Knochenmetastasen

Ein Tumor kann sich ausbreiten, indem die Tumorzellen über die Lymphe oder die Blutbahn wandern. Häufig siedeln sich solche Tumorzellen im Knochen ab und verursachen dort Schmerzen und Schwellungen. Knochenmetastasen sind ein Zeichen eines aggressiven Tumors und verschlechtern deutlich die Prognose.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Knochenmetastasen?

Krebs wird durch entartete Zellen hervorgerufen,die sich unkontrolliert vermehren. Im Laufe der Zeit kann der Krebs weiter wachsen. Der Tumor kann sich auf das umliegende Gewebe ausbreiten oder über die Blutbahn oder Lymphe in entfernte Organe oder eben Knochen streuen. Dieses Streuen von Tumorzellen nennt man Metastasierung.

Knochenmetastasen sind eine schwere Komplikation einer Krebserkrankung. Sie sind ein Anzeichen dafür, dass der Krebs gestreut hat und in vielen Fällen eine Heilung nicht mehr möglich ist. Die meisten Metastasen bilden sich in den platten Knochen (Wirbelsäule, Becken, Rippen) oder seltener im Oberarm- oder Oberschenkelknochen. Knochenmetastasen vom Knie oder Ellenbogen abwärts sind relativ selten. 2/3 der Knochenmetastasen sind in der Wirbelsäule lokalisiert.

Häufigkeit

Die Ausbreitung der Krebserkrankung in das Knochengewebe (Metastasen) ist die häufigste bösartige Erkrankung der Knochen. Knochenmetastasen treten heutzutage aufgrund besserer Krebstherapien, die die Lebenserwartung verlängern, häufiger auf.

Knochenmetasten treten häufig beim Prostatakarzinom auf, wodurch Männer öfter von Knochenmetastasen betroffen sind als Frauen. Weitere Tumore, die bekannt sind in Knochen zu streuen, sind das Lungenkarzinom, Blasen-, Magen-, Dickdarm- und Enddarmkarzinom und insbesondere bei Frauen Brustkrebs und seltener Gebärmutterkrebs. Die häufigsten Tumore bei Männern, die in die Knochen streuen sind das Prostata- und das Lungenkarzinom während bei Frauen das größte Risiko Brustkrebs und auch das Lungenkarzinom darstellt. Bei beiden Geschlechtern ist sowohl das Schilddrüsenkarzinom wie auch das Nierenzellkarzinom ein Tumor, der häufig zu Knochenmetastasen führt.

Knochenmetastasen kommen bei Kindern hingegen seltener vor. Ein Tumor im Kindesalter, der häufig zu Metastasen in den Knochen führt, ist das Neuroblastom. Kinder und Jugendliche erkranken häufiger an Krebsarten, die direkt vom Knochen ausgehen.

Symptome 

Knochenmetastasen führen häufig zu Schmerzen, Schwellungen des Weichteilgewebes oder Knochenbrüchen ohne einen vorausgehenden Sturz. Es können auch Ausfälle des Nervensystems auftreten, wenn das Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen wird. Dadurch kann es zu Lähmungen kommen. Insgesamt können Konchenmetastasen erheblich die Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten mindern.

In den meisten Fällen, ist vor den Knochenmetastasen bereits die Tumorerkrankung diagnostiziert worden. Manchmal können aber auch z.B. starke Rückenschmerzen ein Zeichen eines metastasierten Tumors sein, wie dies beim Prostatakarzinom der Fall sein kann.

Diagnostik

Einige Blutwerte können schon einen Hinweis auf eine Beteiligung der Knochen geben. Zur Sicherung der Diagnose wird mit einer Szintigrafie festgestellt, ob ein Tumor in die Knochen gestreut hat. Dabei wird eine radioaktiv markierte Substanz in das Blut gespritzt. Diese wird sich innerhalb weniger Stunden in dem kranken Knochengewebe (Metastasen) anreichern, was bei der Bildgebung zu sehen ist. Die Untersuchung ist ungefährlich. Werden verdächtige Zellveränderungen gefunden, können die anatomischen Verhältnisse mit einer herkömmlichen Röntgenaufnahme dargestellt werden. Sind weitere Untersuchungen erforderlich, kann auf die Computertomografie oder Magnetresonanztomografie zurückgegriffen werden oder eine PET (Positronen-Emissions-Tomographie) nötig sein.

Therapie

Ziel der Therapie ist es, die Lebensqualität zu verbessern, indem die Schmerzen gelindert oder eliminiert werden, und die Körperfunktionen aufrecht gehalten werden.

Dabei spielt bei der Therapieplanung der Allgemeinzustand des Patienten eine Rolle und die Eigenschaft des bereits bekannten Tumors (Primärtumor). Es können Operationen erfolgen, um Frakturen zu versorgen oder Einklemmungen des Rückenmarks zu vermeiden. Bei Bedarf werden Schmerzmittel verabreicht. Je nach Primärtumor kann eine Hormon- oder Chemotherapie erwogen werden. Auch Bisphosphonate, knochenabbauhemmende Medikamente, können eingenommen werden.

Eine Strahlentherapie wird häufig eingesetzt, da man lokal eine z.B frakturgefährdete Knochenmetastase, behandeln kann. Das Risiko einer Operation entfällt dabei.

Prognose

Knochenmetastasen sind ein Anzeichen einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung. Die Überlebenschancen hängen von der Grunderkrankung, Ort und Anzahl der Knochenmetastasen, der Ausbreitung in anderes Gewebe und dem Wirkungsgrad der Therapie ab. Die Lebenserwartung von Patienten mit Knochenmetastasen liegt in der Regel zwischen 6 und 48 Monaten. Die schlechteste Prognose besteht bei Metastasen aufgrund von Lungenkrebs, während die Prognose bei multiplem Myelom, Lymphom, Nierenkrebs und Brustkrebs besser ist.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Skelettmetastasen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Tunn P.−U. Maligne Tumoren des muskuloskelettalen Systems. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 3 2008 derma.klinikum.uni-muenster.de
  2. Deutsche Krebsgesellschaft. Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen - interdisziplinäre Querschnittsleitlinie. AWMF-Leitlinie Nr. 032-054OL, Stand 2017 www.awmf.org
  3. Deutsche Gesellschaft für Urologie. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Nierenzellkarzinom, Diagnostik, Therapie und Nachsorge. AWMF-Leitlinie Nr. 043-017OL, Stand 2015 www.awmf.org
  4. Deutsche Gesellschaft für Urologie. Deutsche Krebsgesellschaft. Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. AWMF-Leitlinie Nr. 032-038OL, Stand 2016. www.awmf.org
  5. Deutsche Gesellschaft für Urologie. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Leitlinie Nr.043-022OL, Stand 2016 www.awmf.org
  6. Mutschler, Kohn, Pohlemann. Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. 3., vollständig überarbeitete Auflage 2013 Thieme Verlag Stuttgart S. 288ff.
  7. Delank KS, Wendtner C, Eich HT, Eysel P: Therapy of spinal metastases. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(5): 71–80. www.aerzteblatt.de
  8. Heindel W, Gübitz R, Vieth V, Weckesser M, Schober O, Schäfers M: The diagnostic imaging of bone metastases. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 741–7. www.aerzteblatt.de
  9. RoodmanGD. Mechanisms of bone metastases. UpToDate, last updated March 26, 2013. UpToDate
  10. Peh WCG. Imaging in bone metastases. Medscape, last updated Dec 29, 2015. emedicine.medscape.com
  11. Yang HL, Liu T, Wang XM, Xu Y, Deng SM: Diagnosis of bone metastases: a meta-analysis comparing (1)(8)FDG PET, CT, MRI and bone scintigraphy. Eur Radiol 2011; 21: 2604–17 www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Deutsche Krebsgesellschaft .Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe . Mammakarzinom der Frau; Diagnostik, Therapie und Nachsorge. AWMF-Leitlinie Nr.032-045OL, Stand 2017 www.awmf.org
  13. Wong MHF, Stockler MR, Pavlakis N. Bisphosphonates and other bone agents for breast cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 2. Art. No.: CD003474. DOI: 10.1002/14651858.CD003474.pub3. DOI
  14. arznei-telegramm. Tödliche Hypokalziämien unter Desonumab (Xgeva). a-t 2012; 43: 79 www.arznei-telegramm.de
  15. George R, Jeba J, Ramkumar G, Chacko AG, Tharyan P. Interventions for the treatment of metastatic extradural spinal cord compression in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 9. Art. No.: CD006716. DOI: 10.1002/14651858.CD006716.pub3. DOI
  16. Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin. Radionuklidtherapie von Knochenmetastasen mittels Radium-223. AWMF- Leitlinie Nr.:031-053. Stand 2015 www.awmf.org
  17. Hansen BH, Keller J, Laitinen M et al. The Scandinavian Sarcoma Group Skeletal Metastases Register. Survival after surgery for bone metastases in the pelvis and extremities. Acta Orthop Scand Suppl 2004; 75: 11-5. PubMed
  18. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) .Neue Arzneimittel (Xgeva). Stand: 30.11.2011 www.akdae.de