Polyurie (erhöhte Urinausscheidung)

Eine erhöhte Urinausscheidung (Polyurie) liegt vor, wenn die tägliche Urinmenge zweieinhalb bis drei Liter übersteigt. In vielen Fällen entsteht Sie durch eine vermehrte Trinkmenge. Jedoch kann Sie auch Ergebnis von anderen Erkrankungen sein.

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Allgemeine Informationen

Die Nieren

Nieren und Harnwege
  • Die Nieren reinigen das Blut von Abbauprodukten des Körpers und regulieren den Wasser- und Salzhaushalt im Körper:
    • Bei hoher Flüssigkeitszufuhr erhöht sich auch die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren.
    • Bei geringer Flüssigkeitszufuhr oder großem Flüssigkeitsverlust, beispielsweise durch Schwitzen, verringern die Nieren die Flüssigkeitsausscheidung.
  • Von den Nieren aus wird der Urin in die Harnwege weitergeleitet, durch das Nierenbecken, den Harnleiter und die Harnblase bis hin zur Harnröhre, an deren Ende er ausgeschieden wird.

Definition

Eine Polyurie liegt vor, wenn die tägliche Urinmenge zweieinhalb bis drei Liter übersteigt.

Ursache

  • Die häufigste Ursache für Polyurie ist eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr, also übermäßiges Trinken.
  • Viele Menschen glauben, dass es gesund ist, viel zu trinken. Dies führt aber auch zu einer erhöhten Urinausscheidung.
  • Polyurie kann jedoch auch auftreten, weil die Konzentration des Urins durch die Nieren nicht korrekt funktioniert. Nierenerkrankungen stellen daher eine häufige Ursache für eine erhöhte Flüssigkeitsausscheidung dar.
  • Schließlich gilt Polyurie bei verschiedenen Erkrankungen des Hormonsystems, darunter Diabetes mellitus und Nebenniereninsuffizienz, als eines der ersten Symptome.

Häufigste Ursachen

Zu den häufigsten behandlungsbedürftigen Ursachen zählen

  • Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2
    • Im Anfangsstadium eines unbehandelten Diabetes mellitus treten oft Durst und Abgeschlagenheit sowie häufiger Harndrang auf. Letzteres ist durch einen erhöhten Zuckergehalt des Urins zu erklären, welcher Wasser nach sich zieht.
    • Findet bereits eine Behandlung statt, kann die häufige Blasenentleerung ein Hinweis darauf sein, dass die Krankheit schlecht eingestellt und der Blutzuckerwert zu hoch ist.
  • Chronisches Nierenversagen
    • Oftmals liegt einem chronischen Nierenversagen eine bekannte Erkrankung der Nieren zugrunde.
    • Die Nieren verlieren allmählich ihre Fähigkeit, den Urin zu konzentrieren.
  • Herzrasen (Tachykardie)
    • Eine höhere Blutzirkulation infolge eines erhöhten Pulses führt zu einer verstärkten Flüssigkeitsfilterung in den Nieren und damit auch zu vermehrter Urinproduktion.
    • Sowohl bei Herzerkrankungen als auch bei hormonellen Erkrankungen kann es zu Herzrasen kommen.
  • Niedriger Kaliumspiegel (Hypokaliämie)
    • Ein verringerter Kaliumgehalt des Blutes tritt häufig im Zusammenhang mit der Behandlung mit harntreibenden Medikamenten ("Wassertabletten") und nach starkem Erbrechen auf. Dies behindert die Konzentrationsfähigkeit der Nieren und führt zu einer erhöhten Urinausscheidung. Als weitere Symptome bei Hypokaliämie können Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen und -schwäche auftreten.

Nicht behandlungsbedürftig

Eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr ist die häufigste Ursache für eine erhöhte Urinausscheidung. Übermäßiges Trinken kann auch im Rahmen von psychiatrischen Erkrankungen (z. B. bei Zwangsstörungen) auftreten.

Seltene Ursachen

  • Diabetes insipidus
    • Diese Erkrankung, die abgesehen vom Namen nicht mit Diabetes mellitus verwandt ist, beruht auf einer Störung der Regulierung des Flüssigkeitshaushalts durch Hormone im Körper.
    • Die Produktion des Hormons, welches einer übermäßigen Wasserausscheidung entgegenwirkt (antidiuretisches Hormon), ist vermindert oder aufgehoben.
    • Dies führt zu Urinausscheidungen von bis zu 5–10 Litern Urin pro Tag, einschließlich mehrerer nächtlicher Blasenentleerungen. In der Folge tritt exzessiver Durst auf.
  • Morbus Addison, Nebenniereninsuffizienz
    • Es handelt sich um eine über lange Zeit schleichend verlaufende Erkrankung, welche durch eine verminderte Produktion von Hormonen durch die Nebenniere entsteht.
    • Typische klinische Befunde sind Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Schwindel, verstärkte Hautpigmentierung, niedriger Blutdruck und Fieber.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie plötzliche Veränderungen der Urinmenge (mehr als 2-3 Liter täglich) beobachten, ohne dass Sie Ihr Trinkverhalten bewusst verändert haben. Auch wenn anderweitige Beschwerden wie Fieber, Schwäche, Schwindel oder allgemeines Unwohlsein auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Was können Sie selbst tun?

Sie können Ihre tägliche Urinmenge messen. Außerdem ist es hilfreich, wenn Sie wissen, wie viel Sie täglich trinken.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wie viel trinken Sie am Tag?
  • Wie oft müssen Sie Wasser lassen? Müssen Sie nachts aufstehen um Wasser zu lassen?
  • Leiden Sie unter starkem Durst?
  • Haben Sie selbst eine Erklärung dafür, warum Sie so viel urinieren müssen?
  • Litten Sie in letzter Zeit unter weiteren Beschwerden?
  • Sind bei Ihnen Erkrankungen bekannt?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Gab es in Ihrer Familie Erkrankungen der Niere oder des Hormonsystems?

Ärztliche Untersuchung

  • Es erfolgt eine körperliche Untersuchung.
  • Ist ein Klopfen auf die Flanken (Nierengegend) schmerzhaft?
  • Haben Sie Fieber?
  • Der Blutdruck wird gemessen.
  • Sie werden gebeten, Urin abzugeben, damit dieser untersucht werden kann.
  • Möglicherweise wird man Ihnen Blut abnehmen, um Blutsalze, Blutzucker und Parameter der Nierenfunktion zu bestimmen.

Weitere mögliche Untersuchungen

  • Messung der täglichen Urinmenge

Überweisung an einen Spezialisten oder stationäre Aufnahme

Bei Verdacht auf eine Nierenerkrankung oder eine endokrine Erkrankung erfolgt die Überweisung an einen Spezialisten.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Polyurie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Niskanen L. Polyuria. In: I Kunnamo (Edt) Evidence-Based Medicine Guidelines, Kapitel 10.1. . : John Wiley, 2005. books.google.de
  2. Bichet DG. Diagnosis of polyuria and diabetes insipidus. UpToDate, last updated April 8, 2013. UpToDate