Abbildung: Colourbox

Kehlkopfkrebs, Stimme

Kehlkopfkrebs, auch Larynxkarzinom genannt, geht vom Gewebe in der Nähe der Stimmbänder aus. Die Erkrankung ist stark mit Tabakkonsum assoziiert. Frühe Symptome können Heiserkeit oder eine veränderte Stimme sein. Bei einer Teilentfernung oder kompletten Entfernung des Kehlkopfes (Laryngektomie) kann es zum Stimmverlust kommen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer Ersatzstimme.

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Was ist Kehlkopfkrebs?

Der Kehlkopf (Larynx) liegt im untere Teil des Rachens und bildet den Übergang des Rachens zur Luftröhre. Er besteht aus mehreren Knorpelspangen, Muskeln und den Stimmbändern. Von außen ist der größte Knorpel des Kehlkopfs, vor allem bei Männern, als hervorstehender Adamsapfel sichtbar. Der Kehldeckel schließt den Kehlkopf, wenn wir essen, trinken oder schlucken und schützt so vor dem Einatmen von Nahrungsbestandteilen oder Speichel in die Luftröhre. Die Stimmbänder dienen der Regulation des Atemstroms und der Stimmbildung. Die Stimme entsteht durch das An- und Entspannen der Stimmbänder und durch den Luftstrom, der die Stimmbänder zum Vibrieren bringt.

Kehlkopfkrebs, fachsprachlich als Larynxkarzinom bezeichnet, entsteht häufig als Reaktion auf chronischen Tabak- und Alkoholkonsum, oft auch in Kombination. Jedes Jahr erkranken in der Deutschland etwa 3.200 Männer und 600 Frauen neu an Kehlkopfkrebs. Männer erkranken wegen ihres höheren Tabak- und Alkoholkonsums erheblich häufiger als Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen im Alter von 64 Jahren und bei Männer im Alter von 66 Jahren.

Kehlkopfkrebs wird oft anhand der Lage eingeteilt: oberhalb der Stimmbänder (supraglottisch), auf Höhe der Stimmbänder (glottisch, 2/3) oder unterhalb der Stimmbänder (subglottisch, selten). Krebs, der an einer dieser Stellen auftritt, kann mit der Zeit auf die Stimmbänder übergreifen und die Stimme beeinflussen.

Folgen der Therapie des Larynxkarzinoms

Ist der Kehlkopfkrebs auf die Stimmbandebene begrenzt, so ist es in manchen Fällen ausreichend, nur einen Teil des Stimmbandes zu entfernen, entweder durch eine Laser-Abtragung oder mit einem Skalpell. Als Folge kann sich die Stimme verändern sowie Heiserkeit bestehen bleiben oder es besteht gar keine Beeinträchtigung der Stimme. Im Anschluss an die Operation ist es wichtig, die Stimme zu trainieren. Phoniater, Spezialisten für die Stimmbildung, können hierbei bereits während des Klinikaufenthalts und im ambulanten Rahmen helfen.

Je nach Ausdehnung des Larynxkarzinoms kann es aber auch nötig sein, den Kehlkopf zum Teil (Kehlkopfteilresektion) oder komplett zu entfernen (Laryngektomie). Die Laryngektomie geht mit dem Verlust der Stimme sowie der dauerhaften Anlage eines sogenannten Tracheostomas einher, einer Verbindung der Luftröhre mit der Haut des Halses. Über diese Verbindung ist Atmen möglich. Patienten können dann nicht mehr über die Nase oder den Mund atmen, was zunächst sehr ungewohnt sein kann. Da keine Stimmbänder mehr vorhanden sind, können keine Töne mehr gebildet werden. Auch bei Teilentfernungen des Kehlkopfes kann die Stimme beeinträchtigt sein oder verloren gehen, je nach Ausmaß der Operation.

Im direkten Anschluss an die Operation können Sie über Lippen- oder Zungenbewegungen, sogenanntes Pseudoflüstern durch die im Mund befindliche Luft, sowie schriftlich kommunizieren. Versuchen Sie, geduldig mit sich selbst und mit Ihren Angehörigen zu sein. Auch Angehörige müssen erst lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen. Sind die Akutphase überstanden und die Wunden der Operation verheilt, kann mit den ersten Sprechübungen in logopädischer Begleitung begonnen werden.

Laryngektomierte Patienten können auf verschiedene Arten wiedererlernen, Sprache zu erzeugen. Dies kann geschehen mittels:

  • einer Speiseröhrenersatzstimme, auch Ruktusstimme genannt
  • einer Speiseröhrenersatzstimme in Kombination mit einer Stimmprothese
  • einer elektronischen Sprechhilfe (Elektrolarynx).

Speiseröhrenersatzstimme

Die Speiseröhrenersatzstimme oder Ruktusstimme kann durch Training erlernt werden. Hierbei wird die im Mund befindliche Luft aktiv in die Speiseröhre gedrückt bzw. eingesaugt und im oberen Drittel der Speiseröhre gehalten. Anschließend kann die Luft durch gezielte Bauchmuskel- bzw. Speiseröhrenanspannung die obere Engstelle der Speiseröhre in Vibration versetzen, sodass Töne entstehen. Durch Lippen- und Zungenbewegungen können dann wie gewohnt Laute gebildet werden. Die Technik ist sehr elegant, da kein externer Ersatz vonnöten ist. Allerdings sind nicht alle Patienten in der Lage, diese Technik zu erlernen.

Stimmprothese

In einem operativen Eingriff, häufig bereits während der Kehlkopfentfernung, kann ein Ventil zwischen die Luft- und die Speiseröhre eingesetzt werden. Dieses Einwegventil kann entweder aus Plastik oder durch körpereigenes Material hergestellt werden und hält die Luftröhre vor Nahrungsbestandteilen geschützt. Bei der Technik wird die Luft beim Ausatmen aus der Luftröhre in das oberen Ende der Speiseröhre befördert. Wie bei der Speiseröhrenersatzstimme wird der Ton dadurch erzeugt, dass die Speiseröhre in Schwingung versetzt wird, hier jedoch mit Hilfe von Luft aus der Lunge. Die Lautbildung erfolgt wie vorher im Mund. Die Technik ist relativ leicht zu erlernen.

Um die Prothese nutzen zu können, muss das Tracheostoma beim Ausatmen mit einem Finger verschlossen werden. Es gibt auch Kanülen, die ins Tracheostoma eingesetzt werden können, sodass beide Hände frei bleiben. Neuartige Operationstechniken ermöglichen es außerdem, die Prothese ohne das Zuhalten durch den Finger oder eine Kanüle zu nutzen. Eine eingesetzte Kunststoffprothese wird regelmäßig überprüft und ggf. ausgetauscht.

Elektronische Sprechhilfe (Elektrolarynx)

Wenn die Speiseröhrenersatzstimme nicht erlernt oder keine Stimmprothese verwendet werden kann, gibt es die Alternative einer apparativen Sprechhilfe. Die meisten Sprechhilfen sind elektronisch und funktionieren, indem sie an den Hals gehalten und die Vibrationen des Halses an die Mundhöhle weitergeleitet werden, sodass eine Lautbildung möglich ist. Die elektronische Sprechhilfe hat den Vorteil, dass das Sprechen leichter erlernt werden kann als bei den anderen Techniken. Allerdings benötigen Patienten eine freie Hand, um das Gerät an den Hals zu halten und mit einem Schalter zu betätigen. Die elektronische Sprachhilfe kann auch in Kombination mit den anderen Techniken erlernt werden.

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Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim