Verletzung des hinteren Kreuzbands

Eine Verletzung des hinteren Kreuzbands ist seltener als eine Verletzung des vorderen Kreuzbands. Die Verletzung wird manchmal übersehen. Die meisten Verletzungen des hinteren Kreuzbands müssen nicht operiert werden.

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Was ist das hintere Kreuzband?

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Knie mit Kreuzband, Menisken und Knie-Seitenband

Kreuzbänder sind Bänder innerhalb des Kniegelenks. Im Knie gibt es zwei Kreuzbänder; ein vorderes und ein hinteres. Die Kreuzbänder sind mit dem Oberschenkelknochen (Femur) und dem Unterschenkelknochen (Tibia) verbunden und halten diese Knochen zusammen. Die Funktion der Kreuzbänder ist die Stützung und Stabilisierung des Knies. Das hintere Kreuzband ist ungefähr doppelt so stark wie das vordere und es verhindert, dass der Unterschenkel im Verhältnis zum Oberschenkelknochen zu weit nach hinten rutscht. Das vordere Kreuzband verhindert, dass der Unterschenkel im Verhältnis zum Oberschenkelknochen nach vorne rutscht. Die Kreuzbänder stellen sicher, dass die Gelenkflächen im richtigen Verhältnis zueinander liegen.

Von allen Verletzungen des Kreuzbands entfallen ca. 10 % auf das hintere Kreuzband und 90 % auf das vordere Kreuzband.

Ursachen

Meistens treten Verletzungen des hinteren Kreuzbandes im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen auf, wenn der Unterschenkel beim Aufprall gegen das Armaturenbrett stößt. Diese Art der Verletzung ist außerdem häufig bei Sportarten wie Fußball, Basketball, Handball und Skifahren. Bei Schienbeinverletzungen kommt es häufig zu Kreuzbandschäden. Es bedarf relativ großer Kräfte, um das hintere Kreuzband zu zerreißen, weswegen häufig noch weitere Verletzungen mit der Schädigung dieses Kreuzbandes einhergehen.

Eine Verletzung des hinteren Kreuzbands kann vollständig oder teilweise sein. Damit ist ein Teilabriss oder kompletter Abriss des hinteren Kreuzbands gemeint.

Symptome

Häufig liegt ein typischer Verletzungsmechanismus vor, wie ein Schlag auf den vorderen Teil des Unterschenkels. Die Symptome sind sofort einsetzende starke Schmerzen im Knie, oft die Schwellung des Kniegelenks und ein instabiles Gelenk. In einigen Fällen sind die Beschwerden nicht so stark, und viele Betroffene können mit einer solchen Verletzung noch einige Zeit gehen, ohne etwas zu bemerken.

Eine chronische hintere Kreuzbandverletzung kann in den folgenden Situationen zu Beschwerden führen:

  • In halb gebeugter Position, z. B. wenn man eine Treppe hinauf- oder hinuntergeht.
  • Wenn man beginnt zu laufen.
  • Wenn man ein Gewicht hebt.
  • Wenn man längere Distanzen geht.

Schmerzen auf der Rückseite der Kniescheibe, ein geschwollenes und steifes Kniegelenk, ein instabiles Gefühl im Gelenk und Schmerzen entlang der Gelenkspalte auf der Innenseite des Knies können zudem auf einen chronischen Zustand hindeuten.

Diagnostik

Der Arzt stellt die Diagnose auf Grundlage der Anamnese und körperlichen Untersuchung. Bei der Untersuchung des Knies wird die Stabilität und Beweglichkeit des Kniegelenks getestet. Dies kann in der akuten Phase aufgrund der starken Schmerzen schwierig sein, sodass häufig nach drei bis vier Tagen eine erneute Untersuchung stattfindet.

Wenn der Allgemeinarzt diese Art der Verletzung vermutet, werden Sie für weitere Untersuchungen an einen Facharzt (Orthopäde) überwiesen. Hier werden weitere Tests des Kniegelenks durchgeführt, und es werden außerdem Röntgen- oder Magnetresonanztomografie-Aufnahmen (MRT-Aufnahmen) angefertigt. Die MRT ist besonders nützlich, um mehrere zusammenhängende Verletzungen aufzudecken. In einigen Fällen wird das Knie minimal-invasiv untersucht, um sich das Kreuzband direkt anzusehen (Arthroskopie).

Behandlung

Unmittelbar nach der Verletzung sind Erste-Hilfe-Maßnahmen nach folgendem Schema wichtig: PECH – Pause, Eis, Compression und Hochlegen. Das bedeutet, dass der Patient ruhig liegt, das Bein hochlegt und das Knie mit Eis gekühlt wird. Es kann auch erforderlich sein, ein entzündungshemmendes Medikament zu verwenden, um die Schmerzen zu lindern und den Schaden zu begrenzen (nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR). In vielen Fällen ist dies eine ausreichende Primärbehandlung, also die Behandlung, die nach den Ersten-Hilfe Maßnahmen zunächst erfolgt. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte, am besten unter Anleitung durch Physiotherapeuten, allmählich mit einem Training begonnen werden, um die Muskeln um das Gelenk herum zu stärken.

Die konservative Behandlung mit Entlastung und begrenzten Aktivitäten ist in der Regel die Primärbehandlung. Einige Verletzungen des hinteren Kreuzbands werden von selbst heilen. Die Rehabilitation nach einer Verletzung des hinteren Kreuzbands dauert in der Regel länger als bei einer Verletzung des vorderen Kreuzbands.

Insbesondere bei Sportlern und Menschen, die körperlich arbeiten, wird man es vorziehen, das Knie zu operieren. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass das Training eine lange Zeit in Anspruch nimmt, und dass diese Patientengruppe schneller ein vollständig stabiles Knie benötigt als die meisten anderen Menschen. Zusammenhängende Verletzungen, bei denen mehrere Strukturen des Kniegelenks beschädigt sind, sollten sofort operiert werden. Das gleiche gilt für Menschen, die trotz adäquater konservativer Behandlung anhaltende Knieschmerzen haben. Insgesamt werden 30–50 % der Patienten mit einer Verletzung des hinteren Kreuzbands operiert.

 

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Knie, Läsion an Bändern, Kreuzband und Meniskus

Prognose

Die meisten Patienten werden durch die Behandlung gesund. Es besteht eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Langzeitprognose, weil die angewendeten Operationstechniken relativ neu sind. Um beurteilen zu können, wie gut die Ergebnisse langfristig sind, ist eine gewisse Beobachtungsdauer erforderlich. Unabhängig davon ist es wichtig, dass Sie nach der Behandlung mit einem sich langsam steigernden Training beginnen. Das Wichtigste ist die Stärkung der Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps, M. quadriceps femoris), damit diese das Kniegelenk unterstützen und schützen kann.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kreuzbandverletzung, hinteres Kreuzband. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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