Brustfellkrebs (Pleuramesotheliom)

Das Brustfell (Pleura) besteht aus zwei Schichten, von denen eine die Lunge überzieht (Lungenfell, Pleura visceralis), während die andere die Brusthöhle von innen auskleidet (Rippenfell, Pleura parietalis) und eine Art Säckchen um das Lungenfell herum bildet. Diese aus Schleimhäuten bestehenden Schichten sondern eine spezielle Flüssigkeit in den dazwischen liegenden Pleuraspalt (auch Pleurahöhle genannt) ab. Die Pleuraflüssigkeit dient der besseren Beweglichkeit der Lunge und gewährleistet ihre Funktionsfähigkeit.

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Fakten zum Brustfellkrebs

Normale Lunge und Bronchien
Normale Lunge und Bronchien

Beim Brustfellkrebs oder Pleuramesotheliom handelt es sich um eine seltene Erkrankung. In Deutschland erkranken jährlich etwa 1.600 Menschen an dieser Krebsart. Die Erkrankung steht in einem engen Zusammenhang mit der beruflichen Asbestexposition, bei etwa einem Viertel der Fälle kann eine solche Exposition allerdings nicht nachgewiesen werden. Die Latenzphase (Zeitraum zwischen dem Einwirken eines den Organismus schädigenden Umweltfaktors und den daraus resultierenden Symptomen) des Pleuramesothelioms ist mit 30 bis 40 Jahren recht lang. Weltweit ist eine Zunahme der Brustfellkrebserkrankungen zu verzeichnen.

Die Prognose (die Vorhersage des voraussichtlichen Krankheitsverlaufs) ist abhängig vom Stadium der Erkrankung (Beschränkt sich der Tumor auf einen abgrenzbaren Bereich oder hat er bereits in andere Körperregionen gestreut?). Auch Alter und allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten sowie die Zellart des Karzinoms sind von entscheidender Bedeutung. Oftmals befindet sich die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

Symptome

Die Symptome des Pleuramesothelioms sind oftmals unspezifisch und können aus Kurzatmigkeit, schwachen Brustschmerzen, Heiserkeit, vermindertem Appetit, Gewichtsverlust und Trägheit bestehen. Zur Diagnose und Bestätigung des Verdachts auf Brustfellkrebs benötigt der behandelnde Arzt folgende Informationen:

  • Wo in der Lunge befindet sich der Tumor (Lokalisation)?
  • Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten (Stadien-Einteilung/Staging)?
  • Aus welchen Zellarten besteht der Tumor (Klassifikation und Differenzierung)?

Der Arzt führt eine klinische Untersuchung durch und erfasst Krankengeschichte sowie eventuelle Rauchgewohnheiten des Patienten. Oftmals werden auch Blut- und Urinproben genommen und ein Lungenröntgen angeordnet.

Darüber hinaus können folgende Untersuchungen in Betracht gezogen werden:

  • Computertomografie (CT): Mit einem computergesteuerten Röntgenapparat werden in kurzen Abständen hintereinander zahlreiche Querschnittsaufnahmen von der Lunge gemacht. Zuweilen wird im Vorfeld der Untersuchung ein Kontrastmittel ins Blut gespritzt, um bestimmte Details besser erkennen zu können.
  • Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie): Auch hierbei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren; mithilfe eines starken Magnetfelds werden Schnittbilder des Körperinneren erzeugt. Zuweilen wird im Vorfeld der Untersuchung ein Kontrastmittel ins Blut gespritzt.
  • Thorakoskopie (Brustraumspiegelung): Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird eine kleine Öffnung in der Brustwand geschaffen. Anschließend wird ein dünnes Röhrchen (Thorakoskop) zum Ausleuchten der Pleurahöhle eingeführt, mithilfe dessen auch Gewebeproben entnommen werden können. Der Eingriff erfolgt unter Narkose. Die Testergebnisse der Gewebeprobe sind aufgrund der nicht ganz einfachen Diagnose eines Pleuramesothelioms mitunter von entscheidender Bedeutung.

Ausbreitung

Brustfellkrebs breitet sich normalerweise lokal im Brustraum aus. Es kann viel Zeit vergehen, ehe er in andere Körperregionen streut.

Therapie

Bislang existiert keine Standardbehandlung für an Brustfellkrebs erkrankte Patienten.

Eine operative Entfernung des Pleuramesothelioms kommt eher selten und nur dann in Betracht, wenn die Erkrankung sich in einem frühen Stadium befindet. Kleinere chirurgische Eingriffe wie eine Pleurapunktion (Absaugen überschüssiger Pleuraflüssigkeit) können zur Erleichterung der Beschwerden beitragen.

Eine Strahlenbehandlung ist grundsätzlich möglich, allerdings erweisen sich die Krebszellen bei Brustfellkrebs oftmals als recht widerstandsfähig gegenüber einer Bestrahlung.

Auch Chemotherapie wird angewendet, bevorzugt in Kombination mit anderen Behandlungsvarianten. In einigen Fällen ist eine regionale Chemotherapie möglich, bei der das Medikament lediglich lokal im Bereich des Brustfells wirkt.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen variieren stark und sind abhängig von den verschiedenen Behandlungskombinationen. Wenden Sie sich an Ihren Arzt, um mehr zu erfahren.

Berufskrebs?

Ein Pleuramesotheliom kann in einem direkten Zusammenhang mit langjähriger beruflicher Asbestexposition stehen, die bei Diagnosestellung viele Jahre zurückliegt. Besteht der Verdacht auf eine Berufskrankheit, sollte eine Meldung an die entsprechende Berufsgenossenschaft erfolgen; der Anspruch auf Entschädigung wegen Berufskrankheit kann geltend gemacht werden. Auch der behandelnde Arzt kann in solchen Fällen weiterhelfen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mesotheliom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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