Übelkeit bei Krebserkrankungen

Übelkeit und Erbrechen zählen zu den belastenden Nebenwirkungen einiger Krebsbehandlungen. Auch die Erkrankung selbst kann zu Unwohlsein führen. Viele Krebspatienten fürchten sich davor.

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Längst nicht jeder Krebspatient muss mit Unwohlsein, Übelkeit oder gar Erbrechen rechnen. Es gibt jedoch einige Therapien, bei denen bekannt ist, dass sie Übelkeit und Erbrechen hervorrufen können.
Viele Menschen verbinden diese Auswirkung vor allem mit der Chemotherapie. Doch hier gilt: Längst nicht alle zur Chemotherapie eingesetzten Zytostatika lösen Übelkeit oder Erbrechen aus, und wo es doch der Fall ist, helfen Medikamente bei der Vorbeugung.
Auch eine umfängliche Bestrahlung kann bei Patienten Unwohlsein hervorrufen. Und schließlich gibt es einige weitere Medikamente und Krankheitssituationen, die direkt oder indirekt das Risiko steigern, erbrechen zu müssen.1

Auslöser bei Krebs: Welche Faktoren lösen Unwohlsein bei Krebspatienten aus?

Übelkeit und Erbrechen können als Folge von Krebsbehandlungen wie etwa einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie auftreten. Auch nach einer Narkose etwa bei einer Operation wird es Patienten manchmal schlecht. Und schließlich gibt es eine Reihe weiterer Medikamente, die ebenfalls Auslöser sein können. Dazu zählen beispielsweise einige Schmerzmittel.
Über welchen Mechanismus lösen diese Therapien Übelkeit aus? Bei den Medikamenten zur Chemotherapie handelt es sich überwiegend tatsächlich um eine Reaktion, wie sie der Körper auch etwa auf giftige oder verdorbene Nahrungsmittel zeigen würde. In diese Kategorie fallen auch einige Medikamente, die nicht zur Behandlung von Krebs, sondern etwa einer Herzschwäche oder gegen Anfallsleiden eingesetzt werden.
Bei einer Bestrahlung vermuten Fachleute verschiedene Ursachen: Liegt das Strahlenfeld beispielsweise im Bauchraum, ist dort oft die Magen-Darmschleimhaut gereizt und entzündet. Dies kann zu Unwohlsein bei Betroffenen führen. Unter Umständen wird die Übelkeit aber auch durch Giftstoffe hervorgerufen, die aufgrund des Zellzerfalls während einer umfangreichen Strahlentherapie entstehen, etwa einer Ganzkörperstrahlentherapie.
Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide setzen direkt am zentralen Nervensystem an, manche stimulieren als Nebenwirkung auch das Brechzentrum. Manche Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antiphlogistika reizen und schädigen die Magen-Darm-Schleimhaut und können auf diesem Weg zu Unwohlsein führen.1

Wann kann die Tumorerkrankung selbst Auslöser von Übelkeit und Erbrechen sein?

Neben diesen behandlungsbedingten Ursachen für Übelkeit und Erbrechen kann auch die Tumorerkrankung selbst ein Grund dafür sein - insbesondere bei Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung. Bei ihnen kommen nicht selten mehrere Ursachen zusammen: Dazu zählen etwa eine durch den Tumor verlegte Magen-Darm-Passage oder Druck auf den Magen, etwa durch Lebermetastasen oder Flüssigkeitsansammlung im Bauch.
Stoffwechselstörungen hervorgerufen durch Medikamente, Infektionen, schlecht funktionierende Nieren oder Giftstoffe des Tumors begünstigen unter Umständen ebenfalls Übelkeit und Erbrechen.
Aber auch starke Hustenanfälle, allgemein starke Erschöpfung, Verstopfung oder Schmerzen können Übelkeit und Erbrechen auslösen. Durch einen erhöhten Hirndruck, der etwa bei Hirntumoren oder Hirnmetastasen auftreten kann, wird das Brechzentrum im Gehirn unter Umständen ebenfalls stimuliert. Auch Stress, Aufregung oder Angst begünstigen bei nicht wenigen Menschen Übelkeit und Erbrechen.1

Wie sollte ich mich verhalten?

Wenn Sie unter anhaltender Übelkeit leiden, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren und ihn um ein Medikament bitten. Viele Krebspatienten essen unregelmäßig, deshalb kann es sinnvoll sein, Medikamente, die die Übelkeit lindern sollen, zu festen Zeiten einzunehmen, z. B. 1/2–1 Stunde vor den Mahlzeiten.

Trinken Sie viel.

Trinken Sie viel, etwa 2 Liter Flüssigkeit pro Tag. Vielen Menschen fällt es leichter, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, wenn sie Strohhalme verwenden. Probieren Sie es aus! Am besten trinken Sie klare Flüssigkeit (Soda, Mineralwasser, Eiswasser mit etwas Zitrone, Eistee, Apfelsaft, Sportgetränke), Sie können aber natürlich auch Cola versuchen oder etwas anderes, auf das Sie Lust haben. Trinken Sie in kleinen Portionen und vor allem zwischen den Mahlzeiten. Nehmen Sie zum Essen eine zu große Flüssigkeitsmenge zu sich, besteht die Gefahr, dass Sie sich aufgebläht fühlen können.

Eiskalte Getränke können lindernd wirken. Alternativ können Sie die Getränke auch zu Eiswürfeln einfrieren und diese lutschen.2

Vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit essen

Beginnen Sie den Tag mit dünnem Tee und einem Keks oder Zwieback im Bett. Nehmen Sie über den Tag verteilt kleine Mahlzeiten zu sich, essen Sie öfter, aber langsam. Essen Sie zu den Zeiten, in denen Sie sich am besten fühlen. Versuchen Sie, zu allen Mahlzeiten etwas zu essen. Die Übelkeit kann durch einen leeren Magen noch stärker werden. Lüften Sie das Zimmer vor der Mahlzeit gründlich durch.

Nehmen Sie „richtiges“ Essen zu sich.

Vermeiden Sie gebratenes und fettes Essen, stark gewürzte Gerichte sowie intensiv riechende Nahrungsmittel. Seien Sie auch bei Süßigkeiten vorsichtig. Verursacht der Geruch von warmem Essen Ihnen Übelkeit, bitten Sie um eine kalte Mahlzeit. Kalte Gerichte mit z. B. Garnelen, kaltem Fisch und Salat riechen wenig und sind nahrhafte Mahlzeiten. Sie können auch Lachsmousse, Obst und Hüttenkäse versuchen.

Im Allgemeinen sind am verträglichsten:

  • Lebensmittel mit niedrigem Fettgehalt (Obst, Gemüse, Fisch, mageres Fleisch),
  • trockene Lebensmittel (Zwieback, Kekse (vorzugsweise Reiscracker), Fladenbrot, Toast und Weißbrot) und
  • salzige Lebensmittel (Brezeln, Brühe). Saure Lebensmittel können die Übelkeit lindern (Gurken, saure Bonbons, Wasser mit Zitrone, frisches Obst, Joghurt).

Meiden Sie Ihre Lieblingsgerichte.

Solange Ihnen übel ist, sollten Sie Ihr Lieblingsessen vermeiden, sodass Sie später diese Gerichte nicht mit der Übelkeit assoziieren.

Frische Luft hilft

Frische Luft kann gegen Übelkeit helfen. Ein Spaziergang mit anderen kann außerdem die Aufmerksamkeit von den Ess-Problemen ablenken und vor den Mahlzeiten eine aufmunternde Abwechslung bieten. Denken Sie daran, das Zimmer vor dem Essen gründlich zu lüften.

Probieren Sie alles aus, was helfen könnte.

Nach dem Essen sollten Sie sich hinlegen und ausruhen, am besten mit erhöhtem Oberkörper, das Fenster geöffnet oder auf Kipp. Tragen Sie Kleidung, die nicht zu eng ist. Beobachten Sie, zu welchen Zeiten Ihnen übel wird und was die Übelkeit auslösen könnte (vor allem Lebensmittel, Ereignisse, Umgebungen). So können Sie ganz einfache Veränderungen ausprobieren, z. B. indem Sie zu einem anderen Zeitpunkt essen und andere Lebensmittel zu sich nehmen. Viele haben mit Musik zur Linderung der Übelkeit positive Erfahrungen gemacht.

Versuchen Sie auch andere Dinge, die Sie ablenken könnten, wie Radio- und TV-Sendungen, die Sie interessieren, oder Gespräche mit anderen über angenehme Themen.

Tipps bei Übelkeit

  • Trinken Sie viel, am besten klare Flüssigkeiten.
  • Beginnen Sie Ihren Tag mit trockenen Keksen und dünnem Tee.
  • Essen Sie bei jeder Mahlzeit wenig.
  • Nehmen Sie kalte Speisen zu sich, die nicht riechen.
  • Essen Sie langsam.
  • Achten Sie darauf, frische Luft zu bekommen, gehen Sie spazieren, wenn Sie können.

Medikamentöse Therapie

Verfügbar sind Arzneimittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Fachleute sprechen von sogenannten Antiemetika. Sie werden abhängig von der zu erwartenden Stärke und dem voraussichtlichen zeitlichen Verlauf von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt.
Solche Medikamente gegen Übelkeit sind in der Regel fester Bestandteil einer Chemotherapie sowie bei Strahlentherapien mit hohem Risiko für auftretendes Unwohlsein. Rund um eine Operation erhält man Arzneimittel eher erst dann, wenn Übelkeit und Erbrechen akut auftreten.
Bei Patienten mit höherem Risiko werden mehrere Arzneimitteln mit starker Wirkung eingesetzt. Wie die optimale Kombination jeweils aussieht, haben Fachleute in Leitlinien zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen dokumentiert. Eine solche Kombinationstherapie mit höchster Wirkstärke bekommen beispielsweise Patienten, die eine Chemotherapie mit Cisplatin erhalten.
Zu den Medikamenten mit höchster Wirkstärke zählen beispielsweise sogenannte 5-HT3-Serotonin-Rezeptorantagonisten oder NK1-Rezeptorantagonisten: Sie hemmen die Reizweiterleitung, die zum Erbrechen führt. Ergänzend zu diesen Arzneimitteln kommen außerdem sogenannte Kortikosteroide zum Einsatz. Wie sie genau bei Übelkeit und Erbrechen wirken, ist noch nicht abschließend geklärt, aber sie können helfen.
Daneben gibt es noch Antiemetika mit geringerer Wirkstärke: Dazu zählen beispielsweise sogenannte Dopaminrezeptor (D2)-Antagonisten, die direkt auf das Brechzentrum im Gehirn wirken. Bei therapiebedingtem Erbrechen sind sie nicht die Mittel der ersten Wahl für Krebspatienten. Sie spielen dagegen bei chronischer Übelkeit und chronischem Erbrechen eine Rolle, die im Verlauf einiger Erkrankungsformen Betroffene sehr belasten können.1

 

Weiterführende Informationen

Quellen

Referenzen

  1. Krebsinformationsdienst. Übelkeit bei Krebspatienten. Heidelberg 2015. www.krebsinformationsdienst.de
  2. Deutsche Krebshilfe. Ernährung bei Krebs. Die blauen Ratgeber, Band 46. Bonn 2015. www.krebshilfe.de

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln