Ernährung bei Bestrahlungs-Durchfall

Der Gehalt an fettlöslichen Vitaminen ist bei einer fettarmen Ernährung gering. Dies gilt insbesondere für Vitamin A und Vitamin D. Aus diesem Grund sollten Betroffene täglich eine Multivitamin-Tablette oder einen Teelöffel Lebertran zu sich nehmen.

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Die nachfolgenden Informationen richten sich an Krebspatienten und ihre Angehörigen. Wir hoffen, dass auch andere Personen, die mit der Ernährung von Krebspatienten1 betraut sind, hier nützliche Informationen finden werden.

 

Was muss ich während Strahlentherapie bei der Ernährung beachten?

Die Auswirkung einer Bestrahlung oder einer Radionuklidtherapie auf die Ernährung lassen sich nicht pauschal beschreiben: Patienten, die hohe Strahlendosen auf Mund, Rachen oder Kehlkopf erhalten, sind in einer ganz anderen Lage als beispielsweise eine Brustkrebspatientin, bei der der Verdauungstrakt gar nicht im Strahlenfeld liegt und deren Therapie hauptsächlich zur Festigung des Erfolgs einer Operation eingesetzt wird.
Patienten, deren Behandlung den Verdauungstrakt n i c h t betrifft, haben normalerweise keine Auswirkungen auf Ernährung und Verdauung zu befürchten.
Sie können sich wie gewohnt ernähren, wobei sie auf eine ausreichende Kalorienzufuhr und eine ausgewogene Zusammenstellung der Lebensmittel achten sollten.2

Wie essen bei Kopfbestrahlung oder Bestrahlung des Verdauungstraktes?

Patienten, bei denen Mund, Rachen oder Verdauungstrakt Ziel der Bestrahlung ist oder eine Mitbestrahlung nicht vermieden werden kann, sollten ernährungsmedizinisch betreut werden.  Bei ihnen ist mit Problemen bei der Nahrungsaufnahme zu rechnen: Die Schleimhaut kann geschädigt sein, was zu Schmerzen führt und das Risiko für Infektionen steigert. Auch Schluckprobleme und andere Funktionsstörungen sind im ungünstigen Fall denkbar. Eine wegen dieser Probleme unzureichende Energie- und Nährstoffversorgung, die unter Umständen sogar den Abbruch der Behandlung erzwingen könnte, sollte vermieden werden.

Besondere Betreuung brauchen auch alle Patienten, die schon vor Bestrahlungsbeginn nicht richtig essen können, an Gewicht verloren haben und/oder mangelversorgt sind. Ob eine unterstützte Ernährung ("Astronautenkost") oder das Legen einer Ernährungssonde notwendig ist, muss anhand der individuellen Situation entschieden werden, am besten schon vor Therapiebeginn.
Patienten, denen in zeitlichem Zusammenhang mit der Bestrahlung übel wird oder die sich erbrechen müssen, sollten ihre Ärzte unbedingt auf Medikamente ansprechen, die die Übelkeit unterdrücken.

Allgemeine Tipps zur Vorbeugung und zur Kontrolle eines Gewichtsverlusts hat der Krebsinformationsdienst im Text "Was tun bei Gewichtsverlust und Mangelernährung?" zusammengestellt.

Ernährungsempfehlungen bei Durchfall infolge von Strahlentherapie

Die vorgestellten Empfehlungen sind Anhaltspunkte. Wichtig ist, dass im Einzelfall ausprobiert wird, was schmeckt und was vertragen wird. 

Sobald Sie nicht mehr unter Durchfall leiden, können Sie sich wieder etwas variationsreicher ernähren. Bitten Sie bei Bedarf um einen Gesprächstermin zur Ernährungsberatung. Dort erhalten Sie auch Empfehlungen, was Sie tun können, wenn Sie aufgrund einer längeren fettarmen Ernährung Probleme haben, Ihr Körpergewicht zu halten. Alternativ können Sie Ihren Arzt um Rat fragen.

Allgemeines

  • Nehmen Sie kleine, aber häufigere Mahlzeiten zu sich (etwa alle drei Stunden).
  • Trinken Sie langsam und häufig.
  • Alkohol und Kaffee sind mit Vorsicht zu genießen, da sie zu einer erhöhten Darmaktivität beitragen können.
  • Vermeiden Sie heiße und sehr kalte Speisen.
  • Wählen Sie gegartes statt rohes Gemüse.
  • Vermeiden Sie blähende Lebensmittel (Kohl, Erbsen, trockene Bohnen, Zwiebeln) und kohlensäurehaltige Getränke (Mineralwasser, Softgetränke, Bier).
  • Bevorzugen Sie Obst in Konserven oder gekochte Früchte und Beeren.

Fettarme Ernährung

  • Der Fettgehalt der Speisen, die Sie zu sich nehmen, sollte so gering wie möglich sein und maximal 50 g täglich betragen.
  • Dabei sind ungesättigte Fettsäuren (z. B. Soja- oder Olivenöl und Sojamargarine) den gesättigten Fettsäuren vorzuziehen.
  • Bevorzugen Sie Fisch und Fischprodukte, Schalentiere, Innereien (Leber und Niere), Geflügel und andere mageres Fleisch.
  • Entfernen Sie vor der Zubereitung sämtliches sichtbares Fett.
  • Verwenden Sie lediglich geringe Mengen an Leichtfettmargarine, oder lassen Sie sie ganz weg.
  • Wählen Sie ausschließlich mageren Brotbelag.
  • Verwenden Sie beim Kochen so wenig Fett wie möglich.
  • Vermeiden Sie Gebratenes.
  • Bevorzugen Sie sanfte Garmethoden wie Kochen, Dampfgaren, die Zubereitung im Ofen oder gegrillte Speisen.
  • Bereiten Sie Soßen aus Bratensaft oder Bouillon mit Mehl zu, oder greifen Sie zu Tütensoßen ohne Trockenmilch.
  • Bevorzugen Sie Brot- und Knäckebrotwaren mit geringem Fettgehalt (häufig die Sorten ohne Körner).
  • Bereiten Sie Getreidebrei mit Wasser anstatt mit Milch zu. Auch Reis, Spaghetti oder andere Nudeln kommen als warme Mahlzeit infrage.
  • Wenn Sie auf Süßes nicht verzichten wollen, bevorzugen Sie Konfitüre, Marmelade und Honig. Schokolade, Konfekt und Marzipan sollten hingegen gemieden werden.

Der Gehalt an fettlöslichen Vitaminen ist bei einer fettarmen Ernährung gering. Dies gilt insbesondere für Vitamin A und Vitamin D. Aus diesem Grund sollten Betroffene täglich eine Multivitamin-Tablette oder einen Teelöffel Lebertran zu sich nehmen.

Nahrungsmittel mit geringem Laktosegehalt

Wenn Milchzucker im Darm nicht gespalten und absorbiert werden kann, so kann es zur Gärung und Gasbildung kommen. Dies wiederum kann zu Durchfall führen. Vermeiden Sie daher den Verzehr von Speisen, die Milch oder Trockenmilch enthalten.

  • Lesen Sie stets sorgfältig die Nährstoffangaben und Zutatenlisten auf den einzelnen Lebensmitteln. Fertiggerichte (Suppen, Soßen, Pudding, Würste und Pasteten) enthalten oftmals Trockenmilch.
  • Wer sich laktosearm ernährt, nimmt nur wenig Kalzium zu sich. Aus diesem Grunde sollte täglich Käse (halbfett oder mager) auf dem Speiseplan stehen.
  • Einige Patienten vertragen in begrenztem Maße Sauermilchprodukte (probiotischer Joghurt, Sauermilch usw.).
  • Testen Sie sich heran!
  • In vielen gutsortierten Lebensmittelläden erhalten Sie mittlerweile laktosefreie, fettarme Milch, die Sie trinken und zum Kochen nutzen können.

Was können Sie essen?

Gemüse und Kartoffelprodukte

Bevorzugen Sie gegartes Gemüse. Vermeiden Sie Bratkartoffeln, Kartoffelchips, Pommes frites und Avocado.
Um Blähungen zu reduzieren, sollten Sie auch auf Kohl, Erbsen, Trockenbohnen und Zwiebeln verzichten. Diese Nahrungsmitteln sind zugleich schwer verdaulich.

Obst und Beeren

Bevorzugen Sie Obst in Konserven oder gekochte Früchte und Beeren. Sorbet in kleineren Mengen kann versucht werden. Verzichten Sie auf Himbeeren, Brombeeren, Multebeeren und Trockenfrüchte (Rosinen, Backpflaumen, Aprikosen, Datteln und Feigen).

Milch und Milchprodukte

Greifen Sie zu Joghurt, magerer Sauermilch, magerem oder halbfettem Schnittkäse, laktosefreiem Queso und magerem Schmelzkäse. Vermeiden Sie süße Milchgetränke, Sahne, Schlagsahne, fette Käsesorten, Molkenkäse, Frischkäse und Speiseeis.

Ei

Eiweiß enthält kein Fett und kann nach Belieben verzehrt werden. Ein Eigelb enthält rund 6 g Fett. Insgesamt können Sie zwei bis drei Eier pro Woche zu sich nehmen.

Fisch und Schalentiere

Sämtliche Fischsorten und Schalentiere sind zulässig. Nutzen Sie Fisch und Fischprodukte gern auch als Brotbelag. Fischleber sowie Fertiggerichte mit Fisch, die Milch, Trockenmilch oder Fett enthalten, sollten gemieden werden.

Geflügel und Fleisch

Bevorzugen Sie helles Fleisch (Geflügel, Wildgeflügel). Entfernen Sie Haut und sichtbares Fett. Vermeiden Sie Fertiggerichte mit Fleisch (Fleischpudding, Frikadellen und sämtliche Würste).

Brot und Getreide

Ernähren Sie sich von Brot- und Knäckebrotsorten, die nur wenig Fett enthalten, sowie von Reis, Spaghetti oder anderen Nudeln. Bereiten Sie Getreidebrei mit Wasser statt mit Milch zu. Verzichten Sie weitestgehend auf fertige Sandwiches, belegte Brötchen, süßen Speisebrei, Brei auf Milchbasis und Frühstücksflocken mit Nüssen.

Fett

Verwenden Sie möglichst wenig Fett und bevorzugen Sie Speisefett mit ungesättigten Fettsäuren wie Olivenöl, Sojaöl oder Kochmargarine. Verzichten Sie wegen des hohen Fettgehalts auf Mayonnaise, Bearnaisesoße, Butter, fetthaltige Salatdressings, Nüsse, Mandeln und Erdnüsse.

Süßes

Konfitüre, Marmelade und Honig, Saft und Softgetränke können in Maßen verzehrt werden, wenn Sie sie vertragen. Verzichten Sie auf Schokolade, Marzipan und andere Süßigkeiten.

Empfehlungen bei Durchfall

  • Trinken Sie reichlich, mindestens zwei Liter täglich. Vermeiden Sie Milchgetränke (Vollmilch, fettarme und entrahmte Milch) oder greifen Sie stattdessen auf laktosefreie, fettarme Milch zurück.
  • Nehmen Sie nur kleine Mahlzeiten zu sich.
  • Wählen Sie leicht verdauliche Speisen.
  • Salzen Sie Essen und Getränke etwas mehr als sonst.

Weiterführende Informationen

 

Quellen

Referenzen

  1. Deutsche Krebshilfe. Ernährung bei Krebs. Die blauen Ratgeber, Band 46. Bonn 2015. www.krebshilfe.de
  2. Krebsinformationsdienst. Strahlentherapie - Was muss ich bei der Ernährung beachten? Heidelberg 2016. www.krebsinformationsdienst.de

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln