Sportlerleiste

Eine Sportlerleiste ist eine schmerzhafte Verletzung, die häufig bei Fußballspielern auftritt. Es handelt sich um eine Verletzung von Muskulatur und Bindegewebe rund um die Leiste.

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Was ist eine Sportlerleiste?

Sie äußert sich durch lästige Leistenschmerzen, am häufigsten bei Fußballspielern. Es handelt sich um eine Verletzung der Muskulatur und des Bindegewebes rund um die Leiste. Im Englischen wird die Sportlerleiste nach dem Chirurgen Jerry Gilmore, der das Syndrom als erster im Jahr 1980 beschrieben hat, auch „Gilmore's Groin“ genannt.

Fußballspieler sind, unabhängig vom Niveau, ziemlich oft betroffen. Die Sportlerleiste kommt aber auch bei anderen Sportarten häufig vor, wie beim Langstreckenlauf, Eishockey, Rugby und American Football. Männer sind häufiger betroffen als Frauen (9:1), und am häufigsten tritt die Verletzung in der Altersgruppe der 22- bis 33-Jährigen auf.

Ursachen

Die Sportlerleiste wird durch chronische, wiederkehrende leichte Verletzungen oder das Dehnen und Strecken von Muskeln und Sehnenansätzen in der Leiste verursacht. Die Verletzung entsteht in der Regel schleichend ohne plötzliche oder dramatische Schmerzen. Die Schmerzen, die sich im Laufe der Zeit entwickeln, stammen von Druck auf die schwache Wand im Leistenkanal gegen dessen Inhalt. Eine Überlastung scheint bei plötzlichen Wendungen, schnellen Sprints und Drehungen mit hoher Geschwindigkeit zu entstehen.

Die ursprüngliche Verletzung ist wahrscheinlich ein akuter Riss in der hinteren Wand des Leistenkanals. Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen können eine Entzündung im Sehnenansatz des Schambeins (Osteitis pubis) und gerissene Muskelfasern auf der Innenseite des Oberschenkels (Adduktorenmuskulatur) sein.

Die Experten sind sich nicht einig, welcher Mechanismus die Verletzung eigentlich verursacht.

Symptome

Die Symptome sind Leistenschmerzen bei sportlichen Aktivitäten mit hoher Intensität, vor allem bei schnellen Wendungen und Drehungen – z. B. bei Dribblings und Körpertäuschungen. Bei schnellen Spurts und kräftigen Schüssen werden die Schmerzen deutlich stärker. Der Schmerz strahlt im Allgemeinen in die Innenseite des Oberschenkels aus, möglicherweise auch in die Hoden. Für den Betroffenen ist es oft schwierig anzugeben, wo genau der Schmerz lokalisiert ist.

Nach sportlichen Aktivitäten fühlt sich der Sportler steif und hat Schmerzen in der Leistengegend. Am Tag nach der sportlichen Aktivität kann er Schwierigkeiten haben, aus dem Bett aufzustehen oder aus einem Auto zu steigen.

Jede Aktivität, die den Druck im Bauchraum erhöht, wie Husten, Niesen oder sportliche Aktivitäten, verursacht Leistenschmerzen. Einige Betroffene können schließlich ein Unbehagen spüren, wenn sie beim Gang auf die Toilette stark pressen.

In einem frühen Stadium der Verletzung können die sportlichen Aktivitäten weiter ausgeführt werden, aber die Beschwerden verschlimmern sich in der Regel. Es wird schließlich unmöglich zu trainieren oder an Wettkämpfen teilzunehmen.

Diagnostik

Es kann manchmal schwierig sein, eine Diagnose zu stellen, aber bei typischen Fällen, wie Spitzensportlern, kann die Diagnose einfach sein. Die Anamnese begründet einen Verdacht auf Sportlerleiste. Bei der medizinischen Untersuchung kann der Arzt einen Leistenbruch ausschließen. Typischerweise tritt der Schmerz beim Husten und Niesen auf, sowie bei Bauchmuskelübungen („Sit-ups“ oder „Crunches“) und beim Zusammendrücken der Beine.

In einigen Fällen möchte der Arzt weitere Untersuchungen mit Ultraschall oder MRT machen. Ein erfahrener Arzt kann mit dem Ultraschall einen versteckten Bruch erkennen. Eine MRT kann sichtbare Veränderungen in der Muskulatur nachweisen, aber die Untersuchung gibt nur selten zuverlässige Antworten. Weder Ultraschall noch MRT sind gute Untersuchungen bei einer Sportlerleiste.

Wann wird ein Arztbesuch empfohlen?

Wenn Sie regelmäßig Sport treiben und mit der Zeit zunehmende Leistenschmerzen haben, sollten Sie nicht damit warten, einen Arzt aufzusuchen. Je länger Sie warten, und je länger Sie dem Schmerz trotzen, desto länger wird es dauern, bis Sie wieder schmerzfrei sind.

Manchmal wird der Arzt zunächst empfehlen, dass Sie auf Sport verzichten oder dass Sie Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten machen. Wenn dies nicht zu einer Besserung führt, sollten Sie an einen Chirurgen überwiesen werden.

Spitzensportler sollten gleich an einen Chirurgen (Orthopädie) überwiesen werden, weil die Behandlungsalternativen selten zufriedenstellend sind und im besten Fall bedeuten, dass der Sportler nach einer langen Zeit wieder aktiv sein kann.

Behandlung

Am Anfang ist die einfachste Maßnahme Ruhe, wobei eventuell drei- bis viermal am Tag Kühlung mit Eis für etwa 20 bis 30 Minuten erfolgen sollte. Entzündungshemmende Medikamente (NSAR) können die Beschwerden ebenfalls eindämmen. Bei einigen hilft eine Kortisoninjektion in die Umgebung der Leiste. Allerdings wird der Sportler nach einer solchen Ruhephase häufig einen Rückfall der Symptome erleiden, wenn er sein Training wieder aufnimmt. Dann ist die operative Behandlung eine Möglichkeit.

Konservative Therapie

Eine konservative Behandlung ist für die meisten Patienten eine vorübergehende Behandlung, bis eine Operation durchgeführt werden kann. Unter der Leitung eines Physiotherapeuten machen Sie Übungen, die den Beckenbereich stabilisieren und stärken. Die Übungen können im besten Fall die Verschlechterung der Symptome stoppen.

Eine Studie mit Sportlern mit langwierigen Leistenschmerzen, die von den Muskeln auf der Innenseite des Oberschenkels (Adduktoren) ausgehen, zeigt, dass ein aktives Trainingsprogramm mit dem Ziel, die Kraft und Koordination der Muskeln im Becken zu stärken, eine gute Wirkung hatte.

Spezielle Hosen, Kompressionsshorts, können helfen, die Symptome bei sportlichen Aktivitäten zu lindern, bis die Operation durchgeführt werden kann. Es sollte aber bedacht werden, dass sportliche Aktivitäten die Heilungszeit verlängern können.

Operation

Um die Sportlerleiste zu heilen, ist eine Operation notwendig, auch wenn es an Qualitätsstudien mangelt, die dies bestätigen. Es ist auch ein Dilemma, dass es keinen Konsens darüber gibt, welche Art von Verletzung eigentlich vorliegt, und damit auch darüber, welche Art des Eingriffs am besten geeignet ist.

Zu einer erfolgreichen Operation gehören eine genaue Diagnose, die genaue Behebung der Verletzung und die Nachbehandlung in Form eines standardisierten Rehabilitationsprogramms. Bei dem Eingriff wird die Rückwand des Leistenkanals gestärkt, indem ein Netz eingesetzt wird. Der Eingriff kann als offene Operation oder mit laparoskopischer Technik durchgeführt werden.

Rehabilitation

Nach der Operation ist es wichtig, dass Sie in der ersten Zeit schnelle Drehungen und Wendungen vermeiden. Sie sollten sich vom ersten Tag an bewegen. Es wird empfohlen, die Belastung nach und nach zu steigern, und zwar mit Übungen für die Muskeln, die das Becken stabilisieren und die Beweglichkeit und Kräftigung fördern.

Nach einer offenen Operation wird empfohlen, die Muskulatur der Bauchwand vier bis sechs Wochen zu schonen. Bei dem laparoskopischen Einsetzen eines Netzes können Sie nach zwei bis vier Wochen wieder mit dem Training beginnen. Auch hierbei ist eine vorsichtige und allmähliche Steigerung des Krafttrainings geboten. Normalerweise können Sportler ihre sportlichen Aktivitäten nach zwei bis drei Monaten wieder vollständig ausführen.

Amerikanische Empfehlungen schlagen vor, schon nach 10–14 Tagen mit dem Joggen zu beginnen, Sprints können nach drei Wochen wieder durchgeführt werden. Danach wird schrittweise wieder mit dem spezifischen Training der Sportart begonnen. Mit Wettkämpfen kann in der Regel nach etwa fünf Wochen begonnen werden.

Am Tag nach einer sportlichen Aktivität können Steifheit und Unbehagen auftreten. Es wird deshalb empfohlen, jeden Tag etwas Sport zu treiben, um diese Beschwerden zu lindern.

Prävention

Übungen zur Stärkung und Stabilisierung können die Muskelfunktion im Bauch und Becken verbessern. Übungen auf einer Matte mit einem großen Gymnastikball, auf dem man sitzt (Swissball), und Fitnessbänder sind ideal, weil sie die Muskulatur und Stabilität stärken und den starken Kräften entgegenwirken können, die auf den unteren Teil des Bauchs und das Becken wirken. Derartig vorbeugendes Training kann das Risiko für eine Sportlerleiste reduzieren.

Prognose

Patienten/Sportler, die ohne Behandlung auf die Ausübung ihres Sports bestehen, müssen damit rechnen, dass es viel länger dauert, Verletzungen in der Leistengegend zu heilen.

Nach der chirurgischen Behandlung geht es bis zu 90 % der Patienten besser, auch wenn bei einigen Rückfälle auftreten können. Das Ergebnis scheint nicht von der verwendeten operativen Methode abzuhängen.

Weitere Informationen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sportlerhernie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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