Aseptische Nekrose

Die aseptische Nekrose stellt eine Komplikation nach Verletzungen in einem Gelenk dar. In der Regel ist das Hüftgelenk davon betroffen. Die Blutversorgung ist herabgesetzt und ein Bereich des Skeletts wird nicht ausreichend versorgt. In der Folge kommt es zum Absterben und Kollabieren von Knochengewebe. In der Hüfte ist der Hüftgelenkskopf betroffen. Man spricht auch von Hüftkopfnekrose.

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Was ist eine aseptische Nekrose?

Aseptische Nekrose ist die Bezeichnung für ein Absterben von Knochengewebe infolge einer gestörten Durchblutung in einem Bereich des Skeletts. Andere Bezeichnungen sind Osteonekrose oder Caputnekrose (insbesondere in Hüfte und Schulter). Die Störung führt zu kleinen Frakturen im Skelett und im schlimmsten Fall zu einer Schrumpfung der betroffenen Knochenbereiche.

Frakturen oder Luxationen können die Durchblutung beeinträchtigen und aseptische Nekrose nach sich ziehen. Eine aseptische Nekrose kann auch durch eine Langzeit-Therapie mit hohen Dosen Kortison oder Alkoholmissbrauch verursacht werden. In vielen Fällen wird aber keine Ursache gefunden.

Die Hüfte ist der Teil des Körpers, der am häufigsten von aseptischer Nekrose betroffen ist, insbesondere im Zusammenhang mit einer Hüftfraktur. Häufig kommt es zu einer allmählichen Verschlimmerung. Zum Erhalt der Funktion ist oft eine erneute Operation unvermeidbar.

Welche Symptome machen sich bei aseptischer Nekrose bemerkbar?

Aseptische Nekrose verursacht Schmerzen, insbesondere bei Belastung, außerdem ist die Beweglichkeit im betroffenen Gelenk herabgesetzt. Aseptische Nekrose tritt am häufigsten in folgenden Gelenken auf:

  • Hüftgelenk. Neben Schmerzen im Hüftgelenk werden auch Schmerzen beobachtet, die in die Leistengegend und den Oberschenkel bis hin zum Knie ausstrahlen.
  • Knie. Der Schmerz ist üblicherweise an der Innenseite des Knies lokalisiert und nimmt bei körperlicher Aktivität zu.
  • Schultergelenk. Im Schultergelenk treffen verschiedene Skeletteile aufeinander, in den meisten Fällen ist aber der Oberarmknochen (Humerus) von aseptischer Nekrose betroffen.

Gelegentlich wird aseptische Nekrose sowohl in beiden Hüften als auch beiden Knien beobachtet. Die Symptome setzen unter Umständen schneller ein, wenn eine Verletzung zugrunde liegt. Gewöhnlich entwickeln sich Schmerzen und Steifheit langsam über mehrere Monate oder Jahre. Manche Menschen mit aseptischer Nekrose haben keinerlei Beschwerden.

Andere Gelenke, die gelegentlich von aseptischer Nekrose heimgesucht werden, sind Kiefer-, Knöchel- und Handgelenke, sowie die Gelenke in Füßen, Händen und Rücken.

Ursache

Aseptische Nekrose kann sich infolge einer unzureichenden Blutversorgung in einem Bereich des Skeletts entwickeln. Mögliche Ursachen hierfür sind:

  • Gelenkverletzungen. Bei Frakturen und Luxationen können benachbarte Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen werden. Ohne eine gleichmäßige Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen sterben Knochenzellen ab.
  • Verengung der Blutgefäße. Die Blutzufuhr zu einem Bereich des Skeletts kann infolge einer Verengung oder Blutgerinnseln in den Blutgefäßen herabgesetzt sein.
  • Innendruck in einem Skelettabschnitt. Einige Erkrankungen wie Calvé-Legg-Perthes Krankheit oder Gaucher-Krankheit bewirken einen Anstieg des Innendrucks in Skelettbereichen, wodurch die Blutzufuhr behindert wird.

Prädisponierende Faktoren

Die beiden wichtigsten Risikofaktoren für aseptische Nekrose sind:

  • Kortikosteroide. Menschen, die sich einer Langzeit-Therapie mit hohen Dosen Kortison unterziehen, beispielsweise aufgrund von chronischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und SLE, tragen ein erhöhtes Risiko, an aseptischer Nekrose zu erkranken.
  • Hoher Alkoholkonsum. Ein erheblicher Alkoholkonsum über viele Jahre führt zu Fettablagerungen in den Arterien. Dadurch kann die Durchblutung von Knochengewebe beeinträchtigt werden.

Personen, die Bisphosphonate, Medikamente zur Behandlung von Osteoporose (Knochenschwund) anwenden, entwickeln gelegentlich Osteonekrose des Kiefers. Besonders hoch ist das Risiko bei Patienten, die Bisphosphonate in hohe Dosen intravenös erhalten haben, um Schädigungen aufgrund einer Krebserkrankung im Skelett entgegenzuwirken.

Es gibt zahlreiche Therapien, die zu einer Schwächung von Knochengewebe führen und auf diese Weise mit einem erhöhten Risiko für aseptische Nekrose einhergehen. Solche Therapiemaßnahmen sind unter anderem:

  • Krebsbehandlung in Form von Chemo- oder Strahlentherapie.
  • Dialyse, eine Behandlung zur Blutwäsche bei Patienten mit Nierenversagen.
  • Nach Organtransplantationen, z. B. einer Nierentransplantation.

Diagnostik

Zahlreiche Erkrankungen können Gelenkschmerzen verursachen. Um eine korrekte Diagnose zu stellen, sind bildgebende Verfahren erforderlich.

  • Röntgen: Im Frühstadium von aseptischer Nekrose ist der Röntgenbefund unauffällig, in späteren Stadien lässt sich der Erkrankungszustand im Röntgenbild deutlich erkennen.
  • MRT. Die Untersuchung kann frühe Skelettveränderungen ans Licht bringen, die auf aseptische Nekrose hindeuten.
  • Skelettszintigrafie. Zur Erzeugung solcher Bilder wird eine kleine Menge einer radioaktiven Substanz in eine Vene injiziert. Die Substanz konzentriert sich anschließend in den Bereichen des Skeletts, die von der Krankheit betroffen sind.

Komplikationen

Unbehandelt schreitet die aseptische Nekrose fort und führt zur Zerstörung des betroffenen Skelettbereiches. Schließlich ist der betroffene Knochen derart geschwächt, dass es zum Bruck kommt; Schmerzen und eine Funktionsbeeinträchtigung sind die Folge. Unbehandelt kann aseptische Nekrose innerhalb von zwei bis fünf Jahren zu erheblichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.

Therapie

Therapieziel bei aseptischer Nekrose ist es, einem weiteren Verlust von Knochengewebe vorzubeugen. Die Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der bereits eingetretenen Skelettschäden. Im Frühstadium der aseptischen Nekrose reicht häufig eine konservative Therapie aus. In späteren Krankheitsstadien ist eine Operation häufig unvermeidbar.

Empfehlungen für Patienten

Entlastung. Eine Entlastung des erkrankten Knochens kann das Ausmaß der Schäden bei aseptischer Nekrose reduzieren. Sie sollten Ihre körperliche Aktivität beschränken, aber ihr Training gleichzeitig entsprechend anpassen, siehe unten. Bei aseptischer Nekrose der Hüfte oder des Knies sollten Sie über mehrere Monate von Krücken zur Entlastung des betroffenen Gelenks Gebrauch machen.

Übungen. Einige Übungen können helfen, die Beweglichkeit der Gelenke beizubehalten oder zu verbessern. Physiotherapeuten werden Ihnen geeignete Übungen zeigen und Sie anleiten.

Medikamentöse Therapie

Entzündungshemmende Medikamente (NSAR-Präparate) können Schmerzen und Entzündungen im Zusammenhang mit aseptischer Nekrose lindern. Bisphosphonate (Medikamente zur Therapie von Osteoporose) können die Entwicklung von aseptischer Nekrose verzögern.

Operation

Der Chirurg entfernt Teile des beschädigten Knochengewebes. Dadurch kann der Druck im Knochen gesenkt und die Schmerzen vermindert werden. Der Eingriff stimuliert die Bildung neuer Blutgefäße in den Knochen und die Produktion von neuem Knochengewebe. Häufig wird die Operation mit einem Knochentransplantat kombiniert. Dazu entnimmt der Chirurg gesundes Knochengewebe aus einem anderen Teil des Körpers und platziert es in dem durch aseptische Nekrose beschädigten Bereich.

Eine andere Methode ist die Osteotomie, bei der der Chirurg den Knochen durchtrennt, um die Belastung des erkrankten Knochengewebes zu reduzieren. Diese Operationsmethode ist vor allem bei jüngeren Patienten mit ausgeprägten Veränderungen infolge von aseptischer Nekrose angezeigt. Der Therapieerfolg der genannten Operationsverfahren ist uneinheitlich, sie haben jedoch den Vorteil, dass das natürliche Gelenk erhalten bleibt. Diese Verfahren kommen vorwiegend bei jüngeren Patienten zum Einsatz, um eine etwaige Implantation eines künstlichen Gelenks aufzuschieben.

Ein künstliches Gelenk bedeutet immer einen nicht rückgängig zu machenden Eingriff, der aber gewöhnlich mit guten Ergebnissen verbunden ist. Dieses Verfahren wird daher vorwiegend bei Patienten mittleren Alters und älteren Menschen angewendet. Nach jeder Operation dauert es einige Monate, um wieder in Form zu kommen.

Prognose

Die Prognose der aseptischen Nekrose hängt davon ab, wie weit die Erkrankung bei Diagnosestellung fortgeschritten ist, und ob eine Grunderkrankung vorliegt. Mehr als die Hälfte der Patienten müssen sich innerhalb von drei Jahren nach Diagnosestellung einer Operation unterziehen. Ungünstige prognostische Faktoren sind Alter über 50 Jahre, umfassende Veränderungen bei Diagnosestellung sowie eine Langzeit-Therapie mit Kortison in der Vergangenheit.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln