Ganglion

Ein Ganglion ist eine Zyste – eine flüssigkeitsgefüllte Geschwulstbildung umgeben von einer Membran – mit geleeartigem Inneren. Ganglien entwickeln sich ausgehend von einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide.

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Was ist ein Ganglion?

Das Ganglion tritt als meist 1–2 cm große Schwellung oder Kugel in Erscheinung, oft über dem Handgelenk (siehe Bild). Es kann sich aber auch über dem Fingergelenk oder über Sehnenscheiden an der Unterseite des Handgelenks bzw. der Finger zeigen. Bemerkbar macht sich das Ganglion durch sein Aussehen, in Einzelfällen kann es auch Schmerzen verursachen, wenn es unter Spannung steht. Selten entstehen Ganglien an anderen Stellen als den Händen, zum Beispiel an den Füßen.

Sie treten bei beiden Geschlechtern in allen Altersgruppen auf, am häufigsten in der Altersgruppe der 20- bis 50-Jährigen. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer.

Ursachen

Die Ursache für Ganglien ist nicht gesichert. Anteile einer Gelenkkapsel oder einer Sehnenscheide können sich ohne offensichtlichen Auslöser ausstülpen, mit Flüssigkeit füllen und als Ganglion tastbar werden. Bei manchen Menschen ist die Neigung ein Ganglion zu entwickeln angeboren und hat dann mit Strukturdefekten der Gelenkkapseln bzw. Sehnenscheiden zu tun. Davon abgesehen scheint die wiederholte einseitige zu starke Belastung zum Beispiel des Handgelenks ein Risikofaktor zu sein.

Diagnostik

Ganglion

Ganglien können als deutliche Schwellungen oder in Form von (Hand-)Gelenkschmerzen in Erscheinung treten. Die Diagnose lässt sich anhand der Schwellung an typischer Stelle und der Beschwerden stellen. Weitere Tests oder Untersuchungen sind in der Regel nicht notwendig.

Bei unklaren Schmerzen im Handgelenk kann jedoch eine MRT und/oder Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein, um zu klären, ob Veränderungen im Gelenk vorliegen. Im Zusammenhang mit solchen Untersuchungen wird bisweilen ein Ganglion erst entdeckt.

Therapie

Ein Ganglion kann von selbst zurückgehen, es kann aber auch plötzlich wieder auftauchen. Daher ist es sinnvoll, zurückhaltend mit einer eventuellen Behandlung zu sein, wenn die Schwellung nicht schmerzhaft ist oder die Funktionalität des Handgelenks oder der Finger beeinträchtigt. Verursacht die Erkrankung Beschwerden, kann eine Behandlung angezeigt sein.

Die einfachste Behandlung besteht darin, dass das ärztliche Personal die Zyste mit einer Nadel punktiert und den geleeartigen Inhalt heraussaugt. Nachdem die Zyste entleert ist, kann es notwendig sein, Kortison in die Überreste der Zyste zu injizieren, um das Rückfallrisiko zu verringern. Dennoch bildet sich ein Ganglion bei vielen Patienten erneut. Die Ergebnisse zum Rückfallrisiko verschiedener Studien divergieren; je nach Studie liegen die Erfolgsaussichten bei 30–70 %.

Im Zuge einer anderen Technik wird eine Substanz (Hyaluronidase) injiziert, die die Konsistenz der Zyste flüssiger macht, was ein Absaugen des Inhalts anschließend vereinfacht.

Bleiben diese Therapieversuche erfolglos und bestehen starke Schmerzen, kann man eine Operation in Erwägung ziehen. Operative Eingriffe gelten als sehr effektiv, doch bei manchen Patienten kann sich trotzdem anschließend erneut ein Ganglion bilden.

Prognose

Ein Ganglion ist eine harmlose Erkrankung. Bei den meisten Betroffenen verursacht die Erkrankung geringe Beschwerden und muss normalerweise nicht behandelt werden. Die Zysten können aber in ihrer Größe variieren. In Einzelfällen können Ganglien Druck auf Nerven der Hand ausüben und so Taubheitsgefühle oder eine Lähmung der Handmuskeln auslösen.

In vielen Fällen gehen die Ganglien von selbst zurück. Eine Operation führt bei vielen Patienten zur Heilung, bei anderen jedoch treten Ganglien auch nach einem solchen Eingriff wieder auf.

Weiterführende Informationen

  • Ganglion – für ärztliches Personal

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ganglion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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