Protheseninfektion in Knochen und Gelenken

Wenn kurz nach der Implantation einer Prothese Schmerzen und Beschwerden auftreten, sollte immer in Erwägung gezogen werden, dass eine Infektion die Ursache sein kann.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist eine Prothese?

Prothesen werden in Knochen und Gelenke implantiert, wenn diese zerstört sind und nicht von sich aus wieder heilen bzw. zusammenwachsen können. Ursachen dafür können Knochenbrüche (z. B. Oberschenkelhalsbruch, v. a. bei älteren Personen) oder Verschleiß-/Abnutzungserscheinungen sein (z. B. Arthrose im Kniegelenk). Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks ist die häufigste Prothesenoperation. Die Hüftprothese kann aus einem neuen Oberschenkelhals bestehen, das heißt, dass der obere Teil des Oberschenkelknochens durch ein speziell entwickeltes Metallstück ersetzt wird. Alternativ kann man dabei auch zusätzlich die Gelenkpfanne des Hüftknochens (Hüftpfanne) auskleiden, das heißt, ein Hüftgelenkersatz bzw. eine Vollprothese wird implantiert. Das künstliche Hüftgelenk soll dann für mehrere Jahre oder möglichst bis ans Lebensende im Körper verbleiben.

Infektion im Bereich der Prothese

Manchmal kommt es zu einer Infektion im Knochen rund um die Prothese. Die Infektion kann durch Bakterien verursacht werden, die bei der Operation oder während der Wundheilung eingeschleppt wurden, oder es kann sich um eine Ausbreitung von Bakterien aus einem anderen Bereich des Körpers handeln, die über die Blutbahn zur Prothese gelangt sind. Im letzteren Fall kann sich eine solche Infektion dann grundsätzlich bei jeder bakteriellen oder viralen Infektion des Betroffenen (etwa eine Harnwegsentzündung) auf die Umgebung der Prothese ausbreiten, auch noch Jahre nach Einsetzen der Prothese.

Manchmal handelt es sich um akute Infektionen, die als Wundinfektion mit Schmerzen und Beschwerden ein paar Wochen nach dem Einsetzen der Prothese auftreten. Entwickeln sich die Beschwerden innerhalb von 3 Monaten nach der Operation, spricht man von einer Frühinfektion; Auslöser sind dann während der Operation oder bei der Wundheilung verbliebene Keime. Die sogenannte verzögerte Infektion tritt innerhalb von 3 Monaten bis 2 Jahren nach dem Eingriff auf und wird ebenfalls durch Keime ausgelöst, die während oder kurz nach der Operation in die Wunde gelangt sind. Diese Keime breiten sich aber entsprechend langsamer aus. Eine derartige Infektion kann sich auch über lange Zeit hinweg entwickeln und, zumindest anfänglich, nur geringe Beschwerden verursachen.

Als späte Infektion bezeichnen Ärzte ein solches Krankheitsbild, wenn die Beschwerden später als 2 Jahre nach dem Einsatz der Prothese auftreten. In diesen Fällen sind die Erreger von einem anderen Infektionsort im Körper über die Blutbahn in den Bereich der Prothese gelangt.

Diagnose

Wenn kurz nach der Implantation einer Prothese Schmerzen, Schwellung, Rötung und Beschwerden im Bereich des Gelenks, oft auch Fieber auftreten, sollte immer in Erwägung gezogen werden, dass eine Infektion die Ursache sein kann. Röntgenbilder sind in solchen Fällen oft hilfreich für die Diagnose; Blutuntersuchungen geben Hinweise auf eine Infektion. Die wichtigste Untersuchung ist in diesem Fall, Proben des Gewebes um die Prothese herum zu entnehmen. Das muss schnell erfolgen, da bei nicht schnell einsetzender Therapie ansonsten die Prothese ggf. wieder entfernt werden muss. Die Untersuchung erfolgt durch Absaugen von Gewebe/Flüssigkeit aus dem Gelenk mit einer dünnen Nadel. Die Probe wird auf Anzeichen von Entzündungen und auf Bakterien untersucht. Wenn Bakterien festgestellt werden, muss der Patient akut operiert werden. Der Bereich um die Prothese wird gereinigt, aber die Prothese wird möglichst belassen und eine spezifische Antibiotikabehandlung wird eingeleitet. Diese Therapie ist oft erfolgreich, wenn die Operation erst wenige Wochen her ist.

Eine verzögerte Infektion zeigt sich seltener mit Fieber, im Vordergrund stehen Schmerzen in Ruhe und bei Bewegung. Im Rahmen der Infektion lockert sich das künstliche Gelenk häufig.

Hat der Patient über mindestens 2 Jahre keine Beschwerden/Schmerzen und kann sein Gelenk gut bewegen, klagt jedoch plötzlich über Schmerzen, Rötung, Schwellung und evtl. Fieber im Sinne einer Infektion, handelt es sich um eine Spätinfektion.

Therapie

Etwa 1 % der Patienten, die eine Gelenkprothese erhalten, müssen aufgrund einer Infektion in diesem Bereich operiert werden.

Wenn die Entzündung früh diagnostiziert wird, die Operation mit Reinigung schnell erfolgt, und die Antibiotikabehandlung zufriedenstellend funktioniert, lässt sich in 90–95 % der Fälle die Prothese erhalten. Sollte es doch nötig sein, die Prothese auszuwechseln, dann stehen bei geeigneter Therapie die Chancen gut, die Infektion effektiv zu bekämpfen und ein neues funktionierendes Gelenk zu erhalten.

Im Rahmen der Operation wird der Chirurg das Gebiet reinigen, d. h. totes Gewebe und entzündliche Veränderungen entfernen. Danach muss der Bereich ruhiggestellt werden und der Patient wird intensiv mit Antibiotika behandelt. Am Anfang muss die Behandlung direkt in die Blutbahn verabreicht werden (Infusion), mit der Zeit kann das Medikament jedoch in den meisten Fällen in Form von Tabletten eingenommen werden. Diese Behandlung dauert in der Regel mehrere Wochen. 

Manchmal ist es schwierig, die Bakterien zu beseitigen, unter anderem in Fällen, in denen die Prothese nicht entfernt werden kann. Dann kann eine lebenslange Antibiotikabehandlung erforderlich sein, um die Infektion zu dämpfen.

In manchen Fällen kann man bereits bei der ersten Operation, bei der Reinigung durch den Chirurgen, eine neue Prothese einsetzen. Manchmal wird man sich entscheiden, die Prothese zu entfernen und erst in einem zweiten Eingriff eine neue einzusetzen. Während dieser Zeit kann ein spezieller Zement, der mit Antibiotika imprägniert ist, die Knochen im Bereich des Gelenks stabilisieren.

Gelegentlich kann keine neue Prothese eingesetzt werden und dann ist der Chirurg gezwungen, das Gelenk zu versteifen, um Kontrolle über die Infektion zu gewinnen. Dann sind die Patienten auf einen Stock/Krücken angewiesen.

Prognose

Die Prognose hängt von vielen Parametern ab, unter anderem Alter und Gesundheitszustand des Patienten, der Aggressivität der Bakterien, dem Ausmaß der entstandenen Schäden davon, wie (recht)zeitig eine wirksame Therapie begonnen wurde.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Protheseninfektion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Zimmerli W, Trampuz A, Ochsner PE. Prosthetic-joint infections. N Engl J Med 2004;351:1645-54. New England Journal of Medicine
  2. Sendi P, Zumstein MA, Zimmerli W. Periprosthetic joint infections - a review for general practitioners. Praxis 2011; 100(13): 787-92. pmid:21698564 PubMed
  3. Del Pozo JL, Patel R. Clinical practice. Infection associated with prosthetic joints. N Engl J Med 2009; 361:787. New England Journal of Medicine
  4. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU). Bakterielle Gelenkinfektionen. AWMF-Leitlinie Nr. 012-010, Stand 2014. www.awmf.org
  5. Trampuz A, Hanssen AD, Osmon DR, et al. Synovial fluid leukocyte count and differential for the diagnosis of prosthetic knee infection. Am J Med 2004; 117:556. PubMed
  6. Bernard L, Lübbeke A, Stern R, et al. Value of preoperative investigations in diagnosing prosthetic joint infection: retrospective cohort study and literature review. Scand J Infect Dis 2004; 36:410. PubMed
  7. Fitzgerald RH Jr. Total hip arthroplasty sepsis: Prevention and diagnosis. Orthop Clin North Am 1992; 23: 259. PubMed
  8. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU). Akute und chronische exogene Osteomyelitis langer Röhrenknochen des Erwachsenen. AWMF-Leitlinie Nr. 012-033, Stand 2018. www.awmf.org
  9. Douglas R. Osmon, Elie F. Berbari, Anthony R. Berendt, Daniel Lew, Werner Zimmerli, James M. Steckelberg, Nalini Rao, Arlen Hanssen,Walter R. Wilson. iagnosis and Management of Prosthetic Joint Infection: Clinical Practice Guidelines by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. (2012). cid.oxfordjournals.org