Schmerzen und Schmerztherapie

Schmerz ist eine unangenehme körperliche und emotionale Erfahrung, die warnt und informiert, dass Ihr Körper von einer Verletzung bedroht ist oder verletzt wurde. Schmerzen können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden.

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Was sind Schmerzen?

Schmerz ist eine unangenehme körperliche und emotionale Erfahrung, die warnt und informiert, dass Ihr Körper von einer Verletzung bedroht ist oder verletzt wurde. Wichtig zu wissen ist, dass die Schmerzerfahrung aus zwei Aspekten besteht:

  • Der physische (sensorische) Aspekt ist unter anderem dafür zuständig zu registrieren, wo im Körper der Schmerz entsteht, wie stark er ist und um welchen Schmerztyp es sich handelt. Die Schmerzskala, die die Grenze für die schwächste Einwirkung angibt, die als Schmerz registriert werden kann, ist eng mit dem physischen Aspekt verknüpft und im Großen und Ganzen bei allen Menschen gleich.
  • Der emotionale Aspekt registriert das Unbehagen und erzeugt das Bedürfnis, vor dem zu fliehen, was den Schmerz verursacht. Dieser Aspekt ist für die sogenannte Schmerztoleranz zuständig, also dafür, wie stark der stärkste Schmerz ist, den ein einzelner Mensch ertragen kann. Die Schmerztoleranz unterscheidet sich stark von Person zu Person und wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Die Dauer der Schmerzen (akut oder chronisch), die Erfahrungen des Patienten mit Maßnahmen zur Linderung, die Situation, in der die Schmerzen erlebt werden, sowie ihre Bedeutung (z. B. Geburtswehen im Gegensatz zu Krebsschmerzen), soziale Aspekte und das Ausmaß der Gewebeschädigung können als solche Faktoren eine wichtige Rolle für das individuelle Schmerzempfinden und den Grad an Schmerzen spielen, den ein einzelner Mensch ertragen kann.

Die Schmerzreaktion auf eine bestimmte schmerzhafte Einwirkung ist daher nur schwer vorherzusagen. Bei manchen Menschen verursacht eine scheinbar triviale Einwirkung unerträgliche Schmerzen, während andere selbst bei schweren Verletzungen sagen, sie würden keinen Schmerz empfinden. Auch die Selbstverteidigung des Körpers gegen Schmerzen spielt eine wichtige Rolle bei der individuellen Schmerzerfahrung.

Was ist das Besondere an Krebsschmerzen?

Schmerzen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen sind eine besonders komplexe Erfahrung. Sie haben mindestens fünf verschiedene Dimensionen. Der körperliche Teil der Schmerzerfahrung lässt sich am einfachsten als Folge der Gewebeschädigung durch die Krankheit verstehen. Da die Patienten aber verstehen, dass die Gewebeschädigung durch eine schwere, möglicherweise tödliche Erkrankung verursacht wird, kommt es auch in der emotionalen Dimension zu „schmerzhaften“ Folgen, und nicht nur dort, sondern auch in der sozialen, existenziellen und spirituellen Dimension dieser Erkrankung. Alle diese fünf Dimensionen haben Bedeutung für die Gesamtschmerzen von Krebspatienten.

Den körperlichen Schmerz, der oft alle anderen Dimensionen übersteigt, möchten die Patienten um fast jeden Preis loswerden. Dann ist kaum etwas anderes von Interesse. Sobald der körperliche Schmerz gelindert ist und nicht mehr die gesamte Aufmerksamkeit beansprucht, treten die anderen Dimensionen stärker in den Vordergrund.

Der psychische Schmerz beginnt oft mit einer Trauerreaktion auf die Nachricht einer unheilbaren, schweren Erkrankung. Die folgenden Schmerzen sind häufig von Depression und Angst geprägt, was aber ein notwendiger Bestandteil der Trauerarbeit ist, bei der die Erkrankten durch verschiedene Phasen von Verneinung und Wut über Verhandlung bis letztendlich zu einer Art Akzeptanz gehen. Auch starke Schuldgefühle und Empörung darüber, auf die Hilfe von anderen angewiesen zu sein, sind nicht ungewöhnlich.

Psychiater oder Psychologen können zwar eine wichtige Rolle bei der Lösung von psychischen Problemen der Patienten spielen, allerdings geht es in dieser Dimension meist nicht um Psychiatrie in dem Sinne, wie der Begriff häufig interpretiert wird. Bei etwa 10 % der Patienten ist es sinnvoll, Medikamente gegen Angstzustände einzusetzen, bei ungefähr der gleichen Anzahl gilt dies für Medikamente gegen Depressionen. Gleichzeitig ist klar, dass der psychische Schmerz eine Reaktion auf die Lebenskrise ist, in der die Patienten und ihre Angehörigen geraten sind. Daher ist die Gabe von Psychopharmaka mit Vorsicht zu handhaben.

Auch der soziale Schmerz ist von großer Bedeutung. Im Leiden fühlen sich die Patienten oft einsam und allein. Es fehlt eine Sprache, in der sich die Patienten und ihre Angehörigen ihren Schmerz gegenseitig mitteilen können. Häufig distanzieren sich auch Freunde und Bekannte. Es kann nach und nach schwierig werden zu arbeiten, und auch die ökonomische Situation kann schwierig werden. Das bestimmende Thema des Lebens ist die Krankheit. All dies schmerzt!

Der existenzielle Schmerz spiegelt die schmerzliche Realität von Patienten, die sich gezwungen sehen, ihr ganzes Lebensverständnis, das sie als gesunde Menschen geprägt hat, zu verändern. In der Suche nach einer Haltung gegenüber der Situation muss die Beziehung zu sich selbst und zur Umwelt neu definiert werden. Durch die Erfahrung von Chaos erfolgt nach und nach eine existenzielle Neuorientierung. Die existenziellen Fragen, die sich Menschen in einer solchen Situation stellen, entstehen aus ungewohnten, schmerzhaften Gedanken, die sich aufdrängen. Hat das Leben jetzt noch einen Sinn? Wäre es nicht genauso gut, es hinter sich zu bringen? Hat es überhaupt Sinn zu kämpfen? Gibt es Hoffnung? Was ist Liebe? Habe ich vergebens gelebt, geliebt und gelitten?

Während der existenziellen Neuorientierung kann auch ein spiritueller Schmerz auftreten. Die Fragen können eine religiöse Ausrichtung annehmen. Was ist das Leben? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es Gott? Eine englische Studie zeigt, dass 75 % der Befragten – unabhängig von ihrer Lebenseinstellung – zum Ende ihres Lebens von solchen grundlegenden Überlegungen bewegt werden.

Wird den Kranken mit Aufmerksamkeit, Zuwendung, Ehrlichkeit und Verständnis begegnet, können sie ein neues Verhältnis zum Leben entwickeln und ihren Lebenswillen wiederentdecken. Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, auch in der letzten Phase des Lebens ein gutes Leben zu führen.

Gibt es verschiedene Arten körperlicher Schmerzen?

Man unterscheidet normalerweise zwischen drei Arten von Schmerzen:

Nozizeptive bzw. „normale" körperliche Schmerzen sind die unmittelbare und natürliche Reaktion des Körpers auf Gewebeschädigungen. Nozizeptive Schmerzen können weiter in Schmerzen aus inneren Organen (viszeral) und Schmerzen von Muskeln, Haut und Bindegewebe (somatisch) unterteilt werden. Diese Schmerzen können unterschiedliche Wirkstoffe zur Behandlung erfordern, ihnen gemeinsam ist aber, dass es normalerweise möglich ist, mit normalen Schmerzmitteln Linderung zu erreichen. Nozizeptive Schmerzen sind z. B. Schmerzen bei Knochenbrüchen, Wundschmerzen nach Operationen und die meisten Krebsschmerzen.

Neuropathische Schmerzen, Neuralgien oder Nervenschmerzen treten aufgrund von Schädigungen oder Erkrankungen im Nerv selbst auf. Sie sind häufig eine Folgeerscheinung einer früheren Gewebeschädigung. Beispiele dafür sind Nervenschäden nach einer Operation, Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose, Tumoren, die größere oder kleinere Nerven zerstören, Phantomschmerzen nach Amputationen usw. Nervenschmerzen lassen sich einerseits nur schwer mit herkömmlichen Schmerzmitteln lindern. Andererseits treten sie auch deutlich seltener auf als nozizeptive Schmerzen.

Bei sogenannten somatoformen oder funktionellen Schmerzen lässt sich keine organische Ursache für die Beschwerden finden. Psychosoziale Faktoren haben bei der Schmerzentstehung einen hohen Anteil. Auch wenn nozizeptive oder neuropathische Schmerzen eindeutig die Ursache sind, wird die Schmerzwahrnehmung und -filterung im Gehirn immer auch durch emotionale und kognitive Prozesse beeinflusst.

Welche Rolle spielen Morphin und andere morphinähnliche Medikamente bei der Behandlung dieser Schmerzen?

Morphin kann nur die körperlichen Schmerzen lindern. Sobald die körperlichen Schmerzen gedämpft sind, treten die anderen Schmerzdimensionen stärker in den Vordergrund. Dann ist Unterstützung durch Fachleute aus anderen Berufsgruppen hilfreich (interdisziplinäre Betreuung), eine Voraussetzung für die Linderung der Schmerzen in ihrer vielschichtigen Gesamtheit. Eine wirksame Schmerzbehandlung zieht häufig auch eine Linderung anderer Symptome nach sich – wie Angst, Unruhe, Verwirrtheit, Depression – und kann erheblich zur Besserung der Lebensqualität beitragen.

Es ist nicht immer leicht, die unterschiedlichen Dimensionen der Schmerzen voneinander zu unterscheiden. Es wird immer wieder von Patienten berichtet, die große Morphindosen erhielten, ohne Linderung zu erreichen, denen es aber sehr viel besser ging, als klar wurde, dass die Patienten nicht nur Hilfe bei der Linderung körperlicher Schmerzen, sondern auch bei der Lösung psychosozialer und existenzieller Probleme benötigten. Die Erfassung der gesamten Schmerzproblematik der Patienten ist daher eine große und wichtige Herausforderung für das interdisziplinäre Team.

Welche Rolle spielen die Ärzte in der interdisziplinären Arbeit?

In den frühen Phasen der Erkrankung konzentriert sich der größte Teil der medizinischen Diagnostik und Behandlung auf den Tumor. In dieser Zeit besteht die Gefahr, dass der Mensch hinter dem Tumor in Vergessenheit gerät und sich das Selbstbild des Patienten auf die Krankheit reduziert. Auch in späteren Phasen, wenn sich die Erkrankung möglicherweise als unheilbar erwiesen hat, ist es wichtig, dass die Ärzte ihr volles Interesse dem Leben und der Gesundheit der Patienten widmen. Nun gilt es aber, dem Menschen in seiner Gesamtheit Unterstützung und Linderung zu bieten. Die Ärzte sind in ihrer Eigenschaft als Arzt und Mensch gefragt und sind aufgefordert, Zeit dafür zu haben, als Mensch für den Mitmenschen da zu sein. Auf diesem Gebiet sind die Ärzte nicht ersetzbar.

Die schmerzlindernde (palliative) Behandlung ist die einzige medizinische Möglichkeit bei unheilbaren Krebserkrankungen. Dieser medizinische Fachbereich ist von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Ein breit aufgestelltes Behandlungsteam ist notwendig, um die Patienten und ihre Angehörigen optimal zu betreuen. Zwar übernehmen Pflegefachkräfte einen Großteil der Arbeit, allerdings gibt es viele Aufgaben, die nicht auf andere Personen als die Ärzte delegiert werden können oder sollten.

Wie stehen die Chancen auf Schmerzlinderung?

Bei der richtigen Behandlung besteht eine mindestens 80 %ige Chance auf Linderung. Das Ergebnis hängt von der Art der Behandlung und dem Typ der Schmerzen ab, außerdem davon, wie stark und wie umfangreich die Schmerzen sind und wie gut die Schmerzmittel vertragen werden. Eine gute Voraussetzung für eine wirksame Schmerztherapie sind eine frühzeitige Diagnose und frühzeitiger Beginn der Behandlung.

Kann ich damit rechnen, schmerzfrei zu werden?

In der Regel ist es möglich, die Lebensqualität schwer kranker Patienten deutlich zu verbessern und zu erreichen, dass die Patienten am Arbeits- und Privatleben teilnehmen können. Gleichzeitig ist es wichtig, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Oft ist es nicht möglich, vollständige Schmerzfreiheit zu erzielen, wenn aber die Schmerzspitzen so weit reduziert werden, dass wieder ein gutes Leben möglich wird, ist schon viel erreicht.

Wie schnell kann die Schmerzlinderung erzielt werden?

Normalerweise lässt sich eine gute Schmerzlinderung bereits am ersten Tag erreichen. Als Ergebnis einer guten Schmerzlinderung erleben viele Patienten zum ersten Mal seit langer Zeit eine gute Nachtruhe. Vor allem in einem frühen Stadium der Erkrankung ist es so möglich, wieder aktiver zu sein, leichter Entspannung zu finden und Mahlzeiten mit besserem Appetit zu genießen. Dazu kommt das positive Gefühl, Aufmerksamkeit in Bezug auf ein Problem zu bekommen, das so stark einschränkend war, dass kein gutes Leben mehr möglich war.

Um die volle Funktionsfähigkeit wiederzuerlangen, sind selbstverständlich Bemühungen von mehr Instanzen als nur den Ärzten nötig, die für den medizinischen Teil der Schmerztherapie verantwortlich sind. Wie schon erwähnt, ist aufgrund der sehr komplexen Natur des Krebsschmerzes Unterstützung durch ein interdisziplinäres Team erforderlich, um optimale Linderung und Sicherheit zu gewährleisten.

Kann man mehr als einen Schmerz gleichzeitig haben?

Bei Krebspatienten können zwei, drei, vier und mehr körperliche Schmerzen auf einmal auftreten. Nicht selten sind für diese verschiedenen Schmerzen unterschiedliche therapeutische Maßnahmen erforderlich. Morphin ist zwar der wesentliche Grundstein der Schmerztherapie bei Krebserkrankungen, aber nicht bei sämtlichen Schmerztypen das Mittel der ersten Wahl. Zum Beispiel hat Morphin bei Knochenschmerzen nur begrenzte Wirkung, wirkt unzufriedenstellend bei Muskel- und Hautschmerzen und fast gar nicht bei Nervenschmerzen.

Was sind die wichtigsten Prinzipien der Schmerztherapie?

Das Hauptziel besteht darin, Patienten und ihren Angehörigen die bestmögliche Lebensqualität zu sichern und Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern. Mit einer Schmerzanalyse können die Ärzte bestimmen, welche Art von Schmerzmittel am besten geeignet ist, um für Schmerzlinderung zu sorgen. Dabei werden medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungen kombiniert.

Es ist wichtig, früh mit der Therapie zu beginnen. Es liegen inzwischen gute Beweise dafür vor, dass es völlig falsch ist, die Patienten starke Schmerzen aushalten zu lassen. Es wird sonst viel schwieriger, das Versäumte später nachzuholen. Schmerz gebiert Schmerz! Anders gesagt, ist es falsch, den Schmerzen einen Vorsprung zu geben. Die Therapie von Krebsschmerzen ist als dauerhafte, vorbeugende Behandlung angelegt. Wenn die Patienten einen schweren Schmerzdurchbruch erleben, muss diesem ohne zu zögern mit einer Extradosis Schmerzmittel begegnet werden. Wenn sich solche Durchbruchschmerzen wiederholen, sollte bewertet werden, ob eine Steigerung der festen Dosis infrage kommt.

Da Schmerz eine subjektive Erfahrung ist, können nur die Patienten selbst sagen, wie stark ihre Schmerzen sind. Wichtig ist, dass die Patienten nicht mit zu vielen verschiedenen Ärzten, Therapeuten und Betreuern konfrontiert werden, dass ihre Schmerzen ernst genommen werden und dass sie Hilfe von Experten bekommen, die mit der Schmerzproblematik vertraut sind. Auch eine aktive Beteiligung der Patienten ist wichtig und fördert die psychische Widerstandskraft.

Ist Morphin das einzige Schmerzmittel bei Krebsschmerzen?

Morphin und morphinähnliche Substanzen (die sogenannten Opioide) sind zwar die wichtigsten Medikamente bei der Behandlung von Krebsschmerzen, es gibt aber mehrere weitere Typen von Schmerzmitteln, die ebenfalls eingesetzt werden können. Schmerzmittel lassen sich in zwei Haupttypen einteilen: Medikamente, die vor allem im Zentralnervensystem wirken (Gehirn und Rückenmark), wie Morphin, und Medikamente, die vor allem auf die äußeren Nerven wirken (periphere Wirkung), wie z. B. Paracetamol. Zu Beginn der Therapie wird am häufigsten ein peripher wirkendes Mittel gewählt, falls die Schmerzen noch nicht sehr stark sind.

Wenn die Wirkung nicht zufriedenstellend ist oder die Schmerzen zunehmen, wird die Schmerzlinderung üblicherweise nach einem Stufenschema (WHO-Schema) gesteigert (die nachstehend angegebenen Dosierungen sind Tagesdosierungen):

Stufe I (Chronische leichte bis mittelschwere Schmerzen): Peripher wirkende Schmerzmittel (Nicht-Opioide)

Paracetamol, eines der am häufigsten verwendeten rezeptfreien Mittel gegen normale Schmerzen, ist auch bei der Linderung von Krebsschmerzen wichtig. Wenn die Schmerzen aufgrund einer Erkrankung in den Knochen entstehen, sind NSAR möglicherweise die bessere Wahl. Gegebenenfalls wird zusätzlich ein Medikament zur Behandlung von Nervenschmerzen gegeben. Stufe I wird auf die folgenden Stufen mitgenommen, um sicherzustellen, dass der Schmerz an zwei Fronten angegriffen wird (sowohl peripher als auch zentral).

  • Paracetamol (nur geringe antientzündliche Wirkung) 4- bis 6-mal 500–1.000 mg
  • Ibuprofen retard 2- bis 3-mal 800 mg
  • Naproxen 2-mal 500 mg
  • Diclofenac retard 2-mal 50–150 mg
  • Metamizol (zusätzlich krampflösende Wirkung) 4- bis 6-mal 500–1.000 mg

Stufe II (Mittlere chronische Schmerzen): Wirkstoffe der Stufe I PLUS schwache zentral wirkende Schmerzmittel (Opioide)

Schwach wirksame Opioide der Stufe II können häufig durch niedrigdosierte Stufe-III-Opioide (Morphin) in allmählich steigenden Dosierungen ersetzt werden.

  • Dihydrocodein retard 2- bis 3-mal 60–180 mg
  • Tramadol retard 2- bis 3-mal 100–300 mg
  • Tilidin-Naloxon retard 2- bis 3-mal 100–200 mg (bezogen auf Tilidin)

Stufe III (Starke chronische Schmerzen): Wirkstoffe der Stufe I PLUS Opioide - vor allem Morphin - zum Einnehmen oder als Pflaster

  • Morphin 6-mal 5–500 mg
  • Morphin retard 2- bis 3-mal 10–500 mg
  • Morphin ultraretard 1- bis 2-mal 20–500 mg
  • Buprenorphin 3- bis 4-mal 0,2–1,2 mg
  • Buprenorphin TTS 0,8–3,2 mg (Pflaster)
  • Fentanyl TTS 0,6–12 mg (Pflaster)
  • Oxycodon retard 2- bis 3-mal 10–400 mg
  • Hydromorphon retard 2- bis 3-mal 4–200 mg

Bei Schmerzen, die auf diese Weise (mit Tabletten oder Pflaster) nicht therapiebar sind, verordnen Schmerztherapeuten Morphininfusionen, die z. B. mithilfe von Schmerzpumpen verabreicht werden.

Wie verhält es sich mit der Strahlentherapie zur Schmerzlinderung?

Die palliative Strahlentherapie ist bei bestimmten Schmerztypen eine sehr gute Alternative, z. B. bei Knochenmetastasen. Sie führt häufig zu einer deutlichen und schnellen Schmerzlinderung, so dass ggf. die Schmerzmitteldosierung verringert werden kann. Außerdem sind auch chemotherapeutische Maßnahmen möglich, um Krebsschmerzen vorzubeugen oder zu lindern, da sie den Tumor verkleinern können. Eine solche Strahlen- oder Chemotherapie erfolgt in erster Linie in spezialisierten Krankenhäusern, häufig in Universitätskliniken.

Reichen die Behandlung im Krankenhaus und Medikamente aus, um Schmerzen zu lindern?

Wer unter starken Einschränkungen durch intensive Schmerzen leidet, sollte wissen, dass auch unser Körper über ein eigenes System zur Schmerzlinderung verfügt, das auf verschiedene Weise aktiviert werden kann. Unser Organismus kann nämlich dazu angeregt werden, schmerzstillende Substanzen zu produzieren, die sehr spezifisch wirken und ohne Nebenwirkungen zu Schmerzlinderung und Wohlempfinden führen. Diese Substanzen werden als Endorphine bezeichnet.

Die Endorphinproduktion erhöht sich bei akuten Schmerzen, nimmt aber wieder ab, wenn die Schmerzen chronisch werden oder die Behandlung unzureichend ist. Am niedrigsten ist die Endorphinproduktion bei depressiven, bettlägerigen Patienten. Am höchsten dagegen ist sie bei Patienten, die aktiv und optimistisch sind und sich sicher fühlen. Endorphine sind in der Tat so etwas wie „Glückshormone“. Sie werden auch bei einer Akupunktur und bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS), einer Methode zur Stimulation des Nervensystems durch die Haut, freigesetzt. Im Gesamtgebäude der Schmerztherapie sind die Endorphine ein wichtiger Baustein.

Welche Rolle spielen alternative Therapien zur Schmerzlinderung?

In unserem öffentlichen Gesundheitssystem wird evidenzbasierte Medizin praktiziert. Dies bedeutet, dass alle therapeutischen Maßnahmen auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgen müssen. Es müssen also wissenschaftliche Belege dafür vorliegen, dass die in der Therapie eingesetzten Mittel oder Verfahren gegen die entsprechende Erkrankung oder Verletzung wirksam sind.

Bei alternativen Therapien ist die Wirksamkeit der Behandlungsmaßnahmen nicht wissenschaftlich belegt. Sobald Nachweise dafür vorliegen, dass eine bestimmte Behandlung wirksam ist, kann ein Antrag gestellt werden, sie ins Behandlungsrepertoire des Gesundheitssystems aufzunehmen. Die Anwendung alternativer Behandlungsmethoden wird manchmal damit gerechtfertigt, dass sie bei einer oder mehreren Personen Wirkung gezeigt haben.

Krebspatienten setzen trotz aller Unsicherheiten relativ häufig auf alternative Behandlungsmethoden, denn die Patienten und ihre Angehörigen wollen die Hoffnung nicht aufgeben.

Wie viel Aufmerksamkeit soll ich selbst meiner Schmerzsituation widmen?

Patienten werden nicht zu Hypochondern erklärt, nur weil sie über ihre Schmerzen sprechen. Bereits oben wurde betont, wie wichtig es ist, rechtzeitig zu reagieren, wenn die Schmerzen schlimmer werden. In der folgenden Liste finden Sie ein paar Anregungen, die Ihnen helfen können, Schmerzen zu lindern.

Leitlinie: Krebsschmerzen lindern – was kann ich selbst tun?1

  • Sie müssen Schmerzen nicht tapfer ertragen. Das wäre verschwendete Energie. Sagen Sie, wenn Sie Schmerzen haben und lassen Sie sich helfen.
  • Teilen Sie dem Behandlungsteam mit, über was Sie sich Sorgen machen.
  • Teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt umfassend Ihre Beschwerden und Wünsche mit, damit er die für Sie richtigen (Schmerz-)Medikamente auswählen kann.
  • Nehmen Sie Opioide wie vom Arzt verordnet ein. Es ist wichtig, sie in regelmäßigen Abständen zu nehmen, in ausreichender Dosis und lange genug. Nur dadurch gelingt eine gleichmäßig gute Schmerzlinderung.
  • Lassen Sie sich einen Plan mitgeben, in dem vermerkt ist, wie Sie Ihre Medikamente einnehmen sollen.
  • Nehmen Sie Schmerzmedikamente nicht nach Bedarf und/oder verringern Sie nicht selbständig die Dosis. Dadurch können wieder erhebliche Schmerzen entstehen.
  • Sprechen Sie Ihren Arzt an, wenn Sie das Gefühl haben, dass eine Schmerzbehandlung nicht ausreichend wirkt. Teilen Sie Auffälligkeiten und Nebenwirkungen mit. Möglicherweise gibt es ein besser passendes Medikament für Sie. Nebenwirkungen können gut behandelt werden.
  • Wenn Sie Ängste oder Vorbehalte gegenüber Opioiden haben, teilen Sie dies Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit. Gemeinsam können Sie Ihre Befürchtungen besprechen.
  • Verzichten Sie während der Einstellungs- und Umstellungsphase von Opioiden auf das Autofahren und das Bedienen von Maschinen. Opioide können die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sprechen Sie dies mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Es kann möglich sein, dass Sie danach wieder unbeeinträchtigt fahren können.
  • Es kann hilfreich sein, ein Schmerztagebuch zu führen. Notieren Sie zum Beispiel, wo die Schmerzen auftreten und in welcher Situation und wie Sie diese empfinden.
  • Entspannungstechniken können Ihnen helfen, Schmerzen, Anspannungen und Ängste zu verringern.
  • Versuchen Sie sich – wenn möglich – von Ihren Schmerzen durch für Sie angenehme Dinge abzulenken wie Beschäftigung mit Freunden oder Tieren.
  • Finden Sie heraus, was Ihnen noch hilft, die Schmerzen zu lindern, beispielsweise heiße oder kalte Wickel, Massagen oder Einreibungen.
  • Teilen Sie Ihren Angehörigen mit, wenn Sie Schmerzmittel nehmen, damit diese Sie unterstützen und Ihnen im Notfall helfen können.

Sie brauchen Schmerzen nicht auszuhalten!

Wenn Ihnen jedoch Ihre behandelnden Ärzte sagen, dass Sie Ihre Schmerzen einfach aushalten müssen, dann legen Sie Wert auf die Mitbehandlung durch einen Arzt, der über eine besondere schmerztherapeutische Erfahrung und Qualifikation verfügt.

Weitere Informationen

Literatur

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Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schmerz, palliative Behandlung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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