Alkohol und Krebsrisiko

Der Konsum alkoholhaltiger Getränke erhöht das Krebsrisiko. Das Risiko steigt mit steigenden Mengen. Es kann keine sichere Grenze gesetzt werden, wie viel Alkohol konsumiert werden kann, ohne dass sich das Krebsrisiko erhöht.

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Vorsicht mit Alkohol!

Wenn Sie Alkohol trinken, sollten Sie den Konsum auf kleine Mengen beschränken. Kinder, Jugendliche und schwangere Frauen sollten überhaupt keinen Alkohol trinken.

Der Konsum alkoholhaltiger Getränke erhöht das Krebsrisiko. Das Risiko steigt mit steigenden Mengen. Es kann keine sichere Grenze gesetzt werden, wie viel Alkohol konsumiert werden kann, ohne dass sich das Krebsrisiko erhöht.

Alkohol und Tabak

Das Krebsrisiko steigt besonders stark, wenn Alkohol mit Rauchen kombiniert wird. Das Risiko von Krebserkrankungen in der Mundhöhle, im Rachen, im Kehlkopf und in der Speiseröhre ist bei Personen, die sowohl starke Raucher sind als auch viel Alkohol konsumieren, zwischen zehn und hundert Mal höher als bei Personen, die weder Tabak noch Alkohol konsumieren. In den westlichen Industrieländern sind die oben genannten Krebsarten sehr selten bei Menschen, die weder rauchen noch Alkohol trinken.

Nur Alkohol

Alkohol allein hat bereits eine krebserregende Wirkung, nicht nur im Zusammenwirken mit Tabak. Diese Schlussfolgerung zieht die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach umfassenden, gründlichen Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen Alkoholkonsum und Krebserkrankungen. Die Untersuchungen zeigen, dass sich insbesondere das Risiko für Krebserkrankungen der Leber, der Mundhöhle, des Rachens, des Kehlkopfes und der Speiseröhre erhöht. Auch bei Brustkrebs besteht ein möglicher Zusammenhang mit Alkoholkonsum.

Leberkrebs entsteht häufig infolge einer Leberzirrhose, die ebenfalls eine Folge von Alkoholkonsum ist. Frauen sind anfälliger für alkoholbedingte Erkrankungen der Leber als Männer. Der Grund dafür ist, dass bei Frauen die Blutalkoholkonzentration schneller steigt als bei Männern. Durchschnittlich haben Frauen kleinere Körper, einen verhältnismäßig höheren Körperfettanteil und geringeren Wasseranteil als Männer, sodass sich der Alkohol nicht so stark verdünnt. Darüber hinaus ist bei Frauen das Enzym Alkoholdehydrogenase im Magen weniger aktiv. Wenn eine Frau und ein Mann gleich viel trinken, hat die Frau daher einen höheren Blutalkoholspiegel als der Mann.

Gibt es Grenzen für einen Alkoholkonsum, der das Krebsrisiko nicht erhöht?

In Studien zu Alkohol und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat sich gezeigt, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Studienteilnehmern, die wenig Alkohol tranken, geringer war als bei den Studienteilnehmern, die gar keinen Alkohol tranken. Bei steigendem Alkoholkonsum erhöht sich das Risiko aber wieder. Dennoch ist es äußerst schwierig, eine Grenze für den täglichen Alkoholkonsum zu setzen, der in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen werden kann und der nicht gleichzeitig das Krebsrisiko erhöht.

Einige Untersuchungen zeigen, dass Frauen, die 10–15 Gramm Alkohol pro Tag (etwa ein Glas Wein oder ein alkoholisches Getränk pro Tag) konsumieren, ein höheres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen, die keinen Alkohol trinken. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein alkoholisches Getränk pro Tag das Risiko um 30–50 % erhöht.

Alkohol ist außerdem ein Suchtmittel. Wer Alkohol konsumiert, sollte den Konsum so begrenzen, dass damit bei Männern weniger als 5 % und bei Frauen weniger als 2,5 % der Gesamtenergiezufuhr abgedeckt wird. Dies bedeutet weniger als zwei kleine Gläser pro Tag, wenn Sie ein Mann sind, und weniger als ein kleines Glas pro Tag, wenn Sie eine Frau sind. Ein Glas entspricht 250 ml Bier, 100 ml Wein oder 25 ml Schnaps. Schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche dürfen überhaupt keinen Alkohol trinken.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Alkoholkonsum, übermäßiger. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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