Verstopfung bei Krebserkrankung

Viele Krebspatienten haben mit Verstopfung zu kämpfen, ein Problem, das im Verhältnis zur Ursache betrachtet werden muss. Einige Medikamente, vor allem die schmerzstillenden, können Verstopfung verursachen.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Fakten

  • Verstopfung führt zu seltenem, mühsamem und schmerzhaftem Stuhlgang, oft in Kombination mit Unwohlsein.
  • Viele Krebspatienten haben Beschwerden, die mit dem Magen-Darm-Trakt in Verbindung stehen. Verstopfungen sind sehr verbreitet.
  • Eine Verstopfung im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung ist häufig auf die Verwendung von Medikamenten, geringe körperliche Aktivität, reduzierte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, ungewohnte und unangenehme Toilettenbedingungen und Stoffwechselveränderungen zurückzuführen.
  • Das Ziel der Behandlung ist es, Verstopfungen vorzubeugen und die Beschwerden zu lindern.
  • Trinken Sie viel, essen Sie Vollkornbrot, Obst und Gemüse und sorgen Sie für tägliche Bewegung.
  • Die Mindestanforderung ist 1 Stuhlgang alle 3 Tage, auch wenn die Patienten wenig essen.

Diese Informationen sind an Krebspatienten und ihre Angehörigen gerichtet. Wir hoffen, dass auch andere, die mit der Ernährungsberatung von Krebspatienten zu tun haben, hier nützliche Informationen finden können.

Viele Krebspatienten haben mit Verstopfung zu kämpfen, ein Problem, das im Verhältnis zur Ursache betrachtet werden muss. Einige Medikamente, vor allem die schmerzstillenden, können Verstopfung verursachen. Das Problem kann allerdings auch aufgrund von Komplikationen in Verbindung mit der Krankheit oder der Behandlung auftreten, oder einfach, weil Sie zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. Verminderte körperliche Aktivität kann ebenfalls ein Faktor sein. Eine Verstopfung kann auch damit zusammenhängen, dass Sie weniger essen, als Sie es gewohnt sind.1

Die üblichen Maßnahmen gegen Verstopfung, wie zum Beispiel die Verwendung ballaststoffreicher Lebensmittel, können für einige Krebspatienten ungünstig sein. Sie sollten sich daher von Ihrem Arzt beraten lassen.

Trinken Sie viel, essen Sie viele Ballaststoffe.

  • Trinken Sie viel, ca. 2 Liter Flüssigkeit pro Tag. Denken Sie daran, zwischen den Mahlzeiten viel zu trinken.
  • Sie sollten auch die Menge an ballaststoffreicher Nahrung erhöhen. Vollkornbrot und Knäckebrot, frisches Obst und frisches Gemüse sowie getrocknete Früchte versorgen Sie mit den Ballaststoffen, die Sie benötigen. Beachten Sie aber, dass eine solche Ernährung für einige Patienten ungünstig ist.
  • Entscheiden Sie sich für Sauermilchprodukte (z. B. Buttermilch und Joghurt).
  • Probieren Sie auch Pflaumensaft oder ein paar Esslöffel Kleie, die Sie in Milchprodukten anrühren. Pflaumen können auch in getrockneter Form oder als Kompott verzehrt werden. Auch andere getrocknete Früchte, wie z. B. Aprikosen und Rosinen, können gegen Verstopfung helfen.

Körperliche Aktivität

Jede körperliche Bewegung hilft bei der Verdauung. Versuchen Sie daher jeden Tag eine kleine Runde zu drehen, auch wenn es nur in geschlossenen Räumen ist. Wenn Sie im Bett liegen müssen, können Sie versuchen, nacheinander die Beine anzuheben oder mit den Händen um ein Knie zu greifen und es nach oben an die Brust zu ziehen. Wenn Sie neben dem Bett stehen, können Sie versuchen, nacheinander die Knie anzuheben oder Kniebeugen zu machen.

Regelmäßige Toilettengewohnheiten

Regelmäßige Toilettengewohnheiten können dabei helfen, dass die Verdauung wieder normal funktioniert. Wenn Sie eine halbe Stunde bevor Sie normalerweise Stuhlgang haben etwas warmes trinken, kann dies ebenfalls eine positive Wirkung haben.

Tipps bei Verstopfung

  • Trinken Sie viel, mindestens 2 Liter täglich, aber vermeiden Sie süße Milch.
  • Trinken Sie saure Milchprodukte (Buttermilch und leichten Joghurt).
  • Essen Sie Vollkornbrot und Getreideprodukte.
  • Essen Sie frisches Obst, Obstsalat, Trockenfrüchte (vor allem Pflaumen), Gemüse und Beeren.
  • Achten Sie auf tägliche Bewegung und regelmäßige Toilettengewohnheiten.

Medikamente

Es werden weichmachende oder schmierende Mittel empfohlen oder solche, die das Darmvolumen erhöhen: Lactulose, Macrogol, flüssiges Paraffin. In einigen Fällen müssen diese mit darmstimulierenden Medikamenten kombiniert werden.

Allgemeine Empfehlungen

  • Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis, möglichst am Abend. Größere Dosen werden geteilt.
  • Ein harter Stuhl erfordert weichmache Medikamente.
  • Ein weicher Stuhl erfordert darmstimulierende Medikamente.
  • Wenn Durchfall auftritt, wird die Einnahme des Abführmittels für 1–2 Tage unterbrochen. Beginnen Sie danach erneut, evtl. mit der halben Dosis.
  • Wenn die Patienten eine Kombinationstherapie erhalten haben, kann es sinnvoll sein, die Einnahme des darmstimulierenden Mittels zu beenden.
  • Für die meisten Patienten ist ein 2- bis 3-maliger Stuhlgang pro Woche ein zufriedenstellendes Behandlungsziel.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Referenzen

  1. Deutsche Krebshilfe. Ernährung bei Krebs. Die blauen Ratgeber, Band 46. Bonn 2015. www.krebshilfe.de