Ellenbogenverletzung bei Kleinkindern

Kleinkinder werden manchmal so stark am Arm gezogen, dass das Speichenköpfchen aus seiner Position im Ellenbogen gezogen wird. Die Erkrankung führt zu unmittelbaren Schmerzen im Ellenbogen des Kindes.

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Das Köpfchen der Speiche wird herab- und teilweise aus dem Gelenk gezogen. Die Verletzung tritt in der Regel bei Kindern unter 5 Jahren auf und kommt bei etwa 1 % der Kinder in diese Alter vor; bei Mädchen häufiger als bei Jungen.

Ursachen

Typischerweise tritt die Verletzung auf, wenn ein Erwachsener kräftig am ausgestreckten Arm eines Kindes zieht, zum Beispiel wenn man ein Kind an der Hand hält und plötzlich nach oben zieht (oder das Kind versucht sich loszureißen). Der Mechanismus: Die Speiche (das Radiusköpfchen) des Unterarms wird teilweise aus ihrer Position im Ellenbogengelenk gezogen. Dabei werden einige Fasern in dem Band um den Knochen verschoben, sodass das Knochenköpfchen nicht ohne weiteres wieder an seinen Platz zurückrutschen kann.

Symptome

Typischerweise wird das Kind den Arm nicht benutzen wollen, weil er schmerzt. Das Kind hält den Arm in der Regel leicht gebeugt, die Handfläche ist dem Körper zugewandt.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand einer typischen Anamnese und der charakteristischen Befunde gestellt. Druck auf das Radiusköpfchen ist schmerzhaft und die Schmerzen im Ellenbogen werden stärker, wenn der Arzt versucht, den Ellenbogen des Kindes zu bewegen oder gar den Unterarm nach außen zu drehen, sodass die Handfläche nach oben bzw. vom Körper weg zeigen würde. Eine Röntgenuntersuchung ist nicht notwendig, solange kein Verdacht auf einen Knochenbruch oder andere Verletzungen besteht.

Therapie

Sind die Symptome und Befunde typisch, kann das ärztliche Personal ohne weitere Untersuchungen das Radiusköpfchen wieder in seine korrekte Lage zu bringen (Reposition), ohne dabei Strukturen im Ellenbogen zu schädigen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Bei der übermäßigen Pronation stützt der Arzt/die Ärztin den Ellenbogen mit der einen Hand und umfasst den Unterarm mit anderen. Dann dreht er/sie den Unterarm maximal nach innen (Pronation), sodass die Handfläche des Kindes nach unten zeigt. In der Regel ist das schmerzhaft für das Kind, doch geht der Schmerz schnell vorüber, und es kann seinen Arm normalerweise innerhalb von 15 Minuten wieder benutzen.
  • Eine Reposition kann auch bei gebeugtem Ellenbogen und durch Rotation des Unterams nach außen durchgeführt werden (sodass die Handfläche des Kindes nach oben weist) – doch glückt diese Methode nicht ganz oft wie die erstgenannte gleich beim ersten Versuch.

Prognose

Die Prognose ist sehr gut – auch unbehandelt –, da die Fehlstellung der Regel nach 1–2 Tagen von selbst korrigiert wird. Dennoch wird empfohlen, einen Arzt aufzusuchen, da das Kind möglichst wenig Schmerzen erleiden soll und man so sicherstellt, dass die Speiche auch tatsächlich wieder in ihre richtige Position gelangt. Nach einer solchen Episode sollte das Kind nicht mehr an den Armen gezogen werden, da es anfälliger für eine erneute Verletzung ist.

Weitere Informationen

Illustrationen

Ellenbogengelenk
Ellenbogengelenk

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Radiusköpfchen-Subluxation. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Welch R, Chounthirath T, Smith GA. Radial Head Subluxation Among Young Children in the United States Associated With Consumer Products and Recreational Activities. Clin Pediatr (Phila) 2017; 56(8): 707. pmid:28589762 PubMed
  2. Vitello S, Dvorkin R, Sattler S, Levy D, Ung L. Epidemiology of nursemaid's elbow. West J Emerg Med 2014; 15(4): 554. pmid:25035767 PubMed
  3. Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR). Bewegungseinschränkung bei Kindern - Bildgebende Diagnostik. AWMF-Leitlinie Nr. 064 - 008, Stand 2017. www.awmf.org
  4. Teach SJ, Schutzman SA. Prospective study of recurrent radial head subluxation. Arch Pediatr Adolesc Med 1996; 150: 164-6. PubMed