Krebs und Sexualität: Hilfsmittel

Es gibt Hilfsmittel, die während oder nach einer Krebsbehandlung eingesetzt werden können, um die Durchführung sexueller Aktivitäten zu vereinfachen oder zu verbessern.

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Einleitung

Im Falle einer Krebserkrankung kann die Erkrankung selbst oder die Therapie mit Veränderungen der körperlichen Funktionen oder des Erscheinungsbildes einhergehen. Dies kann dazu führen, dass körperliche Probleme auftreten, die sexuelle Handlungen erschweren. Es gibt geeignete Hilfsmittel, um sexuelle Aktivitäten zu verbessern oder wieder zu ermöglichen. Hierzu zählen die Verwendung von Gleitmitteln, Vibratoren oder Erektionshilfen.

Die Verwendung technischer Hilfsmittel mag anfangs gewöhnungsbedürftig erscheinen. Sie können aber helfen, neue sexuelle Möglichkeiten zu eröffnen. Offenheit, Neugierde und Gesprächsbereitschaft sind als Grundlage von essenzieller Bedeutung.

Vibratoren und Massagegeräte

Vibratoren und Massagegeräte für Männer sowie für Frauen existieren in den unterschiedlichsten Ausführungen. Sie dienen der Stimulation empfindlicher Körperregionen und bewähren sich häufig, wenn die sensible Empfindung von z. B. operierten oder bestrahlten Bereichen reduziert ist. Männer mit Erektionsproblemen können durch die Verwendung von Vibratoren häufig eine Erektion erlangen.

Gleitmittel

Scheidentrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung von Krebstherapien. Als Folge kann der Geschlechtsverkehr für Frauen unangenehm und schmerzhaft sein. Gleitmittel können hier in der Regel Abhilfe schaffen. Verwenden Sie keine Vaseline, Öl oder ähnliche fetthaltige Produkte, da diese Mittel die Reißfestigkeit von Kondomen beeinträchtigen und das Risiko für Pilzinfektionen und Entzündungen erhöhen. Empfehlenswert ist ein unparfümiertes Gleitgel auf Wasserbasis, welches z. B. in Drogeriemärkten oder der Apotheke frei verkäuflich ist. Es wird unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr aufgetragen.

Bei einer trockenen, strapazierten Vaginalschleimhaut kann in manchen Fällen erwogen werden, eine östrogenhaltige Creme aufzutragen. Diese kann von Ihrem Frauenarzt verschrieben werden. Die Creme wird allerdings nicht als Gleitmittel verwendet, sondern unabhängig vom Geschlechtsverkehr über mehrere Tagen aufgetragen. Nach einer Operation oder Bestrahlung im Bereich des Unterleibs kann sich die Vagina narbenartig verengen. Diese Verengung kann durch eine Dehnungsbehandlung mit einem sogenannten Dilatator evtl. in Kombination mit einer Creme reduziert werden. Der Dilatator wird wie ein Tampon in die Scheide eingeführt und existiert in verschiedenen Größen und Materialien. Er kann nach Operationen auch zur Vorbeugung von Verklebungen eingesetzt werden.

Erektionshilfen

Strahlen- und Chemotherapie sowie operative Eingriffe im Beckenbereich können zu Erektionsproblemen führen. Eine ärztliche Untersuchung kann hilfreich sein, um die Ursache für die Erektionsprobleme ausfindig zu machen. Konsultieren Sie hierfür ihre behandelnden Ärzte. Bei der Ursachenforschung sollte stets bedacht werden, dass Erektionsprobleme nicht unbedingt körperliche Gründe haben. Die mit der Erkrankung und der Therapie einhergehenden Belastungen, Ängste und Unruhezustände können häufig ursächlich für Erektionsprobleme sein.

In Absprache mit Ihrem Urologen können Sie sich Medikamente verschreiben lassen, die die Erektionsfähigkeit wiederherstellen. Diese können als Tablette eingenommen werden, direkt in die Harnröhre eingeführt oder in den Penisschaft gespritzt werden. Lassen Sie sich über die Anwendungsweisen sowie über mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen von den behandelnden Ärzten aufklären.

Neben medikamentösen Möglichkeiten kommen technische Hilfsmittel zum Erreichen einer Erektion in Frage. Es können zunächst Vibratoren eingesetzt werden, um den Penis selbst oder andere erogene Zonen zu stimulieren und so eine Erektion hervorzurufen. Eine Alternative stellt eine Vakuumpumpe dar: Ein Kunststoffzylinder erzeugt durch einen Unterdruck eine vermehrte Durchblutung des Penis. Die Erektionsdauer kann eventuell mit Hilfe eines Penisrings verlängert werden. Dies ist ein elastischer Ring aus elastischem Plastik, der um die Wurzel des Geschlechtsorgans gelegt wird und den Rückfluss des Blutes aus dem Penis hemmt. Nach spätestens 30 Minuten sollte der Penisring entfernt werden, da der Schwellkörper sonst einen Schaden nehmen kann. Oft werden diese Hilfsmittel in Kombination eingesetzt.

Bei einer dauerhaften erektilen Dysfunktion, die auf die genannten Maßnahmen nicht (mehr) anspricht, kann eine Prothese in den Penis implantiert werden (Schwellkörper-Implantat). Dabei kann zwischen zwei verschiedenen Varianten gewählt werden. Bei einer hydraulischen Penisprothese wird Wasser aus einem ballonartigem Reservoir in die Schwellkörper-Implantate gepumpt. Eine Stabprothese aus Silikon kann von Hand in die gewünschte Stellung gebracht und anschließen wieder zurückgebogen werden. Der Penis fühlt sich dabei allerdings dauerhaft erigiert an. Detaillierte Informationen zu den implantierbaren Prothesen können Sie bei Ihrem Urologen erfragen.

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Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim