Eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz)

Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann akut oder chronisch sein. Verschiedene Nierenerkrankungen können die Funktionsfähigkeit der Niere herabsetzen.

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Allgemeine Informationen

Die Nieren

Nieren und Harnwege
  • Die Nieren reinigen das Blut von Abbauprodukten und regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt im Körper:
    • Bei hoher Flüssigkeitszufuhr erhöht sich auch die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren (Urin).
    • Bei geringer Flüssigkeitszufuhr oder großem Flüssigkeitsverlust, beispielsweise durch Schwitzen, verringern die Nieren die Flüssigkeitsausscheidung (Urin).
  • Von den Nieren aus wird der Urin in die Harnwege weitergeleitet, durch das Nierenbecken, den Harnleiter und die Harnblase bis hin zur Harnröhre, an deren Ende er ausgeschieden wird.

Definition

  • Wenn sich die Fähigkeit der Nieren zur Ausscheidung von Abbauprodukten und der Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushalts verschlechtert, spricht man von einer eingeschränkten Nierenfunktion (Niereninsuffizienz).
  • Sie kann akut oder chronisch sein.
  • Zur Beurteilung der Nierenfunktion wird oftmals der Kreatininwert im Blut hinzugezogen. Ist dieser erhöht, deutet das auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin.

Häufigkeit

  • Eine stark eingeschränkte Nierenfunktion ist verhältnismäßig selten. Eine leichte Verschlechterung ist deutlich häufiger.
  • Insbesondere ältere Menschen sind davon betroffen.

Beurteilung einer eingeschränkten Nierenfunktion

  • Eine Niereninsuffizienz verläuft anfangs oftmals asymptomatisch. Symptome zeigen sich häufig erst dann, wenn die Nierenfunktion bereits um 60–80 % reduziert ist. Eine frühzeitige Diagnose ist daher mitunter schwierig.
  • Ursachen außerhalb der Nieren (prärenal):
    • Die Ursachen für eine eingeschränkte Nierenfunktion können außerhalb der Niere zu finden sein.
    • Hierzu zählen z. B. Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Schock mit Blutdruckabfall und Flüssigkeitsmangel.
  • Ursachen in den Nieren und Harnwegen (renal, postrenal):
    • Gelegentliches findet sich die Ursache für eine eingeschränkte Nierenfunktion im Harntrakt, d. h. in den Nieren oder den Harnwegen.
    • Mögliche Gründe für eine Nierenfunktionsstörung sind eine vergrößerte Prostata, Krebserkrankungen der Harnwege, Nierensteine oder Tumoren im hinteren Bauchraum.
    • Kommt die Harnproduktion zum Erliegen, deutet dies auf eine postrenale Ursache hin, weshalb in jedem Fall eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase erfolgen sollte.
  • Erkrankungen der Niere:
    • Bei Patienten mit leicht eingeschränkter Nierenfunktion dominieren übliche Diagnosen wie Bluthochdruck und Diabetes.
    • Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kommen folgende Erkrankungen der Niere als Ursache infrage (Prozentzahlen nicht gesichert):
      • Nierenentzündung (Glomerulonephritis) 25–30 %
      • Diabetes 15–20 %
      • Nierenschäden infolge einer verringerten Blutzufuhr in den Nieren 10–15 %
      • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) 10–15 %
      • Nierenzysten 5–10 %
      • Bindegewebserkrankungen 5–10 %

Häufigste Ursachen

Zu den häufigsten behandlungsbedürftigen Ursachen zählen:

  • Akute Niereninsuffizienz
    • Häufige Ursache akuten Nierenversagens ist das akute nephrotische Syndrom, eine akute Entzündung des Nierengewebes.
    • Symptome und Krankheitsanzeichen sind von der jeweiligen Ursache abhängig. Oftmals kommt es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Abgeschlagenheit, Bluthochdruck und Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) im Körper.
  • Chronische Niereninsuffizienz
    • Eine chronische Niereninsuffizienz entwickelt sich schleichend und bleibt über lange Zeit asymptomatisch.
    • Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, mögliche Krankheitsanzeichen sind Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Juckreiz, Schluckauf, Durst, geistige Veränderungen, Anämie, Muskelkrämpfe, Knochen- und Gelenkbeschwerden.
  • Herzinsuffizienz
    • Bei älteren Menschen oder nach einem überstandenen größeren Herzinfarkt kann es zur Herzinsuffizienz kommen.
    • Zu den typischen Symptomen zählen Kurzatmigkeit, geschwollene Beine und Probleme in der Nacht beim Liegen infolge von Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge.
  • Blockierung des Urinabflusses, z. B. durch Nierensteine oder Tumoren
    • Eine langfristige Blockierung eines oder beider Harnleiter kann zum Nierenversagen führen.
  • Folgeschäden von Diabetes
    • Ein schlecht eingestellter Blutzucker kann langfristig die Nieren schädigen.
  • Bluthochdruck
    • Ein unbehandelter Bluthochdruck kann langfristig die Nieren schädigen und eine Niereninsuffizienz nach sich ziehen.
  • Nierenbeckenentzündung
    • Eine chronische Nierenbeckenentzündung kann die Nieren schädigen und eine Niereninsuffizienz nach sich ziehen.
  • Nierenzysten
    • Es handelt sich um eine Erbkrankheit.
    • Mit der Zeit werden immer größere Teile des Nierengewebes durch mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen (Zysten) ersetzt.
    • Bei diesem Zustand kann Blut im Urin sichtbar sein.
  • Gichtarthritis
    • Die Gichtarthritis tritt insbesondere bei Männern mittleren Alters auf und geht mit schubweisen Gelenkentzündungen einher.
    • Bei unbehandelter Gicht kann es zu Nierensteinen und infolgedessen zu Schäden an den Nieren kommen.

Was können Sie selbst tun?

  • Wenn Sie sich hinsichtlich der Ursache unsicher sind und starke Beschwerden haben, sollten Sie einen Arzt konsultieren.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann eine ernste Erkrankung sein. Der Verdacht auf Niereninsuffizienz entsteht normalerweise im Anschluss an eine ärztliche Untersuchung.
  • Bei offensichtlichen Symptomen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) im Körper sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wie lange fühlen Sie sich schon krank oder geschwächt?
  • Waren Sie akut erkrankt? Ist der akuten Erkrankung irgendetwas vorausgegangen?
  • Nehmen Sie Medikamente oder Naturheilmittel ein?
  • Leiden Sie an weiteren chronischen Erkrankungen?
  • Ist eine mögliche andere Erkrankung richtig behandelt worden?
  • Leiden Sie unter Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit, häufigem nächtlichem Harndrang, Juckreiz und unruhigen Beinen?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt wird eine allgemeine körperliche Untersuchung vornehmen.
  • Er wird Sie speziell auf mögliche Hautblutungen, Kratzer, eine verringerte geistige Funktion, Unterernährung/Gewichtsverlust, Anämie und einen auffallend schlechten Atem hin untersuchen.
  • Des Weiteren wird er nach Anzeichen einer Herzinsuffizienz, geschwollenen Füßen, Bluthochdruck, Nebengeräuschen des Herzens oder Anzeichen von Nervenschäden suchen.

Weitere Untersuchungen

  • Zu den Standarduntersuchungen bei eingeschränkter Nierenfunktion gehören die labordiagnostische Untersuchung von Blut und Urin.
  • Auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall und / oder Computertomografie und eine Biopsie (Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe) der Nieren sind u. U. notwendig.

Überweisung an einen Spezialisten oder stationäre Aufnahme

  • Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion wird der Patient in der Regel für weitere Untersuchungen und eine eventuelle Behandlung ins Krankenhaus eingewiesen.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln