werden.

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Fakten

  • Urolithiasis (Harnsteinleiden) nennt man die Ausbildung bzw. das Vorkommen von Konkrementen (Harnsteinen) in den Harnwegen (Nierenkelche und Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre)
  • Je nachdem, wo sich die Steine befinden, spricht man von Nierensteinleiden (Nephrolithiasis = Steine in Nierenkelchen und -becken), Harnleitersteinen oder Blasensteinen.
  • Die Konkremente können sich in den Harnwegen festsetzen und den Urinabfluss blockieren.
  • Zu den klassischen Symptomen zählen plötzlich einsetzende, einseitige und oftmals starke Koliken.
  • Nicht selten findet sich Blut im Urin, auch Übelkeit und Erbrechen treten häufig auf.
  • Jährlich sind etwa 2 von 1000 Personen von Harnsteinen betroffen.
  • Werden die Steine nicht von selbst mit dem Urin ausgespült, so kann eine Behandlung erforderlich werden.

Was sind Harnsteine/Nierensteine?

Niere und Harnblase - normal
Niere und Harnblase - normal

Harnsteine (Urolithen) sind Steine in den Nieren oder Harnwegen. Die Substanzen, die an der Steinbildung beteiligt sind, liegen bei jedem Menschen in gelöster Form im Urin vor. Es sind Kalziumoxalat, Kalziumphosphat, Magnesiumammoniumphosphat (Struvit), Harnsäure oder Zystin. Diese Substanzen werden auch als lithogene (steinbildende) Substanzen bezeichnet. Sie werden normalerweise mit dem Urin ausgeschieden. Überschreitet aber die Konzentrationen einzelner Substanzen bestimmte Grenzwerte, bilden sich daraus Kristalle. Wenn sich mehrere Kristalle über einen längeren Zeitraum verbinden, so bilden sich schließlich Steine. Zuweilen verbleiben die Steine an ihrem Entstehungsort (bspw. im Nierenbecken), ohne Symptome zu verursachen. Sie können aber auch in den Harnleiter hinabwandern. Ab einer bestimmten Größe können die Steine die ableitenden Harnwege nicht mehr passieren und blockieren den Harnfluss. Dies führt zu starken Schmerzen.

Besteht ein erhöhtes Risiko, dass es aufgrund der ursächlichen Faktoren zu einer erneuten Steinbildung kommt, so spricht man von einer komplizierten Urolithiasis (Neigung zur Harnsteinbildung). Dies ist der Fall, wenn die Harnsteine infolge einer Veränderung im Stoffwechsel (z. B. bei der Kalziumverwertung im Körper), in Verbindung mit Infektionen der Harnwege oder aufgrund von Verletzungen bzw. angeborenen Missbildungen der Harnwege entstanden sind.

Häufigkeit

Harnsteine treten häufig auf. Jährlich sind etwa 2 von 1000 Personen betroffen. Bei etwa 10 % der Männer und 5 % der Frauen kommt es im Verlauf ihres Lebens einmal zu Harnsteinleiden. Während einer Schwangerschaft ist das Risiko um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Etwa 50 % der Betroffenen erleiden innerhalb von fünf Jahren einen Rückfall, innerhalb von 20 Jahren sind es bis zu 70 %. Die am häufigsten betroffene Altersgruppe sind Menschen zwischen 30 und 50 Jahren. In warmen Ländern und bei Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit treten Harnsteine besonders häufig auf. Infolge der Zunahme von Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck sind auch immer häufiger Kinder von Harnsteinen betroffen.

Symptome

Insgesamt hängen die Symptome von der Lage, Größe und Beweglichkeit der Harnsteine ab. Steine innerhalb des Nierengewebes verursachen häufig keinerlei Beschwerden und werden oft nur zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Dagegen verursachen Nierenkelch- oder Nierenbeckensteine leichte Druckschmerzen in der Flanke. Durch Verletzung der Schleimhaut kann es zu Blutbeimischungen im Harn, der sogenannten (Makro-)Hämaturie, kommen. Steine können den Harnfluss blockieren, so dass sich ein Harnverhalt entwickelt.

Treten Steine in den Harnleiter über, verursachen sie eine Kolik. Die krampfartigen Schmerzen, insbesondere in der Flanke und Ausstrahlung in die Leistengegend, stehen beim Steinleiden im Vordergrund. Kolikschmerzen treten wellenförmig auf und sind äußerst schmerzhaft. Ausgelöst wird der Schmerz durch die Dehnung und Zunahme der Wandspannung, die durch einen Stein ausgelöst wird, der den Harntrakt verstopft.

Die typische Nieren- bzw. Steinkolik beginnt meistens plötzlich in Form von krampfartigen und anfallsartigen Schmerzen, die entlang der Flange, des Genitals oder der Oberschenkelregion ausstrahlen. Je nach Sitz des Steines kann sich der Schmerz von der Nierenregion in den Unterbauch bis hin zur Leiste verlagern. Typisch ist dabei der wehenartige Charakter der Schmerzen: Phasen der Schmerzfreiheit wechseln sich ab mit Phasen von starken seitlichen Schmerzen.

Die Intensität der Schmerzen kann im Verlauf allerdings variieren. Auch allgemeines Unwohlsein oder ein dumpfer, nicht ausstrahlender Schmerz in der Nierengegend können auf Steinleiden hinweisen. Infolge von Harn-/Nierensteinen ist das Auftreten von Harnwegs- und Niereninfektionen begünstigt.

Ursache

Harnsteine bilden sich, wenn bestimmte Mineralsalze im Urin so hoch konzentriert sind, dass sie auskristallisieren. Nach und nach lagert sich immer mehr Material am Kristallisationskeim an - zumeist in den Nieren. Die Ursachen der Harnsteinbildung sind nicht für alle Harnsteinarten vollständig geklärt. Gesichert ist, dass als auslösende Faktoren für die Entstehung der am häufigsten vorkommenden Harnsteinarten oft die Lebensweise des einzelnen Menschen (wie Fehlernährung und falsches Trinkverhalten) und in vielen Fällen auch das Vorliegen von Stoffwechselerkrankungen (z.B. Hyperurikämie und Gicht) verantwortlich sind. Nicht umsonst gilt die Urolithiasis auch als Wohlstandskrankheit.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für Harnsteine:

  • negative Flüssigkeitsbilanz: Die Flüssigkeitsaufnahme ist geringer als die Menge an Flüssigkeit, die vom Körper ausgeschieden wird. Der Körper verliert Flüssigkeit sowohl über den Urin, als auch über Schweiß und Verdunstung. Bei höheren Temperaturen kommt es schneller zu einer negativen Flüssigkeitsbilanz und infolgedessen zu einer erhöhten Salzkonzentration im Urin.
  • hoher Fleischkonsum
  • Veränderungen im Harnsäuregehalt (ca. 25 % der Fälle)
  • familiäre Veranlagung zu Nierensteinen (dreifach erhöhtes Risiko)
  • Übergewicht
  • Immobilisierung und Bettlägerigkeit, die ein bis zwei Wochen andauern
  • Harnwegsinfekte und Fehlbildungen der unteren Harnwege
  • anatomische Veränderungen des Nierenbeckens und des Harnleiters.

Darüber hinaus sind Patienten mit einem künstlichen Darmausgang, mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa anfällig für Harnsteine. Der Mineral- und Flüssigkeitsverlust bei diesen Erkrankungen ist stark erhöht.

Diagnostik

Die Diagnose ist meist sehr einfach anhand des typischen Krankheitsverlaufs und der Symptome zu stellen. Der Urin des Patienten wird auf eventuelle Infektionen oder Anzeichen von Nierenschäden untersucht. Häufig lässt sich Blut im Urin nachweisen. Anhand eines Blutbilds werden die Werte für Kalzium und Harnsäure im Blut bestimmt und die Nierenfunktion beurteilt.

Dauert die Kolik über Stunden oder Tage an, wird baldmöglichst eine Ultraschalluntersuchung veranlasst, die in der Regel kurzfristig und ohne besondere Vorbereitungen durchgeführt werden kann. Leider lassen sich Nierensteine mit Ultraschall oftmals nicht zuverlässig erkennen. Daher wird die sogenannte Spiral-Computertomografie ohne Kontrastmittel heutzutage bevorzugt. Dabei handelt es sich um ein radiologisches Verfahren, das eine zuverlässige Diagnose von Nierensteinen ermöglicht und deutlich bessere Ergebnisse erzielt als klassische Röntgenaufnahmen (Urografie). Eine Urografie gibt aber besser Aufschluss über die Funktionsfähigkeit beider Nieren, sowohl einzeln als auch im Verhältnis zueinander. Die Spiral-Computertomografie ist sämtlichen bildgebenden Verfahren bei der Diagnose von Harnsteinen qualitativ weit überlegen.

Harnsteinleiden weisen eine hohe Rückfallrate auf. Treten erneut Harnsteine auf, so empfiehlt sich für eine individuelle Behandlung eine eingehendere Untersuchung zur Bestimmung der Steinart. Der wichtigste Hinweis ist in diesem Zusammenhang die Kenntnis der chemischen Zusammensetzung des Steins. Hierzu ist es erforderlich, dass Steinfragmente bei der Entfernung oder beim Abgang mit dem Urin aufgefangen und untersucht werden.

Etwa 70-75 Prozent aller Harnsteine sind Kalziumoxalatsteine. In bis zu 10 Prozent findet man Harnsäuresteine; Männer erkranken drei- bis viermal häufiger an Harnsäuresteinen als Frauen. Phosphatsteine treten vor allem im Zusammenhang mit Infektionen auf (z.B. Struvit-Steine, etwa 10%). Seltener findet man Zystinsteine als Folge von angeborenen Stoffwechselstörungen.

Je nach Steinzusammensetzung sollten weitere Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt werden, um eventuell bestehende Stoffwechselstörungen zu erkennen. Daneben ist es für den Arzt wichtig, Kenntnisse über das Ernährungs- und Trinkverhalten des Patienten zu gewinnen.

Therapie

Eine Harnsteinkolik kann äußerst schmerzhaft sein. Daher werden in der Regel Schmerzmittel (Metamizol) oder entzündungshemmende Medikamente, so genannte nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR-Präparate), verabreicht. Schmerzen und sonstige Beschwerden lassen sich durch Wärmebehandlung, z. B. mit einer elektrischen Heizdecke, lindern.

Früher wurde davor gewarnt, zu viel zu trinken, da die den Harnleiter blockierenden Nierensteine das Entleeren des Nierenbeckens verhindern würden. Es wurde vermutet, dass zu große Flüssigkeitsmengen die Schmerzen verschlimmern könnten. Heute lautet die Empfehlung hingegen – außer während einer akuten Nierenkolik –, reichlich zu trinken. Etwa 80–90 % der Steine werden von selbst ausgeschieden, häufiges und reichliches Wasserlassen unterstützt den Körper beim Ausspülen der Nierensteine. Gleichzeitig wird der Urin verdünnt und das Ausfallen von Salzen somit reduziert. Die tägliche Flüssigkeitszufuhr sollte bei mindestens 2 bis 2,5 Litern liegen. Trinken sie stets so viel, dass sich der Urin nicht dunkel verfärbt. Werden akute Schmerzen während einer Kolik mit NSAR-Präparaten behandelt, sollten Sie die Trinkmenge hingegen reduzieren. Dadurch verbessert sich die schmerzstillende Wirkung der Medikamente.

Kleine Steine mit einem Durchmesser von weniger als 5 mm werden in den meisten Fällen von selbst ausgeschieden.

Ist der Harnfluss von den Nieren komplett unterbrochen, so müssen die Steine entfernt werden, um die Funktionsfähigkeit der Niere zu erhalten. Eine längere Blockade des Harnleiters kann zu einer dauerhaften Schädigung der Niere führen. Zuweilen lässt sich eine schrittweise Erweiterung des Harnleiterweite und des Nierenbeckens oberhalb der Abflussstörung nachweisen, eine so genannte Hydronephrose. Früher war die operative Behebung eines solchen Schadens die gängige Behandlungsmethode. Heute lassen sich 80 bis 85 % der Hydronephrosen mittels Stoßwellen (ESWL) oder einer Zertrümmerung der Steine erfolgreich behandeln. Bei einer Stoßwellentherapie werden die Steine mithilfe energiereicher Schallwellen von außen zertrümmert. Da sich die akustischen Eigenschaften von Steinen und Weichteilen unterscheiden, wird das umliegende Gewebe dabei nicht geschädigt.

Es existieren auch andere Behandlungsmethoden, wenn eine ESWL nicht durchgeführt werden kann. Hierzu zählen endoskopische Methoden wie die Ureterorenoskopie (Einführung eines Endoskops über die Harnwege) und die perkutane Nephrolithotomie (Einführung eines Endoskops durch die Haut). Offene Operationen werden heute nur noch selten durchgeführt.

Allgemeine nicht-medikamentöse vorbeugende Maßnahmen

Das wichtigste, was Sie selbst tun können, ist ausreichend zu trinken, sobald die akute Phase mit starken Schmerzen vorüber ist. Dadurch kann erneuten Koliken wirkungsvoll vorgebeugt werden. Sie sollten so viel Wasser, kalorienarme Säfte, Mineralwasser und ähnliches trinken, dass Sie im Laufe des Tages mindestens 2 Liter Flüssigkeit ausscheiden. In der Praxis entspricht dies etwa einem Glas Wasser stündlich. Sie können hin und wieder die Urinmenge messen, um sicherzugehen, dass Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Wenn Sie ausreichend trinken, werden Sie feststellen, dass Ihr Urin hell und klar ist.

Auch die Umstellung auf eine weitgehend vegetarische, salzarme, alkoholfreie Ernährung wird empfohlen. Ballaststoffe, Getreideprodukte und Gemüse helfen vermutlich dabei, Koliken vorzubeugen. Seien Sie vorsichtig mit Zucker, raffinierten Kohlenhydraten und Kochsalz, denn diese Stoffe können die Ausscheidung von Kalzium über den Urin erhöhen.

Übergewicht erhöht das Risiko für Nierensteine. Eine Gewichtsreduktion (denken Sie an Sport/körperliche Bewegung) kann daher das Risiko für Harnsteine verringern.

Spezielle nichtmedikamentöse vorbeugende Maßnahmen

Bei wiederholter Steinbildung ist die Vorstellung in einem auf Harnsteine spezialisierten Zentrum erforderlich, da eine individuell angepasste vorbeugende Prophylaxebehandlung nur nach vorausgehender Stoffwechseluntersuchung möglich ist.

Die verschiedenen Steinarten haben unterschiedliche Risikofaktoren, auf die die vorbeugenden Maßnahmen abzustimmen sind.

  • Kalziumoxalatsteine
    • Ernährung: verminderte Oxalataufnahme (Spinat, Rhabarber, Mangold, Kakao, Nüsse), normale Kalziumzufuhr (kein Meiden von Milchprodukten)
    • Urin-Säuregrad: pH 6,5–7,0 durch bikarbonatreiches Mineralwasser, Zitrussäfte, Obst, Gemüse, Salat
    • evtl. medikamentöse Vorbeugung: Alkalizitrate, Magnesium oder Thiazide
  • Harnsäuresteine
    • Ernährung: verminderte Purinaufnahme (Fleisch, Wurst, Innereien, Soja, Hülsenfrüchte), kein Alkohol, pflanzliche Lebensmittel
    • Urin-Säuregrad: pH 6,8–7,2 durch bikarbonatreiches Mineralwasser, Zitrussäfte
    • evtl. medikamentöse Vorbeugung: Alkalizitrate, Allopurinol
  • Phosphatsteine
    • Ernährung: verminderte Phospharaufnahme (Käse, Hülsenfrüchte, Kakao, Nüsse, Leber), normale Kalziumzufuhr (kein Meiden von Milchprodukten)
    • Urin-Säuregrad: pH 6,0–6,2 durch bikarbonatreiches Mineralwasser
    • evtl. medikamentöse Vorbeugung: Thiazide, Magnesium

Zur Dauer der medikamentösen Prophylaxe existieren keinen allgemeingültigen Vorgaben. Sie sollte allerdings mindestens so lange anhalten, bis Sie über einen längeren Zeitraum beschwerdefrei sind. Mitunter ist eine lebenslange Behandlung notwendig. Einige Ärzte empfehlen, nach einigen Jahren die Behandlung ausschleichen zu lassen.

Prognose

Bis zu 80 % der Patienten mit Harnsteinen erleiden einen Rückfall. Durch vorbeugende Maßnahmen, insbesondere der oben genannten Eigenbehandlung, können jedoch 70–90 % der Patienten Beschwerdefreiheit erlangen.

Bei vielen Betroffenen nimmt die Tendenz zur Steinbildung mit dem Alter ab. Das gilt insbesondere für über 60-Jährige.

Harnsteine führen nur selten zu schwerwiegenden Komplikationen wie Nierenschäden oder Nierenversagen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Urolithiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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