Akute Flankenschmerzen

Schmerzen im Bereich der Flanke können vielfältige Ursachen haben. Harnleitersteine stellen die häufigste Ursache für Flankenschmerzen bei Erwachsenen dar.

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Was sind Flankenschmerzen?

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Nacken- und Rückenmuskulatur

Von akuten Flankenschmerzen spricht man, wenn im Bereich des seitlichen Rückens (in der Regel unterhalb des Rippenbogens) plötzliche, meist einseitige Schmerzen auftreten. Evtl. sind die Schmerzen auch seitlich am Bauch lokalisiert. Die Ursachen können vielfältig sein. Häufig entstehen Flankenschmerzen bei Erkrankungen der Nieren und Harnwege. Die Schmerzen können aber u. a. auch von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Milz, der Leber, der Gallenwege, der Bauchspeicheldrüse, der Rücken- und der Brustmuskulatur sowie von gynäkologischen Erkrankungen herrühren.

Da sich die Krankheitsbilder teilweise überschneiden, siehe auch den Artikel Akute Bauchschmerzen. Oft können bereits anhand der Schilderung der Beschwerden und der Art des Schmerzes sowie anhand der auslösenden Situation die Ursachen eingegrenzt werden. Flankenschmerzen werden u. a. häufig von Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen oder Blutdruck- und Pulsveränderungen begleitet. Je nach Alter treten einige Erkrankungen, die zu Flankenschmerzen führen, häufiger auf als andere. Kinder können oft erst ab dem 4.–5. Lebensjahr Schmerzen genauer lokalisieren. Es kann deshalb bei kleineren Kindern schwieriger sein, die Ursachen für die Entstehung von Bauch- oder Flankenschmerzen einzugrenzen.

Mögliche Ursachen (Auswahl)

Erkrankungen der Nieren und der Harnwege

Harnleitersteine stellen die häufigste Ursache für Flankenschmerzen bei Erwachsenen dar. Auch andere Steinleiden (z. B. Nierensteine) können zu Flankenschmerzen führen. Am häufigsten sind Personen im Alter von 30–50 Jahren betroffen. 80 % der Betroffenen sind Männer. Setzt sich ein Stein innerhalb der Harnwege fest, können starke, wiederholt krampfartige (kolikartige) Schmerzen auftreten, die möglicherweise in den Rücken, die Leiste oder die Hoden bzw. Schamlippen ausstrahlen. Begleitend kann eine Muskelverspannung in der Flanke auftreten. Als weitere Begleitsymptome können häufiges Wasserlassen, ein gesteigerter Bewegungsdrang sowie Übelkeit und Erbrechen hinzukommen. Das Krankheitsbild kann sich von Patient zu Patient unterschiedlich äußern. Die Schmerzen können plötzlich auftreten und ebenso plötzlich wieder verschwinden, wenn der Stein weitergewandert ist.

Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine eitrige Entzündung der Niere (des Nierenbeckens und Nierengewebes). Man spricht auch von einer oberen Harnwegsinfektion. Bei einer oberen Harnwegsinfektion können Fieber, Schüttelfrost und Flankenschmerzen, ggf. Übelkeit und Erbrechen sowie Schmerzen beim Beklopfen der Nieren auftreten. Sie kann dadurch entstehen, dass ein unterer Harnwegsinfekt aufsteigt. Es können deshalb zusätzlich Symptome einer unteren Harnwegsinfektion, z. B. Schmerzen beim Wasserlassen oder oberhalb des Schambeins sowie starker und häufiger Harndrang bestehen. Die Symptome der unteren Harnwegsinfektion können allerdings auch fehlen.

Eine Ausweitung des Nierenbeckens und der Nierenkelche (Hydronephrose) kann in allen Altersgruppen auftreten und wird häufig durch eine Verlegung der ableitenden Harnwege ausgelöst, z. B. durch Harnleitersteine. Die Symptome können sehr variabel sein. In manchen Fällen treten keine Symptome auf, in wieder anderen sind die dadurch verursachten krampfartigen Schmerzen kaum auszuhalten. Je plötzlicher die Verlegung der Harnwege auftritt, desto stärker ist in der Regel der Schmerz.

Erkrankungen des Verdauungstrakts

Gallensteine können den Gallenabfluss blockieren und klassischerweise zu wiederholten krampfartigen (kolikartigen) Schmerzen unterhalb des rechten Rippenbogens führen. Die Schmerzen können in den Rücken oder in die rechte Schulter ausstrahlen. Evtl. liegen auch weitere Begleitsymptome wie starke Unruhe, eine Gelbfärbung der Haut (Ikterus) sowie Übelkeit und Erbrechen vor. Zwischen den Schmerzattacken bestehen oft nur geringe oder keine Beschwerden. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer.

Eine akute Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendizitis, „Blinddarmentzündung“) tritt am häufigsten im Alter von 10–30 Jahren auf. Anfangs bestehen oft nur uneindeutige Bauchschmerzen. Die Schmerzen nehmen allmählich über 12–24 Stunden zu und verlagern sich klassischerweise in den rechten Unterbauch. Sie verstärken sich ggf. beim Gehen oder Husten. Gleichzeitig kann leichtes bis mäßiges Fieber sowie Übelkeit und Erbrechen vorliegen. Eine vorübergehende plötzliche Linderung kann ein Anzeichen für einen Durchbruch der Wand des Wurmfortsatzes (Perforation) sein. Ältere Menschen und kleine Kinder mit einer Appendizitis können nur wenige oder ungenaue Symptome und geringe Bauchschmerzen haben.

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kann u. a. durch Gallensteine oder übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst werden. Klassischerweise treten gürtelförmige Schmerzen im Oberbauch auf, die in den Rücken und evtl. in die linke Schulter ausstrahlen können. Die Patienten sitzen häufig vornübergebeugt. Als Begleitsymptome können Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen vorkommen.

Flankenschmerzen können auch bei einer Divertikelerkrankung bzw. Divertikulitis auftreten. Dies betrifft vorwiegend ältere Menschen, bei denen häufig eine Divertikulose (Ausbuchtung der Dickdarmschleimhaut) vorbekannt ist. Evtl. bestehen im vorhinein uneindeutige Bauchbeschwerden oder eine chronische Verstopfung (Obstipation). Eine Divertikulose zeigt gewöhnlich keine Symptome, aber es können Veränderungen des Stuhls und Blähungen auftreten. Bei einer Entzündung der Divertikel (Divertikulitis) kommt es typischerweise zu Schmerzen im linken Unterbauch (linksseitige „Appendizitis“), Fieber, Stuhlveränderungen und evtl. Erbrechen.

Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine gutartige Störung der Darmfunktion, die sich durch Magen- und Bauchschmerzen, Unbehagen, Völlegefühl und gestörten Stuhlgang mit Durchfall oder Verstopfung äußern kann. Ein Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose, d. h. die Diagnose darf erst gestellt werden, wenn andere Grunderkrankungen ausgeschlossen werden konnten. Bei den meisten Patienten setzen die Beschwerden im Jugendalter oder jungen Erwachsenenalter ein. Klassischerweise lindern sich die Symptome nach dem Stuhlgang.

Gynäkologische Erkrankungen

Bei Frauen kann möglicherweise eine Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) ursächlich für Schmerzen im Flanken- bzw. Bauchbereich sein. Als typisches Begleitsymptom bleibt in der Regel die Menstruation aus. Es kann zudem zu schwachen vaginalen Blutungen kommen. Risikofaktoren für eine Extrauteringravidität können z. B. vorhergehende Eileiteroperationen, Eileiterentzündungen, Schwangerschaften infolge künstlicher Befruchtung sowie hohes Alter sein. Der Schmerz ist in der Regel auf eine Stelle begrenzt, kann jedoch auch über den Bauch verteilt oder beidseitig auftreten.

Wenn Eierstockzysten relativ groß sind, können sie dazu führen, dass sich der Eierstock um sich selbst dreht. Man spricht dann von einer Stieldrehung, wodurch die Blutzufuhr zum Eierstock verringert bzw. unterbunden wird. Dies führt zu akuten Bauchschmerzen.

Weitere Erkrankungen

Plötzlich einsetzende starke Bauch- oder Rückenschmerzen können in selteneren Fällen auch durch ein Aortenaneurysma, das zu platzen droht, oder durch eine Aortendissektion ausgelöst werden. V. a. ältere Menschen mit langjährigem Bluthochdruck sind betroffen. Ggf. besteht Übelkeit und Erbrechen.

Weitere Erkrankungen, die mit akuten Bauchschmerzen einhergehen, finden Sie im Artikel Akuten Abdomen.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Bei neu aufgetretenen akuten Flankenschmerzen sollten Sie ärztlichen Rat suchen.

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Anamnese

Die Ärztin/der Arzt wird Ihnen ggf. folgende Fragen stellen:

  • Sind die Beschwerden neu oder treten sie häufiger auf? Seit wann bestehen sie?
  • Wo genau ist der Schmerz? Hat sich die Lokalisation verändert? Beschreiben Sie den Schmerz.
  • Sind die Schmerzen konstant oder vorübergehend? Haben sie sich über die Zeit verschlimmert?
  • Strahlen die Schmerzen aus? Wohin?
  • Haben Sie Fieber?
  • Haben Sie in den letzten Tagen Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen verspürt?
  • Weisen Sie zusätzlich noch andere Symptome auf?
    • Übelkeit?
    • Erbrechen?
    • Durchfall?
    • Haben Sie Schmerzen im Unterleib? Wann war die letzte Menstruation?
  • Leiden Sie an bekannten Erkrankungen?

Ärztliche Untersuchung

Es erfolgt eine ausführliche körperliche Untersuchung, die dazu dient, mögliche Ursachen einzugrenzen. In der Regel wird der Bauch angesehen, abgehört und anschließend abgetastet. Je nach Verdacht erfolgen weitere Untersuchungen. Liegt z. B. eine Harnwegsinfektion nahe, wird ein Urinteststreifen und ggf. eine Urinkultur angelegt. In der Regel erfolgt auch eine Blutentnahme, ein EKG und ggf. eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs. In manchen Fällen werden auch weitere bildgebende Untersuchungen durchgeführt, z. B. CT oder MRT des Bauchs. Bei einem Verdacht auf eine gynäkologische Beschwerdeursache werden Sie ggf. an Ihre Frauenärztin überwiesen.

Je nach Verdacht und Zustand der Patienten sowie dem Vorhandensein komplizierender Faktoren (z. B. Fieber, instabiler Kreislauf) wird entschieden, ob eine Krankenhausbehandlung angezeigt ist.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim