Blut im Urin

Wenn sich der Urin rot färbt, kann dies viele Ursachen haben. Manchmal ist eine Blutungsquelle im Harntrakt der Grund. Ist nur sehr wenig Blut im Urin, ist dies nicht sichtbar, kann aber dennoch Zeichen für eine Krankheit sein; hier lässt das Blut durch einen Test nachweisen. Viele der zahlreichen Ursachen von Blut im Urin sind leicht behandelbar. Vorsicht ist aber geboten: Auch ein Tumor kann die Ursache für Blut im Urin sein.

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Blut im Urin – was steckt dahinter?

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Wenn sich der Urin plötzlich rot färbt, kann das erschreckend wirken. Roter Urin hat viele mögliche Ursachen. Die Vermischung mit Blut ist eine. Die Blutungsquelle kann irgendwo im Harntrakt liegen, oben angefangen bei den Nieren, hinab über die Harnleiter, die Harnblase, bis zur Harnröhre. Vereinzelt mischt sich auch Blut aus den Geschlechtsorganen oder dem Anus in den Urin. Bei Frauen kann Menstruationsblut den Urin blutig färben.

Nicht nur Blut färbt den Urin rot. Einige Speisen, z. B. rote Beete, haben eine solche Wirkung. Auch Medikamente und Eisen- oder Vitaminpräparate verändern die Farbe des Urins. Wird wenig Flüssigkeit getrunken, nimmt der konzentrierte Urin ebenfalls eine dunkle Farbe an. Auch einige seltene Stoffwechselerkrankungen (z. B. Porphyrien) sorgen für einen roten Urin.

Vorübergehend können auch körperliche Anstrengung oder Fieber zu Blut im Urin führen.

Liegt eine Blutungsquelle vor, führt das nicht immer zu einer sichtbaren Rotfärbung des Urins, die von Ärzten Makrohämaturie genannt wird. Die Anzahl der roten Blutkörperchen oder des roten Blutfarbstoffs im Urin kann so gering sein, dass der Urin (noch) eine unauffällige Farbe hat, Ärzte sprechen hier von Mikrohämaturie (nicht-sichtbare Hämaturie). Ein solcher Befund kann zufällig bei einer Routineuntersuchung mittels Schnelltest auffallen. Dafür wird ein Teststreifen, der auch über weitere Parameter des Urins Auskunft gibt, in frischen Urin getaucht. Nach wenigen Sekunden kann der Teststreifen abgelesen werden.

In einigen Fällen findet man keine Erklärung für eine Mikrohämaturie. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird dann Nachkontrollen durchführen. Blut im Urin, ob sichtbar oder nicht sichtbar, können nämlich behandelbare Erkrankungen zugrunde liegen – infektiöse und nicht infektiöse Entzündungen, eine Verletzung im Rahmen eines Unfalls, ein Steinleiden, aber auch Krebserkrankungen.

Häufigkeit

Eine Hämaturie ist der Grund für 5–10 % der Überweisungen in eine Facharztpraxis für Urologie. Weltweit leiden zwischen 2 und 30 % der Menschen an einer Hämaturie; diese tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf. 1–2,5 % der Kinder und Jugendlichen leiden an einer Hämaturie.

Ursachen 

Makrohämaturie

Die häufigsten Ursachen, die bei Erwachsenen zu einem sichtbar rot verfärbten Urin führen (Makrohämaturie), sind Blasenentzündungen, Erkrankungen der Prostata und seltener auch Krebserkrankungen. Blut im Urin bei Erwachsenen kann auch ein Zeichen für ein Steinleiden, eine Nierenerkrankung oder eine Verletzung des Harntrakts im Rahmen eines Unfalls sein.

Die wichtigsten möglichen Ursachen sind also:

  • Harnwegsinfektion (Nierenbecken- oder Harnblasenentzündung)
  • Erkrankungen der Prostata (Infektion, gutartige Hyperplasie, Krebs)
  • Seltene Infektionen, die auch die Harnwege betreffen (Schistosomiasis, Tuberkulose)
  • Verletzungen (Niere, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre u.a.)
  • Nierenkrankheiten (z. B. Glomerulonephritis)
  • Nieren-/Harnsteine
  • Krebs (der Nieren, der Prostata oder der Harnblase)
  • Bestimmte Blutkrankheiten (Hämophilie, Sichelzellenanämie) oder manche Autoimmunkrankheiten (z. B. Granulomatose mit Polyangiitis)
  • Verfärbungen des Urins können auch auftreten, wenn sich im Urin aufgrund bestimmter Krankheiten Myoglobin (Substanz der Muskelzellen) oder Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) ansammeln (sog. Myoglobinurie oder Hämoglobinurie).

Weitere Ursachen einer Hämaturie sind bestimmte Nahrungsmittel (rote Beete), aber auch eine Vielzahl von Medikamenten, die dies als Nebenwirkung aufweisen. Hierbei kommen sowohl eine reine rötliche Verfärbung (ohne echte Blutung) als auch eine echte Blutung vor.

 Mikrohämaturie

Die nicht sichtbaren Fälle von Blut im Urin (Mikrohämaturie) gehen manchmal auf Messfehler oder andere nicht behandlungsbedürftige Ursachen zurück. Ebenso wie bei der Makrohämaturie können aber auch Infektionen (z. B. Blasen- oder Niereninfektion), Harnsteine, eine Nierenerkrankung oder ein Tumor zugrunde liegen.

Eine Mikrohämaturie wird manchmal im Rahmen einer Routine-/Vorsorgeuntersuchung festgestellt. Dann wird die Ärztin/der Arzt weitere Parameter im Urin bestimmen, die Rückschluss auf z. B. eine Infektion zulassen bzw. für andere Krankheiten sprechen, und ggf. weitere Untersuchungen veranlassen. In einigen Fällen lässt sich dennoch keine Ursache dafür finden. Eine Kontrolle einige Wochen später wird dann angeraten.

Einen besonderen Stellenwert hat nicht-sichtbares Blut im Urin bei Personen, die sonst über keine Beschwerden oder Schmerzen klagen. Das kann auf eine Krebserkrankung, meist Blasenkrebs, hinweisen. Auch hier hilft die Anamnese weiter. Bekanntermaßen erhöhen folgende Merkmale das Risiko für Blasenkrebs: Alter >40 Jahre, Rauchen, häufiger Kontakt zu bestimmten Chemikalien oder Färbemitteln (Amine, Anilin, etwa im Beruf), Einnahme des Medikaments Cyclophosphamid, Bestrahlungen der Beckenregion, z. B. im Rahmen einer Krebstherapie und familiär bekannte Fälle von Blasenkrebs.

Hämaturie bei Kindern

Die Ursachen bei Kindern unterscheiden sich von den Gründen bei Erwachsenen. Kinder sind insgesamt seltener vom Symptom Blut im Urin betroffen. In rund 40 % der Fälle wird auch nach gründlichem Untersuchen keine Ursache gefunden. Mögliche Ursachen sind aber Verletzungen/Unfall, Infektionen, Steinleiden oder angeborene Fehlbildungen der Harnwege. Nur äußerst selten ist hier eine Krebserkrankung der Grund.

Diagnostik

Da das Spektrum möglicher Erkrankungen bei dem Symptom Blut im Urin so breit ist, steht an erster Stelle ein ausführliches Anamnesegespräch. Zunächst muss die Hausärztin/der Hausarzt ausschließen, dass die Verfärbung des Urins oder der Befund im Urinschnelltest auf eine andere Ursache zurückgeht, wie den Verzehr bestimmter Speisen, die Einnahme von Medikamenten, die den Urin färben, oder das Verwechseln mit Menstruationsblut. Wichtig ist dann das Erfragen weiterer Beschwerden, Risikofaktoren und Begleitumstände. Viele der möglichen Erkrankungen verursachen typische Symptome, z. B. die unkomplizierte Blasenentzündung bei jungen Frauen. Hiervon sind meist sexuell aktive, junge Frauen betroffen, die zusätzlich Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie einen starken und häufigen Harndrang verspüren.

Auch eine Prostataentzündung bei Männern oder Harnleitersteine verursachen neben der Hämaturie typische wegweisende Symptome (z. B. typische Schmerzen).

Aber auch ein Ausbleiben jeglicher Symptome kann wegweisend sein. Dann muss an Blasenkrebs gedacht werden.

Präsentiert sich ein Kind mit Blut im Urin, werden Fragen gestellt, die auf eine Nierenerkrankung hinweisen: Hat das Kind vor kurzem eine Rachenentzündung durchgemacht? Liegt gleichzeitig ein Hautausschlag vor? Sind Gelenkbeschwerden vorhanden? Hat das Kind Bauchschmerzen?

Das weitere Vorgehen hängt von dem Bild ab, das sich die Ärztin/der Arzt im Anamnesegespräch macht. Bei einer eindeutigen Blasenentzündung ohne erschwerende Umstände (u. a. Fieber, Schmerzen über den Nieren, Schwangerschaft, höheres Alter, Diabetes) sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig. Bei Verdacht auf eine Prostataerkrankung tastet die Ärztin/der Arzt mit dem Finger die Prostata ab und kann dabei Form, Größe, Konsistenz und Schmerzhaftigkeit prüfen. Diese Untersuchung erfolgt über den Anus.

Laboruntersuchungen von Blut und Urin liefern weitere Hinweise über die Funktion der Niere und ein Entzündungsgeschehen im Körper. 

Bei Bedarf kommen unterschiedliche weitere Untersuchungen zur Anwendung. Die Ultraschalldiagnostik zur Beurteilung von Nieren und Harnblase wird in vielen Hausarztpraxen durchgeführt. Je nach Verdacht können zudem eine Computertomografie, Magnetresonanztomografie, Blasenspiegelung und weitere Methoden sinnvoll sein.

Ein besonderer Fall für die Diagnostik sind Fälle von positiven Urinstreifentests, die bei dem Patienten oder der Patientin nicht mit Beschwerden oder anderen auffälligen Befunden verbunden sind. Fast die Hälfte solcher Testergebnisse sind nicht behandlungsbedürftig, in einigen Fällen beruht das Ergebnis lediglich auf einem Messfehler. Um die Fälle von falschem Alarm zu identifizieren, wird der Urinstreifentest 1–2 weitere Male im Abstand von jeweils ca. 2 Wochen wiederholt. Wenn sich das positive Testergebnis erneut zeigt, erfolgt eine weitere Diagnostik. Betroffene, die 40 Jahre oder älter sind und einen weiteren Risikofaktor für Harnblasenkrebs aufweisen (z. B. Rauchen, weitere Auffälligkeiten beim Wasserlassen, frühere Bestrahlung des Beckenbereichs), werden dann in die Urologie überwiesen. Dort schließen sich weitere apparative Untersuchungen an, die unter anderem eine Krebserkrankung ausschließen.

Patienten, die zusätzlich zum nicht sichtbaren und schmerzlosen Blut im Urin Bluthochdruck sowie ein bekanntes Nierenleiden haben, werden am besten von einer Nephrologin/einem Nephrologen noch genauer untersucht. 

Therapie

Blut im Urin allein ist nicht behandlungsbedürftig. Die Behandlung möglicher zugrunde liegender Erkrankungen lässt sich nicht einheitlich darstellen, denn jede macht eine spezielle Therapie notwendig. Zum Beispiel werden Infektionen in vielen Fällen antibiotisch behandelt, Steine gehen in einigen Fällen von selbst ab, werden teilweise operativ oder per Lithotripsie entfernt, eine Krebserkrankung erfordert eine chemotherapeutische, chirurgische oder Bestrahlungsbehandlung.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeimedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hämaturie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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